Starkes Wachstum gab es zuletzt nur bei Servern und GPUs für KI-Anwendungen. Der Client-Markt und damit auch der für PC-Komponenten und Peripheriegeräte hat dagegen stark nachgegeben. Aber eine Trendwende für die Branche ist in Sicht, vor allem ausgehend vom B2B-Markt.
Im Markt für PC-Komponenten und Peripherieprodukte sieht es derzeit bei der Nachfrage eher düster aus. Aber Licht am Ende des Tunnels ist schon sichtbar.
(Bild: Oleg Zorchenko - stock.adobe.com)
Die Zahlen sind dramatisch: Intel als größter Hersteller von PC-Prozessoren machte im ersten Quartal des Jahres einen Verlust von 2,758 Milliarden US-Dollar. Dazu beigetragen hat ein Umsatzrückgang von 38 Prozent in der Client Computing Group gegenüber dem Q1 / 2022. Bei AMD sahen zwar die Gesamtzahlen besser aus mit „nur” 139 Millionen US-Dollar Minus, aber im Client-Geschäft lag der Umsatzrückgang sogar bei 65 Prozent. Der Gaming-Sektor war mit minus 6 Prozent noch einigermaßen stabil, aber wohl primär durch die CPUs für Sony Playstation und Microsoft Xbox.
Die Hersteller von DRAM-Chips und Modulen sowie NAND-Flash und SSDs mussten ebenfalls massive Verluste durch geringere Nachfrage und sinkende Preise hinnehmen. Zudem haben die Hersteller mit hohen Lagerbeständen zu kämpfen. Bei Samsung hat sich der Chip-Umsatz praktisch halbiert, ebenso bei SK Hynix. Kioxia und Western Digital wollen sich zusammenschließen, um durch Kostensenkungen und Synergieeffekte besser über die Runden zu kommen. Der Absatz von PC-Mainboards ist laut einem Bericht von Digitimes bereits 2022 um 30 Prozent zurückgegangen. Das liegt vor allem daran, dass viele Hersteller nach dem Ende der Lieferkettenprobleme zu optimistisch durchgestartet sind und zu viele Bauteile und Geräte produziert haben.
Ein Licht am Ende des Tunnels ist allerdings in Sicht. Für den europäischen PC-Markt sehen die Marktforscher von Context positive Signale bis Jahresende. Nach dem Umsatzrückgang bei PCs und Notebooks im letzten Jahr und einem schweren Start im Jahr 2023 mit einem Umsatzrückgang von 20 Prozent, ist laut Analysten eine Besserung in Sicht: Im vierten Quartal 2023 könnte der Markt für Desktop-PCs wieder um 4,7 Prozent wachsen und um 5,8 Prozent bei Mobilrechnern. Ein stärkeres Plus stellen die Context-Marktforscher für das Gaming-Segment in Aussicht, ein wichtiger Markt für die Anbieter von Komponenten und Peripheriegeräten. Denn viele Gamer bevorzugen immer noch Desktop-PCs und wollen sich dabei nicht mit einem Rechner von der Stange zufrieden geben. Stattdessen bauen sie sich selbst einen Computer aus Einzelkomponenten, geben einen individuell konfigurierten Rechner in Auftrag oder rüsten ihren PC auf. Und sie sind durchaus bereit, für CPU, Mainboard, RAM, Grafikkarte, SSD, Gehäuse und Netzteil deutlich mehr Geld zu investieren, als andere PC-Kunden. Für Anbieter von Peripheriegeräten wie Gaming-Monitoren, Eingabegeräten und Headsets ist der Gaming-Sektor ebenfalls ein wichtiger Markt.
Bessere Aussichten für das 4. Quartal
In der Distribution blickt man ebenfalls optimistischer in die Zukunft. So erwartet Markus Hollerbaum, Geschäftsführer bei Siewert & Kau, im Laufe des Jahres eine erhöhte Nachfrage nach Peripheriegeräten und Komponenten, vor allem bei Firmenkunden. Bei einigen zu Beginn der Corona-Pandemie angeschafften Geräten ist die übliche Nutzungsdauer erreicht. Zudem sind sie abgeschrieben. Außerdem hätten einige Firmen, die Rechner und Peripheriegeräte fünf Jahre nutzen, jetzt ebenfalls Bedarf für Neuanschaffungen. Eine ähnliche Entwicklung beobachtet Herweck etwa bei Headsets und Webcams, die jetzt nach drei Jahren Nutzung ersetzt werden.
