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Ebertlang: Unternehmer mit eigenem Stil

| Autor: Michael Hase

Steffen Ebert (l.) und Volker Lang führen gemeinsam seit 24 Jahren den VAD Ebertlang.
Steffen Ebert (l.) und Volker Lang führen gemeinsam seit 24 Jahren den VAD Ebertlang. (Bild: Ebertlang)

Steffen Ebert und Volker Lang starteten ihre unternehmerische Laufbahn mit einem Internet Service Provider, der später zum Software-Distributor mutierte. An der Schnittstelle zwischen Herstellern und Fachhandel kultivieren die beiden heute ihre spezifische „Ebertlang-Art“.

Bei vielen Mittelständlern gibt es eine starke Persönlichkeit, häufig der Gründer, der die Firma mit seinem Geschäftskonzept, mit unternehmerischem Geschick, Leidenschaft und Weitblick geprägt hat. Beim Software-Distributor Ebertlang ist das anders. Dort sind es zwei Köpfe, Steffen Ebert und Volker Lang, die Profil und Entwicklung des Unternehmens seit Jahren bestimmen. Nicht nur Außenstehenden dürfte ein Urteil darüber schwer fallen, welcher der beiden größeren Anteil daran hat.

Ebertlang behauptet sich mit einem fokussierten Ansatz in der deutschen Distributionslandschaft. Gerade einmal 13 Anbieter, die Felder wie Backup, IT-Management und Security abdecken, bilden das Portfolio des VADs aus Wetzlar. Wichtig ist Ebert und Lang, hochwertige Dienstleistungen rund um diese Hersteller anzubieten und Partner kompetent zu deren Technologien zu beraten. Mit diesem Ansatz ist das Unternehmen kontinuierlich gewachsen. Allein in den vergangenen beiden Jahren erhöhte sich die Zahl der Mitarbeiter um ein Drittel auf rund 60.

Internet statt Jura

Dass sie einen Distributor in der mittelhessischen Provinz führen würden, war bei beiden Firmenchefs nicht vorgezeichnet. In den 90er Jahren kamen sie – Ebert aus dem badischen Mosbach, Lang aus München – zum Jura-Studium nach Gießen. Die gemeinsame Begeisterung für das Internet brachte sie zusammen. Statt weiter Paragrafen zu pauken, gründeten sie 1995 in Gießen den Internet Service Provider (ISP) Eulink. Neben Zugangsdiensten bot der Dienstleister seinen Kunden auch Mail- und Access-Management-Software von Alt-N und Qbik an. Da diese Produkte in erheblichem Umfang von Resellern eingekauft wurden, entwickelte sich Eulink mehr und mehr zum Großhändler. Seit dem Jahr 2006, als das Unternehmen den Endkundenvertrieb komplett einstellte, firmiert es als Ebertlang.

Alt-N und Qbik gehören übrigens bis ­heute zum Portfolio des Distributors, was auf ­eine gewisse Beständigkeit schließen lässt. Die Eigenschaft widerspricht ganz und gar nicht einer Offenheit für neue Technologien und Konzepte. So profilierten sich Ebert und Lang um die Jahrtausendwende als Pioniere der Elektronischen Software-Distribution (ESD) in Deutschland. Und schon 2006 begannen sie damit, Managed Services als ein Zukunftsmodell für den IT-Fachhandel zu propagieren.

Ein Gespür für Trends und die Bereitschaft, neue Wege einzuschlagen, zählen ebenso zu den Erfolgsfaktoren des VADs wie Nachhaltigkeit im operativen Geschäft. Nach Überzeugung von Ebert brauchen Systemhäuser und MSPs einen verlässlichen Distributor, auf dessen Support sie bei Bedarf zurückgreifen können. Gerade auf sensiblen Feldern wie IT-Infrastruktur oder Security müssen Partner eine hohe Kundenzufriedenheit gewährleisten können. Um sie dabei bestmöglich zu unterstützen, gibt sich der Co-CEO mit den Prozessen seines Unternehmens nie ganz zufrieden. „Den Status quo jeden Tag aufs Neue kritisch zu hinterfragen, betrachte ich als eine meiner Haupttätigkeiten bei Ebertlang.“

