Humanoide Roboter, KI & Co Industrie 4.0 wird zum Wettbewerbsfaktor

Von Agnes Panjas 6 min Lesedauer

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Humanoide Roboter, KI, 3D-Druck – Deutschlands Fabriken rüsten auf, denn die Industrie 4.0 bietet enorme Chancen. Doch die Industrie steht auch unter Druck: Da ist eine schwache Konjunktur, China-Konkurrenz und die Angst, die KI-Revolution zu verschlafen.

Eine neue Bitkom-Studie zeigt: Industrie 4.0 ist in deutschen Unternehmen längst keine Zukunftsmusik mehr, sondern Alltag in den Fabrikhallen: Satte 97 Prozent der Industrieunternehmen nutzen bereits mindestens eine entsprechende Anwendung.(Bild:  Canva / KI-generiert)
Eine neue Bitkom-Studie zeigt: Industrie 4.0 ist in deutschen Unternehmen längst keine Zukunftsmusik mehr, sondern Alltag in den Fabrikhallen: Satte 97 Prozent der Industrieunternehmen nutzen bereits mindestens eine entsprechende Anwendung.
(Bild: Canva / KI-generiert)

Deutschlands Fabriken werden immer digitaler und die Industrie bewertet diese Entwicklung überwiegend positiv, wie eine repräsentative Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom zeigt: 81 Prozent der deutschen Industrieunternehmen sehen in Industrie 4.0 eine Chance, nur 16 Prozent wittern Risiken. Klar wird dabei vor allem eines: Wer im internationalen Wettbewerb mitspielen will, kommt an der digitalen Transformation und KI nicht mehr vorbei.

Mehr zur Methodik der Bitkom-Studie

Grundlage der Studie ist eine repräsentative Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 555 Industrieunternehmen des verarbeitenden Gewerbes ab 100 Beschäftigten in Deutschland telefonisch befragt. Die Befragung fand Anfang 2026 statt.

Industrie 4.0 entscheidend für Wettbewerbsfähigkeit

Wettbewerbsfähigkeit Industrie 4.0(Bild:  Bitkom)
Wettbewerbsfähigkeit Industrie 4.0
(Bild: Bitkom)

Deutschlands Fabriken setzen massiv auf Digitalisierung. Wie groß die Bedeutung dieser Technologien für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Industrieunternehmen bereits heute ist, zeigt die Bitkom-Studie: Neun von zehn Industrieunternehmen (89 %) messen Industrie 4.0 allgemein eine sehr große oder eher große Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie bei. Bei Künstlicher Intelligenz sind es 78 Prozent. Auch humanoide Roboter, also KI-basierte, menschenähnlich gebaute Roboter, werden von der Mehrheit der Industrieunternehmen als bedeutsam für die Wettbewerbsfähigkeit eingeschätzt. Mehr als sechs von zehn Industrieunternehmen (63 %) rechnen dieser Technologie eine sehr große oder eher große Bedeutung zu.

Industrie 4.0 ist kein Technologietrend, sondern die Basis für industrielle Wettbewerbsfähigkeit.

Dr. Tanja Rückert, Bitkom-Vizepräsidentin

Industrie 4.0 ist in der Produktion angekommen

In der Produktion ist Industrie 4.0 längst Realität: 97 Prozent der Unternehmen nutzen bereits mindestens eine entsprechende Anwendung.(Bild:  Bitkom)
In der Produktion ist Industrie 4.0 längst Realität: 97 Prozent der Unternehmen nutzen bereits mindestens eine entsprechende Anwendung.
(Bild: Bitkom)

Vor allem in der Produktion ist Industrie 4.0 keine Zukunftsvision, sondern gelebte Praxis. Laut der Studie setzen 97 Prozent der Industrieunternehmen mindestens eine Industrie-4.0-Anwendung ein. Im Bereich der intelligenten Steuerung und Planung ist Künstliche Intelligenz am weitesten verbreitet. KI ist bereits bei 40 Prozent der Industrie-Unternehmen im Einsatz, fast ebenso viele (38 Prozent) planen dies aktuell für die Zukunft. Auch digitale Zwillinge sind inzwischen weit verbreitet: 45 Prozent der Industrieunternehmen haben sie im Einsatz, 26 Prozent planen dies. Physical AI, also KI, die Maschinen oder Roboter in die Lage versetzt, physische Aufgaben selbstständig auszuführen, ist bei 6 Prozent der deutschen Industrieunternehmen im Einsatz. Die Technologie steckt zwar noch in den Anfängen, allerdings planen bereits mehr als ein Viertel der Unternehmen (28 %) ihre Einführung.

