Praxis-Test: AVM Fritz Repeater 6000 High-End-Repeater von AVM

Autor / Redakteur: Dr. Harald Karcher / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Seit Mai 2021 ist der Fritz Repeater 6000 im Handel: Der erste AVM-Funk-Extender, der Wi-Fi 6 versteht. Er ist stärker als jede Fritzbox und stärker als viele Access-Points der Enterprise-Klasse: Er sendet und empfängt 11ax-Wi-Fi-6 aus drei Frequenzblöcken gleichzeitig.

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Der Fritz Repeater 6000 ist als bedienungsfreundlicher WLAN-Range-Extender für Fritzbox-User gedacht. Schaltet man jedoch alle drei Frequenzblöcke für Clients frei, kann er auch als performanter Wi-Fi-6-AP für Business und Enterprise agieren.
Der Fritz Repeater 6000 ist als bedienungsfreundlicher WLAN-Range-Extender für Fritzbox-User gedacht. Schaltet man jedoch alle drei Frequenzblöcke für Clients frei, kann er auch als performanter Wi-Fi-6-AP für Business und Enterprise agieren.
(Bild: AVM)

Die Installation als Mesh-Repeater läuft sehr einfach über die Connect-Taste und an der Fritzbox. Danach sind beide Geräte miteinander verkoppelt.

Das heißt: Fritzbox hat bei so einer Mesh-Koppelung alle relevanten WLAN-Settings wie Netzwerk-Name, WLAN-Schlüssel, WLAN-Gastnetz oder auch die WLAN-Zeitschaltung automatisch an den Repeater durchgeschossen.

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Das funktioniert vorzugsweise innerhalb der Fritz-Familie. Mit Fremdgeräten ist es meist ein bisschen schwieriger. Oft wird ein Teil der WLAN-Settings nicht komplett an Fremdgeräte durchgeschossen und ein Nachkonfigurieren ist erforderlich.

Im Mesh-Repeater-Modus nutzt der Repeater sein drittes Funkmodul zur infrastrukturellen Funkverbindung zu einer Fritzbox. Manche Hersteller würden das bereits als Tri-Band-Mesh-System bezeichnen. Aber eigentlich ist es ein Dualband-System, denn es funkt nur im 2,4- und im 5-Gigahertz-Band.

Tri-Band-Mesh ab Wi-Fi-6E

Echte Tri-Band-Systeme kommen Ende 2021 und können zusätzlich auch im 6-Gigahertz-Band funken und koppeln. Dafür hat die deutsche Bundesnetzagentur am 14.07.2021 eine Allgemeinzuteilung veröffentlicht: „Von den zusätzlichen WLAN-Frequenzen im Bereich 5,945 GHz bis 6,425 GHz profitieren Privatpersonen, Betriebe und andere Einrichtungen durch höheren Datendurchsatz und stabileren Verbindungen für hochbitratige Anwendungen wie Videotelefonie, Gaming oder Streaming“.

Der Fritz Repeater 6000 kann nicht per Software für das 6-Gigahertz-Band freigeschaltet werden, bestätigt der Hersteller; für Wi-Fi-6E wird neue Hardware benötigt.

Die Multi-Gigabit-LAN-Buchse

Der Repeater hat eine normale 1-Gigabit-LAN-Buchse. Zusätzlich auch einen Multi-Gigabit-LAN-Port. Der kann sich einstellen auf 10, 100, 1.000 und 2.500 Megabit. Das ist bei AVM zum ersten Mal an einem Repeater so ausgeführt. Ansonsten war die Fritzbox 6660 Cable der erste AVM-WLAN-Router mit 2,5-GbE-Port.

WiFi-6 in drei Frequenz-Blöcken

Das größte Highlight ist sicherlich die WLAN-Ausstattung: Im 2,4-Gigahertz-Band verspricht AVM 1200 Megabit brutto. Im 5-Gigahertz-Band werden 2x 2400 Megabit versprochen, nämlich im unteren und im mittleren Band. Zählt man diese drei Geschwindigkeiten zusammen, dann kommt man auf 6000 Mbps. Und genau deshalb heißt er auch Fritz Repeater 6000.

