Über 40 Jahre in der Branche

Oracle: Von der Database zur Blockchain

| Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Die Deutschlandzentrale von Oracle ist in der bayerischen Landeshauptstadt München angesiedelt.
Die Deutschlandzentrale von Oracle ist in der bayerischen Landeshauptstadt München angesiedelt. (Bild: Oracle)

Oracle nennt sich eigentlich die Datenbank, die Larry Ellisons ­Firma „Software Development Laboratories“ von 1977 bis 1979 für den US-Geheimdienst CIA entwickelte. Die nächsten 40 Jahre verbreiterte sich das Angebot bis hin zu KI-, IoT- und Blockchain-Diensten.

Erst seit 1982 beansprucht Oracle diesen Firmennamen für sich, nachdem sich das Unternehmen dazu entschloss, namentlich nach ihrem ersten Produkt zu firmieren, welches für die CIA entwickelt wurde. 35 Vollzeit-Programmierer beschäftigten sich damals damit, eine neue Version der Datenbank zu kodieren, um eine schnelle ­Portabilität zwischen verschiedenen Mainframes und PCs zu ermöglichen. RSI (Relational Software) änderte damals den ­Namen erst in Oracle Systems Corpora­tion, später verkürzt auf Oracle Corporation.

Oracle startete als Datenbank-Lieferant für den US-Geheimdienst CIA.
Oracle startete als Datenbank-Lieferant für den US-Geheimdienst CIA. (Bild: Al - stock.adobe.com)

1986 erfolgt der Börsengang des Unternehmens. 450 Leute arbeiten zu diesem Zeitpunkt für den Datenbank-Hersteller. 1987 wird die Oracle Deutschland GmbH in das Handelsregister der bayerischen Landeshauptstadt München eingetragen. Franz Niedermeyer wird erster ­Geschäftsführer von Oracle Deutschland. Zu dieser Zeit startet bei Oracle in den USA der Geschäftsbereich „Applications“, der mit sieben Mitarbeitern das Daten­bank-Geschäft mit Anwender-Software ergänzte. Ebenso baut Oracle ein Geschäft rund um Beratung und Support auf.

In den USA wird 1989 ein neuer Firmensitz in Redwood Shores und ein Platz im Standard & Poor‘s 500 Index bezogen. Ferner bringt das Unternehmen erste Fertigungsanwendungen auf den Markt. Oracle baut zudem unter anderem eine „Data Publishing“-Sparte auf, deren Ziel darin ­besteht, Informationen zu erwerben und elektronisch zu vertreiben.

Raues Fahrwasser

Anfang der 1990er gerät das Unternehmen erstmals in raues Fahrwasser. Ein umgebautes Management-Team mit Jeff Henley als CFO bringt es finanziell wieder auf Kurs (2004 wird Henley Vorstandsvorsitzender). Im Jahr 1991 stellt das Unternehmen eine Datenbank vor, die auf „Massively ­Parallel Processing“ (MPP) basiert, was ­eine deutlich schnellere Suche in Mainframe-Datenbeständen ermöglicht. 1995 hatte Oracle bereits eine rudimentäre Internet-Strategie, denn der Gründer Larry Ellison stellte seine Idee für internetzentriertes Computing per Netzwerk-Computer vor. Teil der Vision war das „Shelf Service“-Konzept. Oracle fördert dabei die Network Computing Architecture (NCA) und führt browser­basierte Shelf-Service-Anwendungen ein, bei denen Daten für Web-Kunden, -Lieferanten und -Mitarbeiter bereitgestellt werden.

Ergänzendes zum Thema
 
Oracle startet mit dem Auftraggebeber CIA

Unternehmens-Software

Das Thema Cloud steht bei Oracle – wie hier auf der Hausmesse OpenWorld 2017 in San Francisco – im Mittelpunkt.
Das Thema Cloud steht bei Oracle – wie hier auf der Hausmesse OpenWorld 2017 in San Francisco – im Mittelpunkt. (Bild: Oracle)

Im Jahr 1997 bringt Oracle neben einer neuen Datenbank- eine neue Application-Server-Version sowie die Programmiersprache Java auf den Markt. Zur Jahrtausendwende entdeckt Oracle das Thema Linux für sich. 2002 stellt das Unternehmen neue Versionen von der Database, des Application Server und der E-Business Suite vor und startet die „Unbreakable“-Kampagne, die das Thema Sicherheit in den Fokus rückt.

Mit der Übernahme von PeopleSoft für 10,3 Milliarden Dollar wird Oracle 2004 zum zweitgrößten Business-Software-Anbieter nach SAP. 2005 folgt die Akquisition von Siebel. 3.000 neue Entwickler brachten Dynamik in das Geschäft rund um Unternehmens-Software. 2008 kaufte der Konzern BEA Systems, einen Anbieter für Service-oriented ­Architecture.

Schöpferische ­Zerstörung durch IT

Oracle setzt auf disruptive Technologien

Schöpferische ­Zerstörung durch IT

06.02.18 - Der Ökonom Joseph Schumpeter hat nicht nur Begriffe wie „Innovation“, „Wagniskapital“ und „­Firmenstrategie“ etabliert, sondern beschreibt mit seiner Theorie der schöpferischen Zerstörung ziemlich gut, wie Smartphones, die Cloud, KI und IoT die Wirtschaft und die Gesellschaft im Internetzeitalter ruppig und nachhaltig umbauen. Das Beispiel Oracle verdeutlicht die Marschroute. lesen

Die Sun-Übernahme

2009 erfolgt die wohl wichtigste Übernahme: Sun Microsystems erweitert das Portfolio des „Oracle Stack“ um ­Server-, Speicher-, Betriebssystem- und Virtualisierungstechnologie. Ende 2011 hatte Oracle zwar den Cloud-CRM-Anbieter RightNow für 1,5 Milliarden Dollar gekauft, doch im Vergleich zu agileren Wettbewerbern wie Salesforce hängt das Unternehmen aus den Redwood Shores hinterher. Im Jahr 2013 geht die Cloud-Strategie langsam auf, und auch Firmenrechner verkaufen sich wieder besser. Sinkende Hardware-Umsätze können mit steigenden Software-, Middleware- und Datenbank-­Umsätzen mehr als ausgeglichen werden.

2014 wird Micros gekauft, ein Spezialist für In-Memory-Technologie. Ein seit 2007 laufender Rechtsstreit mit SAP über Copyright-Verletzungen der SAP-Tochter TomorrowNow wird gegen eine Milliardenzahlung von SAP beigelegt.

Im Jahr 2015 stellt Ellison mit dem M7 die erste SPARC-CPU vor, die mit einer in der Hardware verankerten Sicherheitskomponente den Anspruch erhebt, die Sicherheit von Daten und Anwendungen in Cloud-Umgebungen zu verbessern. 2016 startet der Konzern die Initiative „Cloud at Customer“, bei der Cloud-Anwendungen in On-Premises-Umgebungen – also eigenen Rechenzentren – genutzt werden können.

2017 feierte der Konzern 40 jähriges Jubiläum in den USA und den 30. Geburtstag in Deutschland.

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