Aktueller Channel Fokus:

Storage&DataManagement

Channel Fokus: Cloud Infrastructure Services

Die Cloud wächst mit dem Channel

| Autor: Michael Hase

Cloud Computing hat sich als alternatives Modell für die Bereitstellung von IT-Infrastruktur etabliert.
Cloud Computing hat sich als alternatives Modell für die Bereitstellung von IT-Infrastruktur etabliert. (Bild: monsitj - stock.adobe.com)

Partner der Hyperscaler partizipieren am stark wachsenden Cloud-Infrastruktur-Markt. Denn viele Anwender nehmen beim Einstieg in die IaaS-Nutzung externe Hilfe in Anspruch. Auch beim Betrieb ihrer Cloud-Szenarien lassen sich Unternehmen immer häufiger unterstützen.

Von diesen Zuwachsraten können Anbieter aus anderen Segmenten des IT-Markts zur träumen: Die weltweiten Umsätze mit Cloud Infrastructure Services erhöhten sich im vergangenen Jahr nach Zahlen des britischen Beratungshauses Canalys um 46,5 Prozent auf 80,4 Milliarden Dollar. Dabei legten Google und Alibaba um mehr als 90 Prozent zu, Microsoft Azure wuchs um mehr als 80 Prozent. Selbst der Marktführer Amazon Web Services (AWS), auf den mit 25,4 Milliarden Dollar fast ein Drittel des Markts entfiel, steigerte seine Erlöse um 47 Prozent.

Alastair Edwards, Chef-Analyst bei Canalys, erwartet, dass „in einer Multi-Cloud-Welt das Channel-Modell das dominierende sein wird“.
Alastair Edwards, Chef-Analyst bei Canalys, erwartet, dass „in einer Multi-Cloud-Welt das Channel-Modell das dominierende sein wird“. (Bild: Canalys)

Am rasanten Wachstum des IaaS-Markts wird sich den Analysten zufolge im laufenden Jahr nichts ändern. Davon profitieren auch die Partner der Hyperscaler. Denn das Public-Cloud-Modell mag vom Ursprung her auf Direktbezug und Self-Service angelegt sein. De facto lassen sich viele Unternehmen bei der Nutzung von IaaS-Angeboten jedoch durch Dienstleister unterstützen, die ein breites Spektrum an Aufgaben übernehmen. Dazu zählen das Design individueller Cloud-Architekturen, die Migration von Workloads, die Anbindung an On-Premises-Infrastrukturen, die Entwicklung von Cloud-native-Anwendungen oder der Support im laufenden Betrieb.

Multi-Cloud und Hybrid-IT

Solche Leistungen werden künftig noch wichtiger, wie die Experten von Canalys erwarten. Nach ihrer Beobachtung verfolgen Unternehmen seit dem vergangenen Jahr zunehmend Multi-Cloud- und Hybrid-IT-Strategien, um unter Aspekten wie Anwendungsanforderungen, Compliance, Kosten und Performance die Stärken verschiedener Cloud-Anbieter und Bereitstellungsmodelle zu nutzen.

Durch diesen Trend gewinne die Rolle des Channels an Bedeutung, prognostiziert Chef-Analyst Alastair Edwards. „Canalys erwartet, dass 2019 der Anteil des Cloud-Geschäfts, das von Channel-Partnern oder mit ihnen abgewickelt wird, steigen wird.“ Zu den Aufgaben der Partner ­gehöre es, Anforderungen von Kunden zu erfassen, Services zu empfehlen, sie in Betrieb zu nehmen und in die IT-Landschaft einzubinden sowie das Management und die Abrechnung von Services verschiedener Provider zu vereinfachen.

Dass die Bedeutung von Partnern im Cloud-Geschäft zunehmen wird, damit rechnen auch die Marktforscher von Crisp Research. Laut einer Studie, die das Kasseler Analystenhaus im vergangenen September mit dem Kölner Hosting Provider PlusServer vorlegte, werden Unternehmen in Zukunft vermehrt externe Dienstleister in den Betrieb ihrer Cloud-Szenarien einbeziehen. Taten das 2018 noch 17 Prozent der Befragten, so wird dieser Anteil künftig auf 32 Prozent ­steigen. Bei 14 Prozent werden sich die ­IT-Abteilung und ein so genannter Managed Cloud Provider die Betriebsverantwortung teilen, während 18 Prozent den Betrieb komplett auslagern.

