Channel Fokus: Consumer Electronics Durchstarten mit Wearables & Co.

Von Margrit Lingner

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Der Digitalisierungsschub der Corona-Pandemie hat nicht nur der IT, sondern auch der ­Consumer-Electronics-Branche satte Gewinne beschert. Jetzt aber sind Verbraucher verunsichert, geben weniger Geld für große Fernseher aus, kaufen aber Smartphones und Wearables.

Im ersten Halbjahr 2022 konnte die Consumer-Electronics-Branche ordentliche Umsätze einfahren. Besonders gut lief es bei Wearables, Smartphones und Kopfhörern.
Im ersten Halbjahr 2022 konnte die Consumer-Electronics-Branche ordentliche Umsätze einfahren. Besonders gut lief es bei Wearables, Smartphones und Kopfhörern.
(Bild: Woraphon - stock.adobe.com)

Etwas weniger hell leuchtet der Stern der erfolgsverwöhnten Consumer-Electronics-Branche (CE). Seit der Bitkom begleitend zu der traditionsreichen IFA in Berlin im Rahmen einer Studie die Entwicklung im CE-Bereich erhebt, kennen die Umsätze der Branche im Wesentlichen nur eine Richtung: Aufwärts! Während vor 15 Jahren in dem Bereich 145,8 Milliarden umgesetzt wurden, waren es 2021 stolze 181 Milliarden Euro. Wobei die Rekordergebnisse der letzten zwei Jahre zu einem großen Teil auf die Corona-Pandemie zurückzuführen sind. Schließlich haben digitale Technologien in fast allen Bereichen den Bundesbürgern geholfen, Lockdowns und Kontaktbeschränkungen zu überwinden. Neue Fernseher fanden da ebenso Einzug in die Wohnzimmer wie Notebooks, Bildschirme oder Headsets fürs Homeoffice oder Gaming.

Besonders hohe Zuwächse gab es in den vergangenen Jahren bei privat genutzten TK-Geräten.
Besonders hohe Zuwächse gab es in den vergangenen Jahren bei privat genutzten TK-Geräten.
(Quelle: HEMIX/gfu)

Zwar weist der CE-Bereich laut Gfu selbst im ersten Halbjahr 2022 noch ein Plus von 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf. Doch haben sich die unterschiedlichen Bereiche der CE unterschiedlich entwickelt. Daher greifen in Zeiten, die gekennzeichnet sind von Inflation, Lieferkettenproblemen, dem Ukraine-Krieg und einer im Keller liegenden Verbraucherstimmung, nicht mehr allzu viele Verbraucher nach einem teuren Fernseher. So ist die Nachfrage nach TV-Geräten im ersten Halbjahr 2022 zurück gegangen. Es wurden laut Gfu, dem Veranstalter der IFA, mit TV-Geräten im ersten Halbjahr 2022 in Deutschland rund 1,5 Milliarden Euro umgesetzt. Den Umsatz wieder ankurbeln soll die Fußball-WM, die im November in Katar angepfiffen wird. Zu welchen verführerischen Geräten Fußballfans greifen wollen, zeigte die IFA in Berlin. So lockte LG mit dem 97 Zoll (247 cm) großen LG OLED evo TV G2, dem weltweit größten OLED-Fernseher. Der 8K-Fernseher soll noch in diesem Jahr erhältlich sein, aber keineswegs zu Schnäppchenpreisen – schlappe 25.000 Euro soll die gigantische Glotze kosten. Zwar präsentierte auch Samsung einen Fernseher, der knapp 2,5 Meter in der Diagonale misst. Doch löst der Samsung QN100 lediglich mit 4K auf, liefert aber atemberaubend scharfe Bilder, ähnlich wie die Fernseher der Mitstreiter Panasonic oder TCL.

