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Michael Kenda, Geschäftsführer, Thönnes Datensysteme

Nachdem momentan die Blase Finanzwirtschaft ähnlich platzt wie seinerzeit das Thema dot.com, ist es einerseits und vor allem auf lange Sicht wünschenswert, dass das Roulette an Börsen oder das Spielen mit Finanzderivaten jeglicher Art endlich ein Ende hat.
Andererseits wird sich die derzeitige Krise auf die sowieso schon vorsichtige und eher zurückhaltende IT-Investitionsbereitschaft (für Hard- und Software) negativ auswirken. Um ein Beispiel zu nennen: Seit Jahren wird von der IT-Branche auf erhebliche Sicherheitslücken und fahrlässigen Umgang mit den Themen Datenschutz und Datensicherheit hingewiesen – und dies betrifft Betriebe jeglicher Größenordnung, Herr Obermann kann dies sicher bestätigen, was allerdings umso mehr verwundert, da es ja einen hochkompetenten IT-Dienstleister im eigenen Haus gibt, der mit Security- und Storage-Lösungen am Markt auftritt und sich zudem als »Real ICT«-Protagonist geriert ...
Weiterhin ist es unstrittig, dass wegen der steigenden Komplexität von IT-Systemen und der weiter zunehmenden Verbindung mit Systemen der Telekommunikation erhebliche Investitionen nötig sind, um Geschäftsprozesse sinnvoll zu unterstützen, aber auch um Missbrauch vorzubeugen. Diese Investitionen werden meines Erachtens auf das notwendige Minimum gekürzt werden, wenn nicht sogar für einige Zeit dem Rotstift gänzlich zum Opfer fallen.
Die Folgen für den Markt sehe ich zweigeteilt: Investitionen in Soft- oder Hardware werden wohl tendenziell zurück gefahren, allerdings nur insoweit die Verfügbarkeit der IT nicht gefährdet wird. Im Hinblick darauf, dass ein Unternehmen ohne IT relativ schnell handlungsunfähig wird, muss man aber an IT-Dienstleistungen zumindest auf dem derzeitigen Stand festhalten. Es ist aber auch eine Steigerung des Bedarfs an IT-Dienstleistungen denkbar, da die ausgesetzten Investitionen im Bereich Hard- und Software in der Regel mit Mehrarbeit ausgeglichen werden müssen. Somit könnte der Bereich IT-Dienstleistungen sogar von der Krise profitieren und weiterhin ein Motor des tertiären Sektors bleiben.
Da unser Unternehmen vorrangig Betriebssystem-unabhängige IT-Dienstleistungen anbietet, rechnen wir nicht mit nennenswerten Einbrüchen. Für den Geschäftsbereich Anwendungsentwicklung erwarten wir ebenfalls keinen Auftragsrückgang, da davon auszugehen ist, dass größere Investitionen in Applikationen eher zurückgestellt und die bestehenden Applikationen mit geringerem Aufwand an aktuelle Anforderungen angepasst werden (siehe Gewinnwarnung SAP).
Die Mittel (und somit die möglichen Maßnahmen) eines Mittelständlers, auf diese Situation zu reagieren, sind begrenzt – vor allem, wenn es gilt, einer globalen Krise zu begegnen. So wie sich die (Unternehmens-)Werte in den vergangenen Jahren spekulativ aufgebläht hatten, werden sie jetzt, sicher für viele schmerzhaft, auf einen realistischen, weil an der Realwirtschaft-orientierten, Wert zurückgestuft. Auch wenn ich die Sozialisierung von Verlusten, verursacht von unverantwortlichen (und zugegebenermaßen zusätzlich von Shareholder-Value und Quartalszahlen getriebenen) Managern prinzipiell nicht gut heiße – es gilt, die Liquidität der Volkswirtschaft(en) zu sichern. Die derzeitigen Kursstürze sind ja nicht in dem Sinn zu interpretieren, dass der Output sowohl im Hinblick auf Qualität als auch Quantität in gleichem Maße gesunken ist.
Daher gilt: IT-Dienstleistungen werden zwangsläufig benötigt, gegebenenfalls sogar etwas mehr als vorher. Daneben gibt es auch einen permanenten und nicht ersatzlos streichbaren Ersatz- und/oder Update-Bedarf in den Bereichen Soft- und Hardware. Wenn also die Volkswirtschaft nicht auf Grund von Liquiditätsmangel vollständig stehen bleibt, kann der IT-Mittelständler die derzeitige Krise, so er denn einigermaßen gut aufgestellt und »gesund« ist sowie die Kontakte zu seinen Kunden pflegt, ausnahmsweise aussitzen – was im übrigen auch schon einigen Politikern gelungen sein soll ... Problematischer wird die derzeitige Krise wohl eher für die »großen« der Branche, die einen entsprechenden Verwaltungs- und Managementapparat durchfüttern müssen.
Joachim Langmack, Chief Sales Officer Corporate Customers, T-Systems

Derzeit ist es noch zu früh für eine fundierte Aussage, wie die Finanzmarktkrise sich auf den ICT-Sektor auswirkt. Als größter ICT-Dienstleister und Outsourcer in Deutschland haben wir in der Regel langfristige Verträge mit unseren Kunden. Die Erfahrung hat zudem gezeigt, dass das Outsourcing-Geschäft eher antizyklisch verläuft. Das heißt, in der Vergangenheit war in wirtschaftlich angespannten Zeiten eher ein verstärkter Trend zum Outsourcing zu verzeichnen.
Lesen Sie auf Seite 5, wie die Distributoren die Situation einschätzen.
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