Angetestet: Microsoft Surface Book 2 13,5 und 15

Surface Book: Die zweite Generation im Hands-on-Test

| Autor: Klaus Länger

Ungleiche Zwillinge: Das Surface Book 2 ist nun in einer 15-Zoll- und der gewohnten 13,5-Zoll-Version erhältlich. Das große Modell ist grundsätzlich mit Core i7 und Geforce-GPU ausgestattet.
Ungleiche Zwillinge: Das Surface Book 2 ist nun in einer 15-Zoll- und der gewohnten 13,5-Zoll-Version erhältlich. Das große Modell ist grundsätzlich mit Core i7 und Geforce-GPU ausgestattet. (Bild: Microsoft)

Das Surface Book 2 wird von Microsoft in zwei verschiedenen Größen angeboten: mit 13,5- und mit 15-Zoll-Display. Die Unterschiede zwischen den beiden Geräten sind allerdings größer, als nur 1,5 Zoll Display-Diagonale. Wir haben uns beide Modelle in einem Hands-on-Test angesehen.

Microsoft hat das Surface Book 2 im vergangenen Jahr vorgestellt. Im Gegensatz zum ersten Surface Book kam das Notebook mit abnehmbarer Tablet-Einheit in zwei Größen auf den Markt: Mit 13,5-Zoll- und mit 15-Zoll-Display. Das größere Modell ist allerdings erst jetzt auf dem hiesigen Markt verfügbar. Wir haben beide Modelle einem Hands-on-Test unterzogen, um so zu zeigen, für wen welches der beiden Modelle das „richtige“ Surface Book 2 ist.

Optisch unterscheiden sich die beiden Geräte erst einmal wenig. Microsoft hat dem größeren Modell weder ein Keyboard mit zusätzlichem Ziffernblock, noch ein größeres Touchpad spendiert. Auch das Innenleben der Tablet-Einheit ist ähnlich: Beide Modelle basieren auf den Kaby-Lake-R-Prozessoren der achten Core-Generation von Intel. Allerdings ist das kleinere Modell mit dem Zweikern-Prozessor Core i5-7300U und dem Vierkerner Core i7-8650U verfügbar, das 15-Zoll-Modell ausschließlich mit dem Core i7. Unsere Testgeräte waren beide mit der „großen“ CPU und mit 16 GB LPDDR3 bestückt. Der Speicher ist aufgelötet.

Als Massenspeicher sitzt grundsätzlich eine PCIe-SSD im M.2-Format im Tablet. Lieferbar sind bei beiden Surface-Book-2-Modellen Kapazitäten von 256 GB, 512 GB und einem TB. Die SSD ist gesockelt und könnte prinzipiell getauscht werden. Das Öffnen des Gehäuses ist allerdings extrem schwierig, da viele Komponenten verklebt sind.

Leichtes und scharfes Surface Book

Ein Unterschied zwischen den beiden Varianten ist die Display-Auflösung: Das IPS-Panel im 13,5-Zöller liefert eine Auflösung von 3.000 x 2.000 Bildpunkten. Der 15-Zöller wartet mit einer Auflösung von 3.240 x 2.160 Pixel auf. Mit 267 PPI ist das kleinere Display sogar noch einen Tick schärfer, als das 15-Zoll-Modell mit 260 PPI. Eine sehr hohe Bildqualität und leuchtende Farben liefern beide. Zudem lassen sie sich durch das 3:2-Format auch hochkant als Tablet sehr gut nutzen. In der Praxis ist das Tablet beim 13,5-Zoll-Modell besser nutzbar: Es wiegt 711 Gramm und liegt besser in der Hand, als die Tablet-Einheit des 15-Zöllers, die 816 Gramm auf die Waage bringt und zudem mit einem kleinen Lüfter ausgestattet ist. Der unbedingt empfehlenswerte Surface Pen gehört leider nicht zum Lieferumfang. Der digitale Stift mit 4.096 Druckstufen, Neigungserkennung zum Schattieren und „Radiergummi“ kostet 110 Euro extra. Er ist in verschiedenen Farben lieferbar. Wird der Surface Pen nicht genutzt, dann kann er magnetisch an der linken Seite der Tablets befestigt werden. Über die Surface-App lässt sich der Ladestand der kleinen Batterie im Stift via Bluetooth abfragen.

Der größte Unterschied zwischen der 13,5- und der 15-Zoll-Variante liegt in der Basiseinheit. In der sitzen bei beiden Testgeräten außer Keyboard und Touchpad noch ein zusätzlicher Akku und eine Nvidia-Grafikkarte. Beim Surface Book 2 13,5 mit Core i7-CPU ist das eine Geforce GTX 1050 mit zwei GB Grafikspeicher, beim 15-Zöller eine GTX 1060 mit satten sechs GB GDDR5. Bei der Core-i5-Version des Surface Book 2 13 fehlt die zusätzliche Nvidia-GPU in der Basis-Einheit.