Consumer-Electronics-Branche auch 2022 im Aufwind

Im ersten Halbjahr 2022 verzeichnete die CE-Branche Gewinne. Dabei haben sich vor allem privat genutzte Smartphones und Wearables als Wachstumstreiber erwiesen. Umsatzeinbußen gab es hingegen bei privat genutzter IT. Während im vergangenen Jahr die Produktsegmente Desktops, Notebooks und Tablets mit Umsatzsteigerungen punkteten, ging der Umsatz 2022 in diesen Bereichen zurück. So sank etwa der Umsatz bei Notebooks um rund 10 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das legt den Schluss nahe, dass Büros und Kinderzimmer in Privathaushalten inzwischen nahezu vollständig ausgestattet sind mit IT. Als Trend hat sich außerdem gezeigt, dass Kunden bereit sind, für nachhaltigere Geräte mehr Geld auszugeben. Außerdem greifen immer mehr Verbraucher zu gebrauchten Geräten. Und das Thema Nachhaltigkeit wird bei Herstellern im CE-Bereich immer wichtiger, was sich auch auf der IFA 2022 manifestierte.

Bei Unterhaltungselektronik verzeichnete auch das Home-Audio-Segment einen Umsatzrückgang. Um ganze 1,4 Prozent sanken die Umsätze auf 398 Millionen Euro. Allerdings zeigten Lautsprecher-Boxen, Soundbars oder drahtlose Kopfhörer im ersten Halbjahr 2022 Zuwächse. Laut Gfu stiegen bei kabellosen Kopfhörern die Umsätze auf 1,1 Milliarden Euro, was einem Plus von 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Insgesamt gingen dabei 10 Millionen Kopfhörer über die Ladentheke und der Durchschnittspreis kletterte in diesem Jahr auf 105 Euro. Das passt zum modernen Leben von heute, in dem das Streamen von Videos, Musik oder Podcasts zum Alltag gehört. Und schließlich lassen sich Kopfhörer per Bluetooth oder Kabel nicht nur mit dem Smartphone, sondern auch mit Computern oder smarten Uhren verbinden. So haben längst nicht nur traditionelle Audio-Spezialisten Kopfhörer und In-Ears im Angebot. Vielmehr bieten vor allem Smartphone-Hersteller diese Produkte an. Davon überzeugen konnten sich Besucher der IFA. Dort stellten nicht nur Branchenschwergewichte wie zum Beispiel Samsung oder Huawei ihre neuesten Modelle vor. Vielmehr präsentierten auch Jabra oder JLab neue Kopfhörer mit smarten Funktionen.

Fragen an die Distribution: Eno

Welche CE-Produkte und Dienstleistungen bieten Sie an?

Wir bieten Gaming, Computer, Tablets, Festnetz-Telefonie, VoIP Endgeräte, Telefonanlagen, Cloud PBX, Smart Home, Mobile Telefonie inkl. Zubehör, Wearables (Smartwatches und Armbänder), Drohnen, TV, Radio, Bluetooth Speaker, sonstiges Home Entertainment, Sportgeräte und auch Spielzeug. Wir bauen gerade den Bereich Health und Produkte rund um die Energieversorgung aus. Außerdem haben wir ein breites Spektrum an ergänzenden Dienstleistungen, die von Garantieverlängerung über Service und Reparatur bis zu Vermarktungsunterstützung gehen.

Bei welchen CE-Produkten erwarten Sie in den kommenden Monaten das stärkste Wachstum?

Wir erwarten Wachstum bei Produkten rund um die Energieversorgung (Akku/Solar/Powerstations/Balkonkraftwerke) sowie punktuell bei VoIP, Computern und Zubehör.

Wie wird sich die Verfügbarkeit von CE-Produkten in den kommenden Monaten entwickeln?

Wir verzeichnen aktuell in einigen Bereichen stockende Warenflüsse. Das wird sich vermutlich auch nicht so schnell entspannen.

Was können Sie als Distributor machen?

Wir sind der Puffer zwischen Hersteller und Handel und unsere Aufgabe ist es Verfügbarkeitslücken zu schließen. Dies geschieht durch größere Einkaufsvolumen sowie durch langfristigere Forecast-Planungen und eine proaktive Informationspolitik. So kann der Handel sich bei drohenden Engpässen frühzeitig durch Warenreservierung oder den Schwenk auf Alternativprodukte Warenverfügbarkeit sichern.

