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Titelstory Igel

Unauffällig in der Spitzengruppe

| Autor: Klaus Länger

Unauffällig aber oft als erster im Ziel: Igel gehört weltweit zu den Top-Herstellern für Thin Clients.
Unauffällig aber oft als erster im Ziel: Igel gehört weltweit zu den Top-Herstellern für Thin Clients. (Bild: Liukov Maksym/ stock.adobe.com)

Wenn von deutschen IT-Firmen die Rede ist, die in ihrem Marktsegement zu den Top-Drei gehören, dann fällt einem außer SAP wohl wenig ein. Aber auch auf Igel trifft das zu: Bei den Thin Clients spielt der Bremer Hersteller mit dem possierlichen Stacheltier im Firmenlogo in einer Liga mit Branchenriesen wie HP oder Dell mit Wyse.

Als „Hidden Champions” werden mittelständische Firmen bezeichnet, die in ihrem Bereich international zu den Top-Herstellern gehören. Das trifft auch auf Igel Technology aus Bremen zu, auch wenn die Igel GmbH zur Melchers Group, einem Bremer Großkonzern mit mehr als 600 Millionen Euro Umsatz gehört.

Mehr als 17.000 Kunden weltweit hat Igel nach eigenen Angaben. Das Kernprodukt ist dabei Igel OS, eine Linux-Variante, die nicht nur als Betriebssystem auf den ­eigenen Thin Clients der UD-Serie sowie den Zero Clients der IZ-Serien dient, sondern auch noch als Universal Desktop Converter (UDC) bestehende PCs oder Notebooks in Thin Clients umwandelt. Der neueste Igel im Stall ist UD Pocket für eine temporäre Nutzung bestehender Rechner als Thin Client. Der daumennagelgroße USB-Stick dient dabei einfach als Boot-Datenträger für das Igel OS. Das ursprüngliche Betriebssystem des Rechners bleibt erhalten.

Igel OS basiert nicht auf einer bestehenden Linux-Distribution, sondern wird von Igel eigenständig entwickelt. Die Entwicklungsabteilung für die Hard- und Software ist in Augsburg angesiedelt. Die Geräte werden nach Igel-Vorgaben bei ­einem auf Thin Clients und POS-Systeme spezialisierten, taiwanischen ODM-Partner in China hergestellt.

Der USB-Stick UD Pocket verwandelt Rechner temporär in Thin Clients.
Der USB-Stick UD Pocket verwandelt Rechner temporär in Thin Clients. (Bild: Igel)

Universell einsetzbare Thin Clients mit Igel OS

Besonders stolz ist man bei dem Bremer Hersteller auf die Tatsache, dass die eigenen Thin Clients und der Desktop Converter auf dem Markt für Remote-Lösungen die breiteste Unterstützung haben. Die Firma nennt derzeit 15 Virtual Desktop Infrastructure (VDI) – oder Server-based Computing (SBC) -Lösungen. Die Geräte werden zudem von immer mehr Kunden nicht als Endpunkt für eine Remote-Desktop-Lösung genutzt, sondern als schlanker und sicherer Client für Webanwendungen.

Ergänzendes zum Thema
 
Eine Geschichte zweier Igel

Auf den Zero-Client-Zug ist Igel erst relativ spät aufgesprungen. Derzeit gibt es von Igel zwei Zero Clients (für eine VDI-Lösung vorkonfigurierte Thin Clients mit noch „schmalerer“ Hardware), die jeweils mit Citrix HDX, Microsoft RDS/RemoteFX oder VMware Horizon arbeiten können. Samsung hat mit dem TC222L und dem TC242L zwei Cloud-Monitore mit integriertem Zero Client im Programm, die auf Igel-Software basieren. Der Igel-eigene UD9 mit 22-Zoll-Touchscreen ist dagegen ein Thin Client mit breiter VDI-Unterstützung.

Mobile Thin Clients hat Igel nicht im Portfolio. Heiko Gloge, Gründer und CEO von Igel, sieht hier für seine Firma kein Geschäftsmodell und verweist auf den Universal Desktop Converter, mit dem man jedes Notebook mit einem 64-Bit-x86-Prozessor in einen mobilen Thin Client umwandeln kann. Mit Café Wireless ist im UDC sogar eine spezielle Funktion für den ortsunabhängigen WLAN-Zugriff auf den virtuellen Arbeitsplatz enthalten.

Windows 10 IoT für besondere Ansprüche

Neben den Thin Clients mit dem eigenen Linux bietet Igel das Modell UD3 auch mit Windows Embedded 7 und die ­Modelle UD5 sowie UD6 seit Mai auch mit Windows 10 IoT Enterprise an. Laut Gloge werden aber etwa 90 Prozent der Geräte mit Linux verkauft. Die kostspieligeren, mit mehr Arbeits- und Massenspeicher ausgestatteten Windows-Modelle würden praktisch nur von Kunden verwendet, die zusätzlich zu den remote auf dem Server genutzten Windows-Anwendungen auch noch lokale Windows-Software nutzen wollen.

Überdurchschnittliches Wachstum im Software-Geschäft

Für das aktuelle Jahr erwartet Igel ein deutlich höheres Wachstum für den Verkauf von Software-Lizenzen als durch den Hardware-Verkauf. Henning Jasper, Geschäftsführer des Distributors Vanquish sieht sogar eine Stagnation beim Markt für die Produktgruppe der Thin Clients. Gloge ist zwar der Ansicht, dass Thin Clients auch weiterhin ihre Daseinsberechtigung haben, merkt aber an, dass die steigenden Verkaufszahlen von Software bei seiner Firma ein Indiz dafür seien, dass „Innovation nicht mehr im Bereich der Hardware stattfindet, sondern bei der Software.” Und hier sieht der Igel-Chef seine Firma wesentlich besser aufgestellt, als die etablierten großen Hardware-Hersteller. Die Kunden hätten das Bedürfnis nach sicheren, günstigen und effizient verwaltbaren Arbeitsplätzen. Und dieses Bedürfnis werde am besten durch moderne Access Devices mit einem Embedded-Betriebssystem erfüllt, wie sie Igel ermöglicht. Dabei sei zweitrangig, ob unter dem Betriebssystem ein Thin Client, ein Mini- oder Micro-PC liegen.

