30 Jahre IT-BUSINESS Wenn Fiktion Realität wird...

Tablet, Smartphone, Hologramme oder Sprachassistenten: Lange bevor diese Geräte tatsächlich gebaut wurden, haben Literatur und Filme sie bereits zum Leben erweckt. Wir fassen die größten Verwirklichungen von Science-Fiction-Träumen für Sie zusammen.

Firmen zum Thema

Was in Science-Fiction-Literatur und -Filmen bereits existiert, liefert oft eine Vorlage für reale Entwicklungen.
Was in Science-Fiction-Literatur und -Filmen bereits existiert, liefert oft eine Vorlage für reale Entwicklungen.
(Bild: © grandfailure - stock.adobe.com)

Literatur und Film laden nicht nur zum Träumen ein, sondern bieten eine Spielwiese für (Gedanken-) Experimente: Wie wird die Welt in 100 Jahren aussehen? Und wie könnten Menschen in bestimmten zukünftigen Situationen handeln? Ein altbekanntes Motiv ist das des künstlichen Menschen. Seit der Antike ist die Menschheit fasziniert von der Erschaffung von Leben und der Verbesserung des Menschen, sei es der Golem aus einer altjüdischen Sage oder Frankensteins Monster aus Mary Shellys Schauerroman. Und noch immer bevölkern Roboter, Cyborgs oder Androiden unzählige Romane und Filme.

Doch der künstliche Mensch entsteigt immer mehr der Fiktion und wird Teil unserer Wirklichkeit, wenn Autos schon von selbst fahren und beispielsweise „Pepper“ die Pflege von alten Menschen übernimmt. Dadurch rücken auch ethische Fragen in den Fokus. Was unterscheidet eine menschenähnliche Maschine von einem „echten“ Menschen? Gehört eine Prothese zum Körper? Ist ein Exoskelett eines Schlaganfallpatienten Teil seiner Persönlichkeit, oder nicht?

Über die möglichen Gefahren für Menschen durch Roboter sowie eine Maschinenethik fängt nun auch die Politik an sich Gedanken zu machen. Bereits 2019 hat eine EU-Expertengruppe ethische Richtlinien aufgestellt, mit dem Ziel, eine „vertrauenswürdige KI“ zu schaffen. Als Inspiration für die Ethik-Leitlinien dienten Issac Asimovs Gesetze der Roboter. Doch funktioniert Verantwortung ohne Emotionen? Und ist es überhaupt möglich eine Maschine zu entwickeln, die empfindet? Liegt die Verantwortung nicht eher beim Hersteller alias Schöpfer, wie viele literarische Beispiele uns immer wieder vor Augen führen? Eine Initiative, die in diesem Zusammenhang in den letzten Jahren aufkam, ist: „Ethics by Design“.

Ergänzendes zum Thema
Asimovs Robotergesetze

1. Ein Roboter darf einem menschlichen Wesen keinen Schaden zufügen oder durch Untätigkeit zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.

2. Ein Roboter muss den Befehlen gehorchen, die ihm von Menschen erteilt werden, es sei denn, dies würde gegen das erste Gebot verstoßen.

3. Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, solange solch ein Schutz nicht gegen das erste oder zweite Gebot verstößt.

0. Ein Roboter darf der Menschheit keinen Schaden zufügen oder durch Untätigkeit zulassen, dass der Menschheit Schaden zugefügt wird.

Eine Lösung haben wir derzeit noch nicht, obwohl die Debatten und Probleme, die wir nun anfangen zu behandeln, Science-Fiktion-Autoren bereits in ihren Werken thematisiert haben. Schließlich fungiert die Fiktion als Blaupause für Innovationen. Immerhin wurden zahlreiche technische Entwicklungen aus Literatur und Film in der Zwischenzeit verwirklicht.

1920: Geburt des Roboters

Geschichten über künstliche Menschen gibt es seit Beginn der Menschheit.
Geschichten über künstliche Menschen gibt es seit Beginn der Menschheit.
(Bild: © paul - stock.adobe.com)

Der tschechische Schriftsteller Karel Čapek verwendet in seinem Theaterstück „Rossums Universal Robots“ (1920) das erste Mal den Begriff „robot“. Damit werden künstliche Menschen bezeichnet, die als billige und rechtlose Arbeiter eingesetzt werden. Menschenähnliche Maschinen wandeln noch nicht unter uns, doch Roboter, die Teile unserer Arbeit automatisiert übernehmen, gehören bereits zu unserem Alltag.

