Lünendonk-Listen 2026 Stotternde Konjunktur zieht IT-Dienstleister nach unten

Von Dr. Stefan Riedl 6 min Lesedauer

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Stagnation statt Aufbruch: Die neuen Lünendonk-Listen verdeutlichen, dass die IT-Wirtschaft nicht länger von der allgemeinen wirtschaftlichen Flaute in Deutschland abgekoppelt ist. Der Umsatz wankt, während KI die Prozesse grundlegend verändert.

Wirtschaftliche Probleme in Deutschland belasten zunehmend auch die IT-Branche.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Wirtschaftliche Probleme in Deutschland belasten zunehmend auch die IT-Branche.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Deutschlands schwache Konjunktur hinterlässt deutliche Spuren in der IT-Branche. Auch die Lünendonk-Listen – eine Studien zur Lage des IT-Channels – zeigen, dass der Konjunkturmotor in Deutschland stottert und damit auch die Geschäftsentwicklung der hierzulande tätigen IT-Dienstleister. Zu den Zahlen: Das Umsatzwachstum blieb 2024 (2,6 %) und 2025 (2,9 %) deutlich hinter den Erwartungen zurück. Parallel dazu entzieht KI dem klassischen Dienstleistungsgeschäft die Grundlage: 83 Prozent befragten IT-Anwenderunternehmen erwarten drastische Effizienzsteigerungen in der Softwareentwicklung, was Projektvolumina und Personalstrukturen unter Zugzwang setzt. Ähnliche Annahmen bestehen für den IT-Betrieb (70 %) und die Anwendungsmodernisierung (52 %). Die Branche reagiert defensiv: 54 Prozent der Anbieter stellen sich bis 2028 auf einen rückläufigen Bedarf an Softwareentwicklern ein, 44 Prozent rechnen mit weniger Personal im Bereich IT-Betrieb und Application Management.

Hintergrund

Konjunkturflaute und technologischer Umbruch

Konjunktur bremst: Die IT-Dienstleister wachsen in Deutschland nur um durchschnittlich 2,9 Prozent.

Uneinheitliche Nachfrage: Einer Schwäche in den Sektoren Automotive und Industrie steht ein Wachstum in den Bereichen der Kritischen Infrastrukturen gegenüber.

Sehr hohes Effizienzpotenzial durch Künstliche Intelligenz: Die IT-Dienstleister erwarten durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz einen rückläufigen Personalbedarf bis zum Jahr 2028.

Gedämpfter Optimismus: Jeder zweite Chief Information Officer (CIO) plant für das Jahr 2027 zwar Budgeterhöhungen, allerdings bewegen sich diese auf einem geringen Niveau.

Verschiedene Studien von Lünendonk & Hossenfelder

Dies sind erste Gesamteindrücke der Lünendonk-Studie 2026 „Der Markt für IT-Dienstleistungen in Deutschland“ des Research- und Analysten-Unternehmens Lünendonk & Hossenfelder. Die korrespondierenden Lünendonk-Listen „Führende IT-Beratungs- und Systemintegrations-Unternehmen in Deutschland“ sowie „Führende IT-Service-Unternehmen in Deutschland“ stehen zum Download bereit (s. Kasten). Die umfangreiche Marktstudie erscheint Ende Juli 2026.

Hintergrund

Lünendonk-Liste 2026 veröffentlicht

Die neue Marktübersicht der führenden IT-Beratungs- und Systemintegrations-Unternehmen in Deutschland liegt vor. Die Erhebung ist Teil der Lünendonk-Studie „Der Markt für IT-Dienstleistungen in Deutschland“, für die Daten von über 100 Dienstleistern sowie rund 200 IT-Verantwortlichen aus dem Mittelstand und aus Großkonzernen ausgewertet wurden. Die Ergebnisse liefern Kennzahlen zur strategischen Planung für Anbieter und Kunden. Die Liste steht kostenfrei (aber registrierungspflichtig) zum Download bereit unter: www.luenendonk.de

„IT-Beratung und Systemintegration“ im Überblick

In das Ranking werden Unternehmen aufgenommen, die mehr als 60 Prozent ihres Umsatzes in Deutschland mit Management- und IT-Beratung, Systemintegration, sowie Softwareentwicklung und -einführung erzielten.

