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Digital Imaging: Trends und Technologien

| Autor: Sylvia Lösel

Ist das ein echtes Bild? Oder hat das eine KI gemalt? Ähnliche Fragestellungen könnten sich auch bald im Digital-Imaging-Sektor ergeben...
Ist das ein echtes Bild? Oder hat das eine KI gemalt? Ähnliche Fragestellungen könnten sich auch bald im Digital-Imaging-Sektor ergeben... (Bild: © Rawpixel.com - stock.adobe.com)

Der ursprüngliche Gedanke von Fotografie war, die Realität so getreu wie möglich abzubilden. Rund 200 Jahre später bleibt davon vielleicht nur noch ein hehrer Gedanke. Denn dank KI ist nicht mehr genau zu sagen, was real ist und was nicht. Oder?

Ist das ein Chagall? Oder doch eher ein van Gogh? Diese Frage kann man sich schon mal stellen, wenn man den Bildern gegenübersteht, die AICAN „gemalt“ hat. Dass sich hinter diesem Akronym eine Künstliche Intelligenz (KI) verbirgt, erschließt sich zumindest nicht bei einem Blick auf die Kunstwerke. Und genauso könnte dies künftig auch in der Fotografie passieren. Sind diese Fotos echt? War der Fotograf wirklich vor Ort? Und noch einen Schritt weiter: Gibt es diesen Ort wirklich? Oder hat sich die KI nur viele Szenen aus unterschiedlichen Bildern „zusammenmontiert“? All diese Fragen dürften in den kommenden Jahren häufiger aufkommen, denn egal ob Smartphone oder Systemkamera – sie alle haben künftig Künstliche Intelligenz an Bord.

Gerade im Handy-Bereich lassen sich Nachteile der dort üblichen kleineren Sensoren und Linsen durch den cleveren Einsatz von KI ausgleichen. Die Korrektur des Schärfenverlaufs, Bildstabilisierung, das Setzen von Lichteffekten – all diese Dinge kann die KI dort bereits übernehmen. Aber auch bei den „richtigen“ Kameras wird KI eingesetzt, zum Beispiel zur Augenerkennung. Anhand dieser wird beispielsweise bei der Sony Alpha 6400 die nächste Position bereits im voraus berechnet und der Autofokus schon darauf eingestellt. Zudem hat der Hersteller die Kamera mit Bildverarbeitungs­algorithmen seiner Vollformatkameras „gefüttert“, die dafür sorgen sollen, dass das Rauschniveau niedrig bleibt und die Detailauflösung hoch gehalten wird. Im Gegensatz zu Sony, die Vorreiter bei den Systemkameras waren, ist Nikon erst im vergangenen Jahr mit der Z7 und der Z6 in dieses Segment eingestiegen. Ein Indiz, dass die Kamera-Hersteller die relativ neue Kategorie der Systemkameras (DSLM) immer mehr für sich entdecken?

Systemkameras sind der Renner

Unter Systemkameras versteht man kompakte Kameras, die ohne Spiegel aus­kommen, aber mit Wechselobjektiven bestückt werden können. Gerade in diesem Segment kann im Moment tatsächlich sehr gutes Geschäft generiert werden. So hat Canon vor Kurzem mit der EOS RP eine Vollformat- DSLM vorgestellt, die mit dem RF-Bajonett versehen ist. Im Laufe des Jahres will der Anbieter sukzessive neue Objektive dafür auf den Markt bringen, um den ­Fotografen mehr kreativen Spielraum und den Händlern neue Geschäftsmöglichkeiten zu bieten.

Auch Panasonic steigt mit der Lumix S1 und der S1R in das Segment der Vollformat-DSLM-Kameras ein. Ein schwenk­bares Touchscreen-Display, ein hochauflösender OLED-Sucher sowie zwei Slots für Speicherkarten (einer für eine SD-Karte, der andere für eine XQD-Karte) sind weitere interessante Eckdaten. Und auch im Mittelklasse-Segment der Systemkameras mischt Panasonic mit – unter anderem mit der neuen Lumix G91.

