Angetestet: HP Elite Folio Haute Couture mit Snapdragon und 5G

Von Klaus Länger

Dieses Mal haben wir ein extravagantes HP-2-in-1-Notebook im Hands-on-Test. Das superschlanke HP Elite Folio ist in veganes Leder gekleidet und mit einem ARM-SoC sowie 5G ausgestattet. Dazu kommt ein raffinierter Mechanismus für das Umklappen des Displays.

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Innovatives Premium-Convertible mit 13,5-Zoll-Display im 3:2-Formfaktor und eine Hülle aus veganem Leder: das HP Elite Folio im Hands-on-Test.
Innovatives Premium-Convertible mit 13,5-Zoll-Display im 3:2-Formfaktor und eine Hülle aus veganem Leder: das HP Elite Folio im Hands-on-Test.
(Bild: Vogel IT-Medien)

Ein ungewöhnliches Design zeichnet das 13,5-Zoll-Convertible Elite Folio von HP aus. Ein Überzug aus Leder zieht sich von der Rückseite des Displays bis zur Unterseite des 1,6 cm flachen Geräts. Allerdings musste dafür kein Tier seine Haut lassen: HP verwendet ein veganes Leder aus Polyvinyl, das sich verblüffend echt anfühlt.

Das Material kaschiert auch die spezielle Aufhängung des Displays, die in der Illustra­tion auf der gegenüberliegenden Seite zu sehen ist. Es ist mittig schwenkbar an einer dünnen Platte aufgehängt, die ihrerseits mit dem größtenteils aus recyceltem Magnesium gefertigten Chassis verbunden ist. Das Display kann so, ähnlich wie bei 360-Grad-Convertibles, nach hinten geschwenkt werden, etwa für das Ansehen von Filmen, und es lässt sich so auch in den Tablet-Modus klappen.

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Zusätzlich gibt es einen Pull-Forward-Modus, in dem das schräggestellte Display magnetisch hinter dem Touchpad einrastet. Die Scharnierkonstruktion macht das Elite Folio zwar ­etwas dicker und mit 1,34 kg auch schwerer als manche 13-Zoll-Convertibles mit 360-Grad-Scharnieren, bietet aber den Vorteil, dass das Keyboard im Tablet-Modus geschützt unter dem Display liegt.

Das Display selbst basiert auf einem mit 1.000 Nits sehr hellen IPS-Panel mit einer Auflösung von 1.920 x 1.280 Pixel im angesagten und vor allem für den Tablet-Modus praktischen 3:2-Format. Mit der F2-Taste kann der integrierte Sure-View-Blickschutz eingeschaltet werden, der unerwünschtes Mitlesen von der Seite fast unmöglich macht. Praktisch, wenn man im Zug oder im Flugzeug Firmendokumente liest oder bearbeitet.

Das Display unterstützt nicht nur Touch, sondern auch das Schreiben oder Zeichnen mit dem aktiven Stift mit Wacom-Technologie im Lieferumfang des Elite Folio. Wird der Pen nicht benötigt, dann haftet er magnetisch in einer Aussparung über dem Keyboard und wird dort auch gleich geladen. Er registriert 4.096 Druckstufen und bietet eine Neigungserkennung. Das Entnehmen des Stifts oder der Druck auf die Taste am Ende des per Bluetooth gekoppelten Stifts weckt das ­Elite Folio aus dem Schlafmodus auf. Bei laufendem Windows startet die Taste eine per Stift-Tool festgelegte App.

ARM-Prozessor und serienmäßiges 5G-Modem

Als Prozessor verwendet HP den ARM-SoC Qualcomm Snapdragon 8cx Gen2 mit vier Stromspar- und vier Performance-Cores sowie integrierter Adreno-690-GPU. Er ist im Geekbench 4.4.4 mit 12.451 Punkten im Multi-Core Score etwas schneller als das Surface Pro X von Microsoft mit SQ1-ARM-SoC.

