Hintergründe zum Verkauf Sysob geht den paneuropäischen Weg

Autor: Michael Hase

Thomas Hruby, Geschäftsführender Gesellschafter von Sysob, hat sich mit dem Schorndorfer VAD der britischen CMS-Gruppe angeschlossen. Der IT-Unternehmer begründet den Verkauf damit, dass ein Distributor heute in der Lage sein müsse, paneuropäisch zu agieren.

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Distributionsabkommen werden heute oft mit Blick auf internationale Märkte getroffen.
Distributionsabkommen werden heute oft mit Blick auf internationale Märkte getroffen.
(Bild: Ricardo Ferrando - stock.adobe.com)

Die Security-Distribution ist internationaler geworden. Gruppen wie Arrow, Exclusive, Infinigate, Nuvias und Westcon bestimmen heute dieses Segment. Gegen diesen Trend kann und will sich Thomas Hruby, Gründer und Gesellschafter von Sysob nicht stemmen. Deshalb hat er den VAD, der in Schorndorf in der Oberpfalz ansässig ist, mehrheitlich an die britische CMS Distribution verkauft. „Wir müssen über den deutschsprachigen Markt hinaus paneuropäisch denken, um für die kommenden Jahre zukunftssicher aufgestellt zu sein“, begründet der IT-Unternehmer den Schritt.

Thomas Hruby, Gründer und Geschäftsführer von Sysob, nennt die Übernahme durch CMS „einen Glücksfall“.
Thomas Hruby, Gründer und Geschäftsführer von Sysob, nennt die Übernahme durch CMS „einen Glücksfall“.
(Bild: Sysob)

Hruby bleibt Mitgesellschafter und wird weiterhin die Geschäfte von Sysob führen. Einen persönlichen Rückzug plant der 47-Jährige nicht, wie er betont. Gleichwohl sieht er keine Alternative zum Anschluss an eine internationale Gruppe. „Es gibt nur diesen einen Weg“, ist der Distributionsprofi überzeugt. „Der Markt konsolidiert sich immer stärker, was man bei Mitbewerbern und Kunden beobachten kann. Zugleich forcieren die Hersteller das Channel-Management auf paneuropäischer Ebene.“ Tatsächlich wurden Mitbewerber wie Computerlinks, Entrada oder TLK schon vor ­einigen Jahren von internationalen Gruppen übernommen. Hätten diese VADs eine andere Option gehabt, wären sie den Weg nicht gegangen, meint Hruby.

Synergien werden ausgelotet

Mit dem Merger verbinden Sysob und CMS den Plan, das Leistungsportfolio auf beiden Seiten auszubauen und gemeinsam international zu wachsen. Nach außen hin soll sich kurzfristig nichts ändern. „Zunächst werden wir sondieren, wo sich Synergien nutzen lassen.“ Inhaltliche Schwerpunkte der britischen Gruppe liegen auf Storage und wie bei den Oberpfälzern auf Security. Da die Überschneidungen auf Herstellerseite gering sind, ist das Potenzial nach Hrubys Worten groß. „Der Zusammenschluss ist für uns ein Glücksfall.“

So gibt es Anbieter im Portfolio von Sysob, die die Zusammenarbeit gern über den deutschsprachigen Raum hinaus erweitern würden. Umgekehrt hat CMS mit einigen Herstellern paneuropäische Vereinbarungen getroffen, die die Briten bislang in der DACH-Region nicht umsetzen konnten, weil sie dort noch keinen Standort hatten. Daher bezeichnet Frank Salmon, Gründer und CEO des Distributors, den Kauf von Sysob als „strategische Akquisition“, durch die sich das Vertriebsgebiet vergrößert. Um über einzelne Anbieter zu sprechen, ist es Hruby zufolge noch zu früh. Zu den Plänen gehört es auch, die Präsenz des VAD in Österreich und der Schweiz auszubauen, wo er bereits Vertriebsbüros unterhält.

Die CMS-Gruppe ist bislang mit 13 Standorten in UK, Frankreich, Irland, den Niederlanden, Schweden, Spanien, den USA und China vertreten. Sie beschäftigt mehr als 400 Mitarbeiter und erzielte 2020 einen Umsatz von umgerechnet rund 565 Millionen Euro. Zum Portfolio des Unternehmens, dem nach eigenen Angaben größten unabhängigen Spezialdistributor für IT-Infrastruktur und -Sicherheit auf den britischen Inseln, gehören nahezu 100 Hersteller. Dagegen ist Sysob mit 45 Mitarbeitern deutlich kleiner. Der VAD, der sich neben Security auf WLAN und Server-based Computing fokussiert, vertreibt Produkte und Lösungen von 27 Anbietern.

Managed Security Services

Ein Schwerpunkt des bayrischen Distributors liegt darauf, Partner mit Trainings, Beratung und weiteren Dienstleistungen bei der Bereitstellung von Managed Security Services zu unterstützen. Auf diesem Feld besitzt Sysob laut Hruby zahlreiche Zertifizierungen und Qualifikationen. „Was Managed Services betrifft, werden wir sicherlich konzeptionelle Ansätze in den Verbund einbringen können.“

Der Geschäftsführer rechnet fest damit, dass sich gemanagte Security-Leistungen im Mittelstand als vorherrschendes Modell durchsetzen werden. Denn durch Faktoren wie die zunehmende Mobilität und Cloud-Nutzung erhöhe sich für Unternehmen die Komplexität, sodass ihre eigenen IT-Mitarbeiter nicht mehr in der Lage sind, einen wirksamen Schutz der Systeme und Daten zu organisieren. „Die meisten Mittelständler können die notwendigen Leistungen nicht mehr selbst erbringen. Es ist unabdingbar, dass ihre Systempartner diese Aufgaben für sie übernehmen.“

Hinzu kommt, dass die Bedrohungen wachsen: „Wir sehen eine Welle von Cyber-Attacken, die auf den Mittelstand hereinbricht. Ohne durchgängiges Monitoring der Infrastruktur, ohne proaktives Management sind die Unternehme dem hoffnungslos ausgeliefert.“ Die Aufgabe, diese Monitoring- und Management-Leistungen zu erbringen, liegt Hruby zufolge in Zukunft vor allem bei Systemhäusern und MSPs sowie bei spezialisierten Distributoren, die die Partner überall dort unterstützen, wo ihnen Skills oder Ressourcen fehlen.

Persönliche Gründe

Erst einen Tag vor der Ankündigung der Akquisition durch CMS gab Sysob bekannt, dass Georg Thoma, der seit vier Jahren als Geschäftsführer den Vertrieb des Unternehmens verantwortete, den VAD verlassen hat. Für die Entscheidung des Manager waren allein persönliche Beweggründe ausschlaggebend, wie Hruby versichert. Sie stehe somit in keinem Zusammenhang mit der Übernahme durch die britische Gruppe. Für die Position des Vertriebsgeschäftsführers suchen die Schorndorfer bereits aktiv nach einem Nachfolger.

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Chefreporter