Hirschtec-Studie Mobile Apps bei Frontlinern Frontline-Worker: digital abgehängt

Von Margrit Lingner 4 min Lesedauer

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Knapp zwei Drittel der Frontliner sind ausgeschlossen von der digitalen Teilhabe in ihrem Unternehmen. Der Grund: Häufig fehlen sinnvolle Mitarbeiter-Apps für Unternehmens-News, Chats, Schichtpläne, Urlaubsanträge, Zeiterfassung oder Schulungen.

Fast zwei Drittel der Beschäftigten ohne PC-Arbeitsplatz sind von der digitalen Teilhabe weitgehend ausgeschlossen, weil Unternehmen ihnen keine firmeneigenen mobilen Mitarbeiter-Apps zur Verfügung stellen.(Bild: ©  DEVDASS - stock.adobe.com)
Fast zwei Drittel der Beschäftigten ohne PC-Arbeitsplatz sind von der digitalen Teilhabe weitgehend ausgeschlossen, weil Unternehmen ihnen keine firmeneigenen mobilen Mitarbeiter-Apps zur Verfügung stellen.
(Bild: © DEVDASS - stock.adobe.com)

Sie arbeiten im Außendienst, in der Werkshalle, in Krankenhäusern oder im Supermarkt und tragen einen wesentlichen Teil der Wertschöpfung bei. Doch sind Frontline-Worker im Berufsleben digital abgehängt. Das hat eine YouGov-Umfrage im Auftrag von Hirschtec und Flip ergeben. Rund 60 Prozent der Befragten haben angegeben, dass es in ihrem Unternehmen keine firmeneigene mobile Mitarbeiter-App gibt. Sie können also nicht mit Smartphone oder Tablet auf für sie relevante Informationen, Funktionen und Prozesse zuzugreifen (z.B. Unternehmens-News, Chats, Schichtpläne, Urlaubsanträge, Zeiterfassung oder auch Schulungen) – alles Apps, die den Arbeitsalltag für die nicht an PC-Arbeitenden erleichtern.

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Nützliche Apps für den Arbeitsalltag

In Zeiten, in denen jede Fachkraft ein mobiles Endgerät in der Hosentasche hat, sei das sehr verwunderlich, erklärt Hirschtec-Geschäftsführer Khaled Thaler. Noch verwunderlicher sei es, dass selbst in Unternehmen, die solche Apps nutzen, kommen sie bei einem Drittel der Befragten nicht zum Einsatz. Zwischen den Arbeitskräften, die keinen Computerarbeitsplatz haben und jenen mit Computerarbeitsplatz habe sich eine digitale Zweiklassengesellschaft ergeben.

Khaled Thaler, Geschäftsführer bei Hirschtec(Bild:  Hirschtec)
Khaled Thaler, Geschäftsführer bei Hirschtec
(Bild: Hirschtec)

Dabei wäre für mehr als die Hälfte der Frontliner eine mobile Mitarbeiter-App (eher) attraktiv. Nur knapp ein Drittel sieht dies nicht so. Bei vielen Frontline-Mitarbeitenden scheint also der Wunsch nach einer mobilen Mitarbeiter-App, die ihren Arbeitsalltag erleichtert, in hohem Maße vorhanden zu sein.

Die Studie ist auch der Frage nachgegangen, über welche Funktionen Mitarbeiter-Apps verfügen sollten. Die meisten Frontliner (85 %) wünschen sich einen einfachen und sicheren Login. Zudem sollen sie einen direkten Zugriff auf alle wichtigen Tools und Funktionen ermöglichen. Ähnlich hoch ist der Prozentsatz derer, die von Funktionen wie „Anzeige von relevanten Informationen“, „einfache Erledigung von administrativen/organisatorischen Aufgaben“ und „leichte, intuitive Bedienung und Reduktion auf die wichtigsten Kernfunktionen“ profitieren wollen.

Über die Studie

Im Zeitraum vom 18. bis 24. März 2026 führte das Marktforschungsinstitut YouGov im Auftrag von Hirschtec und Flip eine Online-Befragung zum Thema „Digitale Kommunikation & KI-Automatisierung für Frontline-Worker: Mobile Mitarbeiter-Apps 2026“ unter 505 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern (ohne Führungsverantwortung) mit einem Arbeitsplatz ohne Computer in Deutschland durch. Im Zuge der Online-Befragung wurden die Teilnehmenden u. a. danach befragt, ob es in ihrem Unternehmen eine firmeneigene mobile Mitarbeiter-App gibt und falls ja, inwiefern sie diese regelmäßig, selten oder nicht nutzen und wie attraktiv sie eine mobile Mitarbeiter-App fänden, insofern eine solche derzeit in ihrem Unternehmen nicht existiert. Darüber hinaus wurden sie gebeten zu bewerten, welche Funktionen ihnen bei einer mobilen Mitarbeiter-App am wichtigsten sind bzw. wären und wie es um ihre Erfahrungen im Umgang mit KI im beruflichen Umfeld bestellt ist.