Leistung des Surface Book 2

Mit 1.280 Cuda-Cores verfügt die GTX-1060-GPU über doppelt so viele Recheneinheiten und liefert mit 8.539 Punkten im 3DMark Fire Strike eine um mehr als 60 Prozent höhere 3D-Leistung als die GTX-1050-GPU mit 5.208 Zählern in diesem Benchmark. Stellt man das Surface Book 2 15 in den Windows-Energieeinstellungen auf volle Leistung, steigt der Wert sogar auf 9.144 Punkte. Allerdings reicht dann die Leistung des Netzteils nicht mehr aus, um das Gerät komplett mit Energie zu versorgen und der Akku wird zusätzlich genutzt. Ein Lüfter für die Grafikkarte steckt bei beiden Modellen in der Basis-Unit. Er arbeitet allerdings nur beim Spielen mit hörbarer Lautstärke. Im Akkubetrieb wird die Nvidia-GPU bei niedriger Batterieladung automatisch deaktiviert und auf die UHD-620-GPU im Intel-Prozessor umgeschaltet. Die kommt auch zum Einsatz, wenn die Tablet-Einheit abgekoppelt genutzt wird. Allerdings kann sie auch um 180 Grad gedreht mit der Basis verbunden werden. So kann man das Surface Book 2 dann entweder als „Power-Tablet” nutzen, oder im Stand-Modus.

Bei der Anwendungsperformance liegen die beiden Surface-Book-2-Modelle mit etwa 4.300 Punkten im PCMark-Work-Benchmark auf demselben Niveau. Bei der Akkulaufzeit hat das 13,5-Zoll-Modell die Nase vorn: Unter Dauerlast hält es 9:35 Stunden durch. Beim 15-Zöller mit seinem größeren Display ist der Stromspeicher eine Stunde früher erschöpft. Die Tablet-Einheit des kleineren Surface Book 2 läuft eine Stunde und 40 Minuten unter Dauerlast. Für ein Meeting oder eine Konferenz reicht das gut aus. Für eine bessere mobile Nutzung sorgt zudem das niedrigere Gesamtgewicht des Surface Book 2 13,5: Es wiegt mit 1,63 kg ein gutes Stück weniger als der der 15-Zöller mit 1,9 kg Gewicht.

Chassis, Keyboard und Touchpad des Surface Book 2

Chassis und Rückseite der Tablet-Einheit bestehen auf einer leichten Magnesiumlegierung. In der Rückseite des Tablets ist eine Kamera mit 9-MP-Sensor und Autofocus eingelassen, die durchaus ordentliche Bilder macht. Die Frontkamera mit 5-MP-Sensor ist mit einer zusätzlichen IR-Kamera kombiniert und erlaubt so eine biometrische Anmeldung. Eine weitere Sicherheitsausstattung ist der TPM 2.0, der etwa bei der Bitlocker-Verschlüsselung zum Einsatz kommt. Als Betriebssystem ist die Pro-Version von Windows 10 vorinstalliert.

Das dreistufig beleuchtete Keyboard ist bei beiden Modellen identisch. Die Tasten besitzen zwar keinen großen Hub, sind aber sehr exakt geführt und liefern ein angenehmes Anschlaggefühl. Etwas störend sind lediglich die sehr kleinen Cursor-auf-und-ab-Tasten, die sich die Position einer Taste teilen. Das Touchpad mit Glas-Oberfläche und Gestenerkennung ist nicht besonders groß, aber sehr präzise. Leider hat Microsoft das Volumen der Basis-Einheit nicht für zusätzliche Lautsprecher genutzt. Die winzigen Speaker in der Tablet-Einheit klingen entsprechend dünn.

Raffinierte Details beim Surface Book 2

Microsoft hat das Surface Book 2 gegenüber der ersten Auflage des 2-in-1-Notebooks nicht nur schneller gemacht, sondern an etlichen Stellen verbessert. So besteht der Mechanismus, der die Tablet- und die Basis-Einheit miteinander verbindet, nun teilweise aus Keramik. Für die Betätigung der Verriegelung wird übrigens ein sogenannter „muscle wire" verwendet, also ein Draht aus einer Formgedächtnislegierung, die beim Erhitzen eine andere Form annimmt, als im kalten Zustand. Im Gegensatz zum ersten Surface Book sorgt die Konstruktion beim Nachfolger für eine absolut stabile Verbindung ohne Spiel. Die Nutzung dieser aufwändigen Lösung, bei der das Kommando zum Abkoppeln per Tastendruck oder Software-Kommando gegeben wird, hat einen praktischen Hintergrund: Bei der Nutzung der zusätzlichen Nvidia-GPU oder bei einem leeren Tablet-Akku wird das Abkoppeln erst einmal verweigert und mit einer Meldung auf den Grund hingewiesen.

