30 Jahre IT-BUSINESS Was interessiert mich mein Geschäftsmodell von gestern?

Im Kontext der Digitalisierung wird häufig davon geredet, dass sich Unternehmen transformieren müssen. Doch ist das Phänomen wirklich neu? Wir zeigen stellvertretend einige Beispiele von Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell – manchmal sogar mehr als einmal – auf den Kopf gestellt haben.

Firmen zum Thema

Unternehmen kommen und gehen – die Wenigen die am Markt bestehen, reagieren ununterbrochen auf die sich verändernden Marktbedingungen.
Unternehmen kommen und gehen – die Wenigen die am Markt bestehen, reagieren ununterbrochen auf die sich verändernden Marktbedingungen.
(Bild: freshidea - stock.adobe.com)

In der ITK-Branche standen Hersteller, Fachhändler, Dienstleister und Distributoren schon immer vor der Notwendigkeit, auf Marktveränderungen zu reagieren und sich an neue Gegebenheiten anzupassen. Manchmal haben sie dabei sogar ihre Rolle gewechselt oder eine ganz neue kreiert. Nicht immer wird das frühere Geschäftsmodell zugunsten des neuen aufgegeben, wie das etwa Nokia mit der vielzitierten Produktion von Gummistiefeln getan hat, die heute Geschichte ist. Mitunter füllt ein Unternehmen zwei Rollen aus, so wie beispielsweise der E-Commerce-Riese Amazon, der mit der Sparte AWS heute auch der weltgrößte Cloud Provider ist.

Nokia: Paperi, Kumisaapas und Sähkökaapeli

Nokia verdiente sein Geld anfangs mit Papier-, Gummi- und Elektrokabelprodukten.
Nokia verdiente sein Geld anfangs mit Papier-, Gummi- und Elektrokabelprodukten.
(Bild: Nokia)

Zur Selbstkrönung laden zahlreiche Unternehmen, doch nur wenige dürfen sich tatsächlich Weltmarktführer nennen. Der Telekommunikationskonzern Nokia zählt(e) zu dieser seltenen Spezies. Von 1998 bis 2011 stand das finnische Unternehmen an der Spitze der Mobiltelefonhersteller.

Ursprünglich stammt der Konzern aus einer ganz anderen Branche: Paperi (Papier), Kumisaapas (Gummistiefel) und Sähkökaapeli (Elektrokabel) waren das Brot- und Buttergeschäft der Firma. 1865 gründete Fredrik Idestam eine ­Papierfabrik im Südwesten Finnlands. Einige Jahre später kommt eine zweite am Fluss Nokianvirta hinzu – die Firma Nokia war geboren. Ab den 1910er-Jahren arbeitete Nokia mit den Firmen ­Suomen Gummitehdas (Finnische Gummi-Werke) und Suomen Kaapelitehdas (Finnische Kabelwerke) zusammen. 1967 fusionierten die drei Firmen – der Grundstein für das künftige Technologieunternehmen war gelegt, wenngleich die vier Geschäftsbereiche des Konzerns zunächst noch aus Papier, Elektronik, Gummi und Kabel bestanden.

Der Aufstieg zum weltgrößten Handyhersteller beginnt in den 80er Jahren. Nokia produziert Autotelefone, ab 1987 auch tragbare Mobiltelefone. Rund zehn Jahre später sind die Finnen auf dem Zenit angekommen und lassen Mitbewerber wie Ericsson, Motorola und Alcatel weit hinter sich. 2007 wendet sich das Blatt: Konkurrent Apple tritt auf den Plan und Nokias Stern beginnt zu sinken, bis Nokia seine ehemals erfolgreiche Mobilfunksparte am 3. September 2013 an Microsoft verkauft.