Mobile Mitarbeiter-App und KI

Danach befragt, wie ihre Erfahrungen mit der Nutzung von KI (z.B. Chatbots und Sprachassistenten) im beruflichen Umfeld sind, gibt fast die Hälfte (46 %) sehr oder eher gut an. Nur 14 Prozent beurteilen ihre KI-Erfahrungen als sehr oder eher schlecht. Allerdings können auch 38 Prozent die Frage nicht beantworten, da sie bisher im beruflichen Kontext nicht mit KI gearbeitet haben. Dies lässt vermuten, dass es in weit über einem Drittel der deutschen Unternehmen noch keinerlei unterstützende KI für Frontline-Mitarbeitende gibt.

Und fast zwei Drittel (65 %) der 45- bis 70-jährigen Befragten geben an, dass es eine firmeneigene mobile Mitarbeiter-App in ihrem Unternehmen nicht gibt. Bei den jüngeren Befragten (18- bis 44-Jährige) sind dies nur die Hälfte. Auch bei den Erfahrungen mit der KI-Nutzung im beruflichen Alltag zeigt sich: 18- bis 44-Jährige machen fast doppelt so häufig sehr oder eher gute Erfahrungen wie die 45- bis 70-Jährige (64 % vs. 36 %). Zudem gibt auch nur rund ein Viertel der Jüngeren an, bisher nicht mit KI im beruflichen Kontext gearbeitet zu haben. Bei den älteren (45 bis 70 Jahre) ist es fast die Hälfte (45 %). Demnach scheint es in Unternehmen noch Nachholbedarf zu geben, alle Beschäftigten gleichermaßen fit im Umgang mit KI zu machen, damit sie ihren Mehrwert direkt spürbar im Arbeitsalltag erleben.

Versäumen Unternehmen das, besteht die Gefahr, dass eine Schatten-KI oder Schatten-IT entsteht, erklärt Benedikt Brand, Geschäftsführer von Flip. Schließlich wollen Arbeitnehmende auch im Arbeitsumfeld schnelle und einfache Antworten auf Fragen etwa zu Arbeitsprozessen. Und bieten Unternehmen keine Tools an, werden private Tools genutzt und Daten sowie Sicherheit gefährdet.

Benedikt Brand, Co-Founder und CEO von Flip(Bild:  FLIP GMBH)
Benedikt Brand, Co-Founder und CEO von Flip
(Bild: FLIP GMBH)

Digitale Teilhabe lohnt sich

Werden aber sinnvolle digitale Mitarbeiter-Apps in Unternehmen und Organisationen eingeführt, lässt sich die digitale Kluft zwischen Mitarbeitenden mit und ohne PC-Arbeitsplatz schließen. „Besitzen sie keine digitale Teilhabe, wirkt sich dies sowohl negativ auf ihre Mitarbeitendenzufriedenheit und -bindung als auch auf die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Unternehmens aus“, erläutert Benedikt Brand. Nicht zu vergessen sei laut Brand zudem, dass es vor allem „die Frontline-Mitarbeitenden sind, die in direktem Kundenkontakt stehen, das Unternehmen nach außen vertreten und maßgeblich zur operativen Wertschöpfung beitragen“.

Zudem bieten neuartige KI-Tools Thaler zufolge echte Arbeitserleichterungen. So könnten etwa Antworten und Anforderungen in verschiedenen Sprachen ausgegeben werden. „In vielen Unternehmen in Deutschland gibt es derzeit offenbar keine firmeneigene mobile Mitarbeiter-App, die es speziell auch Beschäftigten ohne PC-Arbeitsplatz ermöglicht, jederzeit auf für sie relevante Informationen, Funktionen und Prozesse zuzugreifen und so im Arbeitsalltag entlastet zu werden“, stellt Hirschtec-Geschäftsführer Thaler fest. „Damit verschenken Unternehmen enormes Potenzial, wenn sie weiterhin auf manuelle und papierbasierte Prozesse setzen“.

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