Aktueller Channel Fokus:

Output Management

Grüne Chancen für den ITK-Fachhandel und Service Provider

Smarte Lösungen für Indoor, Gardening und Farming

| Autor / Redakteur: Oliver Schonschek / Heidemarie Schuster

Smart Farming ist genau wie Smart Gardening ein Markt, der für IT-Dienstleister neue Chancen bietet.
Smart Farming ist genau wie Smart Gardening ein Markt, der für IT-Dienstleister neue Chancen bietet. (Bild: SAYAN - stock.adobe.com)

Die Trends Smart Gardening und Smart Farming eröffnen für ITK-Fachhändler und -Dienstleister spannende Märkte in den grünen Branchen. Wer Smart Home und IoT-Applikationen im Angebot hat, bei dem sollten Smart Indoor Gardening, Smart Gardening und Smart Farming nicht fehlen. Wir stellen interessante Lösungen und Projekte vor.

Im Jahr 2017 hatten die E-Commerce-Umsätze im Gartenmarkt ihr Wachstumspotenzial wieder unter Beweis gestellt, so der Industrieverband Garten (IVG). Um mehr als 13 Prozent stiegen die über das Internet erlösten Verkaufsumsätze von Gartenprodukten in Deutschland auf rund 880 Millionen Euro. In der Summe erzielten die Online-Vermarktungskanäle des stationären Handels, Katalogversender Online, Internet-Pure-Player und Hersteller Online einen aktuellen Marktanteil am Gartengesamtmarkt in Höhe von 4,7 Prozent.

Trotz des Wachstums im Online-Vertrieb ist im Gartenmarkt im Vergleich zu anderen Branchen noch Luft nach oben, wenn es um die Digitalisierung geht. Doch gerade das ist eine Chance für ITK-Fachhandel und Service Provider. Die Digitalisierung kommt zwar langsam, aber sicher auch im Bereich der Gartenprodukte in Fahrt. Smart Gardening ist hier das Stichwort und kann als Verlängerung des Trends Smart Home in den Garten hinein gesehen werden.

Tatsächlich findet die Digitalisierung der Gartenlösungen nicht nur rund ums Haus statt, sondern auch innerhalb des Hauses (Smart Indoor Gardening) bis hin zum professionellen Gartenbau und der Landwirtschaft (Smart Farming) und bis zur City Farm, wie die Lösungen von Philips dafür zeigen.

Diese grünen Anwendungsfelder für ITK-Lösungen sind nicht nur deshalb interessant, weil sie die Digitaltechnologien im wahrsten Sinne des Wortes „erden“. Smart Gardening und Smart Farming sind Teile des IoT (Internet of Things), wie zum Beispiel der FarmBot anschaulich zeigt, und werden genau wie die anderen IoT-Bereiche zahlreiche Möglichkeiten bieten, IoT-Hardware, IoT-Software und -Apps sowie die umsatzträchtigen IoT-Services zu vertreiben.

Die Studie „Global IoT Market in Smart Farming 2017-2021“ von Research and Markets erwartet, dass der globale IoT-Markt für „intelligente Landwirtschaft“ im genannten Zeitraum mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von 10,94 Prozent wachsen wird. An diesem Wachstum können auch der ITK-Fachhandel und Dienstleister teilhaben.

Interview mit Tobias M. Koerner, Vice President Global Sales Gardena

Die Hersteller im Gartenbereich mit Smart Gardening Lösungen sind durchaus offen für den ITK-Fachhandel, wie ein Gespräch mit Gardena zeigt:

Welche Chancen sehen Sie im Segment Smart Gardening in den nächsten drei Jahren?

Tobias M. Koerner: Das Segment Smart Home hat gerade erst begonnen, richtig Fahrt aufzunehmen, aber die Akzeptanz und Nachfrage steigt stetig. Beim Garten sind wir sogar schon einen Schritt weiter, weil automatische Bewässerung hier schon seit Jahren etabliert ist, und Mähroboter sind bereits seit mehreren Jahren das stärkste Wachstumssegment unserer Branchen. Mit Smart Gardening wird hier sozusagen die nächste Stufe beschritten. Das Thema wird wachsen und sich etablieren. Und dabei werden wir insbesondere bei der Software viel kürzere Innovationszyklen sehen, als dies früher bei den reinen Geräten der Fall war.