Arrow: Anfänge in der New Yorker Radio Row

Die Geschichte von Arrow begann 1935 als Ladengeschäft in der New Yorker Radio Row.
Die Geschichte von Arrow begann 1935 als Ladengeschäft in der New Yorker Radio Row.
(Bild: Quelle: Berenice Abbott (gemeinfrei))

Arrow Electronics wurde 1935 als Radioladen in Manhattan gegründet und blieb lange als Einzelhändler aktiv. Erst seit den 50er-Jahren widmete sich das Unternehmen auch dem Großhandel mit elektronischen Komponenten. Nachdem 1968 eine Investorengruppe eingestiegen war, setzte in den 70er-Jahren der Wandel ein. Der Elektronikspezialist stieg aus dem Einzelhandel aus und konzentriert sich seither ganz auf die Distribution. In den 80er-Jahren dehnte das Unternehmen sein Geschäft von der Elektronik auf die IT aus. Außerdem leitete es die internationale ­Expansion ein und kam 1985 erstmals auf den deutschen Markt. Damals beteiligte sich Arrow am hessischen Elektronikgroßhändler Spoerle. In der IT-Distribution engagiert sich der US-Konzern hierzulande seit Ende 2005, als er den VAD DNS aus Fürstenfeldbruck übernahm. Arrow ist heute in mehr als 80 Ländern präsent. Vom Jahresumsatz in Höhe von rund 29 Milliarden Dollar entfallen 30 Prozent auf IT und 70 Prozent auf Elektronik.

TecRacer: Küchen und Wolken

Sven Ramuschkat hat TecRacer zum führenden deutschen Partner von AWS aufgebaut. Er startete jedoch seinen beruflichen Erfolg mit Warenwirtschaftssystemen für Großküchen und Catering-Dienstleister.
Sven Ramuschkat hat TecRacer zum führenden deutschen Partner von AWS aufgebaut. Er startete jedoch seinen beruflichen Erfolg mit Warenwirtschaftssystemen für Großküchen und Catering-Dienstleister.
(Bild: LIGHTFIELD STUDIOS - stock.adobe.com)

Sven Ramuschkat hat TecRacer zum führenden deutschen Partner von AWS aufgebaut. Doch bis dahin war es ein langer Weg. Noch als Student gründete er 1990 gemeinsam mit seinem Kommilitonen Markus Herrlich in Hannover das ­Unternehmen Herrlich & Ramuschkat, das bis heute Warenwirtschaftssysteme für Großküchen und Catering-Dienstleister unter dem Namen MBS5 entwickelt.

In den 90er-Jahren beschäftigten sich die Freunde verstärkt mit Internettechnologien, und das Unternehmen machte sich als Adobe-Partner einen Namen. TecRacer entstand 1999 als dedizierte Einheit iRacer, die sich der Entwicklung von Web-Anwendungen widmete. 2006 wurde daraus eine eigene Gesellschaft. Schließlich entdeckte Ramuschkat in der Cloud sein großes Thema, das ihn seither nicht mehr losließ. 2011 nahmen die Hannoveraner die Zusammenarbeit mit AWS auf. Heute beschäftigt TecRacer mehr als 100 Mitarbeiter und betreut weltweit 450 Kunden, hauptsächlich im Cloud-Geschäft.

AWS: Online-Händler baut ein zweites Standbein auf

Werner Vogels, CTO bei Amazon, machte Schluss mit der Legende über die Entstehung von Amazon Web Services (AWS).
Werner Vogels, CTO bei Amazon, machte Schluss mit der Legende über die Entstehung von Amazon Web Services (AWS).
(Bild: Michael Hase)

Amazon ist nicht nur der weltgrößte Online-Händler. Seit 2006 hat sich der Internetriese ein zweites Standbein als Cloud Provider aufgebaut. Einer Erzählung zufolge entstand Amazon Web Services (AWS), weil ein kluger Kopf auf die Idee kam, übers Jahr brachliegende Server- und Storage-Ressourcen zu vermieten. Denn der E-Commerce-Anbieter hatte seine Infrastruktur so großzügig ausgelegt, dass die Systeme auch unter der Spitzenlast des Weihnachtsgeschäfts stabil liefen. Klingt witzig, ist aber eine Legende. „Es ging nie darum, überschüssige Kapazitäten zu verkaufen“, stellte Werner Vogels, CTO von Amazon, schon vor Jahren richtig. „Tatsächlich hätte AWS schon innerhalb von zwei Monaten nach dem Start die Überkapazitäten von Amazon.com aufgebraucht.“ Der US-Konzern rief Cloud Computing 2003 als eigenständiges Projekt ins Leben, an dem seither ein Forschungsteam intern arbeitete. Drei Jahre später ging AWS als eigenständiger Geschäftsbereich an den Markt. Ziel war es, Entwicklern skalierbare Umgebungen bereitzustellen, ohne dass sie dafür Hardware beschaffen und einrichten müssen. Vogels hatte damals schon die Vision, die Cloud-Sparte könne eines Tages so groß werden wie das Handelsgeschäft von Amazon.