Endpoint-Management auch für Windows-PCs

Die Schwerpunkte der Software-Strategie liegen beim Betriebssystem Igel OS, das auch Basis für den kostenpflichtigen Universal Desktop Converter ist, sowie beim Endpoint Management über die Universal Management Suite (UMS). Sie erledigt die automatische Konfiguration der Thin- und Zero-Clients bei der ersten Inbetriebnahme, die ferngesteuerte Verwaltung und Diagnose der Rechner sowie die Verteilung von Firmware-Updates. Die Management-Lösung gibt es sowohl für Rechner als auch für den UDC gratis, sie kann aber durch kostenpflichtige Elemente erweitert werden. Mit Shared Workplace kann eine benutzerabhängige Konfiguration der Thin-Client-Software realisiert werden. Mit dem Universal Customization Builder kann eine IT-Abteilung die Firmware von UD-Clients erweitern und anpassen. Zusätzlich gibt es Erweiterungen für die Hochverfügbarkeit des UMS-Servers und eine Anbindung an andere Enterprise-Management-Systeme. Das im Februar 2017 vorgestellte Igel Cloud Gateway erweitert die UMS auf Clients außerhalb des lokalen Netzwerks, etwa für Zweigniederlassungen oder Heimarbeitsplätze. Es kommt dabei ohne zusätzliche VP-Verbindung aus.

Einen Schritt über die Thin-Client-Welt hinaus geht Igel mit dem Unified Management Agent. Er erlaubt die Verwaltung von Rechnern mit Windows 7 oder 10 über die UMS. Zentral sind dabei zwar Einstellungen für Citrix, VMware oder Remote Desktop, aber auch diverse Windows-System­einstellungen können via UMS verwaltet werden.

Fokus auf den Software-Vertrieb

Das Plus beim Software-Verkauf geht derzeit primär auf das Konto des US-amerikanischen Marktes. Dort konnte Igel im Geschäftsjahr 2016 seine Verkaufszahlen fast verdoppeln, so Gloge. Bei den deutschen Kunden sei der stärkere Fokus auf die Software noch nicht so richtig angekommen. Dafür, dass sich das ändert, soll auch Jörg Kurowski sorgen. Er ist seit Juni als Sales Director Germany für den Vertrieb der Soft- und Hardwarelösungen von Igel in Deutschland verantwortlich. Zuvor war Kurowski Area Vice President Central Europe bei AppSense, kommt also aus der Software-Branche. Für mehr internationale Sichtbarkeit von Igel soll der erste Global Technology Evangelist in Diensten des deutschen Herstellers sorgen. Diese Rolle übernimmt mit Douglas Brown einer der bekanntesten Experten für Virtualisierungstechnologien. Brown betreibt mit DABCC.com eine der ersten und wichtigsten Webseiten mit den Schwerpunkten Virtualisierung und Enduser Computing.

Thin Clients für die Cloud

Die Umstellung der IT-Ausgaben von einem Capex- auf ein Opex-Modell, das bei vielen Firmen im Gange ist, kommt Igel laut Gloge zugute. Allerdings muss seine Firma dafür auch das Vertriebskonzept anpassen, was in den kommenden Monaten passieren soll. Dabei will die Bremer Firma verstärkt auf MSPs zugehen. Ihnen soll die Kombination aus schlanken und sicheren Workplace Clients, dem UD Pocket für einen flexiblen VDI-Zugriff sowie den Management Tools von Igel, das Endpoint-Management als neues Geschäftsfeld eröffnen. Als mögliche Partner für das MSP-Geschäft nennt der Igel-Chef auch die Distributoren, die eigene Cloud-Marktplätze aufgebaut haben. Auch das Partnerprogramm soll entsprechend angepasst werden.

Pläne für Smartphone-Clients hat Igel derzeit nicht, denkt aber darüber nach, Smartphones in das Endpoint Management mit einzubinden. Mögliche Anwendungsbereiche sind Asset Tracking und Sicherheitslösungen. Interessant findet der Igel-Chef vor allem Samsung Knox. Mit dem koreanischen Hersteller arbeitet Igel bereits bei anderen Projekten zusammen.

Igel OS in der Industrie

Das spezielle Linux des Bremer Herstellers wird auch für Anwendungen in Industrie und Gesundheitswesen eingesetzt. So verwendet Dlog das Igel OS für Ruggedized Tablets, die beispielsweise auf Gabelstaplern zum Einsatz kommen. Der Dlog-Mutterkonzern Advantech wird es für Tablets nutzen, die für das Gesundheitswesen bestimmt sind. Weitere Anwendungsbereiche sind Dialyse-Geräte oder Leitstände in Fabriken. Damit hat Igel beim zunehmend wichtigeren Industrie-4.0-Geschäft auch einen Fuß in der Türe. Hier ist eine sichere und solide Vernetzung von Geräten eine zentrale Anforderung.

Igel im Industrieeinsatz: Die DLT-V72-Fahrzeugterminals von Advantech-Dlog gibt es auch mit Igel OS als Betriebssystem.
Igel im Industrieeinsatz: Die DLT-V72-Fahrzeugterminals von Advantech-Dlog gibt es auch mit Igel OS als Betriebssystem. (Bild: J. Philipps / Advantech-Dlog)

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