Allerdings erwartet Hollerbaum Abschlüsse bei größeren Projekten erst im Herbst nach Ende der Urlaubszeit, da viele Entscheider und auch Mitarbeiter der IT-Abteilungen im Sommer im Urlaub sind. Als Problem für den deutschen IT-Handel nennt der Manager den Umstand, dass einige IT-Produkte in anderen europäischen Ländern günstiger sind. Gerade bei nicht länderspezifischen Geräten wie Monitoren führt das dazu, dass dort eingekauft wird, was rechtlich in Ordnung ist. Generell gebe es bei Displays eine verstärkte Nachfrage nach Geräten mit integriertem USB-C-Dock und mit eingebauter Webcam. Hier macht sich die Einführung hybrider Arbeitsmodelle in vielen Firmen positiv bemerkbar. Sie bewirkt ebenfalls eine höher Nachfrage nach Lösungen für hybride Meetings. Generell beobachtet man bei Siewert & Kau aktuell weniger Verschiebungen von Projekten in Unternehmen.
Schwierig bleibt der Markt für Consumer-Produkte, da Kunden durch die wirtschaftliche Lage mit steigenden Preisen für Energie und Lebensmittel sowie möglichen Belastungen durch neue Heizungen verunsichert sind. Zudem können die sinkenden Preise für einige IT-Produkte, speziell wenn Hersteller mit Sonderaktionen Nachfrage generieren wollen, sogar zu einer weiteren Kaufzurückhaltung führen. Denn Kunden hoffen auf noch niedrigere Preise und sehen enttäuscht vom Kauf ab, wenn die Produkte nach Ablauf der Aktion wieder teurer werden.
Konzentration auf höherwertige Produkte
Den Umsatzrückgang sieht Hollerbaum insgesamt nicht so dramatisch. Denn die Nachfrage nach IT-Geräten während der Corona-Pandemie war sehr hoch und bewegt sich nun eher wieder auf dem Niveau der Jahre zuvor – allerdings mit sinkenden Preisen bei steigenden Kosten der Hersteller als zusätzlicher Belastung. Das könne dazu führen, dass Produkte oder Produktvarianten mit geringer Marge aus dem Portfolio der Hersteller verschwinden, da sich die Produktion schlicht nicht mehr lohnt. Beispiele dafür sind Speichermodule mit 4 GB Kapazität, SSDs mit weniger als 250 GB Speicherplatz oder Desktop-Monitore mit kleiner Display-Diagonale.
Stand: 08.12.2025
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Ein Trend zu höherwertigen Produkten mit höheren Preisen ist schon länger bei CPUs oder Mainboards zu beobachten. So legt etwa AMD angesichts knapper Produktionskapazitäten bei TSMC den Fokus eher auf kostspieligere Modelle. Bei Mainboards gibt es eine ähnliche Entwicklung, wie Computerbase gemeinsam mit dem Preisvergleichsportal Geizhals herausgefunden hat. So hat es bei den Durchschnittspreisen zwischen 2020 und 2022 eine Steigerung von knapp über 25 Prozent gegeben. Der Grund dafür liegt in der besseren Ausstattung vieler Platinen, die dafür teurer als ihre Vorgänger sind. Zudem gibt es nun deutlich mehr High-End-Modelle, die teilweise sogar über 1.000 Euro kosten. Mit den höheren Preisen kompensieren die Hersteller allerdings auch die für sie gestiegenen Kosten durch teurere Bauteile. Letztere sind durch höhere Anforderungen der CPUs an die Stromversorgung und durch die Einführung von PCIe 5.0 entstanden.
Innovativ ist die IT-Branche bei Komponenten und Peripheriegeräten auch weiterhin, wie die Computex mit einer Fülle neuer Produkte aus diesem Marktsegment zeigt. Möglich ist allerdings ein Drosseln der Produktion bei Massenprodukten, um einen weiteren Preisverfall zu verhindern. Hersteller sollten dabei allerdings mit Augenmaß vorgehen, damit dem Handel bei großen Projekten nicht plötzlich der Nachschub ausgeht.
Eine Erholung zeichnet sich ab
Im Markt für PC-Komponenten und Peripheriegeräte geht es wieder aufwärts, meint Markus Hollerbaum von Siewert & Kau. Die Erholung startet im B2B-Sektor.
Markus Hollerbaum, Geschäftsführer bei Siewert & Kau
(Bild: Intuitive Fotografie / Siewert & Kau)
ITB: Wie schätzen Sie derzeit den Markt für PC-Komponenten und Peripheriegeräte ein? Ist eine Erholung in Sicht?
Hollerbaum: Wie dramatisch sich der Markt seit Jahresbeginn verändert hat, ist deutlich zu erkennen, egal welche Analyse-Tools man sich anschaut. Aktuell stehen die Zeichen, zumindest im Commercial Business, auf Erholung. Auf der einen Seite haben die Produktpreise aus unserer Sicht bei vielen Produkten den Tiefpunkt erreicht und auf der anderen Seite sehen wir gerade im Businessbereich aufgrund der uns vorliegenden Forecasts eine positive Trendwende. Getrieben ist sie durch den Standardbedarf (Ersatz- und Neubeschaffung) und die Bereitschaft in neue Hard und Softwarelösungen zu investieren. Der Consumer-Markt hingegen ist weiterhin stark abhängig von externen Faktoren. Dadurch lässt sich hier kaum eine Prognose treffen und man muss weiter auf Sicht fahren. Wir sind gut aufgestellt, kennen aufgrund unserer jahrzehntelangen Erfahrung solche Situationen, haben das Ohr am Markt und machen uns mit unseren gut vernetzten Profis nicht Bange vor der Herausforderung.
