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Storage&DataManagement

Technik rückt in den Hintergrund

IT-BUSINESS diskutierte mit Experten über Mobility

30.04.2007 | Redakteur: Sarah Maier

Beim Mobility-Roundtable von IT-BUSINESS tauschten Hersteller, Distributoren und Systemhäuser ihre Meinung aus.
Beim Mobility-Roundtable von IT-BUSINESS tauschten Hersteller, Distributoren und Systemhäuser ihre Meinung aus.

Der Zugriff auf das Firmennetz oder die eMail-Abfrage – unabhängig von Ort und Zeit – sind aus dem Geschäftsleben nicht mehr wegzudenken. IT-BUSINESS sprach beim Mobility-Roundtable mit Herstellern, Systemhäusern und Distributoren über die Erwartungen an die Branche und den Channel.

Notebooks gehen mittlerweile öfter über die Ladentheke als Desktops und retten bei den Verkaufszahlen den PC-Markt. Mobilität in jeder Lebenslage ist das Motto: Ob beim Kunden, beim Warten auf dem Flughafen oder einfach nur im heimischen Garten, der uneingeschränkte Zugriff auf Daten ist fast schon ein Muss. Dabei werden die Endgeräte immer günstiger. Teilweise stehen diese gar in den Regalen der Lebensmitteldiscounter. Wie kann der Fachhandel hier noch Gewinn machen? Brachte die Einführung von Windows Vista den erwarteten Hype? Was sind die wichtigsten Aspekte für die Kaufentscheidung? Diese Themen diskutierte IT-BUSINESS mit zwölf Experten aus der Mobility-Branche.

Vista lässt warten

Beim Thema Windows Vista wirft Martin Mayer, Area Category Manger Mid Market bei Hewlett-Packard (HP), sofort ein, dass zwischen Commercial- und Consumermarkt unterschieden werden müsse. »Bisher haben wir nur einen leichten Aufschwung im Markt bemerkt, der dann eine Stagnation erfahren hat«, erklärt Mayer. » Es wird im Commercial-Markt noch einige Zeit dauern, bis die Durchsetzungskraft von Vista zustande kommt«, so der HP-Vertreter. »Im Consumer-Umfeld trifft man auf die üblichen Early Adapters, die eine temporäre Verkaufssteigerung bringen«, ergänzt Stefan Tiefenthal, Channel-Leiter bei Fujitsu Siemens Computers. »Noch werden XP-Varianten wegen der Inkompatibilität bei Vista in Bezug auf vorhandene Komponenten bevorzugt.

Anpassung den Herstellern überlassen

Patrick Povel, Produktmanager bei Samsung, findet, dass Microsoft diesmal die Anpasssungsarbeit auf die Industrie schiebt. Alle Diskussionspartner sind sich einig, dass derzeit kein Push durch Vista zu erwarten sei. Karl Koopmann, Produktmanager bei der Wortmann AG, erläutert: »Wir legen eine Lizenz von Vista dem Produkt bei, installieren aber XP, so dass der Kunde ohne Aufpreis umsteigen kann.«

»Vista hat einen sehr hohen Anspruch an uns gestellt, technisch die Geräte so aufzubereiten, dass wir eine Vista-Hardware-Zertifizierung bekommen«, stellt Maxdata-Produktmanager Roland Gerdes fest. »Wir können zwar auf den Marketing-Hype aufspringen. Ein Return on Investment ist allerdings nicht so schnell zu erwarten.« Nach Meinung von Phillip Eichhorn, Acer-Produktmanager, wird aufgrund der höheren Hardwareanforderungen die Migration in vielen Unternehmen erst stattfinden, wenn ein neuer Investitionszyklus beginnt. »Von daher müssen wir dem Ganzen sicherlich noch eine Übergangszeit von ein bis eineinhalb Jahren geben«, unterstreicht der Acer-Produktmanager.

