Photokina-Jahr: Aufschwung in Sicht

Die Kamera-Trends 2018

| Autor: Sylvia Lösel

Die Kamera ist kein Auslaufmodell mehr. Für höherpreisige Kameras finden sich immer mehr Käufer.
Die Kamera ist kein Auslaufmodell mehr. Für höherpreisige Kameras finden sich immer mehr Käufer. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Höherwertige Kameras liegen im Trend. Klar, denn das Einstiegssegment ist fest in der Smartphone-Hand. Das erste Mal seit sieben Jahren dürfen sich nun Händler und Hersteller über steigende Umsätze freuen.

Nach einer langen Durststrecke konnte der weltweite Kamera-Markt im Jahr 2017 endlich wieder Wachstum verzeichnen. Im Vergleich zum Vorjahr wurden drei Prozent mehr Kameras abgesetzt. Der Wertzuwachs betrug sogar elf Prozent. So wurden vergangenes Jahr 24.978.486 Kameras im Wert von rund 5,83 Milliarden Euro verkauft. Diese Zahlen veröffentlichte jetzt der Photoindustrie-Verband.

Der Trend geht global zu hochwertigem Kamera-Equipment. So nehmen bei der weltweiten Wertentwicklung auch die Spiegelreflexkameras mit 45 Prozent die Spitzenposition ein, gefolgt von kompakten Systemkameras mit 28 Prozent und den Kompaktgeräten mit 27 Prozent.

SLR, System- und Kompaktkamera

Beim Marktanteil haben allerdings weiterhin die Kompaktkameras die Nase vorn. Sie machen 53 Prozent des Gesamtmarkts aus, gefolgt von Spiegelreflex-Modellen (SLR) mit 31 Prozent und den Systemkameras mit 16 Prozent. Letztere gewinnen langsam an Bedeutung. Ihr Mengenwachstum hat sich im Vergleich zu 2016 um rund 30 Prozent, das Wertwachstum um nahezu 50 Prozent erhöht. Dies geht wohl allerdings leicht zu Lasten der SLR-Modelle. Diese erreichten 96 Prozent des Vorjahresumsatzes und 90 Prozent bei den Stückzahlen.

Unter Systemkameras versteht man Fotoapparate, die zwar keinen Spiegel (wie die SLRs) haben, aber dennoch ein Bajonett für Wechselobjektive. Kompaktkameras dagegen verfügen über ein fest eingebautes Objektiv.

Die verkauften Stückzahlen bei den Objektiven hielten sich auf dem Vorjahresniveau, der Umsatz legte aber auch hier zu, nämlich um neun Prozent.

Für das Jahr 2018, in dem wieder die Photokina (26. bis 29. September) stattfindet, rechnet der Photoindustrie-Verband mit einem anhaltenden Aufschwung.

Der weltweite Trend spiegelt sich auch in den Zahlen der gfu für die ersten drei Quartale 2017 wider. Im deutschen Markt wurden demnach zwar weniger Digitalkameras (minus 12,6 Prozent) verkauft, dafür legten die Verbraucher aber 3,8 Prozent mehr Geld auf den Tresen als noch 2016.

Kamera-Ausstattung

Bei den diesjährigen Neuvorstellungen zeichnet sich ebenfalls ganz klar der Trend zu höherpreisigen Modellen ab. Das ist eindeutig damit erklärbar, dass in vielen Smartphones bereits gute Kameras für fotobegeisterte Amateure eingebaut sind. Wer sich dennoch eine Kamera leistet, der möchte mit dieser meist professioneller fotografieren und ist auch bereit, dafür etwas mehr Geld auszugeben.

Sowohl Olympus hat mit seiner PEN-E-PL9 im Retro-Look eine Systemkamera im Portfolio wie auch Panasonic mit der GX9. Beide verfügen über ein Micro-Four-Thirds-Bajonett, mit dem sich entsprechende Objektive andocken lassen.

Ebenso wenig darf bei aktuellen Kameras die Konnektivität fehlen. WLAN und Bluetooth sind Pflicht und sowohl beim Panasonic- als auch beim Olympus-Modell an Bord.

Nun hat auch Fujifilm nachgelegt und das neue Flaggschiff seiner X-Serie präsentiert. Die X-H1 ist eine Systemkamera für Profis und kann mit Wechselobjekiven der XF- und XC-Serie kombiniert werden. Der geräuschlose Auslöser, ein robustes Gehäuse und eine Fünf-Achsen-Bildstabilisierung sind weitere Merkmale des Highend-Modells.

Zwischen 300 und 600 Euro kann man ausgeben, wenn man auf eine der drei neuen Canon-EOS-Digitalkameras setzt, die alle mit Wechselobjektiven bestückt werden können. Die EOS M50 arbeitet mit einem CMOS-Sensor im APS-C-Format mit 24,1 Megapixel Auflösung. Des weiteren ist ein Digic-8-Bildprozessor dabei, der 4K-Videos und -Zeitraffer möglich macht. Der Sensor der EOS 2000D im APS-C-Format löst mit 24,1 Megapixel beziehungsweise 18 Megapixeln bei der EOS 4000D auf.

Nach mehr als einem Jahr des Wartens ist ab sofort die Sofortbildkamera Polaroid Pop auf dem Markt. Mit dem integrierten Drucker kann sie auch Smartphone-Bilder auf Papier bringen. Ansonsten ist ein 20 Megapixel-Sensor an Bord sowie ein 3,9-Zoll-Touchdisplay. Die Kamera, die an Polaroids glorreiche Sofortbild-Vergangenheit anknüpfen soll ist für 250 Euro zu haben. Ihr Markenzeichen, der rote Knopf, ist erhalten geblieben.

Das Smartphone als Konkurrenz

Aber auch die Smartphone-Hersteller arbeiten kräftig an Neuerungen. Pünktlich zum Showdown vor dem Mobile World Congress in Barcelona lüftet Samsung auf einem Unpacked-Event das Geheimnis um das neue Galaxy-Smartphone und verspricht: „The Camera. Reimagined.“ Man darf gespannt sein.

Ein neues Licht am Kamerahimmel?

Der amerikanische Hersteller Light hat mit der L16 eine Kamera vorgestellt, die der Spiegelreflex-Konkurrenz machen soll. Sie hat die Abmessungen eines Smartphones und 16 Linsen an Bord. Diese werden mittels einer KI-Software abhängig vom Motiv gesteuert. Mindestens zehn Linsen schießen dann ein Bild. Diese zehn Bilder werden dann zu einem zusammengefügt, das sich durch hohe Tiefenschärfe und optimale Ausleuchtung auszeichnen soll. Die L16 kommt jetzt auch in Deutschland auf den Markt.

Edel-Kompaktkamera von Sony

Mit der RX100 VI wagt Sony ein Experiment: eine hochpreisige Kompaktkamera, die mit einer sehr guten technischen Ausstattung glänzt. In Zeiten da Smartphones den niedrigpreisigen Kompakt-Modellen den Rang ablaufen, darf man gespannt abwarten, ob Kunden bereit sind, den stolzen Preis von rund 1.300 Euro dafür hinzublättern.

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