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AWS Transformation Day 2020 AWS präsentiert Erfolgsgeschichten und Kundenerfahrungen

Autor / Redakteur: Michael Matzer / Elke Witmer-Goßner

Auf dem AWS Transformation Day 2020 galt ein Hauptaugenmerk den Erfolgsgeschichten der Kunden, wie bei der SAP-Migration in die AWS Cloud. Vertreter von DB Systel und Capgemini zeigten anhand von Kundenerfahrungen, worauf es bei der Digitalen Transformation ankommt.

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Das waren noch Zeiten, als AWS für seinen Transformation Day ganze Säle füllen durfte.
Das waren noch Zeiten, als AWS für seinen Transformation Day ganze Säle füllen durfte.
(Bild: © AWS)

Dass die Migration von SAP-Installationen in die Cloud von AWS für viele SAP-Kunden recht bedeutsam ist, lässt sich mit Zahlen belegen. SAP hat angekündigt, dass es ältere Versionen nur noch bis 2027 mit sogenannter Mainstream-Wartung unterstützen wird. Eine optionale Extended-Wartung ist bis Ende 2030 möglich. Das Analystenhaus IDC zitiert in seinem aktuellen IDC Vendor Profile „AWS for SAP Transformation: Features, Functions, and Use Cases“ beispielsweise den CIO eines europäischen Fertigungsunternehmens: Dieser nehme diese befristete Warnung zum Anlass, damit die Leiter der einzelnen Geschäftsbereiche überlegten, worin der wirtschaftliche Wert einer Modernisierung des IT-Kerns bestehen könnte. Nicht nur dieser CIO hat die Migration auf S/4HANA als Chance zur Modernisierung, wenn nicht sogar zu digitalen Transformation begriffen.

IDC-Analysten sehen die Integration von SAP-Komponenten mit AWS-Services als Fundament für die Förderung von Innovation an.
IDC-Analysten sehen die Integration von SAP-Komponenten mit AWS-Services als Fundament für die Förderung von Innovation an.
(Bild: © AWS)

Bis 2019 sind nach Angaben von IDC bereits über 11.500 Organisationen und Unternehmen auf S/4HANA umgestiegen und 45.000 befinden sich bis 2025 auf diesem Weg. Im August 2020 waren 61 Prozent der bereits auf S/4HANA umgestiegenen Unternehmen unter den Fortune-2000 und 80 Prozent im DAX notiert. Wenig überraschend macht dies Europa zum größten Markt für SAP. Nach IDC Research-Ergebnissen vom August 2019 planten 36 Prozent der befragten Unternehmen eine Migration auf S/4HANA, während 20 Prozent der Unternehmen bereits S/4HANA für sämtliche Workloads nutzen und 30 Prozent der Befragten für einen Teil ihrer Workloads.

Seit 2008 ist SAP ein Kunde von AWS und wenige Jahre später zertifizierte SAP den Cloud-Anbieter für produktive Installationen seiner Datenbanken etc. Nach AWS-Angaben betreiben bereits mehr als 5.000 Kunden weltweit SAP-Systeme auf AWS, und mehr als die Hälfte dieser Kunden lassen auch SAP HANA-basierte Lösungen auf AWS laufen. Der Grund ist u.a. das Preis-/Leistungsverhältnis. Nach Angaben eines europäischen Getränkeherstellers, der SAP auf AWS betreibt, könne er eine 42 TByte-SAP-Umgebung zur Hälfte der Kosten betreiben, die er auf dem Vorgängersystem für eine 6-TByte-Umgebung aufbringen musste.

Unter den SAP-Kunden auf AWS finden sich nicht nur „digitale“ Unternehmen wie Zalando oder Delivery Hero, sondern auch etablierte Marken wie Kellogg’s oder Heineken. „Die Migration in Richtung SAP S/4HANA erfordert in jedem Fall eine optimierte Infrastruktur für die SAP HANA Plattform“, weiß Karsten Leclerque, Global Head of Cloud & Infrastructure Services Practice beim Beratungsunternehmen teknowlogy | PAC. „Insofern dienen eine anstehende Migration, aber auch z.B. auslaufende Outsourcing-Verträge, oft als Trigger einer Cloud-Strategie.“

Doch nicht jede x-beliebige Cloud-Strategie ist eine gute Strategie. Der Kunde kann wählen. „Manche Unternehmen migrieren erst ihre bestehenden SAP-Systeme in die Cloud und modernisieren anschließend ihre SAP-Landschaft“, berichtet Leclerque. „Andere entscheiden sich für die umgekehrte Reihenfolge, oder gehen beides parallel an.“ Neu- oder Greenfield-Implementierungen fänden per se häufig direkt in der Cloud statt, da Unternehmen den Rechenzentrumsbetrieb nicht als Kernkompetenz ansähen.

