Aktueller Channel Fokus:

Cloud Business Software

Channel Fokus: Digitale Transformation

Der Mittelstand sucht Digitalisierungspartner

| Autor: Michael Hase

Das Gros der deustchen Unternehmen setzt bei der Digitalen Transformation auf externe Unterstützung durch Dienstleister.
Das Gros der deustchen Unternehmen setzt bei der Digitalen Transformation auf externe Unterstützung durch Dienstleister. (Bild: alphaspirit - stock.adobe.com)

Deutsche Unternehmen erkennen die Chancen der Digitalisierung. Viele Mittelständler beklagen jedoch, dass ihnen Zeit und Geld für die Transformation fehlt – eine Herausforderung für Systemhäuser, die ihrerseits neue Kompetenzen dafür aufbauen müssen.

Der Begriff „Digitalisierung“ hat sich längst zu einem schillernden Schlagwort entwickelt. Buchstäblich bezeichnet er die Transformation von analogen Werten in Daten, die sich mit Hilfe von IT-Systemen speichern, verarbeiten und verteilen lassen. Mittlerweile schwingen aber ­wesentlich mehr Bedeutungsfacetten mit: zum Beispiel das Vordringen von Informationstechnik in nahezu alle ­Wirtschafts- und Lebensbereiche, die Vernetzung von Dingen aller Art oder die zunehmende Automatisierung, sprich die autonome Steuerung von Prozessen durch intelligente Systeme.

In diesem Sinne geht Digitalisierung einher mit der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik. Dabei stehen nicht nur die wachsende Anzahl vernetzter Endpunkte, die stetige Zunahme von Rechenleistung, Bandbreite und Übertragungsgeschwindigkeit in Rede. Vielmehr sind für die Digitalisierung auch flexible, skalierbare Bereitstellungsmodelle (Cloud), neue Verfahren der Datenanalyse (Big Data), agile Ansätze der Software-Entwicklung (DevOps) ebenso wie Fortschritte auf dem Feld der Künstlichen Intelligenz (Machine Learning) von Belang.

Digitale Revolution

Wirtschaftswissenschaftler messen den Innovationen der ITK-Industrie eine ähnliche Bedeutung bei wie den mechanischen Erfindungen des 18. Jahrhunderts oder der Elektrifizierung um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und sprechen von einer neuen industriellen Revolution. Nach Beobachtung von Doris Albiez, Deutschlandchefin von Dell EMC, ist die Schwelle hin zu tiefgreifenden Veränderungen schon überschritten. „Die neue digitale Ära ist bereits angebrochen und prägt die Art und Weise, wie wir ­leben, arbeiten und unsere Unternehmen führen.“ Demzufolge befindet sich die Entwicklung der Gesellschaft an einem entscheidenden Punkt, an dem Technologie, Wirtschaft und Mensch zusammenwirken, um eine stärker vernetzte Welt zu schaffen.

Für Unternehmen stellt sich die Digitalisierung als Chance dar, ihr Geschäft durch den Einsatz neuer Technologien zu modernisieren. Damit können verschiedene Ziele verbunden sein – etwa die Effizienz in der Produktion zu steigern, Innovationen zu beschleunigen, die Qualität von Produkten und Dienstleistungen zu erhöhen, die Lieferfähigkeit zu verbessern, neue Absatzkanäle zu erschließen oder die Kundenkommunikation zu intensivieren. Im Idealfall entstehen digitale ­Geschäftsmodelle, die ohne Technologie gar nicht möglich wären. Dafür sind bei den Unternehmen nicht nur Investitionen in IT ­erforderlich, sondern auch ein Wandel in der Organisation und bei den Denkweisen. Dell-EMC-Managerin Albiez ist davon überzeugt, dass die Zeit drängt: „Die deutschen Unternehmen müssen sich jetzt transformieren und sollten wenn nötig auch vor radikalen Veränderungen nicht zurückschrecken.“

Es droht der Rutsch ins digitale Hintertreffen

Dell-Studie

Es droht der Rutsch ins digitale Hintertreffen

11.10.18 - Der Digital Transformation Index (DTI) von Dell Technologies zeigt auf, dass erst 6 Prozent der deutschen Unternehmen die Digitale Transformation bereits fest in ihrer DNA verankert haben. Der Großteil kämpft noch mit Hindernissen wie Datenschutz und Security. lesen

In der Wirtschaft steht man dieser Herausforderung grundsätzlich offen gegenüber, wie eine Studie zeigt, die der Branchenverband Bitkom im Juni dieses Jahres vorgelegt hat. Demnach sehen 89 Prozent der Unternehmen in der Digitalisierung eher eine Chance, während sie nur acht Prozent überwiegend als Risiko wahrnehmen. Immerhin 78 Prozent der Befragten haben eine Digitalstrategie entwickelt. Als Konsequenz daraus passen 63 Prozent der Studienteilnehmer bestehende Produkte und Dienstleistungen an. 48 Prozent bieten sogar komplett neue Produkte und Dienstleistungen an.