1949: Big brother is watching you...

Überwachung ist ein zentrales Motiv in George Orwells dystopischem Roman „1984“.
Überwachung ist ein zentrales Motiv in George Orwells dystopischem Roman „1984“.
(Bild: © rolffimages - stock.adobe.com)

George Orwells Bestseller „1984“ beschreibt einen totalitären Staat. Ein Motiv des Romans ist die Überwachung und ähnlich wie in der Fiktion ist Videoüberwachung heuteüberall in unserem Alltag zu finden: an öffentlichen Plätzen, Bahnhöfen und Supermärkten. Eine Haupttechnologie der Dystopie ist der sogenannte „telescreen“, ein Gerät ähnlich unserem heutigen Fernseher. Jedoch kann er im Gegensatz zu unseren heutigen TV-Geräten nicht ausgeschaltet werden und fungiert darüber hinaus als Überwachungskamera. Den Fernseher hat Orwell damit nicht prophezeit, jedoch die Idee einer Überwachungsinstanz in den eigenen vier Wänden.

1960: Mensch und Maschine verschmelzen

Kalender, Navi, Schrittzähler, Zugang zu weltweitem Wissen, Musikplayer und Kommunikationsgerät: Das Smartphone ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken und manch einer ist bereits mit seinem Device verschmolzen. Doch ist nun ein Großteil der Bevölkerung ein Cyborg? Der Begriff beschreibt allgemein halb Mensch, halb Maschine und steht kurz für „cybernetic organism“. Folglich ist ein Cyborg ein Lebewesen, das technisch ergänzt oder erweitert wurde. Reicht ein Smartphone schon aus, um ein Cyborg zu sein? Vorweg: Wie hoch der technische Anteil sein muss, ist nicht eindeutig definiert. Natürlich werden künstliche Implantate oder bionische Prothesen eher mit einem Cyborg assoziiert. Nichtsdestotrotz erweitert Technik unseren Körper und sei es nur ein implantierter Chip in der Hand, um die Haustüre aufzuschließen.

Fun fact am Rande: Manfred Clynes und Nathan Klines erwähnten den Begriff Cyborg das erste Mal 1960 in ihrem Artikel „Cyborgs and Space” in dem Magazin Astronautics. Das war noch bevor der erste Mann auf dem Mond landete.

1964: Stanislaw Lem: Nanotechnologien und KI

Die Nanotechnologie befasst sich mit Strukturen und Prozessen im Nanometerbereich. Dort haben Stoffe neue Eigenschaften.
Die Nanotechnologie befasst sich mit Strukturen und Prozessen im Nanometerbereich. Dort haben Stoffe neue Eigenschaften.
(Bild: © sdecoret - stock.adobe.com)

Bereits 1964 schrieb der polnische Autor Stanislaw Lem den Roman „Der Unbesiegbare“, in dem winzige Roboter, die sich zu größeren Einheiten vereinen können, den Endpunkt der technologischen Evolution eines Planeten bilden. Diese Idee der Nanotechnologie nimmt Lem in späteren Büchern wieder auf, etwa dem 1986 erschienen „Frieden auf Erden“. Lem beschäftigte sich auch intensiv mit Kybernetik und schilderte schon Anfang der 1980er-Jahre das Konzept einer KI, die eher die Instinkte von Tieren nachbildet, als das bewusste Denken des Menschen. Damit kommt er dem, was wir heute unter Künstlicher Intelligenz verstehen, verblüffend nahe.

1966: Star Trek und die reziproke Archäologie

Das Holodeck ist nur ein Beispiel für Gegenstände, die die Fernsehserie StarTrek erfunden hat.
Das Holodeck ist nur ein Beispiel für Gegenstände, die die Fernsehserie StarTrek erfunden hat.
(Bild: © tsuneomp - stock.adobe.com)

„Heghlu'meH QaQ jajvam!“ sagt ein Star-Trek-Nerd im Klingonen-Kostüm zum anderen beim Losfahren zur Star-Trek-Convention. Das ist klingonisch, bedeutet „Heute ist ein guter Tag zu Sterben!“ und genau der richtige Spruch, um in ein Abenteuer zu starten.

