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Zum Verkaufsstart der deutschen iPad-Alternative Alles was Sie zum Wetab wissen müssen

Redakteur: Harry Jacob

Erste Erfahrungen, Details zum Konzept, zum Gerät und zu den Vertriebswegen und wer hinter der Firma Wetab steht – IT-BUSINESS hat die wichtigsten Infos zusammengetragen.

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Der Wetab ist ab sofort im Handel – aber nicht im Fachhandel.
Der Wetab ist ab sofort im Handel – aber nicht im Fachhandel.
( Archiv: Vogel Business Media )

Seit dem 21. September wird der Wetab ausgeliefert. Doch in den Läden zu sehen ist das Gerät noch nicht. Die erste Lieferung ging komplett über Vorbestellungen weg. Am 1. Oktober soll Nachschub kommen, und dann werden auch die Verkaufsräume erstmals mit den weißen Kartons bestückt.

Derzeit haben zwei große Handelskonzerne das exklusive Vertriebsrecht: Media Markt und Amazon, also der größte IT- und CE-Flächenmarkt und der größte E-Tailer in Deutschland. Sie stehen für die beiden Vertriebskanäle, über die der Wetab auch in Zukunft vermarktet werden soll. Das gab Tore Meyer, Geschäftsführer der Wetab GmbH, anlässlich einer Präsentation in München preis. Im kommenden Jahr sollen weitere große E-Tailer, Katalogversender und Flächenmärkte folgen, so Meyer im Gespräch mit IT-BUSINESS. Er ist sich sicher, mit diesen Vertriebspartnern das Ziel von 300.000 verkauften Wetabs bis Ende 2011 zu erreichen.

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Ein Verkauf über die Distribution an Reseller ist nicht geplant. „Wir wollen für stabile Preise sorgen und nicht zum Spielball von E-Tailern werden, die sich mit unserem Produkt für ein paar Tage an die Spitze von Preisvergleichs-Portalen setzen wollen“, begründete der Wetab-Geschäftsführer diese Strategie.

Erste Erfahrungen

Die ersten Kunden haben den Wetab quasi „blind“ gekauft – allein aufgrund der Presseveröffentlichungen und der spärlichen Informationen auf der Wetab-Website. Nun macht sich vielerorts Enttäuschung breit, denn die ersten Seriengeräte sind offensichtlich noch nicht komplett. Es fehlt das vorinstallierte Skype, das der Presse gegenüber angekündigt war, und der Zugang zum Android-Market – den Google verwehrt.

Es gibt Probleme mit dem Lagesensor, der manchmal recht eigenwillig reagiert, und beim Abspielen von HD-Videos, die auf manchen Geräten ruckeln. Zum Teil ist die installierte Software noch nicht auf (Multi-)Touch-Screen-Bedienung vorbereitet, und manche Geräte lassen sich einfach nicht aktivieren, weil sie keine Netzverbindung herstellen können. In den nächsten Tagen sollen per Software-Update etliche Fehler ausgebügelt werden. Einige werden aber bleiben, so zum Beispiel die starke Hitze-Entwicklung und der nervenden Lüftergeräusche. Und es ist auch nicht zu erwarten, dass die gesamte vorinstallierte Software innerhalb weniger Wochen für die Bedienung via Multi-Touch-Display umgeschrieben werden konnte. So werden die Kunden noch einige Software-Updates abwarten müssen.

Das Konzept: bei der Konkurrenz ...

Dazu erst einmal ein Vergleich: Der iPad von Apple ist im Prinzip ein aufgeblasenes Smartphone, denn es beruht auf derselben Prozessorenart (ein ARM-Derivat) und dem Apple-eigenen, schlanken Betriebssystem iOS 4, auf dem MacOS-X-Software nicht lauffähig ist. Genutzt werden soll er hauptsächlich zum konsumieren von Medieninhalten – E-Books, Musik, Filme – und zum Stöbern im Internet sowie für E-Mails. Die Office-Suite iWorks von Apple gibt es in Form von kostenpflichtigen Apps, aber für aufwändige „produktive“ Tätigkeiten ist der iPad nicht gemacht.

Viele PC-Hersteller hatten das Anfangs nicht verstanden und als Alternative zum iPad auf ihre Tablet-PCs verwiesen, die mit vollwertiger Windows-Installation, X86-kompatibler CPU zwar leistungsfähiger sind, aber aufgrund der entsprechend aufwändigen Hardware sowohl bei den Außenmaßen und dem Gewicht sowie beim Preis nicht zu vergleichen waren.

... und bei Wetab

Der Wetab dagegen versucht einen Spagat: Bei der CPU und dem Display sind relativ hochwertige Notebook-Komponenten im Spiel, und mit einem Betriebssystem, das auf Teilen des Linux-Derivates MeeGo von Intel und Nokia basiert, steht die X86-Welt offen. Das beweist beispielsweise das vorinstallierte Open Office. Jedoch will das Wetab nicht die Leistungskraft und die universellen Anwendungsmöglichkeiten eines Notebooks ersetzen. Stattdessen propagiert man Offenheit: Java-Applets laufen nativ auf dem Gerät, Android-Applets in einer Art virtuellen Maschine. Und wer den Experten-Modus aktiviert, kann auch direkt am Linux-Unterbau herumschrauben.

Daneben ist auch das Bedienkonzept ein anderes als beispielsweise bei Tablet-PCs. Mit einer eigenen Bedienoberfläche werden die wichtigsten Funktionen am linken und rechten Bildrand so eingeblendet, dass man das Gerät mit beiden Händen festhalten kann und dann mit den Daumen die benötigten Funktionen anklickt.

Fazit

Das Gerät an sich hat Potenzial. Leider ist es als „Banana-Ware“ auf den Markt gekommen: Das Produkt muss erst noch beim Kunden reifen. Wetab war hier in einer Zwickmühle. Mit den Ankündigungen zum Liefertermin vom März („noch vor dem iPad“) und April („ab August“) hatte man sich unter Druck gesetzt, und Partner wie Amazon und Media Markt tun sicherlich ein Übriges, wenn es darum geht, das Weihnachtsgeschäft nicht zu verpassen. Aber auch ein späterer Start hätte Nachteile gehabt. Das musste gerade RIM erleben. Nach der Ankündigung des Playbook, eines weiteren iPad-Wettbewerbers, ging der Aktienkurs erst mal um 3,3 Prozent nach unten – denn das Gerät kommt erst Anfang 2011.

Auf der anderen Seite kostet der Marktstart mit einem halbfertigen Gerät nicht nur Image, sondern auch richtig Geld, denn viele Kunden rufen zunächst einmal die Medion-Hotline zu Hilfe. Und die wird Wetab später eine dicke Rechnung für die zahlreichen Support-Calls präsentieren.

Bei aller Kritik darf man nicht vergessen: Auch der iPad wird von vielen nicht als ideale Lösung empfunden. Jeder Hersteller hat die Chance, sein Produkt weiterzuentwickeln und zu verbessern. Aber an erster Stelle steht, die Hausaufgaben zu machen und ein Gerät zu liefern, das die versprochenen Features liefert und funktioniert.

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