Ergänzendes zum Thema
 
Die jungen wilden IT-Firmen: Digitalagenturen

Bei aller Aufgeschlossenheit gegenüber der Digitalisierung sieht sich die Mehrheit der Befragten (58 %) dennoch als Nachzügler. Nur 35 Prozent bezeichnen sich als digitale Vorreiter. Je kleiner das Unternehmen, desto größer wird der ­eigene Nachholbedarf eingeschätzt. So sagen 60 Prozent der Betriebe mit 20 bis 99 Mitarbeitern, sie seien digitale Nachzügler. In der Größenordnung von 100 bis 499 Mitarbeitern sind es 53 Prozent, von 500 bis 1.999 Mitarbeitern noch 48 Prozent. „Wir müssen die Anstrengungen zur Digitalisierung des deutschen Mittelstands unbedingt verstärken“, fordert Bitkom-Präsident Achim Berg als Resümee aus diesen Zahlen. Denn bei den Unternehmen, die 2.000 und mehr Mitarbeiter beschäftigen, sieht die Situation ganz anders aus: Von ihnen bezeichnen sich nur 24 Prozent als digitale Nachzügler, aber 74 Prozent als Vorreiter.

Zeit und Geld fehlen

Ausgebremst werden viele Mittelständler laut der Bitkom-Studie vor allem durch zwei Faktoren: Ihnen steht entweder zu wenig Zeit oder zu wenig Geld zur Verfügung, um neue Technologien einzuführen, die für ihre Transformation notwendig wären. 32 Prozent der Befragten nennen fehlende Zeit im Tagesgeschäft als größtes Hindernis. 21 Prozent beklagen fehlende finanzielle Mittel. Unterm Strich wollen gerade einmal 23 Prozent der Unternehmen in diesem Jahr in die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle investieren. Besonders niedrig ist die ­Investitionsbereitschaft bei Betrieben mit 20 bis 99 Mitarbeitern (19 %) und mit 100 bis 499 Mitarbeitern (25 %). Bei den größeren Unternehmen mit 500 und mehr Mitarbeitern liegt der ­Anteil derjenigen, die gezielt in puncto Digitalisierung investieren, mit 57 Prozent wesentlich höher.

Für den ITK-Fachhandel, dessen Klientel traditionell der Mittelstand ist, liefert die Bitkom-Studie aufschlussreiche Erkenntnisse. Auf der einen Seite bergen Unternehmen aus dem gehobenen Segment, bei denen die Investitionsbereitschaft stärker ausgeprägt ist, offenbar ein größeres Geschäftspotenzial für den Channel. Auf der anderen Seite erkennen Mittelständler mit 20 bis 499 Mitarbeitern in der Digitalisierung ebenfalls Chancen für sich, nur dass ihre Ressourcen stärker begrenzt sind. Somit brauchen auch sie Partner, die sie bei der Transformation begleiten. Aufgabe von Systemhäusern muss daher sein, Lösungsstrategien für diese Unternehmen zu entwickeln, die sich an deren personellen und finanziellen Möglichkeiten orientieren.

Ein Ansatz könnte beispielsweise sein, die Kunden, indem man Managed Services für sie erbringt, von Betriebsleistungen – zum Beispiel in der Infrastruktur oder bei der Security – zu entlasten. Die so gewonnenen Freiräume ließen sich von der IT-Abteilung dazu nutzen, die Digitalisierung von Geschäftsprozessen voranzutreiben. Ein anderer Ansatz könnte darin bestehen, neue Technologien bei den Kunden als Service aus der ­Public Cloud einzuführen, damit die Anfangsinvestitionen für sie möglichst überschaubar bleiben.

Andere Anforderungen

Entscheidend ist aber die Frage, ob Systemhäuser auf die Rolle des Digitalisierungspartners überhaupt schon vorbereitet sind. Die Digitale Transformation bedeutet nicht nur für Endkunden eine Herausforderung. Sie stellt auch an deren Dienstleister neue Anforderungen, die sie mit ihrem traditionellen Leistungsportfolio nicht abdecken. In seiner aktuellen Studie zum „Markt für IT-Beratung und IT-Service in Deutschland“ nennt das Marktforschungsunternehmen Lünendonk wesentliche Aufgaben, die sich ­IT-Dienstleistern und Systemhäusern in Digitalisierungsprojekten stellen.