Der Star-Trek-Gemeinde entsprang viel Bemerkenswertes und Skurriles. Dass Marc Okrand im Auftrag der Filmgesellschaft Paramount eine eigene Sprache konstruierte, ist nur ein Beispiel von vielen.

Es gibt auch gute Gründe anzunehmen, dass die Macher von Star Trek mit ihren Ideen viele technische Entwicklungen – vor allem in der IT – inspiriert haben. Getreu dem Spruch des US-amerikanischen Schriftstellers Clifton Fadiman: "Science Fiction ist eine Art Archäologie der Zukunft.“

Die aufklappbaren Kommunikatoren könnten die Produktdesigner der später in Erscheinung getretenen Klapphandys inspiriert haben. „Auf den Schirm!“ – und es erscheint der gegnerische Flottenkommandant auf dem Hauptschirm des Raumschiffes. Das erinnert an Zoom- oder Teams-Videokonferenzen. Am „Tricorder“ wird gerade gearbeitet: Smartphones mit entsprechenden Apps zur Ultraschalluntersuchung sind in der Mache. Auch am Universalübersetzer wird gewerkelt. Gegenwärtig übersetzt dieser zwar noch nicht in Echtzeit wie im Film, aber immerhin gibt es Apps mit Diktier-, Translation- und Vorlesefunktion für die Übersetzungen. Auch Notebooks und Tablets könnte als Star-Treck-Idee verortet werden, da diese Geräteklassen dort zunächst fiktional zu finden waren, bevor sie Realität wurden.

1968: Odyssee mit Sprachassistent

Der Sprachassistent HAL 9000 wird im Film als eine rote Lampe dargestellt.
Der Sprachassistent HAL 9000 wird im Film als eine rote Lampe dargestellt.
(Bild: © tiero- stock.adobe.com)

Computer, schalte das Licht aus!“ Antwort: „Nein. Ich habe Angst im Dunkeln.“ Der Sprachassistent unseres Vertrauens befolgt im Rahmen seiner Möglichkeiten meist unsere Befehle. Emotionen äußert er wohl eher nicht. Der Bordcomputer aus Stanley Kubriks „2001: Odyssee im Weltraum“ gibt hingegen vor, Angst zu haben, als er abgeschaltet werden soll.

Der Film beschreibt die Forschungsreise von fünf Wissenschaftlern zum Planeten Jupiter. Gesteuert wird das Raumschiff Discovery von dem Bordcomputer HAL 9000. Die Künstliche Intelligenz, als ein rotes Kameraauge mit Lautsprechern dargestellt, entpuppt sich jedoch als selbstbewusst, emotional und vor allem neurotisch. Verärgert reagieren heutzutage vielmehr die Nutzer, wenn Sprachassistenten oder Chatbots uns einfach nicht verstehen wollen.

1977: Star Wars, Star Trek und die Holografie

Darth Vader ist einer der bekanntesten Cyborgs der Filmgeschichte.
Darth Vader ist einer der bekanntesten Cyborgs der Filmgeschichte.
(Bild: © Stefano Buttafoco / nnerto)

„Star Trek“ ist Science Fiction und „Star Wars“ ist Phantasie. Doch auch im Star-Wars-Universum könnte so manche Idee geboren worden sein, die Tüftler und Techniker inspirierte. Bestes Beispiel: Die holografische Übertragung. So präsentierten damals Cisco-CEO John Chambers und sein Senior Vice President für Emerging Technologies, Marthin DeBeer, sichtlich stolz am 9. November 2007 einen funktionsfähigen Prototypen einer holografischen Videokonferenzlösung im Rahmen der Eröffnung der Cisco-Zentrale für den Fernen Osten im indischen Bangalore. Allerdings könnte auch das Holodeck aus Star Trek Ideengeber gewesen sein.