Die 25 führenden IT-Beratungs- und Systemintegrationsunternehmen aus dieser Auswahl erzielten 2025 ein um Übernahmen bereinigtes organisches Umsatzwachstum von durchschnittlich 1,5 Prozent (2024: 2,4 Prozent). Damit wuchsen die Top 25 erstmals seit langer Zeit organisch deutlich langsamer als der Gesamtmarkt, der um 2,9 Prozent zulegte.

„Die Geschäftsentwicklung innerhalb der Top-25-IT-Beratungen ist sehr heterogen“, sagt Mario Zillmann, Senior Partner bei Lünendonk. Während einige IT-Dienstleister zweistellige Wachstumsraten erzielen konnten, blieben andere demnach deutlich hinter den Erwartungen zurück. Ausschlaggebend für diese Entwicklung sei vor allem der Branchen-Mix und weniger das Service-Portfolio. So kamen vor allem aus dem dominierenden Industriesektor auch im Jahr 2025 aufgrund der konjunkturellen Gesamtlage nur wenige neue Impulse für höhere IT-Investitionen, führt Zillmann aus.

Die Dickfische der Branche

Marktführer bleibt Accenture mit einem von Lünendonk geschätzten Deutschlandumsatz von 3,6 Milliarden Euro (2024: 3,4 Mrd. Euro). Auf Platz zwei behauptet sich Capgemini, die laut Lünendonk-Schätzungen jedoch einen leichten Umsatzrückgang um 0,4 Prozent auf 2,24 Milliarden Euro (2024: 2,25 Mrd. Euro) zu verzeichnen hatten. IBM rückt dagegen näher an Capgemini heran und steigerte seinen Inlandsumsatz um geschätzte 0,9 Prozent auf 2,22 Milliarden Euro.

Ungeachtet der konjunkturellen Lage gelang Adesso im Jahr 2025 das zweitstärkste Umsatzwachstum innerhalb der Top 25. Das größte Wachstum erzielte Conet (15,8 % auf 287,1 Millionen Euro). Mit einem Umsatzplus von 15,3 Prozent und einem Inlandsumsatz von 1,23 Milliarden Euro (2024: 1,07 Mrd. Euro) behauptet Adesso Platz vier und schließt weiter zu den Top 3 auf. Die Top 5 komplettiert Msg Systems mit einem Deutschlandumsatz von 973,7 Millionen Euro.

Innerhalb der Top 10 der IT-Beratungs- und Systemintegratoren verzeichneten MHP (-11,4 %) und Sopra Steria (-13,2 %) zweistellige Umsatzrückgänge in Deutschland. Materna gehört hingegen zu den Gewinnern und steigert den Umsatz um 9,7 Prozent. Damit steigt das Unternehmen auf Rang 8. Neben Adesso und Conet gelang auch Valantic (+11,7 %) ein zweistelliges Wachstum im Jahr 2025, ebenso wie Cosmo Consult (+13,0 %), die damit erstmalig den Sprung in die Lünendonk-Liste der 25 führenden IT-Beratungs- und Systemintegrationsunternehmen schafften. Ebenfalls neu in der Lünendonk-Liste auf Platz 19 ist EPAM mit 195,0 Millionen Euro in Deutschland.