Jetzt kommt es darauf an, mit Digitalen Zwillingen, KI und künftig auch humanoiden Robotern ein neues Kapitel der Industrie 4.0 aufzuschlagen.

Dr. Tanja Rückert, Bitkom-Vizepräsidentin

Geht es um digitale Infrastrukturen und Vernetzung, so liegen IoT-Plattformen an der Spitze der einschlägigen Technologien: Sie sind bei 45 Prozent der Industrieunternehmen im Einsatz und bei einem Drittel (33 Prozent) geplant. Aber auch Datenräume, Edge Computing, Lifecycle-Management und 5G-Campusnetze werden in der Produktion eingesetzt und tragen zu einer vernetzten Produktion bei.

Humanoide Roboter: Chance für mehr Produktivität?

Neben den breit genutzten Anwendungen wie KI, IoT-Plattformen oder digitalen Zwillingen geraten neue Technologien stärker in den Blick – darunter humanoide Roboter. Sie zählen zum Bereich Physical AI und können Aufgaben übernehmen, die bislang von Menschen ausgeführt werden. „An Humanoiden Roboter“, so bringt es Bitkom-Vizepräsidentin Rückert richtig auf den Punkt, „scheiden sich derzeit die Geister.“

Ein umstrittene neue Industrietechnologie stellen Humanoide Roboter dar.(Bild:  Bitkom)
Ein umstrittene neue Industrietechnologie stellen Humanoide Roboter dar.
(Bild: Bitkom)

Entsprechend sind mehr als 6 von 10 Industrieunternehmen (64 %) sind der Auffassung, dass humanoide Roboter die Industrie produktiver machen. Fast 7 von 10 (68 %) sprechen sich dafür aus, dass Deutschland humanoide Roboter schnell selbst entwickelt und auf den Weltmarkt bringt. Gleichzeitig hält jedoch fast jedes dritte Industrieunternehmen (31 %) humanoide Roboter für einen Hype, der bald vorübergehen werde. 41 Prozent sind sogar der Auffassung, die Technologie koste mehr, als sie bringe.

Industrie sieht in KI einen Wettbewerbsfaktor

Nicht nur am Beispiel humanoider Robotik zeigt sich, wie stark die industrielle Entwicklung inzwischen von Künstlicher Intelligenz geprägt wird. Laut Bitkom-Vizepräsidentin Rückert sei KI nicht mehr nur eine einzelne Anwendung, sondern werde „zur wohl wichtigsten Basistechnologie in industrieller Entwicklung, Fertigung und Betrieb“.

Ein Blick auf die Ergebnisse der Bitkom-Befragung bestätigt diese Annahme:

  • Fast 8 von 10 Industrieunternehmen (79 %) sind der Auffassung, dass Künstliche Intelligenz künftig entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie sein wird.
  • 76 Prozent sind der Meinung, dass die deutsche Industrie beim Einsatz von KI eine Vorreiterrolle einnehmen sollte.
  • Nur 19 Prozent halten KI in der Industrie für einen vorübergehenden Hype.
  • Gleichzeitig stimmt mehr als die Hälfte (55 %) der Aussage zu, dass die deutsche Industrie die KI-Revolution zu verschlafen droht. Das sind neun Prozentpunkte mehr als im letzten Jahr.

Interessant ist dabei, dass sich dennoch bei KI jedes zweite deutsche Industrieunternehmen (51 %) vorne sieht. Nichtsdestotrotz ordnen sich 36 Prozent eher als Nachzügler ein und 10 Prozent glauben, sie hätten den Anschluss verpasst.