So ist etwa die Unterstützung der Kunden bei der Migration von Legacy-Anwendungen in die Cloud ebenso wie bei der Automatisierung von Backend-Prozessen gefragt. Im Zuge der Digitalisierung beobachten die Marktforscher in vielen Branchen einen Trend zur Nutzung von Cloud-Anwendungen und zu flexiblen As-a-Service-Modellen. Bei der Prozessautomatisierung wird Lünendonk zufolge immer häufiger Künstliche Intelligenz eingesetzt. Eine zentrale Aufgabe ist in vielen Projekten auch die Digitalisierung der Schnittstellen zum Kunden, zum Beispiel durch die Entwicklung benutzerfreundlicher Frontends für Portale und Apps oder durch die Automatisierung der Kundeninteraktion mit Hilfe von Chatbots, die meist auf Machine-Learning-Verfahren basieren.

Weder Cloud noch KI gehören zu den klassischen Kernkompetenzen von Systemhäusern. Was Planung, Umsetzung und Betrieb von Public-Cloud-Szenarien angeht, sind ihnen so genannte „Born in the Cloud“-Beratungshäuser um Jahre voraus. Auch beim Machine Learning haben sich junge Spezialisten wie Alexander Thamm oder The Unbelievable Machine Company als Avantgarde etabliert. Und bei der Entwicklung digitaler Kundenschnittstellen besitzen Digitalagenturen (siehe „Ergänzendes zum Thema“) einen Kompetenzvorsprung. Wollen Systemhäuser künftig ­ihre mittelständischen Kunden bei der Digitalen Transformation begleiten, sollten sie also Knowhow auf solchen Feldern aufbauen und zusätzlichen Fertigkeiten erwerben. Einige von ihnen, insbesondere größere Häuser, haben das bereits ­getan oder beschäftigen sich gerade damit, ihr Spektrum zu erweitern.

Netzwerke entstehen

Doch nicht jedes Systemhaus wird alle ­benötigten Kompetenzen selbst aufbauen können. Eine Option ist für sie die Kooperation mit Spezialisten oder mit anderen Häusern, die über Spezialwissen verfügen. Oft sind Digitalisierungsprojekte ohnehin zu komplex, als dass ein Partner sie allein abwickeln könnte. Das lässt sich beim ­Thema Internet of Things (IoT) beobachten, bei dem sich Ökosysteme von Dienstleistern mit unterschiedlichem Profil herausbilden. Somit fördert die Digitalisierung das Entstehen von Kompetenznetzwerken. Ein Beispiel dafür ist die Innovation Alliance, die Cisco ins Leben gerufen hat. Dem Verbund, der sich die Digitale Transformation des Mittelstands auf die Fahnen geschrieben hat, gehören Systemhäuser wie Inneo, Logicalis, Pan Dacom, PCO und die ACP-Tochter SWS an.

Industrial IoT vor dem Durchbruch

Channel Fokus: IoT & Industrie 4.0

Industrial IoT vor dem Durchbruch

11.06.18 - Mehr als zwei Drittel der Industrie-Unternehmen planen IoT-Projekte für 2018. Damit eröffnet sich für die ITK-Branche ein enormes Marktpotenzial. Allerdings benötigt der Channel für Industrie 4.0 andere Kompetenzen als für das traditionelle IT-Geschäft. lesen

Die Distribution engagiert sich ebenfalls bei der Digitalisierung. Bislang tun sich dabei vor allem die großen Player hervor. Ingram Micro hat schon seit 2015 ein „Team Digitale Transformation“ aufgebaut, das Systemhäuser unterstützt, sie individuell berät oder spezifische Workshops mit ihnen veranstaltet. Arrow ECS hat im Sommer 2017 das genannte IoT-Innovator Programm ins Leben gerufen, das auf den Aufbau eines dedizierten Partner-Ökosystems abzielt. Auf ähnliche Weise setzt Tech Data auf die Beratung von Partnern und die Bildung von Netzwerken.

„Bei umfangreichen und komplexen Digitalisierungsprojekten können viele Systemhäuser nur einen Ausschnitt der Wertschöpfungskette ihrer Kunden abbilden und holen daher andere Partner hinzu“, beobachtet Thomas McDaniel, Manager Business Development IBM bei Tech Data Deutschland. Zunehmend bestehe die Aufgabe des Distributors darin, ein Ökosystem aufzubauen, dem Häuser mit unterschiedlicher Kompetenz angehören. Ein VAD müsse heute Plattformen für den Austausch der Partner untereinander bereitstellen. Im Übrigen hat Tech Data gerade eine Studie vorgelegt, die ein Ergebnis des Bitkom bestätigt: Der Mittelstand investiert in seine Digitale Transformation, aber vor allem der gehobene Mittelstand.

Kommentare werden geladen....

Sie wollen diesen Beitrag kommentieren? Schreiben Sie uns hier

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45554090 / Digital Transformation)