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Geschäftsmodellerfinder

Channel-VIP: Markus Rex

| Autor: Dr. Stefan Riedl

Das Thema „Geschäftsmodelle in der IT“ hat Markus Rex stets begleitet.
Das Thema „Geschäftsmodelle in der IT“ hat Markus Rex stets begleitet. (Bild: © denisismagilov - stock.adobe.com)

„Geschäftsmodelle haben mich schon immer fasziniert“, sagt Markus Rex. Kennt man seinen Lebensweg, ahnt man warum: Mit einem ist Rex in jungen Jahren gescheitert, mit einem anderen führte er praktisch die Linux Distribution in die „Post-Schachtelverkauf-Ära“.

Markus Rex, Country Manager, Datto DACH
Markus Rex, Country Manager, Datto DACH (Bild: Datto)

Channel-VIP Markus Rex wurde 1972 geboren, lebt derzeit mit seiner Familie in Nürnberg und ist Country Manager DACH bei Datto. In den dazwischenliegenden 47 Jahren ist einiges geschehen: Direkt nach der Schulzeit und nach der Wende – so um das Jahr 1990 – hat sich der Channel-VIP als Ein-Mann-IT-Dienstleister selbstständig gemacht. „Damals war jeder, der wusste, wie man Computer an- und ausschaltet ein IT-Experte“, lacht Rex. „Mein Computer-Wissen habe ich mir autodidaktisch ab dem 13. Lebensjahr am heimischen Rechner meines Vaters erarbeitet. Er war im Controlling bei Philips angestellt und vor diesem Hintergrund stand bei uns zuhause kein Commodore und kein Amiga, sondern ein PC mit grünem Bildschirm als eingebautem Röntgenstrahler.“

Bei Linux hat es sofort gefunkt

Mit 20 ist er zu Linux gekommen und es hat sofort gefunkt: „Im Gegensatz zum PC konnte mit diesem Betriebssystem gleichzeitig eine Floppy-Disk formatiert und ein offenes Fenster verschoben werden, in dem das Programm auch noch weiterlief. Im PC-Umfeld war so eine Multitasking-Performance damals undenkbar. Linux lies mich seither nicht mehr los.“

Als selbstständiger IT-Dienstleister schrieb Rex neben der Uni zunächst hauptsächlich Word-Makros, programmierte Datenbanken, konfigurierte Hardware und hielt IT-Schulungen.

Fehlentscheidung aus Idealismus

Doch seine Linux-Begeisterung verführte ihn 1995 zu einer Fehlentscheidung: „Beseelt vom Idealismus – alles an Code ist frei, wird geteilt und gemeinsames Wissen aufgebaut – wollte ich mich voll auf IT-Dienstleitungen rund um Linux spezialisieren.“ Er habe zwar schon Leute gefunden, die seine Dienste bezahlt haben, aber die Kundenakquise war schwer. „Zu schwer, für die Zeit damals vor dem Hintergrund, dass ich ein halbes Jahr vor dem Abi Vater wurde. Ein geregeltes Einkommen hat da seine Vorteile“, blickt der Manager zurück.

So ging er als IT-Techniker zurück an die Uni und war dort beschäftigt mit Kabelverlegen, Software-Konfigurationen und Administrationsaufgaben. Die Begeisterung für Linux, innerhalb der Open-Source-Community blieb dennoch bestehen.

Der Ruf nach Nürnberg

1994 wurde SUSE Linux in Nürnberg gegründet und im Herbst 1998 wurde er angeworben, um dort in der Qualitätssicherung zu arbeiten. „Wir hatten da einen großen Schrank mit etwa 25 Computern mit verschiedenen Hardware-Konfigurationen und hier habe ich Software getestet. Außerdem war ich für interne Kommunikation zuständig und habe abends Protokolle abgetippt“, resümiert Rex seine erste Zeit bei den Linux-Profis.

Im April 1999 passierte etwas für ihn Überraschendes: Burchard Steinbild, einer der SUSE-Gründer, wollte zurück nach Norddeutschland ziehen und hat ihm die Leitung der Entwicklungsabteilung übertragen. „Mit mir waren wir damals 13 Leute. Ende 1999 waren bereits 60 Mitarbeiter in der Entwicklung, Mitte 2000 schon 140. Und ich war mit 28 Jahren der Chef der Abteilung“, blickt der Manager zurück.

