Suchen

Channel Fokus: Cloud & Container Container: vom Hype zum lukrativen Service

Autor: Sarah Böttcher

Die Cloud und somit auch Cloud-native Technologien im Umfeld von Container und Kubernetes sind Mainstream geworden. Fehlende Expertise und der Mangel an Fachpersonal machen Container zu einem lukrativen Geschäftsfeld für Managed Service Provider.

Firmen zum Thema

Container gelten als neuer Standard in der Anwendungsentwicklung. Die Cloud-native Technologie bietet aufgrund ihres hohen Komplexitätsgrades großes Potenzial für Managed Service Provider.
Container gelten als neuer Standard in der Anwendungsentwicklung. Die Cloud-native Technologie bietet aufgrund ihres hohen Komplexitätsgrades großes Potenzial für Managed Service Provider.
(Bild: Cybrain - stock.adobe.com)

Eines hat die Coronakrise jetzt schon deutlich gemacht: An Cloud Computing führt kein Weg vorbei. War in der Vergangenheit der Leidensdruck nie größer als die Vorbehalte gegenüber der Cloud, hat sich das durch Covid-19 geändert: Die Cloud ist im Mainstream angekommen und für Unternehmen jeder Größe von existenzieller Bedeutung. Jedoch ist die Nutzung von Cloud Computing für viele Firmen nicht nur ein zentraler Baustein auf dem Weg zur dringend benötigten Digitalen Transformation, sondern vor allem eine Kostenfrage. So gibt es bereits einige Projekte, bei denen die Kosten nach der Cloud-Migration aus dem Ruder gelaufen sind. Dies bestätigen die Ergebnisse des „Flexera 2020 State of the Cloud Report“: 20 Prozent der befragten Unternehmen geben pro Jahr mehr als 12 Millionen US-Dollar für die Public Cloud aus. Für 2021 wird mit einem Anstieg der Cloud-Kosten um 47 Prozent gerechnet.

Cloud-Ausgaben übersteigen Budget

Trotz des Risikos explodierender Kosten steht die Migration von Applikationen und Services in die Cloud für das Gros der ­Unternehmen momentan ganz oben auf der Agenda. Gleichzeitig übersteigen die Cloud-Ausgaben der für den Flexera-Cloud-Report befragten Firmen schon jetzt die dafür geplanten Budgets um durchschnittlich 23 Prozent. Hinzu kommt, dass 30 Prozent der getätigten Cloud-Ausgaben laut Umfrage keinen direkten RoI erzielen. Die Optimierung von Workloads, ein effizientes Ausgabenmanagement und eine konsequente Cloud-Governance werden damit zu den dringlichsten Aufgaben für IT-Verantwortliche.

Vorteile von Kubernetes, Container und Co.

Eine Möglichkeit, die Cloud-Ausgaben in den Griff zu bekommen, ist der Einsatz von Cloud-nativen Technologien, die sich im Umfeld von Container und Kubernetes ­gebildet haben. „Unternehmen, die auf Container-Technologie setzen, profitieren vor allem von kurzen Entwicklungszeiten, schnellerer Time to Market und davon, dass Elemente und Projekte voneinander getrennt werden. Dadurch können Applikationen schneller und effizienter entwickelt werden. Außerdem ist es so einfacher, einzelne Änderungen wieder zurückzunehmen, ohne die gesamte Architektur zu zerstören und Downtimes zu erzeugen. Gleichzeitig erlaubt diese räumliche Trennung von Projekten paralleles Arbeiten und schnelles Bereitstellen: Durch das Splitten können mehrere Gruppen unabhängig voneinander an Anwendungen arbeiten und diese sogar zwischen unterschiedlichen Umgebungen hin- und herschieben. Das nennt man auch Workload-Portabilität. Diese Flexibilität und Skalierbarkeit sind vielleicht die größten Vorteile von Containern. Sie ermöglichen schnellere Entwicklungen in einem sehr stabilen System“, führt Dr. Oliver Mauss, CEO der Plusserver-Gruppe, aus.

„Zudem erlauben Werkzeuge wie Kubernetes und Container die Abstraktion von Hardware-Stacks und damit die Standardisierung der Infrastruktur, was die Voraussetzung für agile Entwicklungsmethoden bildet“, betont Dr. Wolfgang Herbst, Regional CTO für North &­Central Europe bei DXC Technology. „Unternehmen, die Container einsetzen, ­erhöhen ihre Infrastrukturauslastung. Dies bedeutet eine Reduktion der Ressourcen im Leerlauf durch die Erhöhung der ­Packungsdichte von Anwendungen auf der Infrastruktur“, ergänzt Marco Tesch, Cloud Consultant­&­Trainer – Team Lead Wien bei Tecracer. Summa summarum bietet der Einsatz von Containern vor allem Zeit- und Kostenersparnis.

