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Ausgespielt: Rutscht das PC-Gaming in die Krise?

| Autor: Klaus Länger

Gaming-PCs und -Notebooks sind leistungsfähiger denn je. Damit sind Spiele mit einer Grafikqualität möglich, die es früher nur in Hollywoodfilmen gegeben hätte.
Gaming-PCs und -Notebooks sind leistungsfähiger denn je. Damit sind Spiele mit einer Grafikqualität möglich, die es früher nur in Hollywoodfilmen gegeben hätte. (Bild: ©chainat - stock.adobe.com)

Laut einer Untersuchung, die der Game-Verband veröffentlicht hat, kommen PC oder Notebook als Gaming-Plattform gegenüber dem Smartphone immer mehr ins Hintertreffen. Grund für Krisenstimmung bei Herstellern und Verkäufern von Gaming-Hardware?

Bisher waren Gaming-PCs und Notebooks die einzigen PC-Kategorien, die bei privaten Endkonsumenten noch ein Wachstum verzeichnen konnten. Allerdings hat der Verkauf dieser Rechner laut GfK-­Zahlen bereits in der ersten Hälfte des ­vergangenen Jahrs geschwächelt, im Gegensatz zum weltweiten Trend. Der Verkauf von Gaming-Notebooks hat laut den Marktforschern im ersten Halbjahr 2018 noch um acht Prozent zugelegt, der bei Gaming-Desktops sei um sechs Prozent gesunken. Laut einer Meldung des Game-Verbands, die ebenfalls auf GfK-Zahlen basiert, haben PC und Notebook im ­vergangenen Jahr als Gaming-Plattform gehörig an Boden verloren, während das Smartphone zugelegt habe. Die Anzahl der PC-Spielerinnen und -Spieler in Deutschland ging 2018 um 3,9 Millionen auf noch 13,4 Millionen zurück. Die Anzahl der Spielerinnen und -Spielern auf Konsolen wie der Sony Playstation, der Microsoft Xbox oder der Nintendo Switch hat prozentual am stärksten zugenommen, während das Tablet als kleinste Plattform weiter an Bedeutung verloren hat, allerdings nicht in dem Ausmaß wie der PC. Laut Game-Verband spielen über 34 Millionen Deutsche Computer- und Videospiele.

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Das Umsatzplus beim Gaming-Gesamtmarkt, in den Hardware, Software und Abos einfließen, geht größtenteils auf das Konto von In-Game-Käufen, während der Hardware-Umsatz rückläufig war. Insgesamt ist das Thema aber komplexer. Denn zu den Hardwareverkäufen zählen auch die von Konsolen, deren Nachfrage in ­Erwartung der nächsten Konsolengeneration spürbar nachgelassen hat. Und der weltweite Rückgang beim Verkauf von Grafikkarten rührt eher vom Ende des ­Mining-Booms her, als von einer nachlassenden Nachfrage bei PC-Gamern.

Die Branchenbeobachter von Mediabiz gehen davon aus, dass viele Casual-Gamer ihren alternden PCs den Rücken gekehrt haben und nun die Zeit beim Smartphone-Daddeln verbringen und nicht mehr mit Facebook- und Browsergames. Diese Annahme wird von Zahlen des auf ­Gaming und eSports spezialisierten Marktforschungsinstituts Newzoo gestützt, das für 2018 weltweit für den PC als Gaming-Plattform einen Rückgang bei Browsergames um 13 Prozent ermittelt hat, während der Absatz von als Box oder als Download verkauften Spielen um 6,6 Prozent zugelegt habe.

Sowohl Smartphones, als auch Konsolen haben sich in der Beliebtheit als Spieleplattform vor die PCs und Notebooks gesetzt.
Sowohl Smartphones, als auch Konsolen haben sich in der Beliebtheit als Spieleplattform vor die PCs und Notebooks gesetzt. (Bild: Game Verband)

Trends bei der Prozessoren und Grafikkarten

Ein Grund für die Zurückhaltung beim Kauf von Desktop-Gaming-Rechnern im letzten Jahr lag sicher auch darin, dass viele Gamer auf die AMD-Ryzen-3000-Prozessoren gewartet haben, deren Verkauf der Prozessorhersteller im Juli 2019 gestartet hat. Diese ersten Zen-2-Prozessoren mit 7-Nanometer CPU-Die liefern eine sehr hohe Leistung, die über der vergleich­barer Intel-Prozessoren liegen soll, unterstützen als erste PC-Prozessoren PCI-­Express 4.0 und bieten ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Von daher sollten nun der Verkauf von Gaming-Komplett-PCs oder von entsprechenden Komponenten für Eigenbau-Rechner oder PC-Upgrades wieder nach oben gehen. Die neuen AMD-Prozessoren sind zwar prinzipiell kompatibel zu älteren Mainboards mit Sockel AM4, für eine 100-prozentige Kompatibilität zu PCIe 4.0 sollten allerdings Hauptplatinen mit dem neuen X570-Chipsatz zum Einsatz kommen.

