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Server-Hersteller & Systemintegrator

Thomas-Krenn: Hidden Champion der Server-Szene

| Autor: Wilfried Platten

David Hoeflmayr, CEO von Thomas-Krenn
David Hoeflmayr, CEO von Thomas-Krenn (Bild: Bild: Thomas-Krenn/Vogel IT-Medien)

Die Frage, ob Thomas-Krenn nun Hersteller mit geringer Fertigungstiefe ist oder Integrator mit hohem Hardware-Eigenanteil, zeigt, wie schwierig die Trennlinie zu ziehen ist. Wichtiger ist jedoch, welche Vorteile Systemhäuser aus dieser ganz eigenen Mischung ziehen können. Distributoren spielen in diesem Modell nur als Bezugsquelle ein Rolle, aber nicht als Vertriebspartner.

Der Bayerische Wald ist, durchaus positiv gemeint, tiefste Provinz und die Heimat hierzulande bedrohter Spezies. Dazu zählen unter anderem Luchse, Fischotter und auch ein Hersteller und Integrator von Server- und Storage-Systemen.

Thomas-Krenn (TK) residiert seit 14 Jahren in Freyung ganz in der Nähe des Naturparks, braucht zum Überleben im Server-Haifischbecken aber kein Reservat und hat sein Revier weit über die heimatlichen Gefilde ausgedehnt.

Die Produktpalette reicht von Thin Clients und Mini-PCs bis zu Software. Doch das Kerngeschäft sind Server- und Storage-Systeme, die in Freyung produziert, beziehungsweise integriert werden. Mit der gängigen Vorstellung von Server-Fertigung, bei der die Geräte in vierstelligen Losgrößen vom Band purzeln, hat die Produktion allerdings wenig zu tun. Zwar gibt es im Katalog einige vorkonfigurierte Standardmodelle mit einer Basiskonfiguration, doch die meisten dieser Geräte werden nach dem „Built-to-order“-Prinzip (BtO) gebaut, bei dem sie nach spezifischen Kundenwünschen auf Bestellung gefertigt werden.

Online & Telefon

Dreh- und Angelpunkt dafür ist der Konfigurator des Online-Shops. Doch trotz der ausgefeilten Bestell-Tools laufen rund 95 Prozent aller Verkäufe über den Telefon-Service. Meist dient dabei der Web-Katalog als Einstieg, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen oder eine individuelle Grobkonfiguration zusammen zu klicken. Geht es aber ans Eingemachte, sprich die detaillierte Konfiguration eines ganz bestimmten Servers oder Storage-Systems, dann sind nach wie vor (oder mehr denn je) Berater aus Fleisch und Blut gefragt.

Der Grund dafür ist einfach: „Die wachsende Komplexität der Anforderungen und Lösungen überfordert die meisten Kunden. Deshalb sind sie froh, wenn sie sich zusätzlich noch telefonische Beratung einholen können. Das hat für uns den Vorteil, dass wir sehr viel direktes Feedback bekommen, das wir in die Entwicklung unserer Systeme einfließen lassen können“, so CEO David Hoeflmayr.

Großküche & Operationssaal

Die großzügig angelegten Produktions-Hallen ähneln eher einer Mischung aus Großküche und Operationssaal. Fast schon klinisch sauber und steril anmutend – nur die dort übliche Hektik fehlt. Jedes System wird von einem einzigen Mitarbeiter quasi im Manufaktur-Stil aufgebaut. Alle notwendigen Teile werden ihm nach bewährtem Kochbuch-Prinzip („man nehme...") vom Lager in Griffweite bereitgestellt, das entsprechende Rezept wird auf einem Display eingeblendet. Nur dass statt Fleisch, Fisch, Gemüse und Gewürzen, Gehäuse, Boards, Chips und Kabel auf die richtige Mixtur warten.

Der gesamte Prozess ist auf kurze Wege ausgelegt. Für die Strecke vom Lagereingang der diversen Komponenten bis zum Lagerausgang der fertigen Systeme würde ein Usain Bolt keine 30 Sekunden brauchen. Obwohl, ein Hürdenläufer würde sich angesichts der hier herumstehenden Paletten wohler fühlen.

Paletten & Hürdenläufer

Auf diesen Paletten sind, speziell wenn sie zwischen Eingangslager und Fertigungstischen stehen, auffällig oft Kartons mit einem ganz bestimmten Schriftzug zu sehen: Supermicro. Sie sind ein beredtes Indiz für die Fertigungstiefe in Freyung. Thomas-Krenn ist einer der größten deutschen Abnehmer des US-asiatischen Herstellers von Komponenten und Server-Chassis. Für die BtO-Systeme werden Distributoren wie Boston genutzt, Standardmodelle werden als Containerware direkt bezogen: „Wir arbeiten seit über zehn Jahren zusammen und Thomas-Krenn hat sich in dieser Zeit zu einem der wichtigsten Integrationspartner in Deutschland entwickelt“, so Martin Stenvers, Director of Sales, Supermicro DACH.