Performance findet Beachtung

»Ein Vorteil ist zu nennen: Beim Notebook-Kauf wird zum ersten Mal die Performance beachtet«, so Rudolf Mihatsch, Manager Mobile bei Cancom. Denn Vista braucht eine höhere Grafik- sowie Prozessorleistung. »Wir nehmen das gerne auf, um den Mehrwert eines Geräts hervorzuheben«, erklärt der Cancom-Vertreter. »Man muss auch die negativen Aspekte sehen, wenn Vista höhere Ansprüche an Grafik und Hauptspeicher hat«, widerspricht Koopmann. »Das Ganze frisst Akkuleistung und ist laut.« Akku und Speicher erzeugen Hitze, welche über die Kühlung nach draußen geführt werden müsse. Dies führe zu höherer Lärmbelästigung.

Konkurrent Desktop

Fest steht, dass das Notebook sich an die technischen Forderungen anpassen muss. Die Akkuleistung ist dabei ein Punkt. »Ein Notebook sollte einen Arbeitstag überstehen«, findet IME-Geschäftsführer Christoph Hilbert. »Dabei sind immer wieder neue Technologien im Gespräch, die sich jedoch nicht durchsetzten. Ein anderer Aspekt ist für mich auch der richtige Formfaktor: Dabei geht es um Bedien- und Lesbarkeit. Aber wichtig sind natürlich auch Qualität und Zuverlässigkeit der Geräte«, ergänzt Hilbert. Das Notebook steht im direktem Wettbewerb zum Desktop. »Die Kapazitätssteigerung wird nicht nur durch Vista geschürt, sondern gleichfalls durch die Ansprüche, welche aus dem PC-Bereich erwachsen sind«, sagt Maxdata-Produktmanager Gerdes. Ein integriertes Mikrofon oder eine Kamera werden fast schon vorausgesetzt. WLAN und Bluetooth sind Standards.

Problem: Akku

»Die Akkulaufzeit ist eine zentrale Geschichte, denn hier haben wir in den letzten Jahren nie etwas Neues gesehen«, ergreift Koopmann das Wort. »Seit der Einführung von Centrino, die uns eine relativ gute Akkulaufzeit liefert, wird ständig die Betriebsdauer von technischen Entwicklungen weggefressen.« »Dabei sprechen die gewünschte Größe und das Gewicht eines Notebooks gegen einen leistungsfähigeren und schwereren Akku«, ergänzt Mihatsch. »Man muss das differenzierter sehen: Wir haben die Anwender, die das Notebook auf dem Schreibtisch nutzen, weil es platzsparender ist auf dem Schreibtisch nutzen, weil es platzsparender ist und Mobilität zuläßt. Meist steht jedoch eine Steckdose zur Verfügung, wodurch die Akkuleistung nicht das entscheidende Kriterium ist«, so Marko Gieren, Produktmanger bei Lenovo. »Bei den Vielreisenden muss das Gerät lange durchhalten. Hier muss der User entsprechend beraten werden.«

Design als Statussymbol

Neben technischer Ausstattung und Kundenprofil trägt das Design zur Differenzierung bei. »Ein Notebook muss schick aussehen, denn es ist ein repräsentatives Tool«, findet Mayer und verweist gleich auf das HP-Modell in Klavierlack-Optik. Es sei wie bei Autos: Die Konsumenten vertrauen der Technik und wollen etwas für das Auge. Der Kunde sei mittlerweile bereit, 20 bis 30 Prozent mehr für das Aussehen zu zahlen. Vorstand und Außendienstmitarbeiter bräuchten ein vorzeigbares Notebook. Ist die Entscheidung für ein »Designer-Gerät« gefallen, achtet der Kunde beim Einkauf in der Regel auf passendes Zubehör. Wobei ein Administrator eher eine technikbezogenere Auswahl treffe als der Endkunde. Für einen IT-Beauftragten ist ebenfalls der Service ausschlaggebend.