LAN-Brücke vs. WLAN-Brücke

Grundsätzlich lassen sich alle jüngeren Fritz Repeater mit allen jüngeren Fritzboxen leicht und schnell verkoppeln. Und zwar per Funk, das nennt AVM eine WLAN-Brücke. Oder per LAN-Kabel, im AP-Modus, das nennt AVM eine LAN-Brücke. Einzige Ausnahme: der ganz kleine Fritz Repeater 600 hat keine LAN-Buchse.

Bei der WLAN-Brücke hängt der WLAN-Durchsatz am Ende der Kette, also am WLAN-Endgerät, sehr stark von der Bauart des WLAN-Routers ab: Kann er nur 11ac-Wi-Fi-5 oder schon 11ax-Wi-Fi-6? Mit welchen Kanalbandbreiten? Und aus wie vielen Antennen? Platt gesagt: es macht einen großen Unterschied, ob wir einen Fritz Repeater 6000 mit einer Fritzbox 7530, 7530ax, 7590, 7590ax, 6591 Cable oder 6660 Cable als WLAN-Brücke verkoppeln. All diese Szenarien hier einzeln zu testen, würde den Rahmen sprengen. Die stärkeren 11ax-Wi-Fi-6-Router 7590ax und 6660 Cable versprechen allerdings eine höhere WLAN-Brücken-Leistung mit einem Repeater 6000 als schwächere 11ac-Router.

Bei der LAN-Brücke dagegen ist es egal, wie schnell der WLAN-Router funkt. Da kommt es eher auf den LAN-Port des Routers an. Alle jüngeren Fritzboxen und auch die meisten WLAN-Modem-Router anderer Hersteller, haben recht einheitliche LAN-Buchsen mit 1000 Mbps. Nur wenige haben zusätzlich auch schon einen 2,5-GbE-LAN-Port, etwa die AVM Fritzbox 6660 Cable. Von daher passt der Repeater im Test im LAN-Brücken-Modus besonders gut hinter eine 6660 Cable.

Außerdem sind LAN-Brücken grundsätzlich stabiler als WLAN-Brücken, und zwar bei allen WLAN-Marken, nicht nur bei AVM. Wann immer möglich raten wir deshalb zu einer LAN-Brücke.

Will man dem Fritz Repeater 6000 die maximalen 2x 2400 Mbps gleichzeitig (!) per Funk entlocken, braucht man mindestens zwei leistungsstarke Wi-Fi-6-Endgeräte. Der Zugriff auf beide 5-GHz-Blöcke klappt aber nur im AP-Modus alias LAN-Brücke. Im WLAN-Brücken-Modus dagegen kommt man an den zweiten 5-GHz-Block mit einem WLAN-Client erst gar nicht ran.

Hardware aus der Enterprise-Klasse

Die üppige Hardware-Ausstattung des Fritz Repeater 6000 erlaubt schon durch seine drei Funkmodule in Summe den Anschluss von etlichen WLAN-Endgeräten. Die Last lässt sich gezielt auf drei Funkprozessoren verteilen, sofern man die drei Funkzellen durch drei getrennte SSID-Netzwerknamen separiert.

In Abbildung 5. sieht man das Innenleben des Repeaters: Oben den schwarzen Kühlkörper. Drunter sitzt in unserem Testexemplar eine Quad-Core-CPU namens Qualcomm IPQ 8074 mit 2 GHz Taktfrequenz.

In der unteren Bildhälfte sind weiß umrandet die drei Funkeinheiten mit drei Funk-Prozessoren: Links unten ein Qualcomm QCM 5024 für 2,4 GHz. Mittig und rechts je ein Qualcomm 5054 für 5 GHz, also 5G-I und 5G-II.

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WLAN wie im Cisco-Flaggschiff

In unserem Fritz Repeater 6000 stecken die gleiche CPU und die gleichen Funkmodule, wie schon im mehr als 1.000 Euro teuren Enterprise-WLAN-AP Cisco Meraki MR55 von Anfang 2020. Dagegen wirkt der zuvor eventuell noch abschreckende UVP des Repeaters von 219 Euro schon fast geschenkt.

Okay, der Cisco MR55 hat einen 5-Gigabit-PoE-Power-over-Ethernet-LAN-Port. Das hat der Fritz Repeater 6000 nicht. Aber so eine PoE-Buchse hat keine Auswirkung auf die WLAN-Funkleistung.

Testaufbau & Durchsatz-Messungen

Unser Testgebäude liegt in einem locker bebauten Stadtgebiet. Funkstörungen durch WLAN-Nachbarn sind vor allem bei 2,4 GHz nonstop vorhanden, im 5-GHz-Band halten sie sich aber in Grenzen.