Die AWS-Kunden erwarten vor allem „Kosteneffizienz, betriebliche Agilität und Zukunftssicherheit der Plattform im Sinne einer Unterstützung zukünftiger Innovation“, so Leclerque. AWS selbst stelle vor allem die – durch SAP zertifizierte – Cloud-Plattform bereit, auf die SAP-Systeme migriert bzw. auf der SAP-Systeme betrieben werden können. AWS positioniere sich also weniger als Migrations-Dienstleister, sondern vielmehr als Plattformbetreiber und „Enabler“ der Kunden und Dienstleistungspartner.

Erfahrungsbericht von DB Systel

Der IT-Dienstleister der Deutschen Bahn, DB Systel, hat die Migration auf AWS bereits bewältigt. Auf dem AWS Transformation Day plauderten der leitende Projektmanager Dominik Heller und sein Kollege Steffen Müller aus dem Nähkästchen. Die Ziele: komplette Modernisierung nach dem Verkauf von zwei Rechenzentren in Berlin; Vernetzung mit anderen Kunden der Bahn; die Datenhaltung müsse weiterhin auf deutschem Territorium stattfinden (was AWS zusicherte), sowie BSI-zertifizierte Sicherheit.

Nicht weniger als 27 SAP-Anwendungen und über 400 weitere Apps mit insgesamt 260 TByte Datenvolumen sollten binnen drei Jahren von 37 Mitarbeiter auf 370 AWS-Instanzen (besonders EC2) migriert werden. Diese sportliche Leistung sollte schrittweise erreicht werden. Die gesamte Infrastruktur wurde als Code gespeichert, damit man sie quasi „klonen“ kann.

Schon bald zeigte sich ein Nachteil: jede Änderung führte in der Frühphase zu einer Störung von fünf Minuten. Doch man fand eine Lösung: Man errichtete einfach mehr Test-Systeme, die jede Änderung simulieren und die Auswirkungen durchspielen konnten. Die Migration und das Deployment mit neuen Clustern, AWS-RDS-Datenbanken sowie Snapshot-basierten Backups fand ebenfalls schrittweise statt. Erfreulicher Effekt: AWS rechnet nicht, wie so manch anderer IT-Anbieter, nach der Zahl der verwendeten Rechenkerne ab. Zweiter Nebeneffekt: Jedes SAP-Subnetz lässt sich jetzt durch AWS VPC (Virtual Private Cloud) verbergen und einzeln schützen bzw. abschotten, so dass nur noch das DB-WAN Zugriff hat.

Natürlich gab es auch Downtimes, räumte SAP-Projektleiter Dominik Heller ein. Bei den kleineren Anwendungen kam es zu einer Ausfallzeit von drei Tagen, aber die großen SAP-Applikationen, wie z.B. das SAP System Instandhaltung (ISI), wurde mit maximal vier Stunden Downtime umgezogen. Selbst zwölf Stunden waren indiskutabel. Netter Nebeneffekt laut Steffen Müller: Die Infrastrukturkosten betragen nur noch ein Zehntel derjenigen des Ausgangssystems. Der Performance-Gewinn sei signifikant, vor allem aufgrund der optimalen Wahl der EC2-Instanzen, die Backups gingen schneller vonstatten, ebenso die Wiederherstellung. Neben gesunkenen Lizenzkosten besteht nun die Chance, Systeme und Services weitestgehend zu automatisieren. Legacy-Software lässt sich ablösen und die S/4HANA-Installation konsolidieren.

Ohne Hilfe geht es nicht

„Wenn es darum geht, den eigentlichen Umzug der SAP-Systeme zu unterstützen, die Systeme zu warten, zu managen und in der Cloud zu hosten, kommen in der Regel Beratungs- und Dienstleistungspartner ins Spiel“, erläutert Karsten Leclerque. „Und das gilt natürlich insbesondere für Beratung, die eine Geschäftsprozessoptimierung im Zuge einer SAP-Migration im Fokus hat.“ Eine solche Beratung liefert beispielsweise Capgemini. Bernd Wachter ist dessen Enterprise Architektur Director des Center of Excellence for AWS. Zusammen mit Mert Dogu von AWS berichtete er, welche Erfahrungen Zalando und ein weiterer DAX30-Konzern mit ihrer SAP-Installation auf AWS machten und welche Vorteile sie seitdem daraus ziehen. Der DAX30-Konzern bewältigte seine Migration in nur vier Wochen. Ein Hauptgrund für den Umzug sei die Senkung des TCO. „AWS gab seit 2006 80 Preissenkungen an seine Kunden weiter“, berichtete Dogu. Ein weiterer Grund: „89 Prozent aller Deep-Learning-Projekte für die Entwicklung von KI-Modellen laufen auf AWS.“