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So ergibt sich folgendes Top-10-Ranking der im Segment „IT-Beratung und Systemintegration“:

  • 1. Accenture
  • 2. Capgemini
  • 3. IBM
  • 4. Adesso
  • 5. Msg
  • 6. TCS
  • 7. MHP
  • 8. Materna
  • 9. CGI
  • 10. Sopra Steria

Lünendonk-Ranking „IT-Service“ im Überblick

In das Ranking werden IT-Dienstleister aufgenommen, die mehr als 50 Prozent ihres Umsatzes in Deutschland mit IT-Operations-Services (unter anderem Hosting, Managed Services) erzielen. Dazu zählen sowohl der Betrieb von IT-Anwendungen und IT-Infrastrukturen als auch IT-Services wie IT-Beratung und Softwareentwicklung.

Die Lünendonk-Liste „IT-Service“ zeigt ein ähnliches Bild wie das Segment der „IT-Beratung und Systemintegration“. So sind die IT-Serviceunternehmen in Deutschland organisch um durchschnittlich 1,4 Prozent gewachsen. Auch in diesem Marktsegment wird die Gesamtentwicklung vor allem durch einzelne Anbieter mit deutlichen Umsatzrückgängen geprägt – teils im hohen einstelligen bis zweistelligen Bereich.

Big Business mit IT-Services

Den ersten Platz belegt wie im Vorjahr T-Systems mit einem geschätzten Umsatz in Deutschland von 2,95 Milliarden Euro (2024: 2,9 Mrd. Euro). Auf dem zweiten Platz folgt NTT Data mit einem Umsatzrückgang laut Lünendonk-Schätzungen um 8,7 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro.

Auf Rang drei und acht stehen mit Infosys und Wipro zwei Neueinsteiger in dieser Lünendonk-Liste. Während beide IT-Dienstleister in den letzten Jahren dem Segment IT-Beratung und Systemintegration zugeordnet waren, liegt nun ein deutlich größerer Schwerpunkt der am deutschen Markt erbrachten Services auf IT-Operations. Mit einem Umsatzplus von geschätzten 13 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro gehört Infosys 2025 zu den am stärksten gewachsenen IT-Dienstleistern im deutschen Markt, während der Umsatz von Wipro nach Lünendonk-Schätzungen um 7,8 Prozent auf 530 Millionen Euro zurückging.

Neben NTT Data und Wipro konnten auch DXC (-3,0 %), Atos (-12,8 %) und Kyndryl (plus/minus 0 %) innerhalb der Top 10 in Deutschland im Jahr 2025 kein Umsatzwachstum erzielen. Dagegen gelang es Datagroup (+6,8 %) und Arvato Systems (+5,2 %) ihre Top-10-Platzierungen sowohl zu festigen als auch zu den vorderen Plätzen aufzuschließen.

Die Unternehmen mit dem stärksten organischen Wachstum in Deutschland sind HCL (+14,9 %), Infosys (+13 %), Tech Mahindra (+10 %), Akquinet (+11 %) sowie TechniData (+18,4 %). Neu im Ranking sind Spirit/21 (Rang 20; 72,8 Mio. Euro) und LTIMindtree (Rang 21; 70 Mio. Euro).

Demnach lautet die Top-10 im Segment der IT-Services:

  • 1. T-Systems
  • 2. NTT Data
  • 3. Infosys
  • 4. DXC
  • 5. Atos
  • 6. HCL
  • 7. Kyndryl
  • 8. Datagroup
  • 9. Wipro
  • 10. Arvato Systems

Wo der Rubel noch rollt: Innovationen statt IT-Betrieb

Das Jahr 2025 zeigte eine konstant hohe Nachfrage nach externen IT-Dienstleistungen – insbesondere in den Bereichen IT-Modernisierung, S/4HANA-Einführungen und der Cloud-Transformation. „Die Nachfrage nach KI-Lösungen war zwar sehr hoch, die Projektvolumina sind derzeit jedoch noch vergleichsweise gering. Das wird sich in den kommenden Jahren allerdings mit zunehmenden KI-Reifegrad in den Unternehmen verändern“, beschreibt Zillmann die Struktur der Nachfrage im Jahr 2025.

