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Alexander Maiers Roadmap

Ingram Micro wandelt sich zum Full Service Provider

| Autor: Michael Hase

Die Geschäftsleitung von Ingram Micro Deutschland (v. l.): Eric Rositzki, Wolfgang Jung, Alexander Maier, Klaus Donath und Rupert Hierl
Die Geschäftsleitung von Ingram Micro Deutschland (v. l.): Eric Rositzki, Wolfgang Jung, Alexander Maier, Klaus Donath und Rupert Hierl (Bild: Ingram Micro)

Vom Broadliner wird sich Ingram Micro in den kommenden Jahren zum Full Service Provider weiterentwickeln. Das kündigte Alexander Maier, seit Januar Deutschlandchef des Distributors, auf der Hausmesse Top an.

Den Begriff „Broadline“ haben manche bereits aus ihrem Wortschatz gestrichen. Alexander Maier, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Ingram Micro Deutschland, geht anders mit der Gattungsbezeichnung um. „Wir werden Broadline neu definieren“, betonte der Manager auf der Top, der Hausmesse des Distributors, die gestern in München stattfand. Als Full Service Provider werde das Unternehmen seinen Partnern künftig höheren Mehrwert im Lösungs- und Service-Geschäft liefern.

Am Rande der Messe gab Maier, der im Januar in seine Position aufstieg, erstmals einen Ausblick auf seine strategische Roadmap. Mit den Schlagworten „Adept“, „Shape“ und „Transform“ skizzierte er einen dreistufigen Prozess, den der Distributor in den kommenden drei Jahren durchlaufen soll. Demnach liegt der Schwerpunkt 2018 auf organisatorischen Anpassungen und Verbesserungen der Betriebsleistung („operative Performance“). 2019 und 2020 sollen Investitionen in neue Wachstumsfelder und die Weiterentwicklung zum Full Service Provider im Vordergrund stehen.

Wettbewerbs- und Kostendruck

Die Notwendigkeit zur Transformation begründete der Ingram-Geschäftsführer mit den sich verändernden Märkten. Die Digitalisierung zwinge die Distribution, ihr Geschäft auf neue Felder zu diversifizieren. Zudem verschärfe sich der Wettbewerb, und der Kostendruck steige kontinuierlich. Diese Situation fordere den Unternehmen einen hohen Kapitaleinsatz ab und treibe die Marktbereinigung voran. Maier wies darauf hin, dass nach Zahlen von Context allein in Europa in den vergangenen beiden Jahren rund 30 Distributoren übernommen wurden.

Mit der Digitalisierung erhöhen sich nach den Worten des Managers zugleich die Anforderungen an den Channel, weil Lösungen anspruchsvoller und komplexer werden. Viele Fachhändler könnten längst nicht alle dafür erforderlichen Kompetenzen und Zertifizierungen vorhalten. Die Rolle von Ingram Micro sieht er deshalb darin, Partner „entlang des gesamten technologischen Lebenszyklus' der ITK“ bei der Erbringung von Leistungen zu unterstützen.

Daraus folgt, dass der Distributor in Zukunft einen deutlich größeren Teil seines Ertrags mit Dienstleistungen erwirtschaften wird. Allerdings stellte Maier klar, dass der Produktvertrieb weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Geschäfts bleibt. Für die anstehenden Aufgaben sieht er den Broadliner besser aufgestellt als Spezialdistributoren. „Wir verfügen über ein diversifiziertes Geschäftsmodell und haben die Expertise, um gemeinsam mit unseren Partnern neue Geschäftsfelder zu erschließen.“

Organisatorische Änderungen

Was die Punkte „Adept“ und „Shape“ angeht, hat Maier erste Maßnahmen bereits umgesetzt. So legte er den B2B- und den B2C-Vertrieb, die bislang getrennte Funktionen waren, zum General Sales zusammen. Eine weitere Änderung betrifft den Einkauf, der keine zentrale Einheit mehr bildet. Stattdessen wurde die Zuständigkeit dafür auf die Business Units übertragen, in denen nun alle relevanten Funktionen wie Produkteinkauf, Marketing und Vertrieb gebündelt sind. Zudem wurden Funktionen im Backoffice zusammengelegt. Der Deutschlandchef verspricht sich davon mehr Agilität im Tagesgeschäft. „Wir verlagern Entscheidungen dahin, wo sie getroffen werden müssen.“ Die Hierarchie von Ingram Micro sei durch die organisatorischen Anpassungen flacher geworden.

Darüber hinaus kündigte Maier auf der Top zwei konkrete Neuheiten an, die in Richtung der künftigen Rolle als Full Service Provider zielen: das Ingram Micro Cockpit und IT Asset Disposition (ITAD). Beim Cockpit handelt es sich um eine Monitoring-Plattform, mit der sich IT-Landschaften auf ihre Auslastung, auf potenzielle Engpässe, auf Kosten und eine Reihe weiterer Performance-Indikatoren hin überwachen und managen lassen. Das Tool soll Partner unterstützen, die IT-Systeme ihrer Kunden als Managed Service Provider (MSP) betreuen.

Das Cockpit ist hersteller- und systemübergreifend ausgelegt. Zum Start lassen sich Produkte von Dell EMC, HPE und NetApp überwachen. Schon in Kürze sollen Systeme weiterer Hersteller hinzukommen. Die Plattform, mit der sich der Distributor in Wettbewerb zu Spezialisten für Remote Monitoring wie Kaseya, Server-Eye oder Solarwinds MSP begibt, wird nach Anzahl der Maschinen lizenziert und zwölf Monate im Voraus abgerechnet. Ingram Micro hat das Cockpit gemeinsam mit einem Technologiepartner entwickelt, den das Unternehmen allerdings nicht nennt.

Remarketing & Recycling

Unter der Bezeichnung IT Asset Disposition bietet Ingram Micro ab sofort ein breites Dienstleistungsangebot rund um das Remarketing gebrauchter IT- und Telekommunikationsgeräte, die Verwertung von Elektronikschrott und die zertifizierte Datenvernichtung an. Der Broadliner hat den Geschäftsbereich im vergangenen Jahr am Standort Straubing eröffnet und dort sukzessive ein Team aufgebaut, das mittlerweile über die erforderlichen Zertifizierungen verfügt. Mit ITAD erweitert das Unternehmen sein Portfolio an Lifecycle Services, die zur Top vor zwei Jahren eingeführt wurden.

In Straubing können Ingram Micro zufolge bis zu 10.000 Geräte pro Monat erfasst und bearbeitet werden. So prüft das ITAD-Team beispielsweise Tablets und Notebooks darauf hin, ob sie sich für den Wiederverkauf eignen. Ist das der Fall, werden die Geräte aufgearbeitet, wobei vorhandene Daten gelöscht werden. Anschließend wickelt der Distributor den Wiederverkauf ab. Nicht vermarktungsfähige Geräte oder defekte Datenträger werden demontiert, nach DIN-Norm vernichtet und umweltgerecht entsorgt.

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