Die Speicherausstattung des Elite ­Folio ist mit 16 GB LPDDR4X-2133 als ­Arbeitsspeicher und einer 512 GB großen Kioxa-XG6-SSD für ein Gerät seiner Gewichtsklasse großzügig. Bei für ARM kompilierten Anwendungen ist das HP-Gerät flott. Bei herkömmlichen Windows-Programmen für x86-Prozessoren laufen nur 32-Bit-Anwendungen in einem Emulationsmodus. Daher können wir auch nicht mit PCMark-Ergebnissen für die Performance und die Akkulaufzeit dienen.

Den 3D-Benchmark 3DMark NightRaid gibt es dagegen in einer ARM-Version. Hier erzielt das ARM-Convertible mit 7.437 Punkten den etwa halben Wert eines Notebooks mit Intel Tiger Lake und integrierter Iris-Xe-GPU. Die Akkulaufzeit ist mit 5,5 Stunden im sehr fordernden Benchmark Battery Eater sehr gut. Bei herkömmlicher Nutzung sollten zehn bis zwölf Stunden möglich sein.

Eine weitere Besonderheit unseres Test­geräts in der Top-Ausstattung ist das 5G-Modem Qualcomm Snapdragon X55, das zudem LTE Cat 20 beherrscht. Mit einer passenden Gegenstelle ist so ein sehr schneller mobiler Internetzugang möglich. Der Nano-SIM-Einschub versteckt sich in der Mulde für den Stift. Zusätzlich wird eSIM unterstützt. Beim WLAN-Zugang ist das Gerät mit WiFi 6 ebenfalls flott. Mager ist dagegen die Schnittstellenausstattung mit zwei USB-C-Ports mit USB 3.1 Gen1 und einer Audiobuchse. Für Videocalls steht eine per Schieber verschließbare HD-Webcam mit passabler Qualität und sehr schneller Hello-Gesichtserkennung bereit. Flankiert wird es von zwei Mikrofonen.

Der Sound des Audiosystems mit vier Stereospeakern und Fein­tuning durch Bang & Olufsen ist für ein dünnes Notebook gut. Es fehlt lediglich am Bass. Das beleuchtete Keyboard bietet einen ordentlichen Tastenhub, das Touchpad ist präzise. Etwas irritierend ist allerdings die Position der Power-Taste zwischen den Tasten für Entfernen und Einfügen.

Aufgeschraubt haben wir das Elite Folio nicht. Es wäre allerdings möglich, wie ein Supportdokument für die Demontage des Geräts beschreibt, um etwa an die SSD und den Akku zu gelangen. Auch der ist laut HP nicht verklebt, sondern durch Schrauben gesichert.

Fazit: Schick, teuer und richtig toll erst mit Windows 11

Mit der Haute Couture hat das HP Elite ­Folio einiges gemeinsam: Es ist teuer. Unser Testgerät kostet knapp 3.000 Euro, sieht ausgesprochen elegant aus, bietet etliche raffinierte Details, und es ist nicht unbedingt praktisch. Zum hochklassigen 2-in-1-Business-Notebook qualifiziert sich das Elite Folio durch seine kompakte Bauform mit cleverem Design, das tolle 3:2-Display mit zuschaltbarem Blickschutz und natürlich durch die 5G-Unterstützung für ein schnelles mobiles Internet. Der von HP verwendete ARM-Prozessor ist sparsam und ­ermöglicht einen lüfterlosen Betrieb, schränkt aber derzeit noch die Nutzungsmöglichkeiten ein. Denn momentan kommt das Gerät nur mit nativen ARM-Applikationen, webbasierten Programmen und 32-Bit-Windows-Anwendungen für x86-CPUs zurecht. Letztere allerdings in einem Emulationsmodus, der Leistung kostet. Gewohnte 64-Bit-Windows-Software bewältigt die Emulation in Windows 10 on ARM nicht.

Das wird sich allerdings schon bald mit dem Update auf Windows 11 ändern. Denn dann funktioniert die Emulation auch für 64-Bit-Software. In den Insider-Versionen von Windows 11 on ARM ist sie bereits enthalten. Zudem startet Microsoft zeitgleich zu Windows 11 eine 64-Bit-Version von ­Office für ARM, die deutliche Geschwindigkeitsvorteile gegenüber der bisherigen 32-Bit-Emulation bringt.

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