Olympus hat im Februar mit der OM-D E-M1X eine Systemkamera für Profis vorgestellt. Diese ist die bisher größte, schnellste und teuerste (UVP für den ­Body: 2.999 Euro) spiegellose Kamera des Herstellers. Sie wurde speziell für Fotografen entwickelt, die draußen unterwegs sind. Dementsprechend lag der Fokus bei der Entwicklung vor allem auf Wetter­festigkeit. Wie beim Vorgänger steckt im Gehäuse ein 20,4-Megapixel-Sensor im Format 4/3 Zoll. Wichtige Knöpfe sind in zweifacher Ausführung vorhanden, damit sie sowohl im Hoch- als auch im Querformat an der gleichen Position liegen.

Stabiler Markt

Es sind genau diese Fortschritte in der Technologie, die dafür sorgen, dass der Foto- und Imaging-Markt im vergangenen Jahr einigermaßen stabil geblieben ist. Der ­Gesamtumsatz, so der Photoindustrie-Verband (PIV), lag in Deutschland bei 20 Milliarden Euro. An Stückzahlen wurden 2,4 Millionen Aufnahmegeräte verkauft. Impulse sieht der PIV neben dem Einsatz von KI auch in sprachgesteuerten Funktionen, bei intelligenter Bildsoftware und Apps, bei Augmented und Virtual Reality sowie bei neuen Kameramodellen und Objektiven. Enormes Potenzial könnten Cloud-Speicherlösungen darstellen, denn mehr als 1,2 Billionen weltweit gemachte Bilder pro Jahr erfordern smarte Lösungen.

Einen weiteren Trend stellt das Interesse der Konsumenten an Sofortbildkameras dar. Hier ist ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Gerade die jüngere Generation scheint in Teilen wieder das haptische Bild zu schätzen. In diese Kategorie fallen die beiden Sofortbildkameras von Canon Zoemini S und Zoemini C. Beide Modelle haben Taschenformat und eignen sich ideal für spontane Fotos und Selfies. Zudem können die Bilder sofort im Visitenkarten-Format 5 x 7,5 Zentimeter auf selbstklebendes Zink-Foto­papier gedruckt werden. Beide Kameras werden im Starterkit mit zehn Blatt reißfestem Papier mit Kleberückseite geliefert. Weiteres Papier ist in Packungen mit 20 oder 50 Blatt erhältlich.

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Kommentar: Kamera as a Service (KaaS)

Vielseitiger Markt

Insgesamt ist der Kamera-Markt so vielseitig wie noch nie. Denn neben System- und Sofortbildkameras wären da ja noch die hochpreisigen Spiegelreflex-, die Bridge- und die Kompaktkameras. Letztere fristen jedoch immer mehr ein Nischendasein, da aktuelle Smartphones diese oft schon ersetzen. Dennoch hat Nikon mit der Coolpix A1000 ein interessantes Modell im Kompakt-Portfolio. Die Kamera hat zwar nur einen 35-fachen optischen Zoom, ist aber mit dem gleichen Sensor und der gleichen Auflösung ausgestattet wie die Bridgekamera B600. Zudem kann man bei ihr das 3-Zoll-Display um 180 Grad nach unten klappen, und ein elektronischer Sucher mit Dioptrien-Anpassung erleichtert die Motivwahl bei hellem Licht.

Die neue Bridgekamera Coolpix B600 hat ein Nikkor-Superzoom-Objektiv und soll auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen scharfe Weitwinkel- und Tele-Aufnahmen liefern. Sie hat einen 1/2,3-Zoll-CMOS-Sensor an Bord und lösst mit 16 MP auf. Das Nikkor-Objektiv besitzt einen 60-fachen optischen Zoom.