Ständig mobil

Vergangenes Jahr sind die ersten mobilen Geräte mit HSDPA-Technologie erschienen. Auch hier herrscht Einigkeit, dass dies ein Mainstream wird. Das Wann bleibt jedoch im Ungewissen. »Viele Kunden sind bereit, sich eine Datenkarte für einen Euro zu kaufen, aber nicht die eingebettete Technologie. Es geht hier darum, das Ganze richtig zu verpacken«, so Tiefenthal. Derzeit ist UMTS, da meist nur in Ballungsräumen verfügbar, noch in Konkurrenz mit WLAN. Wer allerdings auf ständige Mobilität angewiesen ist, spart sich mit den angebotenen UMTS- und HSDPA-Flatrates zum Teil Geld. Außerdem schreite der Ausbau hierfür sehr schnell voran.

Eichhorn merkt an, dass der Verkauf der integrierten Technologie hinterherhinke, da die Subventionsstruktur nicht transparent genug seien. »Die Kosten können wir klar aufschlüsseln«, setzt Tiefenthal hinzu. »Das Problem ist die Kommunikation beim Channel, denn der muss plötzlich Air-Time verkaufen.« Einerseits wisse der Kunde nicht, dass er beim IT-Fachhandel einen Provider-Vertrag abschließen kann, andererseits wisse der Händler wiederum nicht, wie er an die Vertragsmodalitäten kommt. Laut Tiefenthal werde sich in den nächsten zwölf Monaten hier einiges ändern, so dass dieses Problem bald nicht mehr bestünde.

»Wir bieten ein Notebook mit integriertem UMTS-Modem ohne Providerbindung über die Distribution an, denn viele Kunden haben schon ihren Vertag mit einem Mobilfunkanbieter, so Asus-Produktmanager Lars Schweden. Tiefenthal merkt an, dass es sich generell nur um Provider-zertifizierte Varianten bei den Geräten handele und nicht um ein SIM-Lock. Der Kunde könne also jede Karte nutzen. »Subventionierte Notebooks werden sich verglichen mit dem Handy-Bereich nicht durchsetzten«, schätzt Samsung-Vertreter Povel die Lage ein.

Service als A&O

Klappt es mit der Mobilität einmal nicht, will der Kunde schnelle Hilfe. Über den Service können sich Hersteller und Fachhändler differenzieren. »Service ist für mich nicht nur Garantieleistung und Reparatur«, sagt Gerdes. »Klassisch bedeutet es für mich auch, Information bereitzuhalten und den Kunden aktiv anzusprechen.« Als Beispiel nennt der Maxdata-Vertreter die Update-Möglichkeit über Internet. Laut IME-Geschäftsführer Hilbert dürfe die Reaktionszeit oder eine qualifizierte Hotline nicht vergessen werden.

Für Mihatsch wiederum ist die Transparenz ein bedeutender Gesichtspunkt: Der Kunde möchte wissen, wo sein eingeschicktes Notebook gerade ist, denn hierauf befinden sich wichtige Daten. »Als Hersteller ist man verpflichtet eine Servicekette aufzubauen, die den Kunden in die Lager versetzt, sein Notebook am Point of Sale zur Reparatur zu geben«, meint Tiefenthal. Der Idealfall wäre Hochverfügbarkeit.

Mehr Aufwand

Mit Service lässt sich Marge generieren. Auch das Zubehör trägt dazu bei. Der Händler müsse heute jedoch den doppelten Aufwand betreiben für den gleichen wirtschaftlichen Erfolg wie noch vor ein paar Jahren.

Cross-Selling Ansätze sind gefragt und deshalb müsse der Händler sich intensiv mit dem Kunden beschäftigen, rät Hilbert. Tiefenthal schlägt ein ganzheitliches Konzept vor: »Bei einer Gesamtlösung mit Hardware, Dienstleistung und Software tritt der Produktpreis in den Hintergrund.« Durch spezielle Programme versuche man zwar dem Partner eine bessere Handelsspanne zu bieten, aber letztlich seien zu viele Leute an der Wertschöpfungskette beteiligt, kritisiert Samsung-Produktmanager Povel. Irgendwo finde sich immer jemand, der den Preis für den Channel zerstört.

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