TÜV Weiterbildungsstudie Die neue KI-Kluft in deutschen Unternehmen

Von Agnes Panjas 3 min Lesedauer

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Ein neuer digitaler Graben spaltet die Wirtschaft: Auf der einen Seite Unternehmen, die KI nutzen – auf der anderen die Zögerer. Doch wo lohnt sich der KI-Einsatz besonders? Und welche Kompetenzen fehlen, um die Technologie erfolgreich zu nutzen?

Die neue TÜV-Studie zeigt: In Deutschland entsteht eine digitale Spaltung zwischen KI-nutzenden Unternehmen mit starken Produktivitätsgewinnen und Unternehmen, die noch keine KI nutzen und zurückfallen.(Bild:  Gemini / KI-generiert)
Die neue TÜV-Studie zeigt: In Deutschland entsteht eine digitale Spaltung zwischen KI-nutzenden Unternehmen mit starken Produktivitätsgewinnen und Unternehmen, die noch keine KI nutzen und zurückfallen.
(Bild: Gemini / KI-generiert)

Ein neuer Graben zieht sich durch die deutsche Unternehmenslandschaft – und er wird immer tiefer. Auf der einen Seite stehen Firmen, die Künstliche Intelligenz einsetzen und damit Erfolge feiern. Auf der anderen jene, die abwarten – und zurückfallen. Die Zahlen der TÜV Weiterbildungsstudie 2026 bestätigen dies: 54 Prozent der KI-nutzenden Betriebe verzeichnet starke oder sehr starke Steigerungen bei Produktivität und Effizienz. Bei Betrieben ohne KI-Einsatz liegt dieser Wert gerade einmal bei 14 Prozent. Laut der TÜV-Studie setzen aktuell 56 Prozent der befragten Unternehmen generative KI-Anwendungen wie ChatGPT, Gemini, Claude oder Copilot im Arbeitsalltag ein.

Beim Einsatz von KI öffnet sich die Schere zwischen Unternehmen, die die Technologie strategisch nutzen, und denen, die noch am Anfang stehen. Gleichzeitig zeigt sich, dass viele Betriebe die Potenziale von KI noch nicht ausschöpfen.

Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands

Von Automatisierung bis Wettbewerb: die KI-Effekte

Auch bei anderen Auswirkungen durch den Einsatz von KI zeigt sich dieses Bild: Bei fast jedem dritten KI-nutzenden Unternehmen (31 %) werden Tätigkeiten durch KI automatisiert. Selbst acht Prozent der nicht KI nutzenden Unternehmen beobachten entsprechende Effekte. Insgesamt sind es 21 Prozent. Geschäftsführer Dr. Joachim Bühler erklärt diesen Effekt folgendermaßen: „Selbst Unternehmen, die keine originären KI-Tools einführen, können indirekt profitieren, über Dienstleister oder KI-Funktionen in den gängigen Software-Programmen.“

Fast die Hälfte (47 %) der KI-nutzenden Unternehmen geben an, dass Arbeitsabläufe und Entscheidungsprozesse durch KI-Tools angepasst oder neugestaltet werden. Über alle Unternehmen hinweg liegt dieser Anteil bei 31 Prozent, bei Nichtnutzern bei 11 Prozent. Aus Sicht von insgesamt 28 Prozent der deutschen Unternehmen verändert der Einsatz von KI die Wettbewerbsbedingungen in ihrer Branche, unter den KI-Anwendern sind es jedoch 40 Prozent.

Zur Methodik der Studie

Grundlage der Studienergebnisse ist eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Forsa im Auftrag des TÜV-Verbands unter Personalverantwortlichen von 500 Unternehmen ab 20 Mitarbeitenden in Deutschland. Befragt wurden von Januar bis März 2026 Verantwortliche für Weiterbildung, Geschäftsführer, CEOs und Vorstände.

Jedes zweite Unternehmen sieht KI-Weiterbildungsbedarf

Laut Umfrage sieht jedes zweite Unternehmen einen hohen oder sehr hohen Bedarf an Weiterbildung im Bereich KI. 17 Prozent schätzen den Bedarf als sehr hoch ein, 33 Prozent als eher hoch. Knapp ein Drittel sieht einen eher geringen Bedarf und 19 Prozent gar keinen. Besonders ausgeprägt ist der Qualifizierungsbedarf in Unternehmen, die KI einsetzen (71 %) und in großen Unternehmen ab 250 Mitarbeitenden (70 %).

Auf die Frage, in welchen der folgenden Bereiche im Umgang mit KI im Unternehmen aktuell der größte Weiterbildungsbedarf bedarf, nennen

  • 72 Prozent der befragten Unternehmen anwendungsorientiertes KI-Wissen als zentrales Qualifizierungsziel,
  • 67 Prozent ein grundlegendes Verständnis der Technologie,
  • 39 Prozent spezialisierte Kompetenzen zur Integration von KI in Unternehmensprozesse,
  • und 38 Prozent fortgeschrittene Kenntnisse für den Einsatz unternehmensspezifischer KI-Tools.

KI-Integration ist nicht nur Rechenpower, sondern Knowhow

„Der Engpass liegt nicht allein bei Rechenleistung, Modellen oder Tools, sondern auch bei der Fähigkeit, KI sicher, effizient und wertschöpfend in Unternehmensprozesse zu integrieren“, betont Bühler. Vielmehr stehe Unternehmen ein tiefgreifender Wandel bevor. Denn KI wird zunehmend Teil betrieblicher Prozesse. Beschäftigte sollten deshalb grundlegend auf allen Ebenen verstehen können, wie KI funktioniert, wo ihre Grenzen liegen und wie sich ihre Ergebnisse fachlich einordnen lassen. Damit steige künftig der Bedarf an spezialisierten Fachkräften wie Data Scientists, KI-Architektinnen oder Automatisierungsexperten, die KI-Systeme entwickeln und in bestehende IT- oder Produktionsumgebungen integrieren.

Auch der TÜV-Verband ist der Ansicht, dass es eine breit angelegte Qualifizierungsoffensive für KI-, Digital- und Cyberkompetenzen benötigt. Geschäftsführer Bühler sieht den Bedarf vor allem darin, dass „die bestehenden Förderangebote deutlich vereinfacht, praxisnäher gestaltet und am Bedarf der Unternehmen ausgerichtet werden“ sollten – „insbesondere mit Blick auf den Mittelstand“. Die Qualifizierungslücke schließe sich nicht von selbst, es brauche gezielte Investitionen in Weiterbildung und Kompetenzen.

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