Bei Gaming-Notebooks hat Intel dagegen weiterhin die Nase vorn. AMD hat hier nur Zen-Prozessoren der ersten Generation mit maximal vier Cores im Portfolio. Intel kann dagegen auch Notebook-CPUs mit sechs oder gar acht Cores und entsprechender Leistung anbieten. Die CPUs der Coffee-Lake-Familie waren allerdings ebenfalls von den Lieferproblemen bei 14-Nanometer-Chips des Prozessorherstellers betroffen, die erst im Lauf dieses Jahres behoben wurden.

Beim Game-Streaming-Dienst Shadow mietet man leistungsfähige Gaming-PCs als Remote-Rechner via Cloud. Als Client reicht dann auch ein Tablet oder ein leistungsschwaches Notebook.
Beim Game-Streaming-Dienst Shadow mietet man leistungsfähige Gaming-PCs als Remote-Rechner via Cloud. Als Client reicht dann auch ein Tablet oder ein leistungsschwaches Notebook. (Bild: Shadow)

Bei den Gaming-Grafikkarten kommen aktuell neue Modelle mit AMD- und ­Intel-Prozessoren auf den Markt. Bisher hatte Nvidia den Markt für Oberklasse-Grafikkarten fest im Griff und führte auch klar bei der gehobenen Mittelklasse. AMDs Vega mit GCN-Architektur war gegen Nvidias Turing-Karten schlicht nicht konkurrenzfähig. Nun will man bei AMD mit der neuen RDNA-Architektur und den auf ihr basierenden Navi-Karten die Geforce-RTX-Modelle 2060 und 2070 in die Schranken weisen.

Die AMD-GPUs für die Radeon-RX-5700- und RX-5700-XT-Karten werden in einem 7-Nanometer-Verfahren hergestellt und unterstützen das PCI-Express-4.0-Protokoll. Bei den XT-Karten sind in der GPU insgesamt 2.560 Cores in Form von 40 Core-Units (CUs) aktiv, bei der günstigeren RX 5700 ohne XT sind es 36 CUs mit 2.304 Cores. Beide Karten sind mit acht GB GDDR6 bestückt. Vom teuren und exotischen HBM der Vega-Karten hat sich AMD verabschiedet.

Nvidia kontert mit den Super-Variante der Geforce-RTX-Chips. Bei ihnen hat der GPU-Hersteller nicht nur einfach den Takt ein wenig nach oben geschraubt, sondern setzt zusätzlich neue GPUs mit einer größeren Zahl von Shader- und Textureinheiten ein. Nvidia verspricht für die RTX-Super-Karten ein Leistungsplus von 25 Prozent gegenüber den RTX-Standard-Varianten. Ein Alleinstellungsmerkmal bei Nvidia ist die Raytracing-Funktion der RTX-Chips, die für eine realistischere Darstellung sorgt. Eine ganze Reihe von Spieleherstellern verspricht für kommende Titel eine Unterstützung dieser Technologie. Zwar ermöglicht der Geforce-Treiber inzwischen auch auf den aktuellen GTX-16- oder einigen GTX-10-Karten ein Software-Raytracing, aber nur mit sehr eingeschränkter Performance.

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Monitore: Immer größer, immer schneller

Immer schnellere Panels sowie wachsende Display-Diagonalen sorgen bei Monitoren für Gamer weiterhin für hohe Nachfrage und bescheren Herstellern und Handel ein gutes Geschäft. Die schnellen Grafikkarten der aktuellen Generation sorgen auch bei einer hohen Auflösung für eine flüssige Darstellung und werden dafür durch Technologien wie Nvidia G-Sync oder AMD Freesync unterstützt. Seit diesem Jahr unterstützt Nvidia variable Refresh-Raten auf einigen Displays ohne den kostspieligen G-Sync-Chip. Generell sind Gamer bereit, für gut ausgestattete und schnelle Displays erhebliche Summen auszugeben. Wichtige Funktionsmerkmale sind hier hohe Bildwiederholraten von mindestens 120 Hz – einige Modelle bieten hier bis zu 240 Hz – sowie schnelle Schaltzeiten, die inzwischen auch mit VA- oder IPS-Panel möglich sind. Weiter im Trend liegen Geräte mit gekrümmten Widescreen- oder Ultra-Widescreen-Panels. Nach Zahlen des ­taiwanischen Marktforschungsinstituts WitsView kletterte der weltweite Absatz von Curved-Gaming-Displays im vergangenen Jahr erstmals über die 50-Prozent-Marke.