Zentrale Umsatzbringer

Zur Fragestellung: „Wie wird sich Ihr IT-Budget von 2025 auf 2026 voraussichtlich entwickeln?“(Bild:  Lünendonk & Hossenfelder)
Zur Fragestellung: „Wie wird sich Ihr IT-Budget von 2025 auf 2026 voraussichtlich entwickeln?“
(Bild: Lünendonk & Hossenfelder)

Die CIO-Agenda für die Jahre 2026/2027 zeigt eine hohe Priorisierung zentraler IT-Themen. Im Fokus stehen vor allem Cybersecurity, IT-Modernisierung, Cloud-Transformation, IT-Integration, Digitale Souveränität und Data & AI. Entsprechend optimistisch sind die befragten IT-Entscheider mit Blick auf ihre IT-Budgets: 55 Prozent rechnen 2026 bis 2027 mit steigenden Budgets, weitere 36 Prozent gehen von stabilen Ausgaben auf hohem Niveau aus. Interessant ist die Verteilung der Budgets: So wollen mehr als 40 Prozent mehr Geld in IT-Innovationen sowie die IT-Modernisierung investieren, während für den Erhalt der IT nur 23 Prozent mehr Geld ausgeben wollen.

Automatisierung und KI

Zu den Fragestellungen: „Wie hoch schätzen Sie den Grad der Effizienzsteigerung ein, den Ihr Unternehmen durch den Einsatz generativer KI in den folgenden Bereichen bisher erreichen konnte?“ und „Wie wird sich der Ressourcen-Einsatz in den folgenden Bereichen bis 2028 verändern?“(Bild:  Lünendonk & Hossenfelder)
Zu den Fragestellungen: „Wie hoch schätzen Sie den Grad der Effizienzsteigerung ein, den Ihr Unternehmen durch den Einsatz generativer KI in den folgenden Bereichen bisher erreichen konnte?“ und „Wie wird sich der Ressourcen-Einsatz in den folgenden Bereichen bis 2028 verändern?“
(Bild: Lünendonk & Hossenfelder)

„CIOs müssen in konjunkturell schwachen Zeiten mehr aus ihrem zur Verfügung stehenden Budget rausholen und setzen dabei auf Automatisierung und KI“, kommentiert Mario Zillmann die Budgetplanungen. „Gerade im IT-Betrieb zeigen sich bereits heute enorme Einsparpotenziale durch KI-basierte Delivery-Modelle – Kapital, das in die notwendigen Transformationsaufgaben investiert werden kann“.

Umsatzerwartungen gehen zurück

Zur Fragestellung „In welche der folgenden Themenfelder investiert Ihr Unternehmen in den kommenden zwei Jahren?“(Bild:  Lünendonk & Hossenfelder)
Zur Fragestellung „In welche der folgenden Themenfelder investiert Ihr Unternehmen in den kommenden zwei Jahren?“
(Bild: Lünendonk & Hossenfelder)

Für das Jahr 2026 zeigen sich die von Lünendonk befragten IT-Dienstleister etwas vorsichtiger als in den Vorjahren. Dennoch erwarten sie ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 7,5 Prozent.

Zum Vergleich: Anfang 2025 lag die durchschnittliche Umsatzprognose für 2026 noch bei 10,4 Prozent.

Sonderrolle als Optimierer und Effizienzbringer

Bei der Vorstellung der aktuellen Zahlen vor zahlreichen Branchenvertretern kristallisierte sich ein ambivalentes Bild heraus: Zwar herrschte weitgehend Einigkeit darüber, dass die IT-Branche als Optimierer und Effizienzbringer gerade in wirtschaftlichen Schwächephasen von einer Sonderkonjunktur profitieren kann. Doch dieser strukturelle Vorteil stößt an harte Grenzen, wenn die industrielle Basis wegbricht – denn wo Betriebe abwandern oder in die Insolvenz gehen, gibt es nichts mehr zu optimieren. So blieb am Ende der Veranstaltung ein Fazit, das man trotz der theoretischen Chancen wohl am treffendsten als ernüchternd bezeichnen muss.

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