Wichtigster Speed-Zuspieler am 2,5-GbE-LAN-Port des Repeaters ist ein 10-Gigabit-NAS-Server Synology DS1618+ mit 32GB ECC RAM und SSD-Raid-Cache. Diese NAS-Station kann Peaks bis über 9.000 Mbps zuliefern. Der 10.000 Mbps Ausgang der Synology DS1618+ wird per LAN-Kabel mit der 2500-Mbps-LAN-Buchse des FRITZ!Repeater 6000 verbunden. Wir messen den Durchsatz also im AP-Modus.

Nur eine Wi-Fi-6-Fritzbox 7590ax am VDSL-250-Mbps-Anschluss als Zuspieler wäre zu langsam, um die Grenzen des Wi-Fi-6-WLANs voll auszuloten. Auch eine Wi-Fi-6-Fritzbox 6660 Cable an einem schnellen Kabel-1000-Anschluss würde das WLAN des Fritz Repeater 6000 ebenfalls nicht an die Grenzen der 2x 2400 Mbps Funkmodule treiben.

Rate-over-Range-Messung mit Laptop

Wandern wir nun mit einem WLAN-6-Laptop mit Intel AX200 Funkmodul durch fünf zunehmend schwierige Räume, um die Funk-Reichweite des Test-Repeaters auszuloten (siehe Abbildung 7). Die blauen Säulen in Abbildung 8 zeigen die Netto-Downloads mit großen Dateien von einem NAS-Server über den Fritz Repeater 6000 bis zum Wi-Fi-6-Laptop über fünf zunehmend schwierige Räume hinweg im unteren 5-GHz-Band (5G-I). Da darf der Repeater bis zu 200 Milliwatt funken.

Die orangefarbenen Säulen zeigen die Netto-Downloads über den Repeater bis zum Wi-Fi-6-Laptop über fünf zunehmend schwierige Räume hinweg im mittleren 5-GHz-Band (5G-II). Da darf der Repeater bis zu 1000 Milliwatt funken. Da sind die DL-Werte in den hinteren Zimmern erheblich besser als bei 200 Milliwatt im 5G-I-Frequenz-Block.

Die grauen Säulen zeigen die aggregierten Download-Summen, wenn zwei Wi-Fi-6-Laptops gleichzeitig als WLAN-Clients an einem Repeater 6000 im AP-Modus saugen dürfen. Die CPU des Repeaters hat mit dieser Doppelbelastung kein Problem.

Verwendet man den Repeater als WLAN-Brücke (WLAN-Mesh-System - egal ob mit oder ohne Mesh-Features), platt gesagt als Tri-Band-Repeater, dann wird die starke Leistung im mittleren 5-GHz-Band (5G-II) als Funkbrücke genutzt, als Infrastrukturband, als LAN-Kabel-Ersatz. Das ist sinnvoll, weil der Repeater just in diesem Bereich dank maximal 1000 Milliwatt Sendeleistung eine starke Verbindung auch noch in den hinteren Zimmern bieten kann.

WLAN-Security-Level WPA2+WPA3

Neben WPA2-Only unterstützt der Fritz Repeater 6000 auch schon den gemischten WPA2+WPA3 Transitional Mode. Die im Test verwendeten 11ax-Laptops konnten sich neben WPA2 auch schon im WPA2+WPA3-Modus mit dem Repeater verbinden.

AVM hat den gemischten Modus WPA2+WPA3 Transitional Modus schon 2019 in mehreren 11ac-Wi-Fi-5-Geräte per Software-Update nachgepflegt. Auch die allererste Wi-Fi-6-Fritzbox, die 6660 Cable, unterstützt seit Marktstart neben dem bisherigen Security-Level WPA2 auch den verschärften Level WPA2+WPA3.

Stromwerte Fritz Repeater 6000

Die Leistungsaufnahme des Fritz Repeater 6000 lag im Standby, bei eingeschaltetem WLAN und einem über 5 GHz verbundenen WLAN-Endgerät, um die 8,7 Watt. Bei Durchsatztests mit einem einzelnen WLAN-Laptop hat der Repeater gut 10 Watt aus der 230-Volt-Dose gezogen. AVM gibt die durchschnittliche Leistungsaufnahme mit 11 Watt an. Das kommt hin. Zum Vergleich: Der 11ac-WLAN-Router Telekom Speedport PRO braucht über 18 Watt im Standby. Im Betrieb noch mehr.