Was die konkreten Aufgaben betrifft, die die Dienstleister dabei übernehmen, so nennen die Befragten zunächst Kapazitäts-Management (41 %), Service & Support (36 %), Migration (33 %), Release-Management (33 %) und Monitoring (30 %). Erst mit deutlichem Abstand folgen Mitwirkung bei der Planung (18 %) oder Weiterentwicklung der Infrastruktur (11 %). Die Marktforscher von Crisp folgern daraus, dass Entscheider die Managed Cloud Provider primär als Umsetzer einer Strategie betrachten, die sie weiterhin selbst bestimmen. Denn gerade bei Aufgaben wie Planung, Optimierung und App-Entwicklung sehen die Befragten in Zukunft die eigene IT-Abteilung stärker in der Pflicht.

Ergänzendes zum Thema
 
Managed Cloud statt Hosting

So zeigt die Studie, dass die Unternehmen nicht nur vermehrt Betriebsaufgaben an Dienstleister abgeben, sondern auch in die Cloud-Kompetenz der eigenen IT investieren. Für die Erhebung befragten die Analysten rund 160 Organisationen unterschiedlicher Größe (zwischen 200 und mehr als 5.000 Mitarbeitern) aus verschiedenen Branchen. Dass im klassischen Mittelstand die Bereitschaft, den Cloud-Betrieb an einen Provider auszulagern, deutlich stärker ausgeprägt ist als bei größeren Unternehmen, ergab ­eine Crisp-Befragung aus dem Jahr 2015.

Mehr als Migrationen

Im Channel beobachtet man ebenso den Trend, dass Dienstleister mehr und mehr damit beauftragt werden, die IaaS-Umgebung ihrer Kunden zu betreiben. „Der Anteil der Managed Services an unserem Cloud-Geschäft wächst“, bestätigt Erich Vogel, Cloud Leader bei Computacenter. „Für Kunden wird es immer wichtiger, einen Partner zu haben, der sie nicht nur berät und die Architektur für sie entwirft, sondern der anschließend auch den Basisbetrieb übernimmt.“

Erich Vogel, Cloud Leader bei Computacenter, stellt sich auf eine hybride Welt ein.
Erich Vogel, Cloud Leader bei Computacenter, stellt sich auf eine hybride Welt ein. (Bild: Bernd Arnold / Computacenter)

Dabei teilen sich Computacenter und die Kunden häufig die Betriebsverantwortung, wie der Experte berichtet. Um die Applikationen, die in der Cloud laufen und die in der Regel nach DevOps-Methoden entwickelt werden, kümmern sich die Unternehmen selbst. „Alle Aufgaben, die darunter liegen, wie Management der Virtual Private Cloud (VPC), Monitoring oder Incident Management werden nach draußen gegeben.“

Den weitaus größten Anteil des Cloud-Geschäfts von Computacenter machen derzeit noch Professional Services, also einmalige Dienstleistungen, aus. Schwerpunkte bilden unter anderem das Design von VPC-Architekturen und die Erstellung von Security-Konzepten. „Unsere Stärken kommen vor allem dann ins Spiel, wenn die Szenarien hybrid werden“, betont Vogel. Wenn es um ein ganzheitliches Datenmanagement oder ein übergreifendes Governance-Framework gehe, brauche man nicht nur Cloud-Knowhow, sondern müsse auch wissen, wie die On-Premises-IT funktioniere.

Computacenter tritt seit März 2016 offiziell als Partner von AWS auf und befasst sich als langjähriger Microsoft-Partner etwa seit der gleichen Zeit mit Azure. Ende Februar hat das Unternehmen auch eine Kooperation mit Google vereinbart. Die Stärken des Systemhauses sieht Vogel in der Breite des Kompetenzspektrums und im Wissen um klassische Infrastrukturen, wovon er sich vor dem Hintergrund von Multi-Cloud und Hybrid-IT künftiges Potenzial verspricht. „Je komplexer die hybride Umgebung bei Endkunden wird, je mehr virtuelle Rechenzentren sie in der Public Cloud betreiben, je mehr SaaS-Anwendungen sie nutzen, desto mehr wird Cloud ein zukunftsträchtiges Geschäft für den Channel“, resümiert der Manager. Viele Unternehmen haben nach seinen Worten weder die Zeit, sich neben dem Kerngeschäft selbst damit zu befassen, noch finden sie die geeigneten Leute dafür. Um die wenigen Experten, die Cloud-Architekturen richtig designen können, werde im Markt „ein harter Konkurrenzkampf“ ausgetragen.