Smart Home ist zu einem wichtigen Thema im ITK-Fachhandel geworden, Smart Gardening ist die natürliche Verlängerung von Smart Home in den Garten. Was sollten Fachhändler beachten, wenn sie in den Smart Gardening Bereich einsteigen wollen?

Tobias M. Koerner, Vice President Global Sales bei Gardena, zeigt sich offen für weitere Partner aus dem ITK-Fachhandel.
Tobias M. Koerner, Vice President Global Sales bei Gardena, zeigt sich offen für weitere Partner aus dem ITK-Fachhandel. (Bild: Gardena)

Tobias M. Koerner: Zunächst einmal ist wichtig zu verstehen, dass Smart Gardening kein Selbstzweck alleine um der Technik willen ist, sondern vor allem einen Anwendernutzen stiften soll. Und der heißt: mehr Komfort, mehr Steuerungsmöglichkeiten, schönere Pflanzen mit höheren Ertrag bzw. ein stets gepflegter Rasen. Diese Kundenwünsche sollte man im Fachhandel kennen und entsprechend kompetent beraten können. Man muss sich also nicht nur mit der Technik, sondern auch mit der Anwendung auseinandersetzen wollen.

Gardena ist offen für weitere Partnerschaften mit dem ITK-Fachhandel, sagten Sie. Welche Wünsche hätten Sie an einen ITK-Fachhändler? Was sollte er können / leisten?

Tobias M. Koerner: Wie zuvor gesagt, sollte der Fachhändler seine Kunden anwendungsbezogen gut beraten können. Wir bieten speziell für unser Gardena smart system E-Learning-Kurse an, mit der Fachverkäufer sich für das Beratungsgespräch entsprechend fit machen kann. Neben der Beratungskompetenz ist das Kernargument für den Fachhandel natürlich der individuelle Service. Das gilt sowohl für die Ersteinrichtung beim Kunden, falls gewünscht, aber besonders auch im eventuellen Störungsfall. Hier kann eine schnelle, kompetente und zielführende Reaktion eine hohe Zufriedenheit und damit Kundenbindung schaffen. Als Anbieter verschiedener Systeme für Haus und Garten kann der Fachhandel auch die Rolle eines Integrators übernehmen, also dem Anwender aufzeigen, wie er verschiedene Lösungen miteinander nutzen kann.

Smart Solutions für Grünes: Vom Zimmergarten bis zur City Farm

Nicht nur auf Gartenfachmessen wie der Spoga+gafa 2018 konnte man neue, spannende Smart Solutions für den Gartenmarkt finden, sondern auch auf der IFA 2018 und auf den Neuheiten-Tagen verschiedener Hersteller. Die folgenden Beispiele zeigen die Vielfalt an smarten Lösungen für den grünen Bereich und damit die zahlreichen Möglichkeiten, in diesen Markt einzusteigen oder das bestehende Angebot sinnvoll zu erweitern:

Emsa stellt auf der IFA 2018 den Indoor Garden „Click & Grow Smart Garden“ vor, mit LED-Pflanzenbeleuchtung und Wassertank. Die Beleuchtung wird in automatischen Intervallen eingeschaltet, um das Pflanzenwachstum zu unterstützen.

Mit SmartGrow, einem weiteren Indoor-Gardening Gerät, tritt Bosch erstmals in das neuartige, aber schnell wachsende Segment des Indoor Gardenings ein. Ein Trend, bei dem Nutz- und Zierpflanzen ohne Garten oder Balkon einfach auf Fensterbrett oder Küchenboard gedeihen können. Dank des vollautomatischen, patentierten Licht- und Bewässerungssystems sollen Kräuter und Salate das ganze Jahr über gedeihen. Die für das Smart Indoor-Gardening Gerät entwickelte App von Bosch soll dann über die aktuellen Wachstumsphasen sowie den idealen Erntezeitpunkt informieren und Tipps für kreative Zubereitungen geben. Die App ist derzeit noch in Entstehung.

Für die Zukunft plant Bosch eine Weiterentwicklung des Systems. SmartGrow soll sich dann per App steuern lassen. Damit wird es beispielsweise möglich sein, Licht und Bewässerung jederzeit von unterwegs zu kontrollieren und einzustellen.