„AWS kann als lange etablierter Cloud-Anbieter weltweit auf eine Vielzahl von verschiedenen Kunden, Projekten und Use Cases zurückgreifen, deren Erfahrungen wiederum in eine Vielzahl an Blueprints, Templates, Dokumentationen und Tools einfließen, die Migration und Betrieb erleichtern und effizient gestalten lassen“, berichtet Leclerque. „AWS ist einer der wenigen großen, bei deutschen Kunden gesetzten Public Cloud-Anbieter.“ Die Analysten von teknowlogy | PAC schätzen den Marktanteil von AWS im deutschen Markt für Public-Cloud-Infrastrukturen und -Plattformen (Public IaaS/PaaS) auf gut dreißig Prozent. „Außerdem ist SAP ein langjähriger Partner und selbst AWS-Kunde, nicht zuletzt auch für den Betrieb diverser SaaS-Angebote.“ Hinzu komme, dass AWS als Teil von Amazon.com strikt moderne Unternehmensprinzipien „lebe“ und etablierte Konzerne im Zuge ihrer eigenen Digitalisierung Einiges von der AWS-Organisation lernen könnten.

Sparen und planen

In seinem Vortrag „Schlanke IT Architekturen: Wie Sie kosteneffizient mit AWS operieren“ zählte Constantin Gonzalez, Principal Solutions Architect bei AWS ein halbes Dutzend Bereiche und Methoden auf, wie AWS-Nutzer bares Geld sparen können. Wird die Edge bald die Cloud fressen, wie manche Gartner-Analysten orakeln? In ihrem Vortrag zum Thema „Was folgt auf Cloud-first? Serverless-first als Geschäfts-Strategie“ legte Katja Müller, Engagement Manager bei AWS Professional Services, dar, „dass man für Edge Computing keine Server mehr braucht – und folglich viel Geld sparen kann, wenn man die Sache richtig – mit AWS-Beratung – anpackt.“

Noch viel Luft nach oben

Fireside Chat mit Michael Hanisch und Florian Hartwig in München (oben) und mit Yvonne Bettkober in Zürich.
Fireside Chat mit Michael Hanisch und Florian Hartwig in München (oben) und mit Yvonne Bettkober in Zürich.
(Bild: © AWS)

Dass hinsichtlich dieses Lerndefizits bei Unternehmen noch viel Luft nach oben ist, erörterten drei AWS-Mitarbeiter im „Fireside Chat“, der zwischen virtuellem München und virtuellem Zürich hin und her schaltete. Während in der Isar-Metropole Florian Hartwig, Director Enterprise, sowie Michael Hanisch, Head of Technology, sprachen, trug in Zürich Yvonne Bettkober, General Manager AWS für die Schweiz, ihre Ansichten und Erfahrungen bei. Thema: „Die veränderte Rolle der IT“.

Zwei kontroverse Zahlen: Bis zu 80 Prozent des IT-Budgets müssen immer noch in Legacy-IT-System reingebuttert werden. Das nennt AWS eine „Technologieschuld“, und die gelte es abzutragen. Andererseits gelingt es „größeren“ Unternehmen, die schon in der Cloud sind, 46-mal mehr neue Releases als „kleine“ On-Premises-Unternehmen zu produzieren, wenn sie auf verbessertes, d.h. cloud-basiertes DevOps zurückgreifen können. Yvonne Bettkober riet den Zuschauern, Großprojekte in kleine zu zerlegen und mit einem Minimum Viable Project (MVP) anzufangen. Mit diesem MVP ließen sich Ängste abbauen, Erkenntnisse sammeln und Best Practices entwickeln. AWS bietet Referenzarchitekturen, Migrations-Frameworks und vieles mehr als Starthilfen an.

Dieser Bericht beleuchtet nur einen kleinen Ausschnitt des AWS Transformation Day 2020. Wer sich für die zahlreichen anderen Erfolgsgeschichten interessiert, findet diese kostenlos auf der Webseite.

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