Dauerhafte Betreuung

Managed Services sind auch bei TecRacer „ein Geschäft, das stetig wächst“, wie Sven Ramuschkat, Geschäftsführer des AWS-Spezialisten aus Hannover, berichtet. Inzwischen überwacht dort ein 15-köpfiges Team den Cloud-Betrieb von Kunden und übernimmt für sie das gesamte Service-Management. Diese Leistungen müssen Premier-Partner, die die Elite im Channel des Hyperscalers bilden, sogar zwingend erbringen. „AWS erwartet von uns, dass wir in der Lage sind, einen Kunden nach Abschluss seines Projekts dauerhaft zu betreuen und seine Umgebung laufend zu verbessern.“

Sven Ramuschkat, Geschäftsführer bei TecRacer, rechnet auch künftig mit großem Beratungsbedarf bei Kunden.
Sven Ramuschkat, Geschäftsführer bei TecRacer, rechnet auch künftig mit großem Beratungsbedarf bei Kunden. (Bild: TecRacer)

Neben Managed Services sind Consulting und Trainings die beiden anderen Schwerpunkte von TecRacer in der Zusammenarbeit mit dem Cloud Provider. Als Beratungspartner von AWS unterstützen die Niedersachsen ihre Kunden unter anderem beim Design von Cloud-Architekturen und bei der Migration von Anwendungen auf die IaaS-Plattform.

Allerdings beobachtet Ramuschkat, dass sich Architekturdesign und Migration zu Commodity-Leistungen entwickeln, weil mittlerweile „auch Systemhäuser aufwachen und sich damit befassen“. Dadurch gingen Dienstleistungssätze tendenziell nach unten. „Für uns ist deshalb wichtig, dass wir uns selbst weiterentwickeln und noch stärker spezialisieren.“ So haben die Hannoveraner zusätzliche Kompetenzen für AWS-Angebote aus Feldern wie Data Warehousing, Big Data, Machine Learning und DevOps erworben.

Dass für TecRacer weiterhin genügend zu tun bleibt, daran hat der IT-Unternehmer keinen Zweifel. Bislang habe er „noch nicht erlebt, dass IT jemals einfacher geworden ist“. Das sei bei der AWS-Cloud nicht anders, in der laufend neue Features hinzukommen, durch die sich die Komplexität erhöhe. „Unternehmen werden daher auch in Zukunft einen großen Beratungsbedarf haben.“ Darauf reagiert der AWS-Partner mit seinem Dienstleistungsangebot. Was ihn dabei grundsätzlich von Systemhäusern wie Computacenter unterscheidet, ist die Fokussierung auf reine Cloud-Szenarien. „On-Premises-Systeme fassen wir nicht an.“

IT in die Cloud erweitert

In diesem Punkt unterscheidet sich TecRacer auch von Vintin, Systemhaus aus Sennfeld bei Schweinfurt. Mit ihrer Cloud-Kompetenz setzen die Franken oftmals bei der klassischen IT an. „Wir haben für uns einige Felder identifiziert wie Compute, Storage, Backup oder Security, auf denen wir unsere Kunden dabei unterstützen, ihre On-Premises-Infrastruktur in die Cloud zu erweiterten“, erläutert Christoph Waschkau, Geschäftsführer bei Vintin. Auf diese Weise helfe der Dienstleister den Unternehmen, ihre IT so zu betreiben, dass sie sich flexibler dem Geschäftsverlauf anpasst, dass Ressourcen effizienter genutzt werden oder dass sich die Sicherheitslage verbessert. Das Systemhaus besitzt Kompetenz sowohl für AWS als auch für Azure.