Robomow hat mit dem RC312 Pro S einen Rasenmähroboter vorgestellt, der auf die Amazon Alexa Sprachsteuerung reagiert. Neben „Start” und „Stopp” bietet die Sprachsteuerung zahlreiche individuelle Optionen. So kann Alexa Robomow beispielsweise über den Verlauf der letzten Ausfahrt befragen, sich erkundigen, wo er gerade ist und wann er plant, das nächste Mal zu mähen.

Gardena bietet für seine Mähroboter über Partner auch einen Service für die Planung und Installation im Garten an. Dieser Service kann auch gebucht werden, wenn Kunden zum Beispiel ihren Gardena Mähroboter im ITK-Fachhandel gekauft haben, wenn von dort keine entsprechenden Services angeboten werden können.

Ab Ende 2018 sollen sich Smart Gardening Lösungen von Gardena (Gardena smart system) mit verschiedenen Smart-Home-Geräten und -Services über IFTTT verbinden lassen. Ebenfalls geplant ist eine Unterstützung von Apple HomeKit, wohl im Verlauf von 2019.

Smart Solutions für die Landwirtschaft: Automatisierung ist Trumpf

Roboter- und Automatisierungssysteme gewinnen im Gartenbau und in der Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Es werden bereits Systeme für Pikier-, Schneid- und Steckarbeiten sowie Aus- und Aufstellarbeiten eingesetzt und erste Erfahrungen mit autonomen Ernte- und Pflegesystemen gesammelt. Eine Fachtagung „Robotics und Automatisierung im Gartenbau“ an der FH Erfurt des Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e. V. (KTBL) zeigte dazu mehrere Beispiele und offenbarte zudem zahlreiche Chancen für IT-Dienstleister:

Viele Projekte im Smart Farming haben das Ziel, die Unkrautbeseitigung, die Pflege und die Ernte im Gewächshaus oder auf dem Feld zu automatisieren. Hierzu sind nicht nur geeignete Robotersysteme und Automaten mit passenden Greifarmen und Werkzeugen notwendig. Wie viele der Teilnehmer an der Fachtagung sagten, besteht gerade im Bereich Software, Datenanalyse, neuronale Netzwerke und Unterstützung durch KI (Künstliche Intelligenz) noch ein großer Bedarf.

Eine Entwicklung im Smart Farming wird das Remote Farming sein. Hier werden Service Provider gefragt sein, die das Operating der Smart Farming Anwendungen aus der Ferne übernehmen, sowohl für Gewächshausanlagen als auch für automatisiert bewirtschaftete Felder.

Schon heute fallen in vielen Gewächshäuser große Datenmengen an, die noch nicht ausreichend genutzt werden, so dass gerade Big Data Analytics ein wichtiger Zweig für ein Angebot von IT-Dienstleistern im Smart Farming ist. Ziele der Bilderkennung und Datenanalysen sind die Erkennung von Pflanzenkrankheiten, Düngebedarf oder Bestimmung des Reifegrades für eine rechtzeitige Ernte. Während das Freiland viele Besonderheiten wie die Wetterabhängigkeit und die Dynamik der Umgebung aufweist, können in Gewächshäuser viele Parallelen zu Projekten für Industrie 4.0 gezogen werden.

Wie groß bereits die Bedeutung von KI im Smart Farming gesehen wird, zeigt zum Beispiel die „Autonomous Greenhouse Challenge“, bei dem herkömmlich betriebene Gewächshäuser mit vollautomatisierten Gewächshäusern verglichen werden sollen. Dieser Wettbewerb richtet sich insbesondere an IT-Experten.

Smart Farming ist genau wie Smart Gardening ein Markt, der für IT-Dienstleister neue Chancen bietet, sei es die automatisierte Erkennung von Unkraut mit Hilfe von neuronalen Netze oder die Erstellung digitaler Karten von Landschaften für den Einsatz von automatisierten Farming-Robotern, die sich orientieren können müssen. Wie sich digitale Karten von Gärten und Feldern erzeugen lassen, zeigt auch das Projekt Trimbot2020, bei dem unter Beteiligung von Bosch ein Schneideroboter entwickelt wird, der sich autonom zum Beispiel in einem Stadtpark bewegen können soll. Auch für IT-Dienstleister entstehen so neue Perspektiven.

Kommentare werden geladen....

Sie wollen diesen Beitrag kommentieren? Schreiben Sie uns hier

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45514198 / Hardware)