Das Fotografie-Verhalten

Das Forsa-Institut befragte 1.000 Personen, um mehr über ihr Fotografie-Verhalten ­herauszufinden. Demnach nutzt die große Mehrheit (92 %) das Smartphone, allerdings nutzen auch zwei Drittel (67 %) eine Kamera. Dabei greifen über 60 Prozent mindestens einmal in der Woche zum Smartphone, um die Familie, den Partner oder Kinder (56 %), Alltags- und Freizeitsituationen (54 %), lustige oder seltsame Dinge im Alltag (53 %) festzuhalten. Die Kamera wird hingegen in erster Linie für Fotos bei Feierlichkeiten (75 %), zum Fotografieren von Sehenswürdigkeiten oder Städten (74 %) oder für Landschafts- und Naturaufnahmen (69 %) genutzt. Ähnlich häufig wie das Smartphone kommt die ­Kamera nur für Fotos von Familie, Partnern oder Kindern zum Einsatz (56 %).

Auch bei der Sicherung digitaler Daten deckt die Studie eine Diskrepanz zwischen Smartphone und Kamera auf: Nur 40 Prozent der „Smartphone-Fotografen“ sichern ihre Fotos vom Smartphone (sehr) häufig, 60 Prozent hingegen sichern ihre Fotos nur selten oder sogar nie. Fotos von der Kamera dagegen werden von 71 Prozent der Nutzer (sehr) häufig gesichert. „Dies bestätigt unsere Vermutung, dass die meisten Verbraucher die Relevanz der Datensicherung unterschätzen. Wer den Gang in die Cloud noch nicht nutzt, kann neben externen Speichermedien auch die analoge Sicherung wählen und Bilder einfach ausdrucken“, so PIV-Geschäftsführer Christian Müller-Rieker.

Abhängig vom Gerät, mit dem die Fotos ­gemacht wurden, findet auch die Wahl der externen Speichermedien statt: Fotos vom Smartphone werden am ehesten auf der Festplatte des PCs oder Laptops (70 %) ­gespeichert. 41 Prozent sichern ­ihre Smartphone-Fotos auf einer externen Festplatte, 26 Prozent in einem Cloud-Speicher. Fotos von der Kamera werden ebenfalls vor allem auf der PC- oder Laptop-Festplatte (80 %) gesichert. Darüber hinaus speichern 56 Prozent die Fotos von der Kamera auch auf einer externen Festplatte. Ein weiterer Trend wird von der Studie eindeutig belegt: 57 Prozent haben in den letzten drei Jahren keine Fotos ausgedruckt. Dadurch gewinnt das Thema digitale Datenhaltung und Speicherung zusätzlich an Wichtigkeit.

Digitale Druckverfahren

Prints von Smartphones boomen, und der Trend zu individualisierten Fotoprodukten befeuert das Consumer-Geschäft. Digitale Druckverfahren haben die Basis für eine neue Begeisterung für das haptische Bild geschaffen. Neue Verfahren wie der Druck dreidimensionaler Gegenstände haben die Druckersparte der Imaging-Welt wieder in den Fokus gerückt. Müller-Rieker: „Es ist erst ein paar Jahre her, dass wir auf der Photokina in Köln die ersten Verfahren gesehen haben, die Bilderdrucke mit einer dreidimensional wirkenden Oberfläche herstellen konnten. Kaum eine Branche, die nicht vom 3D-Druck betroffen ist und sich den Herausforderungen dieser neuen Form der Fertigung stellen muss.“ IDC prognostiziert einen Anstieg der weltweiten Ausgaben für 3D-Druck bis 2021 um ­etwa 16 Milliarden Euro. 2018 soll das Marktvolumen rund zehn Milliarden Euro betragen, was einem Wachstum um rund 20 Prozent ­gegenüber dem Vorjahr entspricht. Diese Summe betrifft die Ausgaben für Hardware, 3D-Software, Materialien und Dienstleistungen.

Langweilig wird es also nicht im Imaging-Sektor. Davon ist auch ­Canon-Chef Rainer Führes überzeugt: „Uns allen steht eine aufregende Reise in die fotografische Zukunft bevor. Und vielleicht sprechen wir bald nicht mehr nur von Artificial Intelligence, sondern auch von Imaging Intelligence.“

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