Christoph Waschkau, Geschäftsführer bei Vintin, beobachtet wachsendes Interesse von Kunden an der Cloud.
Christoph Waschkau, Geschäftsführer bei Vintin, beobachtet wachsendes Interesse von Kunden an der Cloud. (Bild: Vintin)

Mitunter geht Vintin noch einen Schritt weiter. „Bei manchen Kunden lassen wir die hybride Welt hinter uns und migrieren ihre IT komplett in die Cloud“, so Waschkau weiter. Nach seinen Worten eröffnen sich den Unternehmen dadurch ganz andere Möglichkeiten als in der On-Premises-Welt. So erlaube ihnen die Cloud, wesentlich schneller auf neue Anforderungen zu reagieren. Zudem könnten sie Dinge ausprobieren, ohne zuvor in Infrastruktur investieren zu müssen. Nicht zuletzt sparten sie Kosten, weil sie nur für das zahlen, was sie tatsächlich nutzen.

Unter dem Namen „Wolkenmacher“ hat Vintin ein Team aus Entwicklern, Architekten und Data Scientists aufgebaut, das sich zunehmend mit der Entwicklung nativer Cloud-Anwendungen, mit Data Management und Machine Learning befasst. Allerdings unterscheiden sich Projekte, die sich um diese Themen drehen, deutlich von klassischen Systemhausprojekten, wie der Geschäftsführer darlegt. Die Ansprache des Kunden ist anders. Inhaltlich stehen Prozesse im Vordergrund, während Infrastruktur nur am Rande eine Rolle spielt. Aus diesem Grund denkt man bei dem Systemhaus darüber nach, dieses Geschäftsfeld organisatorisch stärker auf eigene Füße zu stellen. „Wir sehen uns als gespaltene Persönlichkeit“, scherzt Waschkau. „Unser Unternehmen ist sowohl in der alten als auch in der neuen Welt zu Hause.“

Auch Vintin bestätigt den Trend zu Managed Cloud. „Unsere Kunden erwarten zunehmend von uns, dass wir Betriebsleistungen für sie erbringen“. Das sei aber nur eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite beobachten die Franken auch bei IT-Abteilungen im Mittelstand einen immer größeren Wissensdurst in puncto Cloud. Den zu stillen, brauchen die Kunden ebenfalls das Systemhaus – als Trainer und als Sparringspartner.

Alternatives Infrastrukturmodell

Cloud Computing hat sich ohne Zweifel als alternatives Konzept für die IT-Infrastruktur etabliert. Das Grundprinzip, dass sich Ressourcen flexibel bereitstellen lassen, ohne dass auf Anwenderseite dafür Hardware eingesetzt werden muss, mag ein Grund sein, warum sich unterschiedliche Unternehmen wie der Systemhausriese Computacenter, der Java-Entwicklungs-Spezialist TecRacer und das regionale Systemhaus Vintin strategisch darauf ausgerichtet haben. In diese Reihe gehört auch der Hosting Provider Rackspace (siehe „Ergänzendes zum Thema“). Dass diese Unternehmen früh Knowhow für ein oder mehrere Hyperscaler aufgebaut und tiefes Verständnis für das As-a-Service-Modell entwickelt haben, begründet ihren Erfolg. In ihrem jeweiligen Marktsegment zählen die vier heute zu den führenden Cloud-Spezialisten. Den wesentlichen Teil ihrer Wertschöpfung erzielen sie dabei mit Dienstleistungen.

Verglichen damit spielt das Reselling von Services im Cloud-Geschäft generell eine untergeordnete Rolle. Nichtsdestotrotz ist der Anteil der indirekt verkauften IaaS-Angebote ein Indikator für die Bedeutung des Channels. Die Marktforscher von Canalys schätzen, dass 2018 etwa ein Drittel des globalen Volumens von 80,4 Milliarden Dollar über Partner lief. Dieser Anteil werde sich kontinuierlich vergrößern, sodass er Ende 2020 bei mehr als 50 Prozent liegen werde, prognostiziert Chef-Analyst Edwards. „Wir sind davon überzeugt, dass in einer Multi-Cloud-Welt das Channel-Modell das dominierende sein wird.“

Kommentare werden geladen....

Sie wollen diesen Beitrag kommentieren? Schreiben Sie uns hier

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45762586 / Infrastructure as a Service)