Künstliche Intelligenz ist für die deutsche Industrie die wohl wichtigste Zukunftsfrage. Die Unternehmen sehen in KI enormes Potenzial für mehr Effizienz, Qualität und Wettbewerbsfähigkeit.

Dr. Tanja Rückert, Bitkom-Vizepräsidentin

Schwache Konjunktur und Konkurrenz aus China

Trotz allem Optimismus zeigt die Bitkom-Studie jedoch auch Schattenseiten auf. Demnach wirkt sich die schwierige gesamtwirtschaftliche Lage derzeit nachteilig auf die Digitalisierung der deutschen Industrie aus. Über die Hälfte (58 %) der Industrieunternehmen sind der Meinung, dass die aktuelle Konjunktur die Digitalisierung ihres Unternehmens bremsen wird. 45 Prozent rechnen mit einem Stellenabbau im eigenen Unternehmen, gleichzeitig erwarten 48 Prozent, infolge von Stellenkürzungen in anderen Industrieunternehmen Fachkräfte gewinnen zu können.

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Neben der wirtschaftlichen Lage erhöht auch der Wettbewerb aus China den Druck auf die deutsche Industrie. Mehr als jedes achte Industrieunternehmen (13 %) empfindet einen sehr starken Wettbewerbsdruck aufgrund gestiegener Exporte aus China, fast die Hälfte (49 %) einen eher starken Wettbewerbsdruck.

China legt bei Industrie 4.0 das Tempo vor. Deutschland muss dranbleiben, mit mehr Tempo und Investitionen in Innovation und digitaler Infrastruktur.

Dr. Tanja Rückert, Bitkom-Vizepräsidentin

Der wirtschaftliche Druck trifft die Industrie in einer Phase, in der sich der internationale Wettbewerb weiter verschärft. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland nach Selbsteinschätzung der Unternehmen bei Industrie 4.0 nur auf Platz drei. Nur ein Zehntel der Industrieunternehmen sieht Deutschland international beim Thema Industrie 4.0 vorne. Als führende Nation bei Industrie 4.0 wird derzeit am häufigsten China genannt (34 %), und auch die USA werden von 21 Prozent in diesem Bereich als führend wahrgenommen.

Interessant ist auch hier wieder, dass die Befragten die Situation ihres eigenen Unternehmens wieder etwas positiver bewerten. Entsprechend sehen sich 9 Prozent der deutschen Industrieunternehmen an der Spitze, 38 Prozent eher als Vorreiter bei Industrie 4.0. Die Hälfte sieht sich als Nachzügler und 1 Prozent sagt, das eigene Unternehmen habe den Anschluss verpasst.

Bitkom sieht Unternehmen und Politik in der Verantwortung

Die Digitale Transformation der deutschen Industrie steht an einem kritischen Punkt. Damit Unternehmen die Chancen von Industrie 4.0 und KI voll ausschöpfen können, müssten Wirtschaft und Politik jetzt die richtigen Weichen stellen. Doch wie können Industrieunternehmen bei der Einführung von Industrie-4.0-Anwendungen besser unterstützt werden? Der Digitalverband Bitkom sieht sowohl Wirtschaft als auch Politik in der Pflicht: „Viele zentrale Anwendungen von Industrie 4.0 bauen auf KI auf oder werden durch sie deutlich leistungsfähiger“, sagt die Bitkom-Vizepräsidentin.

Umso wichtiger sei es deshalb, „KI nicht nur punktuell zu testen, sondern sie systematisch in Produktions- und Engineering-Prozesse zu überführen – mit leistungsfähiger Infrastruktur, einheitlichen Datenstandards und qualifizierten Beschäftigten entlang der Wertschöpfungskette“. Rückert sagt klar: „Deutschland braucht bei industrieller KI bessere Standortbedingungen.“ Konkret meint sie damit „mehr Rechenkapazitäten, bessere Dateninfrastrukturen, umsetzbare Regeln, gezielte Fachkräftequalifizierung und einfache Förderprogramme für den Mittelstand“. Jetzt gehe es nicht mehr um das nächste Pilotprojekt, sondern um den breiten Einsatz von KI in Wirtschaft und Industrie.

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