Deutsche Telekom: die Privatisierung einer Bundesbehörde

Die Deutsche Telekom, die bis dahin als „Deutsche Bundespost Telekom“ eine öffentlich-rechtliche Organisation war, wurde am 1. Januar 1995 privatisiert.
Die Deutsche Telekom, die bis dahin als „Deutsche Bundespost Telekom“ eine öffentlich-rechtliche Organisation war, wurde am 1. Januar 1995 privatisiert.
(Bild: Deutsche Telekom AG)

Für die Deutsche Telekom war der 1. Januar 1995 ein einschneidendes Datum. An diesem Tag beginnt ­ihre Geschichte als privates Unternehmen: Aus der öffentlich-rechtlichen Organisation „Deutsche Bundespost Telekom“ wurde offiziell eine Aktiengesellschaft. Die rechtliche Grundlage dafür bildete das „Gesetz zur Neuordnung des Postwesens und der Telekommunikation“. Der Privatisierung war ein längerer Reformprozess vorausgegangen. Schon 1989 wurde die Deutsche Bundespost in die Einheiten Post, Postbank und Telekom aufgeteilt. Die Zunahme der mobilen Kommunikation auf Basis des ersten europäischen Standards GSM und das Aufkommen der Internettechnologie in den frühen 90er-Jahren erforderten ein höheres Maß an Agilität, als es einer ­Behörde möglich gewesen wäre. Die Privatisierung war somit ein logischer Schritt. Knapp zwei ­Jahre nach ihrer Gründung ging die Deutsche Telekom am 18. November 1996 mit einem Teil ihrer Aktien an die Börse. Weitere Börsengänge folgten im Juni 1999 und im Juni 2000.

Ebertlang: Vom ISP zum VAD

Volker Lang (l.) und Steffen Ebert, unser Bild stammt von 2009, gehörten in der Distribution zu den Ersten, die Partnern das MSP-Modell nahebrachten.
Volker Lang (l.) und Steffen Ebert, unser Bild stammt von 2009, gehörten in der Distribution zu den Ersten, die Partnern das MSP-Modell nahebrachten.
(Bild: Ebertlang)

Durch ihre Begeisterung für das Internet fanden die beiden Jurastudenten Steffen Ebert und Volker Lang in den 90er-Jahren zusammen. Statt weiter Paragrafen zu pauken, gründeten sie 1995 in Gießen den Internet Service Provider (ISP) Eulink. Neben Zugangsdiensten bot der Dienstleister seinen Kunden auch Mail- und Access-Management-Software von Alt-N und Qbik an. Über die Zeit kristallisierte sich heraus, dass diese Produkte in erheblichem Umfang von Resellern eingekauft wurden. Ebert und Lang begannen damit, den Großhandel konsequent zu betreiben, und Eulink wandelte sich zunehmend zum Distributor. Seit dem Jahr 2006, als die Hessen den Endkundenvertrieb komplett einstellten, firmieren sie als Ebertlang. In der Distribution gehört der Wetzlarer VAD zu den Pionieren, die das Managed-Services-Modell in den Channel einführten. Nach 25 Jahren an der Spitze des Unternehmens zogen sich die Gründer im Februar dieses Jahres aus der Geschäftsführung von Ebertlang zurück.