Am oberen Ende des Angebotsspektrums rangieren Appliances, andere Hersteller würden wohl sagen konvergente, beziehungsweise hyperkonvergente Systeme, mit vorinstalliertem VMware VSAN, StorMagic Virtual SAN oder Suse Enterprise Storage. Die Integrationstiefe geht aber noch weiter: Auf Wunsch werden Images von Anwendungs-Programmen direkt nach der Produktion der Server aufgespielt. Dieser Service steht auch unabhängigen Software-Entwicklern (ISV) zur Verfügung.

Open Source & Wiki

Schon sehr früh hat Thomas-Krenn eine starke Affinität zu Open Source entwickelt. Mit der Nutzung von Debian Linux auf den Servern gingen die Gründer ein nicht unbeträchtliches Risiko ein, stand dahinter doch keine Linux-Distribution wie Redhat oder Suse, sondern „nur“ eine Community ohne strukturierte Support-Ressourcen. Aber die Erfahrungen waren offenbar so positiv, dass Thomas-Krenn diesen Weg konsequent weiter beschritten hat. Natürlich gehören mittlerweile auch die beiden genannten Linux-Distributoren zu den TK-Partnern. Speziell mit Suse besteht seit rund anderthalb Jahren eine enge Zusammenarbeit (siehe Interview Seite 22).

Das kumulierte Knowhow in Sachen Open Source ist auch in die Entwicklung eigener, meist hardware-naher, Systemsoftware eingeflossen. Dazu zählen beispielsweise ein Monitoring-System oder Software zum Auslesen von IPMI-Sensoren.

Das erworbene Wissen wird über das TK-Wiki mit der Community geteilt. Die Mitarbeiter stellen hier aber auch ihr Know-how bezüglich Server- und Storage-Technik ein. Das Wiki sorgt dafür, dass die Hotline entlastet und die Community laufend mit Informationen versorgt wird.

Die eingestellten Artikel reichen von In stallations- und Konfigurationsanleitungen, über technische Erklärungen und Softwareprobleme bis hin zu konkreten Problemlösungen. Die beiden aktuell am häufigsten geklickten Dokumente beschäftigen sich aber beide weder mit Hardware noch mit Open Source sondern mit Microsoft-Software: „Windows Server 2012 Editionsunterschiede“ und „Windows für SSDs optimieren“, gefolgt von dem Artikel „VLAN Grundlagen“.

Wachstum & Zukäufe

Aktuell arbeiten rund 160 Mitarbeiter für Thomas-Krenn. Jährlich kommen circa zehn neue dazu. Da das Unternehmen zu den größten Arbeitgebern der Region gehört ist es nicht schwierig, genügend interessierte Kandidaten für vakante Stellen zu finden. Doch fertig ausgebildete Bewerber mit den benötigen Qualifikationen sind die absolute Ausnahme. Deshalb steht das Thema Aus- und Weiterbildung auf der Prioritätenliste ganz weit oben.

Die Umsätze wachsen von Jahr zu Jahr organisch mit zehn bis 20 Prozent. Im Jahr 2015 wurden 33,5 Millionen Euro umgesetzt, 2014 waren es noch 27,8 Millionen Euro.

Zu den wenigen Zukäufen gehören die Tochterfirmen Filoo und Xortex. Filoo betreibt ein Tier3-Rechenzentrum in Frankfurt/Main, über das Thomas-Krenn Hosting Services anbietet. Die österreichische E-Commerce- und Online-Agentur Xortex ist für den Online-Shop und den Konfigurator verantwortlich.

In der Welt der Server- und Storage-Anbieter ist aktuell viel Bewegung, meist aufgrund hausgemachter Probleme und Problemchen: Dell und EMC arbeiten an ihrer Traumhochzeit, HPE kämpft mit sich selbst und entlässt Tausende von Mitabeitern, Lenovo ist in Sachen x86-Server (von IBM übernommen) noch nicht besonders aufgefallen, NetApp und Fujitsu schwächeln. Dementsprechend müsste das Konkurrenzumfeld für Thomas-Krenn eigentlich eine „gmahde Wiesn“ sein, wie man in Bayern sagt.

Doch Hoeflmayr sieht darin keinen Einfluss auf sein Geschäft: „Aber wir merken hin und wieder, dass Kunden, die zu uns kommen, durch die Umbauten in den großen Unternehmen verunsichert sind. Sei es weil sie innerhalb kurzer Zeit den dritten oder vierten neuen Ansprechpartner haben oder kurz vor Quartalsende plötzlich ganz andere Preise bekommen. Stabilität in den persönlichen Kontakten ist eine wichtige Voraussetzung für den Aufbau von Vertrauen.“

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