Gefragte Smartphones

Smartphones und Wearables haben in diesem Jahr anders als privat genutzte Desktops, Notebooks oder Tablets zum Höhenflug angesetzt. Der Umsatz privat genutzter Telekommunikationsprodukte ist im ersten Halbjahr 2022 um 14,8 Prozent auf knapp 7 Milliarden Euro gewachsen. Dass Smartphone-Nutzer dabei zu immer teureren Geräten greifen, zeigt sich auch im gestiegenen Durchschnittspreis. Im ersten Quartal 2022 ist er auf 621 Euro gestiegen. Mehr Umsatz verzeichnete auch der Wearable-Bereich. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres ist der Umsatz mit Fitnesstrackern und smarten Uhren um 9,5 Prozent auf 639 Millionen Euro gestiegen. Wie bei den Smartphones geben gesundheitsbewusste Verbraucher dabei auch gern mehr Geld für ihre Alltagsbegleiter aus. Um 7,6 Prozent ist der Durchschnittspreis auf 193 Euro gewachsen.

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Gestiegen ist nicht nur der Umsatz bei Smartphones, sondern auch der Durchschnittspreis der Geräte.
Gestiegen ist nicht nur der Umsatz bei Smartphones, sondern auch der Durchschnittspreis der Geräte.
(Quelle: HEMIX/gfu)

Einen weiteren Wachstumsschub in diesem Bereich gibt es im Herbst traditionsgemäß nach der Vorstellung des neuen iPhones. Mit weitaus weniger Pomp und medialer Aufmerksamkeit hat im Rahmen der IFA HMD Global neue Nokia-Smartphones vorgestellt. Dazu gehört das auf Nachhaltigkeit ausgelegte Nokia X30 5G. Laut Hersteller besteht es zu 100 Prozent aus recyceltem Aluminium und zu 65 Prozent aus recyceltem Kunststoff. Darüber hinaus bietet es drei Jahre lang Sicherheits- und Betriebssystem-Updates.

Zusätzlich zu den neuen Smartphones präsentierte HMD mit Circular einen neuen Service, der ebenfalls die Nachhaltigkeit im Blick hat. Bei dem Smartphone-Abo gehört das Mobiltelefon nicht den Kunden, sondern dem Hersteller. Dafür wird es repariert, wenn es zu Bruch geht. Nach der ­vereinbarten Vertragslaufzeit wird das Smartphone dem Kreislauf wieder zugeführt. Dazu wird es entweder wieder aufbereitet oder recycelt. Die monatlichen Kosten für das Smartphone-Abo sollen zwischen 12 Euro und 30 Euro im Monat liegen. Hinzu kommen dann lediglich noch die Kosten für den Mobilfunk.

Nachhaltigkeit im Fokus

Nachhaltigkeit steht nicht nur bei Nokia im Fokus. Vielmehr thematisierten auf der IFA 2022 fast alle Hersteller den Klimawandel. Branchenriesen wie Samsung setzen auf smarte vernetzte Geräte im gesamten Haushalt, deren Energieverbrauch sich via Smartphone verfolgen und regeln lässt. Vorgestellt haben die Koreaner auch ein Entwicklungsprojekt, bei dem zusammen mit Qcells Solarmodule in das smarte Heim integriert werden sollen. Ein Null-Energie-Haus ist das ausgewiesene Ziel dieses Projekts. Ungeachtet solcher Zukunftsprojekte wird die Photovoltaik nicht zuletzt im Zuge steigender Strompreise für den CE-Bereich immer interessanter. Das sieht auch beispielsweise Rainer Büter, Leiter Business-Unit Home Communication bei Eno so. In den kommenden Monaten erwartet er „Wachstum bei Produkten rund um die Energieversorgung (Akku, Solar, Powerstations oder Balkonkraftwerke) sowie punktuell bei VoIP, Computern und Zubehör.“

Wachstumschancen im Audio-Bereich sieht auch Komsa und baut sein CE-Sortiment weiter aus. Insgesamt positiv schätzt Pierre-Pascal Urbon, Vorstandsvorsitzender und Finanzvorstand von Komsa, die Entwicklung bei CE-Produkten ein und erklärt: „Wenngleich die zahlreichen Krisen im Land dunkle Wolken am Himmel aufziehen lassen, kann unsere Branche optimistisch in die Zukunft blicken.“

Fragen an die Distribution: Aqipa

Klaus Trapl, Aqipa Vice President of Global Sales
Klaus Trapl, Aqipa Vice President of Global Sales
(Bild: Aqipa)

Welche CE-Produkte und Dienstleistungen bieten Sie an?