Während sich eSports-Fans zugunsten ­eines möglichst schnellen Bildaufbaus auch mit Full-HD-Auflösung zufrieden geben, greifen solvente Hobby-Spieler eher zu Geräten mit höheren Auflösungen. Viele Gamer legen zudem Wert auf dynamische RGB-Beleuchtungseffekte, die sich mit denen anderer Komponenten wie Mainboards, Grafikkarten, PC-Gehäusen, Eingabegeräten oder Gaming-Notebooks synchronisieren lassen.

Gute Geschäfte mit Eingabeperipherie

Eingabegeräte wie Mäuse, Keyboards und Game Controller sowie Headsets sind weiterhin ein gutes Geschäft. Für Tastaturen mit mechanischen Schaltern, für Gaming-Mäuse mit hoher Auflösung und auswechselbaren Gewichten zur individuellen Anpassung und für großforma­tige Mauspads mit Stoffoberfläche geben passionierte Spieler erhebliche Summen aus. Viele Spieler greifen hier zu den Marken, mit denen ihre favorisierten eSports-Teams ausgerüstet sind. Ebenfalls aus der eSports-Szene stammt die relativ neue Produktkategorie der Gaming-Sessel, die von relativ einfachen Modellen mit Preisen um die 150 Euro bis hin zu extravaganten Konstruktionen reicht, die eher an den Pilotensitz eines Raumjägers aus einem Science-Fiction-Film erinnern und mehrere Tausend Euro kosten.

Für VR-Brillen wird regelmäßig der Durchbruch im Massenmarkt prognostiziert. Tatsächlich hat er trotz gesunkener Preise für die Brillen von Oculus und HTC ­sowie der vergleichsweise günstigen MR-Brillen von Microsoft-Partnern nicht stattgefunden. Auch die zuletzt vorgestellten Brillen mit höherer Auflösung und verbessertem Tracking konnten daran nichts ändern, wofür vor allem die ­immer noch recht eingeschränkte Auswahl an passenden Spielen verantwortlich ist. Allerdings nähert sich die Zahl der VR-Nutzer auf der Gaming-Plattform Steam immerhin der Millionengrenze und hat sich damit in einem Jahr etwa verdoppelt. Da VR-Brillen im professionellen Sektor immer mehr Anwender finden und auch zunehmend in Vergnügungsparks eingesetzt werden, ist die Weiterentwicklung der Hardware gesichert. ­Damit dürfte ihnen das Schicksal der 3D-Brillen für den PC erspart bleiben, die mangels passender Inhalte in der Versenkung verschwunden sind.

E-Tailer dominieren den Handel

Die Bedeutung des Gaming-Segments wird auch dadurch belegt, dass praktisch alle PC-Hersteller eigene Baureihen oder sogar Marken für Gaming-PCs und Notebooks im Programm haben. Daneben gibt es etliche Systemintegratoren, die sich mehr oder weniger auf Gaming spezialisiert haben und eine breite Palette von Rechnern anbieten, die von relativ günstigen Einsteigergeräten bis hin zu wassergekühlten High-End-Boliden für 8.000 Euro reicht. Bei ihnen haben die Käufer deutlich mehr Möglichkeiten zur individuellen Konfiguration der Rechner als bei den großen PC-Herstellern. Zudem gibt es immer noch viele Spieler, die sich ihren individuellen Gaming-PC aus Einzelkomponenten zusammenstellen oder ­einen bestehenden Rechner durch ein Upgrade für die nächste Spielegenera­tion fit machen.

ESports-Wettbewerbe sind ein fester Bestandteil der Spielemesse Gameskom in Köln. Hier spielt der PC als Gaming-Plattform immer noch eine sehr große Rolle.
ESports-Wettbewerbe sind ein fester Bestandteil der Spielemesse Gameskom in Köln. Hier spielt der PC als Gaming-Plattform immer noch eine sehr große Rolle. (Bild: Koelnmesse GmbH, Thomas Klerx)

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Kommentar: Es lebe der Sport!

Den Handel dominieren vor allem E-Tailer mit einem breiten Sortiment an Gaming-Systemen und Hardware. Sie sind teil­weise in der eSports-Szene verankert und bei Events im deutschsprachigen Raum vertreten. Viele Hersteller von Gaming-Rechnern oder anderer Hardware halten sich sogar eigene eSports-Teams oder sind zumindest als Sponsor aktiv und können so beispielsweise Events mit populären Profi-Gamern organisieren, um in direkten Kontakt zu potenziellen Kunden zu treten. Die Popularität von eSports und der Streaming-Plattform Twitch speziell bei den jüngeren Spielern dürfte dem PC oder Notebook als Gaming-Plattformen auch weiterhin gute Absatzzahlen bescheren.

Für einen zusätzlichen Schub sollten Flatrate-Angebote für Spiele sorgen. Microsoft hat den Xbox Game Pass für PC gestartet, der in der Ultimate-Version auch die Xbox mit abdeckt. Ubisoft kontert ab September mit dem Monatsabo Uplay +, Electronic Arts bietet mit Origin Premier Access eine ähnliche Flatrate an.

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