Repeater in der Wi-Fi-6-Ära

Die Messungen durch fünf Räume beweisen: Auch Wi-Fi-6 alias 802.11ax kann die Gesetze der Funk-Physik nicht außer Kraft setzen: Gerade im 5-GHz-Band kommt zwar viel Speed auf kurze Distanz im selben Raum zustande, in dem die 11ax-Basis-Station steht, aber sobald Hindernisse wie Stahlbetonwände und Decken zwischen 11ax-Basis und 11ax-Client liegen, geht der Durchsatz schnell herunter – bei allen WLAN-Herstellern, nicht nur bei AVM.

Daraus ziehen wir den Schluss: Auch im Wi-Fi-6-Zeitalter wird man für große Wohnungen, Praxen, Büros, oder ganze Häuser auch künftig noch WLAN-Repeater brauchen. Es sei denn, man hat eine gute LAN-Verkabelung in allen Räumen: Dann kann man mit WLAN-Access-Points an der LAN-Buchse fast immer ein besseres Ergebnis als mit reinen WLAN-Repeatern erzielen.

Der Fritz Repeater 6000 kann jedoch beides: LAN-Brücke und WLAN-Brücke. Er funkt maximal Wi-Fi-6 in drei Frequenz-Blöcken: 1 x 1200 Mbps bei 2,4 GHz und 2 x 2400 Mbps im 5-GHz-Band. Schaltet man ihn als LAN-Brücke oder WLAN-AP, dann sind alle drei Frequenzblöcke sogar komplett für WLAN-Clients nutzbar.

Fazit

Der AVM Fritz Repeater 6000 funkt Wi-Fi-6 gleichzeitig auf drei Frequenzblöcken. Im unteren 5-GHz-Band (5G-I) ist er schnell. Im mittleren 5-GHz-Band (5G-II) hat er zudem eine sehr gute Reichweite.

Im AP-Modus (AVM sagt dazu LAN-Brücke) kann er alle drei Frequenzblöcke gleichzeitig für WLAN-Clients zur Verfügung stellen. Die starke CPU geht dabei nicht in die Knie. So kam im Test alleine in den 5-GHz-Blöcken 5G-I und 5G-II ein Summendurchsatz von fast 1800 Mbps zustande. So schnell war bisher noch kein anderer Repeater in unseren Tests.

Im WLAN-Mesh-Repeater-Modus (WLAN-Brücke) koppelt sich das Infrastruktur-Band (5G-II) in der Regel an eine Fritzbox. Dann hängt die Leistung der Geräte-Kette sehr davon ab, wie schnell die jeweilige Fritzbox den 5G-II-Block schon bedienen kann. Zu den Hauptverdächtigen Mesh-Mastern gehören die Fritzboxen 7530, 7530ax, 7590, 7590ax, 6591 Cable und 6660 Cable.

Neben dem üblichen 1-Gbps-Port hat der Fritz Repeater 6000 auch schon eine 2,5-GbE-Buchse. So können schnelle Rechner und NAS-Server auch oberhalb der üblichen 1-Gigabit-Grenze am Repeater agieren.

Die schöne Betriebssoftware namens FritzOS bietet einfache Bedienung trotz großem Funktions-Umfang. AVM ist seit Jahren bekannt für häufige, kostenlose Software-Updates, die auch beim Fritz Repeater 6000 noch weitere Verbesserungen erwarten lassen.

AVM positioniert den Fritz Repeater 6000 als Mesh-Repeater für private Endkonsumenten. Dank starker CPU und WLAN-Hardware kann man seine reine Funkleistung sogar mit 11ax-Enterprise-WLAN-APs der 1000-Euro-Klasse von Cisco, Hewlett-Packard, Huawei und Ruckus vergleichen. Letztere haben allerdings ausgereiftes Wand-und-Decken-Montage-Zubehör sowie LAN-Ports mit PoE (Power-over-Ethernet-Stromversorgung). Solche Business-Features hat AVM seinem High-End-Repeater nicht spendiert, sonst wäre er wohl auch viel teurer geworden.

(ID:47548122)

Über den Autor

Dr. Harald Karcher

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Journalist