Dotcom-Blase platzt

Doch dann platzte die Dotcom-Blase und es waren spannende Zeiten, das Schiff ­SUSE da durchzulenken: „Hier sind wir wieder bei meinem Thema Geschäftsmodelle angekommen. Zu dieser Zeit verbreitete sich DSL und der klassische Schachtelverkauf bei SUSE neigte sich dem Ende zu. Wir brauchten ein neues Modell weg vom physikalischen Datenträger, hin zum elektronischen Verkauf. Linux war keine Handelsware mehr und die Frage der Stunde war schlicht wie fundamental: Wo bekommen wir das Geld her?“

Entwicklung des Subscription-Geschäftsmodells

Zusammen mit seinem Kollegen Jürgen Geck hat Markus Rex dann im Jahr 2002 das Subscription-Geschäftsmodell im Open-Source-Umfeld entwickelt und umgesetzt. Dabei geht es darum, um kostenlose Software herum Dinge anzubieten, für die Kunden im Rahmen einer Subscription Geld bezahlen. „Konkret war das und ist es nach wie vor: 1. Support; 2. Software-Pflege: Hotfixes, Patches, Updates; 3. Software-Zertifizierungen; 4. Hardware-Zertifzierungen und 5. ein garantierter Lifecycle“, führt Rex aus.

Bei den Software-Zertifizierungen wird Herstellern wie Oracle und IBM die Kompatibilität nach Prüfung bescheinigt. Bei Hardware-Zertifizierungen gilt dasselbe Prinzip mit Herstellern wie Dell oder HP. Und beim garantierten Lifecycle geht es darum, Support und Zertifizierungen bezogen auf eine bestimmte Linux-Version über einen garantierten Zeitraum anzubieten.

„Das war damals alles keine Selbstverständlichkeit und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass wir dahingehend die Richtung vorgegeben haben, die sich ja auch bewährt hat“, so der Geschäftsmodellerfinder. Rex führt aus: „Im Open-Source-Umfeld gibt es drei nachhaltige Geschäftsmodelle: 1. Consulting-Mannstunden anbieten, also das, was ich 1994 machen wollte und damit scheiterte. 2. Das eben beschriebene Subscription-Modell und 3. das Open-Core-Modell, das innerhalb der Community durchaus umstritten ist. Hier ist nur die Basisversion frei und eine ­Unternehmens-Version oder Erweiterungen sind kostenpflichtig.“

SUSE-Karriere gewinnt an Fahrt

Die SUSE-Karriere machte keine Pause: 2001 wurde Rex Prokurist bei SUSE, im Jahr 2002 zusätzlich Geschäftsführer der tschechischen Tochter. 2004 wurde SUSE von Novell übernommen und im selben Jahr übernahm er innerhalb der Novell-Organisation als General Manager die Business Unit SUSE. Mitte 2005 wurde Rex nahe gelegt, nach Boston zu ziehen, wo drei der Chefs angesiedelt waren, während Rex von Nürnberg aus arbeitete. „Statt einer permanenten Umsiedlung der kompletten Familie, bauten wir uns einen zweiten Wohnsitz in den USA auf und ich habe angefangen die Lufthansa reich zu machen“, witzelt der ­Manager und schätzt, dass zwischen 2004 und 2011 irgendetwas zwischen 2,8 bis 3 Millionen Flugmeilen zusammenkamen. 2008 hat Rex ein General Management Program an der Harvard Business School durchlaufen.

Im April 2011 wurde das Unternehmen von einem Hedgefund gekauft, der ein anderes Geschäftsmodell vorgesehen hat. „Im Zuge dessen habe ich das Unternehmen verlassen.“ Immerhin: Zwischen Anfang 2004 und 2011, als Rex dort General Manager war, hat sich der Umsatz verfünffacht. „Zwei Unterbrechungen gab es allerdings in dieser Zeit. Etwa ein Jahr war Rex CTO im Open-Source-Bereich bei Novell und für eineinhalb Jahre CTO bei der gemeinnützigen Linux Foundation.

Der Weg zu Datto

2011 gründete Rex mit zwei Kollegen die Firma ownCloud, die ihr Geschäft mit einer selbstgehosteten Dropbox auf Open Source-Basis aufbaute. Das Geschäftsmodell hier ist das Open-Core-Modell (siehe oben). „Im Sommer 2016 gab es Unstimmigkeiten innerhalb des Gründerteams und im Rahmen größerer Umstrukturierungen habe ich dann ownCloud verlassen“, blickt Rex zurück. Datto-Chef wurde Rex folgendermaßen: „Aus meiner ownCloud-Zeit kannte ich den Gründer von Datto, Austin McChord – wir hatten denselben Investor und Anwalt – und nach meinem Weggang dort sagte er mir: ‚Komm vorbei! Jemanden wie Dich können wir immer gebrauchen, wir wollen auch auf den deutschen Markt. Das wäre doch etwas für Dich – machen wir einen Vertrag.‘“ Anfang 2018 wurde Rex dann Country Manager bei Datto. Das Geschäftsmodell musste hier nicht neu erdacht werden: Datto bietet eine Betriebsautomatisierungsplattform für MSPs, inklusive Business-Continuity-Lösung und Remote Monitoring Management.

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