Marktzahlen von Canalys Die Hyperscaler investieren massiv in den Channel

Autor: Michael Hase

Die Ausgaben für Infrastrukturdienste aus der Cloud sind 2020 laut Canalys um 33 Prozent auf 142 Milliarden Dollar gestiegen. Weil der Einfluss des indirekten Geschäfts auf das Marktwachstum zunimmt, erhöhen die großen Cloud-Anbieter ihre Investitionen in den Channel.

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Der IaaS-Markt wächst weiter stark. Die Impulse dafür kommen zunehmend aus dem Channel.
Der IaaS-Markt wächst weiter stark. Die Impulse dafür kommen zunehmend aus dem Channel.
(Bild: worananphoto - stock.adobe.com)

Trotz des schon immens großen Volumens bleibt Cloud eines der am stärksten wachsenden Segmente des ITK-Markts. So erhöhten sich 2020 die Gesamtausgaben für Infrastrukturdienste um 33 Prozent auf 142 Milliarden Dollar (Vorjahr: 107 Milliarden Dollar), wie die Marktforscher von Canalys berichten. Von Oktober bis Dezember lagen die weltweiten Ausgaben für IaaS bei 39,9 Milliarden Dollar, was einem Wachstum von 32 Prozent entspricht. Die Nachfrage nach Cloud-Diensten wurde den Analysten zufolge vor allem durch Anwendungsfelder wie Remote-Arbeit, E-Commerce, Content Streaming, Online Gaming und Collaboration getrieben.

AWS blieb auch im vierten Quartal 2020 der führende Cloud Service Provider. Das Unternehmen steigerte seine weltweiten Erlöse um 28 Prozent auf 12,7 Milliarden Dollar und kommt damit auf einen Marktanteil von 31 Prozent. Nach Beobachtung von Canalys investiert der Hyperscaler derzeit stark in sein globales Partnernetzwerk und baut unter anderem die Zusammenarbeit mit der Distribution aus, um die AWS-Nutzung im SMB-Segment anzukurbeln.

Azure holt auf

Auf Platz zwei holte Mitbewerber Microsoft, dessen Umsatz mit der Plattform Azure um 50 Prozent wuchs, deutlich auf. Der Anteil des Branchenriesen am IaaS-Markt stieg gegenüber dem vierten Quartal 2019 von 17,6 auf 20 Prozent, was Erlösen von knapp acht Milliarden Dollar entspricht. Dabei profitierte Microsoft laut Canalys davon, dass die Nachfrage nach Services wie Teams und Windows Virtual Desktop, die auf Azure laufen, während der Pandemie anhaltend hoch blieb.

Google Cloud war im vierten Quartal 2020 mit einem Anteil von sieben Prozent (rund 2,8 Milliarden Dollar) der drittgrößte Provider. Das Unternehmen meldet ein Wachstum von 58 Prozent. Bei seinen Partnern fördert es derzeit vor allem den Ausbau der branchenspezifischen Expertise. Alibaba Cloud, die Nummer vier unter den IaaS-Anbietern, wuchs im gleichen Zeitraum um 54 Prozent und erreichte einen Anteil von sechs Prozent (rund 2,4 Milliarden Dollar) am Gesamtmarkt.

Die Nachfrage nach Cloud-Diensten blieb den Marktforschern zufolge in allen Kundensegmenten hoch, auch in Branchen, die besonders von der Coronakrise betroffen sind oder stark unter Druck stehen, wie dem Einzelhandel, der fertigenden Industrie, der Pharmabranche oder dem Gesundheitswesen. „Das Tempo der Digitalisierung, getrieben durch die Cloud, nimmt an Fahrt auf“, sagt Canalys-Analyst Blake Murray. Dabei stünden Projekte zur Anwendungsmodernisierung, zur Migration von SAP-Systemen und zur Transformation des Arbeitsplatzes bei Unternehmen weit oben auf der Agenda.

Partner treiben das Wachstum

Der Channel hat nach Beobachtung von Canalys einen zunehmenden Einfluss auf das Wachstum des Cloud-Markts. Deshalb erhöhen momentan alle großen Cloud-Anbieter die Investitionen in ihre Partnerlandschaften. Den Analysten zufolge ist der indirekte Anteil am Cloud-Geschäft bei Microsoft derzeit am größten. Allerdings holen AWS und Google in dieser Hinsicht auf. Da Unternehmen immer häufiger Multicloud-Strategien verfolgen, wenden sie sich oft an unabhängige Partner, die sich mit mehreren Hyperscalern auskennen. Insbesondere bei der Migration geschäftskritischer Workloads in die Cloud brauchen sie Beratung zu geeigneten Plattformen und Konzepten sowie zu Aspekten wie Kostenkontrolle, Security, Datensouveränität und Hybrid Cloud Management.

Unternehmen suchen aber Berater, die sie nicht nur beim Aufbau und Betrieb von Cloud-Umgebungen technologisch unterstützen können, wie Alastair Edwards, Chief Analyst bei Canalys, ausführt. Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, „den Geschäftsnutzen einer Cloud-Migration“ herauszuarbeiten. Die Digitalisierungsprojekte der Kunden seien komplex und erforderten „fortgeschrittene Beratungskompetenz, die tiefe technische Skills mit vertikaler Expertise verbindet“, so der Experte weiter. Und diese Kompetenz erwarten die Cloud Provider in hohem Maße von ihren Partnern, damit sie in der Lage sind, Kunden über den gesamten Lebenszyklus ihrer Cloud-Szenarien zu begleiten.

Anhaltend hohe Nachfrage

Nach Einschätzung von Canalys werden vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen weiterhin intensiv Cloud-Dienste nutzen, um ihren Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten und ihre IT-Kosten zu begrenzen. Zudem sei der Trend zu Remote Working und Remote Learning ungebrochen. Deswegen rechnen die Analysten damit, dass die Ausgaben für IaaS weiter deutlich steigen werden, auch wenn sich Anwender „zunehmend der Herausforderungen in puncto Kosten, Sicherheit und Komplexität bewusst werden, die mit einer stärkeren Cloud-Nutzung verbunden sind“.

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