Chef und Entwickler

In der Geschäftsführung zeichnet Ebert für Vertrieb und Marketing verantwortlich. Co-CEO Lang kümmert sich um Finanzen und Technik. Für ersteres qualifiziert ihn eine Banklehre, die er nach dem Abitur absolvierte, für letzteres seine frühe Begeisterung für IT. So hat der Geschäftsführer die technische Basis des Distributors aufgebaut, zu der Systeme für Bestellwesen, Warenwirtschaft, ESD und Kundenmanagement gehören. Dafür hat er nicht etwa Standardkomponenten eingekauft, sondern die gesamte Software selbst programmiert – anfangs sogar allein. Heute kümmert sich ein dreiköpfiges Team um die Weiterentwicklung der Plattform. Neben dem Knowhow der Mitarbeiter sieht man bei Ebertlang in den maßgeschneiderten Systemen, mit denen sich Prozesse automatisieren lassen, eines der wichtigsten Assets. Sie erlauben es dem VAD, schnell und flexibel auf Anfragen zu reagieren.

Neben kurzen Reaktionszeiten schätzen Partner die unkomplizierte Zusammenarbeit mit den Hessen. Wichtiger als Vertragsklauseln sind ihnen Vertrauen und klassische Kaufmannstugenden wie Integrität oder Verlässlichkeit. „Sei offen und ehrlich! Versprich nichts, was du nicht halten kannst! Dann gibt es keine Probleme“, nennt Lang sein Mantra. Mit dieser Einstellung sei das Unternehmen in den fast 24 Jahren seines Bestehens stets gut gefahren. Obwohl beide Geschäftsführer ursprünglich Juristen werden wollten, haben sie mit keinem einzigen Partner jemals einen Rechtsstreit ausgefochten. Immerhin finden sich in ihrer Datenbank mittlerweile 17.000 Systemhäuser und MSPs.

„Kein Distributor“

Auch wenn Ebertlang an der Schnittstelle zwischen Herstellern und Fachhändlern agiert, bezeichnen die Gründer ihre Firma nicht als Distributor. „Der Begriff wird uns einfach nicht gerecht“, führt Ebert aus. Schließlich mache der Software-Handel nur einen Teil des Geschäfts aus. Wenn eine Bestellung abgewickelt sei, höre die Betreuung eines Partners nicht auf. „Meist fängt sie dann erst richtig an.“ Etwa drei Viertel der knapp 30 Vertriebler seien in der Regel draußen bei Systemhäusern, um sie weiterzuentwickeln. Dabei lassen sich die Wetzlarer nicht von dem leiten, was in der Distribution üblich ist, sondern kultivieren ihren eigenen Stil. „Was alle ­machen, ist für uns nicht maßgeblich“, beschreibt Lang die spezifische Ebertlang-Art. „Wenn wir etwas für falsch halten, dann machen wir es anders.“

Bei allem Engagement für die Firma gibt es bei beiden CEOs ein Leben neben der Arbeit. Lang ist leidenschaftlicher Koch und Bäcker, der seine Rezepte in einem Blog – „Obatzt is! Kreatives Küchenchaos aus Mittelhessen“ – teilt. Früher lebte der Rock- und Blues-Fan seine kreative Ader als Gitarrist in einer Band aus. Ebert verbringt einen Teil seiner Freizeit mit einer einmotorigen ­Maschine über den Wolken. Die französische Atlantikküste und die Karpaten zählen zu seinen letzten Zielen. Außerdem begeistert er sich für Fotografie und seine Wahlheimat Wetzlar, den Sitz des Kamera-Herstellers Leica.

Sich verstärkt den Hobbys widmen zu wollen, sei aber nicht der Grund dafür gewesen, dass Ebert und Lang die Mehrheit an ihrem Unternehmen im Frühjahr 2017 an die Frankfurter Kapitalgesellschaft Beyond Capital Partner verkauft haben, versichert Ebert. „Wir haben ja nicht mit unserer Intention hinter dem Berg gehalten, warum wir einen Investor an Bord nehmen.“ Beide sind davon überzeugt, dass sie mit dessen Support ihr Geschäftsmodell „schneller skalieren können, als uns das aus eigener Kraft möglich wäre“. Erklärte Ziele sind die Internationalisierung und ein beschleunigtes Wachstum, zu dem Akquisitionen beitragen sollen. In der Branche darf man auf die nächsten Schritte in der Entwicklung von Ebertlang gespannt sein.

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