Brother: ein Familienerbe

Das Unternehmen Brother, das heute vor allem für seine Drucker bekannt ist, hat Wurzeln in den verschiedensten Geschäftsbereichen.
Das Unternehmen Brother, das heute vor allem für seine Drucker bekannt ist, hat Wurzeln in den verschiedensten Geschäftsbereichen.
(Bild: Brother)

Der Beginn der japanischen Brother-Gruppe geht zurück auf das Jahr 1908, als Yasui ­Kanekichi ein Unternehmen zur Reparatur von Nähmaschinen gründete. Später übernahmen seine Söhne das Geschäft und entwickelten bis 1928 hydraulische Maschinen zur Herstellung von Strohhüten. Als Marke symbolisierte der Schriftzug „Brother“ die Zusammenarbeit der beiden Brüder.

In den 1950er-Jahren fertigte das Unternehmen verschiedene Produkte auf Basis der Technologie der Nähmaschinen, wie zum Beispiel Waschmaschinen, elektrische Ventilatoren und Motorräder. Erst 1961 brachte Brother ­eine tragbare Schreibmaschine auf den Markt und 1982 den elektrischen Drucker EP-20.

In Europa begann die Geschichte von Brother im Jahr 1958 in einer angemieteten Halle in ­Irland. 1962 wurde in Hamburg die Brother Maschinengesellschaft gegründet. Mittlerweile beschäftigt Brother weltweit mehr als 37.000 Mitarbeiter.

Eno: Aus Radio Horstmann wird Eno Telecom

Nach dem plötzlichen Tod des Vaters übernehmen (v.l.) Wilhelm, Mutter Aleida und Bernd Horstmann das Unternehmen Radio Horstmann.
Nach dem plötzlichen Tod des Vaters übernehmen (v.l.) Wilhelm, Mutter Aleida und Bernd Horstmann das Unternehmen Radio Horstmann.
(Bild: Eno)

Zwischen Esstisch, Sofa und Gardinen wurde 1950 im Wohnzimmer der Familie Horstmann ein Familienunternehmen gegründet. Während die Ehefrau Aleida Horstmann ab 1954 als Inhaberin des Radiofunkfachgeschäftes im ­eigenen Wohnhaus die Geschicke des Betriebs leitete, arbeitete Bernhard Horstmann in der 20qm großen Garage. Nachmittags machte er sich dann mit seinem älteren Sohn Wilhelm auf den Weg, um die Ware in der Umgebung anzubieten. Verkauft wurden in den 1950ern Radios, Plattenspieler und später auch Schwarzweißfernseher.

Nach dem Unfalltod des Vaters 1968 übernahmen die Brüder Wilhelm und Bernd den Aus- und Aufbau des Unternehmens bis heute in Eigenregie. In der Folge wurde das Geschäft stetig ausgebaut. Nach und nach wurde der Mitarbeiterstamm über die Familie hinaus erweitert.

Trotzdem war 1993 die Zeit für Größeres gekommen: Die Initialzündung dazu gab das Angebot von Motorola zur Exklusivvertretung in Deutschland. Mit den immer größer werdenden Anforderungen im Bereich der Telekommunikation und dem Angebot von Motorola, entschlossen sich die Gebrüder Horstmann 1993 ein eigenes Unternehmen für die Distribution zu installieren. Und so wurde aus Radio Horstmann der bundesweite ITK-Distributor Eno Telecom – von der Röhren- über die Halbleitertechnik bis zu IoT und Blockchain. Der einstige kleine ­Familienbetrieb ist heute ein 400 Mitarbeiter starkes Unternehmen mit einem Jahresumsatz von aktuell gut 250 Millionen Euro.

Iron Mountain: Vom Pilzkönig zum Archivierungsexperten

Nicht nur wichtige Firmendaten und Geschäftsgeheimnisse lagern hinter 1,40 Meter dicken Stahlbetonwänden, auch Kunstschätze wie dieser Monet, befinden sich in der Obhut von Iron Mountain.
Nicht nur wichtige Firmendaten und Geschäftsgeheimnisse lagern hinter 1,40 Meter dicken Stahlbetonwänden, auch Kunstschätze wie dieser Monet, befinden sich in der Obhut von Iron Mountain.
(Bild: Iron Mountain)

In einem Luftschutzbunker mit Einschusslöchern aus dem zweiten Weltkrieg brennt noch Licht. Wer Zutritt über die 750 Kilogramm schwere Stahltür und ein Schleusensystem mit Gesichtsfeldscanner erhält, sieht, was dort hinter 1,40 Meter dicken Stahlbetonwänden lagert: unter anderem Akten und zigtausend Bänder (Tapes) mit wichtigen Firmendaten und Geschäftsgeheimnissen von Banken, Versicherungen, Rechtsanwälten, Industrieunternehmen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.