Zu den Schnittstellen zählt nun eine USB-C-Buchse auf der rechten Seite der Base-Unit, die den Mini-DisplayPort beim Vormodell ersetzt. Der Typ-C-Port ist Monitorausgang, Datenschnittstelle und zusätzliche Ladebuchse. Allerdings unterstützt er nur USB 3.1 Gen1 mit fünf GBit/s, da Microsoft den USB-Controller im Intel-Chipsatz auf dem Prozessor nutzt. Ein Adapter von USB-C auf HDMI oder DisplayPort gehört nicht zum Lieferumfang.

Erhalten geblieben sind die beiden USB-3.0-Buchsen und der schnelle SD-Card-Reader im Vollformat mit UHS-II-Unterstützung. Das Netzteil mit zusätzlicher USB-Ladebuchse nutzt weiterhin den magnetischen Surface-Connector als Anschluss. Da die Daten- und Stromverbindung zwischen Tablet- und Basiseinheit ebenfalls über diesen Anschlusstyp erfolgt, kann das Tablet auch direkt geladen oder mit dem optionalen Surface Dock verbunden werden.

Leider verfügt das Tablet weiterhin über keinen USB-Port, um etwa schnell einen USB-Stick einstecken zu können. Dass Microsoft im Surface Book 2 auf Thunderbolt 3 verzichtet hat, dürfte wohl damit zusammenhängen, dass die verwendeten U-Prozessoren mit 15 Watt TDP nur über zwölf PCI-Express-Lanes verfügen. Jeweils vier davon werden für die Nvidia-GPU und die M.2-SSD verwendet, zwei für den Surface-Connector. Damit würden für Thunderbolt 3 nur zwei Lanes übrig bleiben, was den maximalen Durchsatz halbiert.

Was leider weiterhin fehlt, ist ein LTE-Modul. An drahtlosen Kommunikations-Schnittstellen werden nur AC-WLAN und Bluetooth 4.1 geboten. Microsoft nutzt dafür einen Avastar-Chipsatz von Marvell. Das Surface Book 2 15 ist zusätzlich noch mit einem Empfänger für den XBox Wireless Controller ausgestattet.

Als Zubehör hat Microsoft für 110 Euro mit dem Surface Dial noch ein weiteres Eingabegerät im Programm. Der Drehregler kann etwa für direkte numerische Eingaben bei Grafikprogrammen genutzt werden. Beim Surface Book 2 registriert der Touchscreen die Position des aufgesetzten Dial und blendet direkt ein an den Nutzungskontext angepasstes Radialmenü ein.

Fazit: Surface Book 2 für jeden Geschmack

Microsoft bietet mit dem Surface Book 2 13,5 ein schnelles, leichtes und kompaktes 2-in-1-Notebook an, das sich sehr gut als Reisebegleiter und als Tablet eignet. Für seine Größe liefert es auch eine sehr ordentliche Grafikleistung. Wer mehr 3D-Power benötigt, muss zum größeren 15-Zoll-Modell greifen, das dann eher in Richtung Desktop-Replacement geht. Seine Akkulaufzeit ist zwar mit fast 8,5 Stunden im Dauerbetrieb auch sehr gut, aber eben eine Stunde kürzer, als beim 13,5-Zöller.

Sehr gut verarbeitet und mit tollen Displays ausgestattet sind beide Geräte. Microsoft lässt sich die Surface-Book-2-Modelle aber auch teuer bezahlen: Das Surface Book 2 13,5 kostet in der getesteten Ausstattung mit Core i7 und Terabyte-SSD satte 3.499 Euro (UVP). Das Surface Book 2 15 war in der getesteten Ausführung nur mit einer 256-GB-SSD ausgerüstet. Sein Preis liegt damit bei 2.799 Euro (UVP). Mit der großen SSD kommt es auf 3.799 Euro (UVP). Bei derartigen Preisen ist es etwas enttäuschend, dass der Surface Pen nicht zur Ausstattung gehört, sondern noch mit 110 Euro extra zu Buche schlägt. Der persönliche Favorit des Testers wäre der 13,5-Zöller mit GTX-1060-GPU. Aber das lässt die Kühlung wohl nicht zu. Also hat man leider die Qual der Wahl zwischen kompakter Bauform und hoher 3D-Power.

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