Channel Fokus: IIoT IIoT gibt es nicht von der Stange

Von Ann-Marie Struck

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Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum trotz Energiewende und Ressourcenschonung ist heute die Herausforderung für die deutsche Industrie. Die Lösung ist ein Industrial Internet of Things (IIoT). Doch IIoT-Projekte sind kein Zuckerschlecken für den ITK-Channel.

„One Size fits all“ gibt es bei IIoT-Projekten nicht.
„One Size fits all“ gibt es bei IIoT-Projekten nicht.
(Bild: Miroslav - stock.adobe.com )

Energiewende: Das ist gerade das große Ziel in Deutschland. Weg von fossilen Rohstoffen – vor allem denen aus Russland. Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine hat die Energiewende in Deutschland neue Fahrt aufgenommen. Künftig soll nur noch auf erneuerbare Energien gesetzt werden. Das ist kein leichter Weg.

Dem Umweltbundesamt zufolge belief sich der Energieverbrauch 2020 in Deutschland auf 2,333 Terawattstunden. Seit 1990 ist er auch kaum gesunken. Zu den Energiefressern gehört mit 28,5 Prozent die Industrie, gleichauf mit Privathaushalten. Die größten Energieträger der Industrie sind Strom (31,1 %) ­sowie Gase (37 %).

Die Herausforderung für die Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland ist nun, den Ressourcenverbrauch zu reduzieren und gleichzeitig das Wirtschaftswachstum nicht zu beeinflussen. Die Lösung lautet hier: ­Digitalisierung.

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Nebeneffekt: Nachhaltigkeit

CO2-Einsparpotenzial der Industrie bis 2030.
CO2-Einsparpotenzial der Industrie bis 2030.
(Quelle: Bitkom )

Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz spielt die Industrie eine Schlüsselrolle. Denn durch die Digitalisierung kann nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gesteigert, sondern auch die CO2 -Emissionen massiv reduziert werden. Laut der Bitkom-Studie „Klimaeffekt der Digitalisierung“ können bis 2030 bei einem beschleunigten Einsatz digitaler Technologien allein in Deutschland bis zu 64 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Das sind 17 Prozent der insgesamt geplanten CO2 -Einsparungen im Rahmen des Klimaziels 2030. 31 Millionen Tonnen CO2 können durch verstärkte Automatisierung in der Produktion vermieden werden, indem digitale Technologien manuelle Eingriffe und den Materialeinsatz reduzieren sowie Prozesse optimieren.

Mit der Digitalen Transformation in der Industrie sollen nicht nur Ressourcen geschont werden, sondern sie gilt auch als unverzichtbares Mittel, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, wie eine Studie des Bitkom bestätigt. 91 Prozent der dort befragten Beschäftigten in deutschen Industrieunternehmen stimmen dieser Aussage zu. So nutzen oder planen bereits 90 Prozent in diesem Jahr Anwendungen für die Industrie 4.0. Zu den Anwendungen, die bereits für die Industrie 4.0 ­genutzt werden, stehen neben Digitalen Marktplätzen (50 %), Künstliche Intelligenz (38 %) sowie IoT-Plattformen (35 %) auf den vorderen Plätzen. Insbesondere den Einsatz in Letztere planen künftig 30 Prozent der deutschen Industrieunternehmen.

Die zwei Welten der Industrie

Die industrielle Ausprägung des IoT wird als Industrial Internet of Things (IIoT) bezeichnet und ist in vielen verschiedenen Bereichen der Industrie einsetzbar. Dies können beispielsweise produzierende Betriebe, Logistikunternehmen, die Agrarwirtschaft, die Energieversorgung oder das medizinische Umfeld sein. Und das Potenzial scheinen deutsche Industrieunternehmen nun entdeckt zu haben.

Der IIoT-Markt in Deutschland ist extrem dynamisch, aber der Wert ist klar erkannt.

Alexander Biedermann, Senior Business Development Manager Customer IoT & Data, Tech Data DACH

Beim Industrial IoT geht es um die Vernetzung von Maschinen im industriellen Umfeld. Im Fokus steht dabei die Daten von Maschinen oder Geräten zu erfassen und auszuwerten. Die so gewonnenen ­Informationen lassen sich wiederum für Betrieb, Steuerung oder Wartung industrieller Anlagen nutzen. Die Vorteile sind neben der bereits angesprochenen Schonung von Ressourcen und Material, eine Steigerung der Qualität sowie eine größere Produktivität, Effizienz und Sicherheit.

Neben Sensoren an Maschinen und ­Geräten braucht es auch Systeme für ­Datenmanagement sowie Analytics-­Anwendungen.