Ein Thermostat sorgt für gleichbleibende Temperaturen, beispielsweise für Akten exakt 18 Grad Celsius. Im Falle eines Brandes, wird mit Argongas gelöscht, denn Wasser könnte die Tapes und Akten zerstören. Betrieben wird der Bunker von keiner staatlichen Behörde, sondern vom Privatunternehmen Iron Mountain, das 1951 unter dem Namen „Iron Mountain Atomic Storage“ gegründet wurde. Damals – zu Zeiten des Kalten Krieges – bestand das Geschäftsmodell darin, Firmendokumente atombombensicher zu verwahren. Die Akten wurden in gepanzerten Fahrzeugen abgeholt und im Inneren einer stillgelegten Eisenerzmine, die Gründer Herman Knaust „Iron Mountain“ nannte, verwahrt. Knaust hatte sein Geld zunächst mit der Zucht und dem Vertrieb von Pilzen verdient und war im Hudson-River-Tal als „Pilzkönig“ bekannt. Um seine Pilzzucht auszudehnen, kaufte er 1936 für 9.000 US-Dollar eine stillgelegte Eisenerzmine und 40 Hektar Land. Aufgrund allmählicher Marktveränderungen im Pilzsektor entschied er sich 1950 für eine neue lukrative Nutzungsweise seiner Mine.

Zwar steht kein drohender Atomkrieg bevor, Firmengeheimnisse müssen aber auch nach dem Kalten Krieg sorgsam vor Diebstahl, Feuer oder Naturkatastrophen geschützt werden. Heutzutage ist Records Management das Brot- und Buttergeschäft von Iron Mountain. Die Dienstleistung umfasst die Erstellung, Aufbewahrung, Wartung, Nutzung und Entsorgung von physischen und digitalen Daten beziehungsweise Akten.

Samsung: Erst Fisch, dann Chips

1938 begann die Erfolgsgeschichte der Samsung-Gruppe im südkoreanischen Daegu.
1938 begann die Erfolgsgeschichte der Samsung-Gruppe im südkoreanischen Daegu.
(Bild: Samsung)

Am 1. März 1938 gründete der damals 28-jährige Lee Byung-chul in Daegu ein Handelshaus, das ­unter anderem getrockneten Fisch nach China exportierte. Die Firma nannte er Samsung Trading, das bedeutet „drei Sterne“. Die waren auch bis ins Jahr 1992 im Logo der Firma enthalten. In den folgenden Jahren war die Firma vor allem im Lebensmittel- und nach dem Koreakrieg auch Textil- und im Transportgewerbe aktiv.

Heute ist Samsung der größte unter den sogenannten Jaebeol. Darunter versteht man große Mischkonzerne, bei denen ein Familienklan erhebliche Anteile hält oder sogar die Firma kontrolliert. Nach dem Tod des Firmengründers wurde die ­ursprüngliche Samsung-Gruppe in vier eigenständige Konglomerate aufgeteilt: die Samsung Gruppe, die Shinsegae-Gruppe, die CJ-Gruppe und schließlich die Hansol Gruppe. Das größte blieb aber die Samsung-Gruppe. Nach der Asien-Krise folgte ein enormer Aufschwung für die Gruppe, die immer noch eine Fülle von Geschäftsbereichen abdeckt. Der größte davon ist Samsung Electronics, die 1968 ihren Anfang nahm. 1970 beginnt die Produktion eigener Bildröhren, gefolgt von Radios, Waschmaschinen und Kühlschränken. 1979 beginnt Samsung auch mit der Produktion von Videorekordern und Kameras.