1979: Die Antwort lautet 42

Was ein Handtuch, die Zahl 42 und ein Supercomputer gemeinsam haben? Sie alle spielen eine wichtige Rolle in „Per Anhalter durch die Galaxis“. Das Werk von Douglas Adams zeichnet sich durch seinen schrägen Humor, skurrilen Inhalt aber auch durch teils krude, teils clevere und teils fantastische Apparate und Gadgets aus. Damals noch undenkbar, sind einige davon heute schon Realität. So gab es in der ursprünglichen Hörspielserie aus dem Jahr 1978 ein Äquivalent der heutigen Internetlexika, einen biometrischen Reisepass beziehungsweise eine digitale Smart-ID-Karte (den „Ident-i-Fix“) sowie den Vorgänger maschinenbasierter Übersetzungssysteme (den berühmten „Babel Fish“). Auch eBooks, Sprach- und Heimassistenten sowie Touchscreens und Gestensteuerung kamen im Kultfilm bereits zum Einsatz.

1979: Der Traum der Unsterblichkeit

Der Kälteschlaf ist im Science-Fiction-Genre während intergalaktischer Reisen völlig normal. In der Realität steckt diese Technologie noch in den Kinderschuhen.
Der Kälteschlaf ist im Science-Fiction-Genre während intergalaktischer Reisen völlig normal. In der Realität steckt diese Technologie noch in den Kinderschuhen.
(Bild: © vectorpouch - stock.adobe.com)

Unsterblichkeit ist wohl einer der ältesten Träume der Menschheit und bereits seit 1979 möglich – zumindest im Science-Fiction-Genre. Was in der Science-Fiction-Reihe Alien während intergalaktischer Reisen völlig normal ist, funktioniert aktuell lediglich mit einfachen Lebensformen wie Fadenwürmern. Dennoch haben bereits 181 Menschen ihr „Leben“ dem US-Unternehmen Alcor Life Extension Foundation und somit dem Kälteschlaf – auch Kryonik genannt – anvertraut und warten auf das Auferwecken durch die Medizin der Zukunft. Alcor unterbricht den Sterbeprozess eines Körpers mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, um irgendwann in der Zukunft, mit noch nicht vorhandener Medizintechnik, den Körper wiederherzustellen.

Doch nicht nur der Kälteschlaf, auch medizinische Prothesen, Exoskelette und Operationsroboter kommen in der Alien-Reihe zum Einsatz und sind heute schon Realität.

1982: KFZ mit Witz

„Ein Auto, ein Computer, ein Mann!“ Das sprechende Auto K.I.T.T. ist der Start der Fernsehserie Knighr Rider.
„Ein Auto, ein Computer, ein Mann!“ Das sprechende Auto K.I.T.T. ist der Start der Fernsehserie Knighr Rider.
(Bild: © TheeCleveland)

K.I.T.T. ist intelligent, humorvoll und hat eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Michael Knights treue Begleiterin im Kampf für die Gerechtigkeit ist ein sprechendes mit künstlicher Intelligenz ausgestattetes Auto. Der Turbo-Boost-Knopf, um blitzschnell über Hindernisse zu springen, wurde bisher noch nicht in Sportwagen verbaut, dafür erleichtern Fahrassistenz-Systeme seit einigen Jahren unser Leben und auch autonomes Fahren ist bereits auf dem Vormarsch. Und wie steht es um die Kommunikation? Tesla hat erst kürzlich auf Twitter ein Video mit einem sprechenden Auto gezeigt. Die Lautsprecher zur Warnung von Tieren wurden hierfür umprogrammiert. Bisher fehlt aber noch der Witz des Wunderwagens der 80er.