Bildergalerie

Da Container standardisiert sind, besteht zudem nicht die Gefahr einer Provider-­Abhängigkeit. „Vor allem deutsche Unternehmen hatten früher immer die Angst vor einem Vendor Lock-in. Mittels Container und Kubernetes kann man sehr einfach entwickeln, testen und betreiben. Entweder auf einer Infrastruktur, oder man kann die Software verschieben, von dem eigenen Rechenzentrum, zum Managed Service Provider, oder in die Public Cloud. Der Versuch zahlreicher Unternehmen, hybride oder Multicloud-Umgebungen aufzubauen, ist häufig an der mangelnden Standardisierung und der Technologie gescheitert. Und das ist der Grund, weshalb die Container-Technologie so ­erfolgreich ist, und zwar nicht nur bei den Startups und Softwareentwicklern, sondern auch in Unternehmen“, erläutert Dr. Carlo Velten, Co-Founder und Head of Business Development bei dem Digitalisierungs- und Software-Unternehmen Cloudflight.

Container as a Service

So sind Container schon lange kein Hype-Thema mehr. „Die Cloud-native Technologie hat sich zum neuen Standard gemausert, was sich auch auf absehbare Zeit nicht ändern wird. Firmen sollten sich deshalb mit Containern anfreunden“, betont Velten. Laut der in Kürze erscheinenden Cloudflight-Studie „Willkommen in der Enterprise-IT, Cloud Native! – Dev­Ops, Kubernetes und Open Source prägen die Zukunft im digitalen IT-­Betrieb“, haben 47 Prozent der DACH-Unternehmen bereits Kubernetes ­beziehungsweise Container als Management-Tool im Einsatz. Weitere 32 Prozent planen in den nächsten zwölf Monaten und weitere neun Prozent in den nächsten 36 Monaten, die Virtualisierungstechnologie einzusetzen. Für die Studie führte Cloud­flight im Frühjahr 2020 eine Befragung von insgesamt 652 IT- und Digitalisierungsentscheidern aus Unternehmen verschiedener Branchen und Größen in der DACH-Region durch.

Potenzial für Managed Service Provider

IT-Akteure, die auf Kubernetes-Plattformen setzen, um Erfahrungen zu sammeln und erste Projekte zu testen, berichten, dass die Menge an Containern schnell steigt und die Anforderungen an die ­Automatisierung komplexer werden. Aufgrund des hohen Komplexitätsgrades, der fehlenden Expertise und des Fachkräftemangels kommen „Managed Kubernetes aus der Cloud“ oder „Container as a Service“ (CaaS) ins Spiel. Bereits mehr als jedes zweite Unternehmen (54 %), das sich mit Cloud-native beschäftigt, ­bezieht die Technologien als Managed Service, zeigen die Ergebnisse der Cloudflight-Studie.

Service Provider, die CaaS anbieten, kümmern sich für den Kunden beispielsweise um die Sicherheit, Governance, Über­wachung, Speicherung, Vernetzung sowie das Lifecycle-Management und die Orchestrierung. „Um eine Vielzahl an Containern überwachen zu können, muss man automatisieren und automatisiert die Systeme überwachen können. Und hierfür benötigt man Tools sowie Expertise. Auch der Betrieb und die Automa­tisierung der Betriebe, also sämtliche Backup- und Recovery-Themen, bieten Umsatzpotenzial für Managed Service Provider. Das Onboarding und Training, das Setup und die individuelle Konfiguration der Systeme inklusive der Integration von Backend-Systemen des Kunden, das Monitoring- und Incident-Management und natürlich der Betrieb und der 24/7-Support, sind potenzielle Wachstums- und Geschäftsbereiche für MSPs“, erläutert Velten.

Ein weiterer großer Vorteil von CaaS ist, dass man diesen Service aus der Public Cloud oder aus dem firmeneigenen ­Rechenzentrum On Premises beziehen kann: „Das ist eine gute Chance für MSPs. Man kann Managed Kubernetes und Cloud-native-Services auch aus einem deutschen Rechenzentrum beziehen. Managed Service Provider müssen den Kunden nicht zwingen, in die ­Public Cloud zu gehen, bei der sie datenschutzrechtliche Bedenken hatten und haben. Man kann ihnen anbieten, diese Technologien aus ­einem deutschen Rechenzentrum zu ­bekommen oder es auf der Infrastruktur des Kunden zu betreiben“, zeigt Velten ­einen weiteren Vorteil von CaaS auf.

Container: Der neue Standard in der Anwendungsentwicklung

Der Anbietermarkt für Managed Container as a Service steht erst am Anfang, was Service Level Agreements (SLAs), Service­beschreibungen, Preise und vor allem die Ausrichtung des jeweiligen Angebots ­angeht. Nichtsdestotrotz haben sich Container als neuer Standard in der Anwendungsentwicklung etabliert und gelten als Treiber der Digitalen Transformation. „Man kann es sich als innovativer, moderner Managed Service Provider nicht leisten, das Thema nicht im Portfolio zu haben. Container as a Service ist ein Must-have für MSPs“, postuliert Velten.

(ID:46652093)

Über den Autor

 Sarah Böttcher

Sarah Böttcher

Online CvD & Redakteurin