Bereits 1974 hat das Unternehmen den Halbleiterhersteller Korea Semiconductor übernommen, einen der ersten Chiphersteller Südkoreas. 1984 bringt Samsung als erster Hersteller 256K-DRAM-Chips auf den Markt. Seit 1993 sind die Koreaner der weltweit größte Hersteller von DRAM-Speicherchips, seit 2002 zudem noch führend bei NAND-Flash-Speichern. Damit ist Samsung einer der wichtigsten Zulieferer für die Hersteller von Servern, PCs, Tablets und Smartphones.

Außer als Chiphersteller war Samsung seit den 90er-Jahren auch bei der Herstellung von Druckern, optischen Laufwerken, Notebooks und Massenspeichern aktiv. Bereits 1988 brachte Samsung mit dem SH-100 ein Mobiltelefon auf den Markt. Damit gehörte Samsung durchaus zu den Pionieren auf diesem Gebiet. Die aus 80 Firmen bestehende Samsung-Gruppe ist immer noch ein Mega-Konzern und Samsung Electronics einer der führenden Hersteller von Haushaltsgeräten sowie Unterhaltungselektronik.

Xerox: Trotz Schwierigkeiten zum Giganten

Nur dank eines radikalen Sparprogramms besteht Xerox heute noch am Markt.
Nur dank eines radikalen Sparprogramms besteht Xerox heute noch am Markt.
(Bild: Xerox)

Xerox dürfte den meisten Menschen als die Firma bekannt sein, die den Foto­kopierer auf den Markt gebracht hat. Doch es war nicht immer einfach für den Hersteller.

Im Jahr 1947 erwarb die 1906 gegründete Haloid Company, ein Hersteller von Fotopapier, eine Lizenz für das xerographische Druckverfahren. Zwei Jahre später brachte das Unternehmen den ersten xerographischen Kopierer auf den Markt. 1956 entstand in London Rank ­Xerox als Joint Venture von ­Haloid und der Rank Corporation. Daher war die Firma in Europa als Rank Xerox bekannt, 1996 wurde das Joint Venture komplett von Xerox übernommen.

1958 wurde aus der Haloid ­Company die Firma Haloid Xerox, 1961 erfolgte die Umbenennung der Muttergesellschaft in Xerox ­Corporation. Im Jahr 1977 brachte Xerox mit dem 9700 den ersten kommerziell erhältlichen Laserdrucker auf den Markt. Ende der 1990er-Jahre ­geriet Xerox in schweres Fahrwasser, als die Aktie innerhalb weniger Monate 90 Prozent ihres Wertes verlor. Ein radikales Sparprogramm brachte die ­Firma schließlich wieder auf Kurs.

2016 folgte die Aufteilung in zwei unabhängige Firmen: Xerox Corporation und Conduent. Heute stellt Xerox Kopierer und Bürodrucker her und ist zudem mit mehr als 140.000 Mitarbeitern im Dokumentenmanagement-, Cloud- und Outsourcing-Geschäft aktiv.

Kudelski: Ton in Ton mit der Security

Kudelski stellte zunächst Nagra-Tonbandgeräte her, bevor sich die schweizer Unternehmensgruppe auf IT-Security fokussierte.
Kudelski stellte zunächst Nagra-Tonbandgeräte her, bevor sich die schweizer Unternehmensgruppe auf IT-Security fokussierte.
(Bild: Hens Zimmerman / CC BY 2.0)

Die Schweizer Gruppe Kudelski beschäftigt rund 3.500 Mitarbeiter. Als selbstständiger Unternehmensbereich agiert Kudelski Security seit 2012 und beschäftigt in der Schweiz und in den USA rund 250 Mitarbeiter.

Begonnen hat die Unternehmensgruppe jedoch 1951 mit der Herstellung der Nagra-Tonbandgeräte. Bekanntheit erlangte sie durch Nagravision, einem Verschlüsselungssystem für Bezahlfernsehen, das unter anderem auch von Sky Deutschland verwendet wird. Erst später kam die IT-Security hinzu.

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Über den Autor

 Sarah Böttcher

Sarah Böttcher

Online CvD & Redakteurin