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Jedoch arbeiten Systeme, mit denen Anlagen gesteuert werden, mit Operational Technology (OT). Demnach haben die Datenformate und Protokolle zur Steuerung der Industrieanlagen einen anderen Standard als die in der IT. Das erschwert die Kommunikation zwischen Maschinen und IT, wie Alexander Biedermann, Senior Business Development ­Manager Customer IoT & Data bei Tech Data DACH weiß: „Die Kommunikation zwischen IT und OT stellt immer noch eine Schwelle dar.“

Letztendlich geht es darum OT und IT zusammen zubringen. Laut Jörg Bastel, Leiter Digitalschmiede bei Vinci Energies Deutschland, zeigt sich schon, dass immer mehr IT-Kompetenz zu den OT-Komponenten wandert. Gleichzeitig entstehe neue Hardware, die von Beginn an IIoT-fähig ist. Wenn IIoT von Anfang mitgedacht wird, ist sich der Leiter sicher, vereinfacht dies die Kommunikation und bietet ­zusätzliche Möglichkeiten für Analysen.

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Bei IIoT-Projekten ist Teamwork gefragt

Standard-IIoT-Lösungen sind eher eine Ausnahme als die Regel, wie Tilmann Taubert, EMEAR IoT Manufacturing Lead beim Netzwerkhersteller Cisco, bestätigt: „IIoT gibt es nicht von der Stange. Die Lösungen sind immer Use-Case-zentrisch, je nach Anwendungsfall auf den Kunden zugeschnitten.“ Das untermauert auch Bastel: „Die Projekte lassen sich nicht in Standards fassen. Dadurch entstehen viele Teilprojekte sowie Anlagen, die beim Ausbau schrittweise zu begleiten sind. Deshalb ist die aktuelle Herausforderung, viele Hersteller und Komponenten sinnvoll und effektiv zu einem stimmigen Gesamtbild zu verbinden.“

Das wiederum gestaltet sich nicht einfach und setzt bei Dienstleistern große Integrationskompetenz voraus. Meist erfordern die Projekte ein breites Spektrum an Skills, so dass Spezialisten aus unterschiedlichen Gebieten daran beteiligt sind, wovon Damir Dobric, CEO und Lead Software Architect bei ACP Digital, berichtet: „Die Umgebungen in der ­Industrie sind oft stark heterogen. Es gibt daher kaum Projekte, die man ohne Partner umsetzen kann.“

Chancen für den Channel

Im ITK-Channel ist der Markt laut Biedermann von Tech Data noch jung, jedoch ist der Wert klar erkannt. Potenzial für den Channel sieht der Distributor in der Zusammenarbeit aller Channel-Akteure. „Die Vorteile, die gesamtwirtschaftlich aus dem Zusammenschluss von Infrastrukturanbietern mit Servicedienstleistern und ­Experten im Planungs- und Installationsbetrieb entstehen, sind unschlagbar. Tech as a Service oder Software as a Service ­garantiert den Betrieben nicht nur einmalige Projekteinnahmen, sondern mit jedem Projekt auch Wartungs- und Serviceeinnahmen, die darauf folgen.“

Auch Taubert vom Hersteller Cisco sieht in IIoT enormes Wachstumspotenzial. Neben der Eigenmotivation müssen Partner nicht alle Skills mitbringen, denn sie ­begleiten oft nur einen Abschnitt eines IIoT-Projekts. Des Weiteren unterstützen sowohl Hersteller und Distributoren die Partner dabei Knowhow aufzubauen. „Natürlich je mehr ein Partner von IoT und Daten getriebenen Geschäftsmodellen versteht, desto schneller kann er auch seriös Endkunden beraten und Lösungen verkaufen“, ergänzt Biedermann.

5G und das IIoT

Für einen Durchbruch in der Digitalisierung der Industrie soll 5G sorgen. Geringe Latenzzeit und Störanfälligkeit sowie hohe Datenraten sind nur ein paar der Vorzüge des fünften Mobilfunkstandards. Um die speziellen Anforderungen der Industrie zu erfüllen, setzen viele ­Unternehmen auf sogenannte „private“ 5G-Netze. „Daraus ergeben sich zusätzliche Anwendungsfälle, welche speziell im Echtzeit-Bereich einen Mehrwert bringen werden“, prognostiziert Rony Mikhael, Director Networking, Collaboration & Security bei Logicalis. „Die 5G-Lösung wird WLAN ergänzen beziehungsweise dort erweitern, wo es aus heutiger Sicht, technisch als auch wirtschaftlich keinen Sinn ergibt, in einen massiven WLAN Ausbau zu investieren.“ Die Herausforderung liegt seiner Ansicht nach darin, dass es zum jetzigen Zeitpunkt nur wenige Endgeräte gibt, um 5G im vollen Umfang nutzen zu können.

Das sieht Falko Binder, Head of Enterprise Networking Architecture Sales Germany bei Cisco, ähnlich. Seiner Ansicht nach stehen deutsche Unternehmen noch am Anfang der 5G-Reise, jedoch liege darin viel künftiges Geschäftspotenzial für den Channel. Zum einem haben die Budgets in Unternehmen für OT-Abteilungen ­zugenommen, zum anderen fehlen vor allem kleinen und mittleren Unternehmen die Kapazitäten sich mit Technologien zu beschäftigen. Sie setzen auf ­externe Dienstleister, so winkt künftig Umsatz mit Managed Services für 5G.

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