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Channel Fokus: Refurbishing und Remarketing

Ein zweites Leben für IT-Produkte

| Autor: Klaus Länger

Aufbereiten statt wegwerfen: Das Refurbishing gebrauchter Rechner liegt voll im Trend, da es Energie spart und Ressourcen schont.
Aufbereiten statt wegwerfen: Das Refurbishing gebrauchter Rechner liegt voll im Trend, da es Energie spart und Ressourcen schont. (Bild: © kirill_makarov - stock.adobe.com)

Nachhaltigkeit spielt in der IT-Branche eine immer größere Rolle. Dabei können generalüberholte PCs und Notebooks ihren Beitrag leisten und dazu noch helfen, Geld zu sparen. Gebrauchte Software schont zwar nicht die Umwelt, aber wenigstens das Budget.

Angesichts immer knapperer Ressourcen und eines wachsenden Bewusstseins für Umweltprobleme sowie des mit der Güterproduktion verbundenen Klimawandels hat auch in der IT-Industrie seit einigen Jahren schon ein Umdenken eingesetzt. Funktionierende Rechner wandern nicht mehr in den Schrott, sondern werden wieder in den Handel gebracht. Ökologisch ist das auf jeden Fall sinnvoll, da beispielsweise laut einer Studie des Umweltbundesamts der anteilige CO2-Ausstoß für die Produktion eines Notebooks höher ist als die Umweltbelastung, die durch den Energieverbrauch über die gesamte Nutzungsphase hinweg entsteht. Eine neue Entwicklung im Refurbishing-Markt ist, dass viele der gebrauchten Rechner nicht mehr primär exportiert oder an preisbewusste Endkunden verkauft, sondern immer häufiger auch in Firmen eingesetzt werden. Teilweise betreiben die Hersteller das ­Refurbishing, also die Aufbereitung der Rechner, selbst oder beauftragen Dienstleister damit, teilweise übernehmen das auch unabhängige Firmen, die dann die überholten Rechner über den IT-Channel wieder in den Markt bringen.

Schwerpunkt auf gebrauchte Business-Rechner

Die professionellen Aufbereiter sind mittelständische Unternehmen, die pro Monat mehrere Tausend Rechner bearbeiten können. Sie nehmen sich in aller Regel die „Sahnestücke” unter den gebrauchten Rechnern heraus: Business-PCs und Notebooks sowie Workstations, die meist nach Ablauf eines Leasingvertrags in ­Firmen oder Behörden durch Neugeräte ersetzt werden. Diese Leasingrückläufer sind Rechner mit hochwertigen Komponenten, die sich leicht reparieren lassen und für die sich Ersatzteile relativ einfach beschaffen lassen. Dazu kommt, dass die Aufbereiter hier oft eine große Zahl gleichartiger Geräte erwerben können, was die Logistik und die Ersatzteil­beschaffung erleichtert. Ausgemusterte Consumergeräte kommen dagegen kaum in den Refurbishing-Kreislauf, sondern enden meist auf dem Wertstoffhof: Da sie meist älter, oft kaputt und aus weniger hochwertigen Komponenten zusammengesetzt sind, sind sie für Aufbereiter auch nicht interessant.

Die ausgemusterten Business-Rechner werden bei den Refurbishern eingehend überprüft, gereinigt, repariert und teilweise auch mit neuen Komponenten wie SSDs oder zusätzlichem Arbeitsspeicher aufgewertet. Das sichere Löschen noch vorhandener Daten gehört ebenfalls zum Prozess. Notebooks werden zudem oft mit neuen Akkus ausgerüstet. Zusätzlich wird ­eine aktuelle Windows-10-Home- oder Pro-Version aufgespielt, da die Refurbishing-Spezialisten in aller Regel zum exklusiven Kreis der Microsoft Authorised Refurbisher zählen. Die Installation der jeweils neuesten BIOS-Version sowie aktueller Treiber ist ebenfalls Teil des Aufbereitungsprozesses.

Außerdem werden auch Server und Peripheriegeräte wie Monitore oder Docking-Stationen als renovierte Gebrauchtgeräte wieder in den Handel gebracht. Dabei werden sie mit zwölf Monaten Gewährleistung verkauft, und der Refurbisher übernimmt den Service. Eine gewisse ­Herausforderung für die Aufbereitung stellt die neue Generation der ultraflachen Notebooks, Convertibles und 2-in-1-Tablets wie etwa das Microsoft Surface dar. Hier erschweren die hohe Integra­tion der Bauteile, wie etwa aufgelötete SSD-Module und Speicher, eingeklebte Akkus und teilweise sogar verklebte Gehäuse, den Refurbishing-Prozess. Da nach diesen Geräten eine hohe Nachfrage besteht, entwickeln die Refurbisher aber Verfahren, um auch mit diesen Geräten zurechtzukommen.