1984: Cyberpunk und die Vision vom Internet

Datenpiraten treiben in Vruce Sterlings Roman „Inseln im Netz“ ihr Unwesen.
Datenpiraten treiben in Vruce Sterlings Roman „Inseln im Netz“ ihr Unwesen.
(Bild: © grandfailure - stock.adobe.com)

1984 steckte das Internet noch tief in den Kinderschuhen. Im selben Jahr veröffentlichte William Gibson den Roman „Neuromancer“, in dem sich Hacker mittels im Gehirn implantierter Chips und Kabel direkt mit dem weltweiten Netz verbinden, das in Form eines virtuellen Raumes in ihrer Wahrnehmung erscheint. In dieser Zukunft, die unsere Gegenwart geworden ist, haben multinationale Konzerne das Sagen und intelligente KIs spinnen ihre Intrigen. Von Gibson stammt ebenfalls der Begriff „Cyberspace“, der in die IT-Folklore eingegangen ist. Die Technologien in Neuromancer sind zwar immer noch Science Fiction, aber sie haben nicht nur Computerspiele, Literatur und Film geprägt, etwa die Matrix-Trilogie, sondern Entwicklungen wie VR oder Second Life.

Gibson war seinerzeit ein wichtiger Protagonist einer Science-Fiction-Gattung, die als „Cyberpunk“ bezeichnet wird und auch heute noch Wirkung zeigt, etwa mit dem aktuellen Computerspiel „Cyberpunk 2077“. Ein anderer war Bruce Sterling, der 1988 mit „Inseln im Netz“ eine Welt des Jahres 2020 beschreibt, in der die Menschen mittels E-Mail, Videokonferenzen und Uhrentelefon in einem weltweiten Netz kommunizieren und in dem Datenpiraten ihr Unwesen treiben. Damit, dass 2020 das Erdöl bereits ausgegangen ist, lag Sterling zwar falsch, von den autonomen Elektrotaxis in seinem Buch sind wir aber nicht weit entfernt. Auch die Verwandlung in Cyborgs oder Nanotechnologie waren bereits Themen der Cyberpunk-Autoren.

1985: 21. Oktober 2015, 16:29 Uhr

Das schwebende Hoverboard aus der Filmreihe „Zurück in die Zukunft“ gibt es bereits, es funktioniert allerdings nur auf speziellen magnetischen Böden.
Das schwebende Hoverboard aus der Filmreihe „Zurück in die Zukunft“ gibt es bereits, es funktioniert allerdings nur auf speziellen magnetischen Böden.
(Bild: © Lexus)

Der 21. Oktober 2015 schrieb Geschichte – zumindest Filmgeschichte. Unzählige Menschen auf der ganzen Welt fieberten diesem Datum entgegen, und um 16:29 Uhr war es dann endlich soweit: Marty McFly und Doc Brown landeten in unserem (bereits vergangenem) Jetzt, welches damals 30 Jahre in der Zukunft lag. Smarte Brillen, Hoverboards und selbstschnürende Schuhe – es schien, als ließen die Filmemacher ihrer Fantasie freien Lauf; einige Ideen haben sich dennoch bewahrheitet. So kommunizierten die Menschen in den Filmen ganz selbstverständlich per Videotelefonie, hatten Flachbildschirme und Videobrillen, was Mitte der 80er noch nicht absehbar war. Auch Sprachsteuerung im Alltag war in den Filmen bereits Realität.

Sogar Martys selbstschnürende Schuhe und das berühmte Hoverboard sind nicht länger Zukunftsmusik. Der Sportartikelhersteller Nike präsentierte bereits 2015 Turnschuhe, die sich zwar nicht wie aus Geisterhand automatisch schnüren, sich jedoch die Schnürsenkel per Knopfdruck zuziehen und wieder lösen. Auch schwebende Hoverboards gibt es, die allerdings nur auf speziellen Böden funktionieren, wie der Magnetschwebe-Prototyp von Lexus.

1987: Militärische Allzweckwaffe für mehr Sicherheit

Der autonome Polizeiroboter Chappie wird im gleichnamigen Film seinen Machern eine Spur zu autonom.
Der autonome Polizeiroboter Chappie wird im gleichnamigen Film seinen Machern eine Spur zu autonom.
(Bild: © 2015 Columbia Pictures Industries, Inc., LSC Film Corporation and MRC II Distribution Company LP. All Rights Reserved)

Obwohl die Anzahl registrierter Straftaten laut dem Bundeskriminalamt in Deutschland sinkt, wurden 2019 rund 5,44 Millionen erfasst. Lediglich 57,5 Prozent aller Straftaten wurden aufgeklärt. Blickt man in andere Länder, sind die Zahlen noch erschreckender. Durch den Einsatz von Polizeirobotern, sogenannten RoboCops oder auch Scouts genannt, wollten der Konzern OCP sowie der Waffenhersteller Tetravaal die Kriminalität in den Griff bekommen. So vereint RoboCop im gleichnamigen Film „die schnellsten Reflexe, die die moderne Technologie anzubieten hat, ein computergestütztes Gedächtnis und eine lebenslange Programmierung.“ Eine ideale, militärische Universalwaffe war geboren.