ITB: Und bei welchen Produktgruppen sehen Sie derzeit noch Wachstum?
Hollerbaum: Seit mehreren Wochen verzeichnen wir eine erhöhte Nachfrage und einen erhöhten Absatz im Client-Computing-Bereich, was nachgelagert immer zu einer erhöhten Nachfrage an Displays und anderen Peripherie-Produkten führt. Ein stark gestiegenes Interessen verzeichnen wir auch bei Lösungen rund um das Thema Meeting-Räume. Unternehmen berichten leidvoll darüber, dass Konferenzen mit mehreren Teilnehmern im Meeting-Raum und gleichzeitig zugeschalteten Teilnehmern nicht funktionieren und das zu Frust führt. Unserer Beratung und die daraus entstehenden Lösungen erzeugen bei unseren Partnern – und damit auch bei uns – ein Wachstum.
Der Markt stabilisiert sich
Beim Markt für Peripheriegeräte ist der Boden erreicht, meint Oliver Rebein von TD Synnex. Sein Kollege Thomas Klein weist darauf hin, dass der Nachschub bei Komponenten wieder deutlich besser funktioniert.
Oliver Rebein, Business Unit Director Peripherals bei TD Synnex.
(Bild: TD Synnex)
Thomas Klein, VP Global Computing Components bei TD Synnex Europe
(Bild: TD Synnex)
ITB: Wie schätzen Sie derzeit den Markt für PC-Komponenten und Peripheriegeräte ein? Ist eine Erholung in Sicht? Und bei welchen Produktgruppen sehen Sie derzeit noch Wachstum?
Rebein: Grundsätzlich folgt der Markt für Peripheriegeräte dem Markt für PCs und Notebooks immer mit etwas Zeitverzögerung. Und der Verkauf im B2B-Sektor ist nicht so stark betroffen, wie der Consumer-Markt. Wir gehen weiterhin von einem sehr schwachen Markt aus in den kommenden Monaten aus. Allerdings glauben wir nicht, dass der Absatz in dieser Zeit noch stärker abrutscht. Im vierten Quartal des Jahres könnte es wieder besser werden, da hier einige Produktbereiche meistens zyklisch positiv verlaufen. Ein Beispiel ist hier der Gaming-Sektor.
Klein: Der Markt der Computer-Komponenten ist im Moment wirklich zweigeteilt. CPUs der großen Hersteller, Speichermodule, Mainboards, Grafikkarten und Storage-Produkte von SSDs und HDDs sind derzeit sehr gut verfügbar. Bei Netzwerk-Komponenten sind Lieferzeiten tatsächlich noch ein Thema, aber hier ist es deutlich besser geworden, als noch vor einigen Monaten.
Komponenten und Peripheriegeräte auf der Computex
Mehr als 1.000 Aussteller sind 2023 auf der Computex in Taipeh vertreten.
(Bild: Eye Vision Studio)
Die IT-Messe aus Taiwan hat drei Jahre lang Corona-Pause gemacht und fand 2023 endlich wieder statt. Traditionell ist die Computex ein Eldorado für PC-Komponenten und Peripherie, da ein großer Teil der Anbieter auf der Insel beheimatet ist und dort oder dem chinesischen Festland produziert. Wichtige Neuheiten waren auf jeden Fall die Grafikkarten der RTX-4060-Ti-Serie mit Nvidia-GPU und die Radeon-RX-7600-Karten mit AMD-Chip, von denen etliche Hersteller Custom-Modelle zeigten. Beide Serien bilden derzeit den Einstieg in die aktuelle Architektur der GPU-Hersteller. Zudem wächst die Zahl der Anbieter von Intel-Arc-Karten um Sparkle und Biostar.
Bei den Mainboards gab es erste Platinen mit WiFi-7-Controllern zu sehen, allerdings oft noch als Vorseriengeräte. Ein Trend bei Herstellern wie Asus und MSI sind auf der Rückseite der Platinen angeordnete Kabelanschlüsse, damit Rechner mit Seitenfenster und Beleuchtung durch eine saubere Optik glänzen können. Daher dominierten bei den neuen Gehäusen die Modelle mit Glas-Seitenwand, RGB-Beleuchtung und viel Platz für Lüfter und Wasserkühlungs-Radiatoren. Passend zur PCIe-Gen5-Unterstützung aktueller Intel- und -AMD-Prozessoren zeigen einige Storage-Hersteller passende M.2-SSDs, alle mit großen Kühlkörpern oder kleinen Lüftern bestückt. Bei den Monitoren setzt sich der Trend zu größeren Diagonalen, höheren Bildwiederholraten und OLED-Panel oder Mini-LED-Backlight fort.
Generell spielte auch auf der Messe in Taipeh Nachhaltigkeit eine größere Rolle.