Die Refurbisher profitieren auch davon, dass sich Entwicklungszyklen bei PCs und Notebooks verändert haben. Satt großer Leistungssprünge gab es in den vergangenen Jahren eher graduelle Veränderungen. Daher können gebrauchte PCs oder Notebooks bei der Performance im Vergleich zu aktuellen Rechnern mit vergleichbarem Verkaufspreis gut mithalten. Zudem sind sie meist hochwertiger ausgestattet. So kostet etwa ein aufbereitetes HP Elitebook mit einem Core i5 der vierten Generation, acht GB RAM, einer 256-GB-SSD und einem 14-Zoll-HD+-Display etwa 360 Euro. Bei einem im Preis vergleichbaren Neugerät muss man sich mit einem Consumer-Notebook mit Intel-Pentium oder AMD-Ryzen-3-Prozessor zufriedengeben. Desktop-PCs machen immer noch etwa 40 Prozent der verkauften Rechner aus.

Mehr Geschäft über Systemhäuser und mit Smartphones

In der Regel arbeiten die Refurbisher für den Vertrieb mit Distributoren zusammen und nutzen verschiedene Vertriebskanäle. Neben Fachhändlern und Systemhäusern zählen Einkaufsgenossenschaften und Flächenmärkte sowie E-Tailer zu den Partnern. Über den Fachhandel werden die Geräte oft unter der eigenen Handelsmarke des Refurbishers vertrieben, um damit auch den Qualitätsanspruch zu ­dokumentieren.

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Refurbishing im Aufwind

Ein wachsendes Segment unter den Vertriebspartnern sind die Systemhäuser, da zunehmend kleinere Firmen zu aufgearbeiteten Business-Rechnern greifen. Ein interessantes Produktsegment sind hier Workstations, die als Neugeräte sehr kostspielig sind. Schließlich stellen aufbereitete Workstations für Firmen oder Freiberufler eine günstige Möglichkeit dar, an Rechner zu kommen, die zum Beispiel mit leistungsstarken Intel-Xeon-CPUs und Nvidia-Quadro- oder AMD-Firepro-Grafikkarten ausgestattet und für professionelle Software zertifiziert sind.

Ein interessantes Geschäftsfeld bieten zudem gebrauchte Server und Netzwerkkomponenten. Hier spielt für die meisten Kunden natürlich der deutlich geringere Kaufpreis für die gebrauchte Hardware die größte Rolle, vor allem wenn die Anforderungen an die Leistung nicht so hoch sind. Einige Kunden kaufen aber auch gezielt bestimmte Modelle als gebrauchte und generalüberholte Server, da sie andere ­Geräte dieses Typs bereits im Einsatz haben und so sichergestellt ist, dass bestimmte Applikationen und Workloads wie gewohnt laufen.

Ein florierendes Geschäft ist ferner das Refurbishing gebrauchter Firmen-Smartphones, die ja oft zur gehobenen Gerätekategorie gehören und sich daher problemlos über einen längeren Zeitraum hinweg nutzen lassen. Die Versorgung mit Betriebssystem-Updates ist hier ebenfalls eher gewährleistet, als bei günstigen Geräten. Verkauft werden die Smartphones in der Regel an Privatkunden. Sie bezahlen zwar etwas mehr als für Gebraucht­geräte über Kleinanzeigen, bekommen aber auch ­Garantie. Laut einer Studie von Counterpoint Research ist der Markt für aufbereitete Smartphones in Europa im Jahr 2018 um sieben Prozent gewachsen, während der Verkauf neuer Geräte rückläufig ist.

Die Schritte beim Refurbishing

Die Abnahme gebrauchter Rechner beginnt mit einer ausführlichen Beratung und der Erstellung eines Angebots für die betreffende Hardware. Die zu erwartende Rückkaufsumme steigt dabei mit der Anzahl gleichartiger Rechner, da hier für den Refurbisher der Aufwand bei der Aufbereitung kleiner ist als bei vielen unterschiedlichen Modellen. Für die Firmen oder Leasing-Unternehmen, von denen die gebrauchten Geräte stammen, sind die Refurbisher nicht nur Abnehmer, sondern auch Dienstleister. Gegen eine Servicegebühr übernehmen sie die Abholung der Rechner, auf Wunsch mit verschließbaren und versiegelten Transportbehältern sowie die zertifizierte Löschung der Daten mit professionellen Verfahren. Bei höheren Compliance-Anforderungen gehört auch die dokumentierte Zerstörung der Datenträger zum Angebotsportfolio. Sie kann sogar beim Lieferanten stattfinden, wenn es erforderlich ist.

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Auf Nummer sicher: Zertifizierte Datenlöschung

Alle Schritte sowie die Seriennummern aller Geräte werden detailliert und revisionssicher ­dokumentiert. Teilweise wird sogar die ­Erstellung einer Ökobilanz angeboten. Für die Refurbisher stellen diese Dienstleistungen auch einen Weg dar, um den Nachschub an interessanten Gebrauchtgeräten zu sichern, da sie ihren Lieferanten hier aufwendige und zeitraubende ­Arbeiten abnehmen. Dazu gehört auch die umweltgerechte Entsorgung defekter Geräte, bei denen sich eine Aufbereitung nicht lohnt. Daher verfügen professionelle Refurbisher oft über eine Zertifizierung als Erstbehandlungsanlage und als Entsorgungsfachbetrieb nach §56 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes.

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