Dubais RoboCops sind mit Gesichtserkennung, einer Live-Bild-Übertragung und einem integrierten Touchpad mit verschiedenen Servicefunktionen ausgestattet.
Dubais RoboCops sind mit Gesichtserkennung, einer Live-Bild-Übertragung und einem integrierten Touchpad mit verschiedenen Servicefunktionen ausgestattet.
(Bild: © PAL Robotics)

Während RoboCop in Denver und Chappie, beziehungsweise seine Scout-Kollegen in Johannesburg für Recht und Ordnung sorgen, hat sich auch die (reale) Polizei in Dubai menschenähnliche Roboter ins Team geholt. Dubais RoboCops sind 1,70 Meter groß, 100 Kilogramm schwer und erinnern durch ihre menschenähnliche Statur durchaus an einen echten Polizisten. Im Rahmen der „Smart Dubai“-Kampagne streifen die uniformierten sowie unbewaffneten Roboter-Polizisten, ausgerüstet mit Gesichtserkennung, einer Live-Bild-Übertragung und einem integrierten Touchpad mit verschiedenen Servicefunktionen, durch die Straßen der Stadt. Laut Reuters sollen bis 2030 25 Prozent des Streifendienstes in Dubai durch RoboCops ersetzt werden.

2008: Der Letzte leert die Mülltonne aus

ROAR: Nicht ganz so süß wie WALL-E, aber vielleicht genauso effektiv?
ROAR: Nicht ganz so süß wie WALL-E, aber vielleicht genauso effektiv?
(Bild: © Volvo Group)

Unglaublich neugierig, ein kleines bisschen einsam und hoffnungslos romantisch: Der Waste Allocation Load Lifter – Earth Class, auch besser bekannt unter dem Namen WALL-E, ist ein Roboter, der im Jahr 2105, während die Menschheit in einem riesigen Raumschiff ihr Dasein fristet, die im Müll ertrinkende Erde säubert. Während der tollpatschige Roboter 700 Jahre lang sein Tagewerk vollbringt, entwickelt er einen winzig kleinen, aber entscheidenden „Defekt“: ein Bewusstsein.

Von diesem „Defekt“ sind wir zwar noch weit entfernt, doch tummeln sich schon zahlreiche Serviceroboter auf Erden. Allein in Deutschland besitzt laut dem Digitalverband Bitkom jeder Fünfte einen Haushaltsroboter – Tendenz steigend. Einen Roboter, der WALL-E wohl am nächsten kommt, ist der Robot-based Autonomous Refuse handling, kurz ROAR. ROAR entstand aus einem Projekt der Volvo Group. Der Roboter hat die Aufgabe Mülltonnen automatisch zu finden, einzusammeln und auszuleeren. Somit ist ROAR wie WALL-E darauf programmiert den Planeten von Müll zu befreien.

Zwar haben weder ROAR noch unsere Serviceroboter einen „Defekt“, der ihnen zu einer eigenen Persönlichkeit verhilft und sie menschlich handeln lässt, jedoch hat jeder fünfte Roboternutzer (19 %) dem Bitkom zufolge seinem Haushaltsgehilfen einen Namen gegeben. Die häufigsten Namen leiten sich von der Funktion des Roboters ab, wie beispielsweise Saugi, Dusti oder Mähi. Etwas kreativer sind Namen, die die Unterstützung im Haushalt betonen, etwa Helferli, Hauself oder Heinzelmann. Eine dritte verbreitete Namenskategorie sind Anspielungen auf bekannte Roboter wie R2D2 oder KITT – oder wie wäre es mit WALL-E?

(ID:47291864)

Über den Autor

 Ann-Marie Struck

Ann-Marie Struck

Redakteurin, Vogel IT-Medien