Aqipa bietet Produkte aus zahlreichen Bereichen an, darunter Audio (Hifi, WLAN Speaker, Musiksysteme, Plattenspieler), Portable Audio (Kopfhörer, Bluetooth Speaker), Home Appliances (Luftfilter, Robotische Staubsauger, Wassersprudler, Kapsel Kaffeemaschinen, Babytech), Imaging (Instant Cameras, Action Cams, Binoculars) und Active (Milo Action Communicator, Scooters, Bags). Dabei sind wir stets auf der Suche nach Premiumprodukten mit dem gewissen Etwas, getreu unserer Vision „Premium products you have to have in the world of consumer electronics”. Zudem bietet Aqipa Dienstleistungen im Bereich Warehouse und Logistics durch vollautomatisiertes robotergesteuerte Lagerbewirtschaftung an (3PL, Third Party und Direct Logistics Provider; Autostore Warehouse Robot Technology), Sales & Distribution (CE Channel, Online, Specialists, Sports Channels und weitere), sowie Marketing & E-Commerce (Branding, Social Media, Online Marketing, Performance Marketing, E-Commerce Store Operations).

Bei welchen CE-Produkten erwarten Sie in den kommenden Monaten das stärkste Wachstum?

Angesichts der aktuellen Teuerungswelle sehen sich derzeit fast alle Produktkategorien mit Wachstumseinbrüchen konfrontiert. Insbesondere im Preiseinstiegsbereich werden leider weniger Impulskäufe getätigt. Wir sehen darin jedoch auch Chancen - vor allem für einzigartige Produkte, Marken mit starken Geschichten und zeitlosen Designs. Aus diesem Grund bieten wir in allen Produktkategorien besondere Marken an, die mit ihren Entwicklungen aus alten Mustern ausbrechen, egal ob Marshall, Syng, oder auch Braun Audio, als Beispiele von Marken im Audiobereich. Darüber hinaus beobachten wir, dass die Menschen weiterhin in das Festhalten und Teilen von Erfahrungen und Erlebnisse investieren. Daher sehen wir auch unsere Imaging und Action-Kategorie mit GoPro, Polaroid und jetzt auch GoView und Milo sehr positiv.

Wie wird sich die Verfügbarkeit von CE-Produkten in den kommenden Monaten entwickeln?

Da die Supply Chain aktuell noch sehr fragil und mit hohen Unsicherheiten belastet ist, wird es voraussichtlich auch weiterhin zu Verzögerungen kommen. Ferner ist nicht abzusehen, wie sich die politischen Konflikte und Gesundheitskrisen in den nächsten zwölf Monaten entwickeln werden. Wir sind jedoch froh, sagen zu können, dass unsere Lager für das Herbstgeschäft gut gefüllt sind und wir in allen Bereichen lieferfähig sein werden.

Was können Sie als Distributor machen?

Als Distributor können wir die Geschwindigkeit und Effizienz erhöhen und dementsprechend das Risiko für Retailer minimieren. Deshalb testen wir mit eigenen Promotoren neue Markenkonzepte und vereinfachen so die Prozesse für Retailer, da wir als Ansprechpartner sehr viele Marken vertreten dürfen. Darüber hinaus investieren wir immer wieder in neue Marken und Kategorien, um diese im europaweiten Handel verfügbar zu machen. Wir sind sehr dankbar, dass uns der Fachhandel, allem voran Euronics, aber auch Fachmärkte wie Media Markt durch Ihre progressive Vorgehensweise unterstützen. Aqipa ist kein Distributor im klassischen Sinne. Uns zeichnet eine starke Salesforce und besondere Kundennähe aus. Sie ermöglicht es uns, vor allem neue Marken auf dem Markt zu platzieren, deren Entwicklung wir stetig begleiten und aktiv vorantreiben. Hierfür steht uns eine eigene Marketing-Abteilung zur Verfügung, welche die neuen Brands im Bereich PR und Marketing unterstützt. Dabei ermöglichen wir pan-europäische Markenpräsenz, Preisstabilität und das Management sowohl von offline und online Kanälen (egal ob Amazon, Marketplaces oder auch eigene D2C Markenshops).

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