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Neue Strukturen Bei Logicalis denkt man global

Autor: Michael Hase

Inforsacom Logicalis tritt in Zukunft nur noch als Logicalis auf. Außerdem strukturiert sich die deutsche Landesorganisation des IT-Dienstleisters neu, um die weltweiten Ressourcen der Gruppe effizienter zu nutzen.

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Die globale Reichweite der Logicalis Group hält man in der deutschen Landesorganisation des IT-Dienstleisters für einen Wettbewerbsvorteil.
Die globale Reichweite der Logicalis Group hält man in der deutschen Landesorganisation des IT-Dienstleisters für einen Wettbewerbsvorteil.
(Bild: Pixabay)

Drei Jahre sind in der IT eine lange Zeit. Seit Inforsacom im Januar 2015 eine Tochter der Logicalis Group wurde, hat sich das Neu Isenburger Systemhaus sukzessive in die Strukturen des internationalen IT-Dienstleisters eingegliedert. Mitte 2016 verschmolz das hessische Unternehmen mit der deutschen Dependance der Muttergesellschaft zu Inforsacom Logicalis. Nun folgt der nächste Schritt: Noch in der ersten Jahreshälfte wird der alte Name gestrichen, und der IT-Spezialist firmiert dann in Deutschland nur noch als Logicalis, wie Christian Werner, Geschäftsführer bei Inforsacom Logicalis, ankündigt.

Neben dem Rebranding, mit dem man in der Gruppe einen weltweit einheitlichen Auftritt anstrebt, gibt es bei dem Unternehmen eine weitere Neuerung: Es strukturiert um und gliedert sich von April an in drei autarke Practices, die sich den Themenkomplexen Network, Collaboration & Security, Datacenter sowie Application & Information Management widmen. Funktional decken die Practices das gesamte Spektrum von Produktmanagement und Lösungsdesign über Presales und Professional Services bis zum Fachvertrieb (Solution Sales) ab.

Mit dem Solution Sales etabliert der Dienstleister zudem eine neue Funktion. Dafür hat er Experten rekrutiert, die Themen, die einen hohen Spezialisierungsgrad erfordern, wie etwa Cloud Management, Internet of Things (IoT) oder Security, bei Kunden voranbringen sollen. Komplettiert wird die Struktur durch Querschnittfunktionen wie Service Delivery oder Demand Generation. Unter anderem ist die Service-Delivery-Einheit dafür zuständig, Leistungsbeschreibungen und -kataloge für Managed Services zu erstellen sowie Service Level Agreements (SLAs) zu formulieren. Wiederkehrende Leistungen, die Inforsacom Logicalis monatlich mit seinen Kunden abrechnet, machen einen kontinuierlich wachsenden Anteil am Geschäft aus.

Globales Netzwerk

Von der neuen Struktur verspricht sich Werner neben einer Bündelung der Kompetenz vor allem, dass „wir die Möglichkeiten, die uns das globale Netzwerk von Logicalis bietet, schneller und effektiver nutzen können“. Denn nicht alle Leistungen, die das Systemhaus seiner deutschen Klientel anbietet, werden hierzulande erbracht. Managed Security Services stellt ein Security Operations Center (SOC) auf den britischen Kanalinseln bereit, wo 50 Experten für die Sicherheit ihrer europäischen Kunden den Datenverkehr überwachen. Ähnlich groß ist ein Team in Südafrika, das seit dem vergangenen Jahr von Kapstadt aus Plattform- und Speicherdienste – inklusive First und Second Level Support – anbietet.

Dass Inforsacom Logicalis auf internationale Ressourcen zugreifen kann, sieht der Geschäftsführer als großen Vorteil gegenüber Mitbewerbern an, die nur hierzulande präsent sind. Denn nicht nur bei Managed Services, auch im Lösungsgeschäft profitiert das Systemhaus von Kompetenzen der Gruppe. Bei Logicalis in Großbritannien arbeiten beispielsweise Experten für Analytics, die den deutschen Kollegen bei Bedarf zur Verfügung stehen. „Dadurch können wir mit 300 Leuten ein Portfolio anbieten, für das ein Dienstleister, der nur national agiert, vielleicht dreimal so viele Mitarbeiter beschäftigen müsste.“

Das deutsche Logicalis-Team nimmt aber nicht nur Leistungen aus der Gruppe in Anspruch, es gibt auch welche zurück. So unterstützen deutsche Oracle-Spezialisten ihre Kollegen in anderen Ländern bei der Lizenzberatung. Schon Inforsacom zählte zu den umsatzstärksten und höchst zertifizierten Partnern des Software-Riesen in Deutschland. Daran hat sich nach dem Merger mit Logicalis nichts geändert. Daher übernimmt die deutsche Organisation innerhalb der Gruppe die führende Rolle bei „Oracle MSP“. Mit dem Programm eröffnet der US-Konzern seinen Partnern die Möglichkeit, Workloads von Kunden auf die Oracle-Cloud-Plattform zu migrieren und dort zu betreiben. Dabei bleibt die Vertragsbeziehung mit den Endkunden vollständig in den Händen der Partner.

Hybrid-Cloud-Strategie

Gegenüber der Public Cloud haben Kunden von Inforsacom Logicalis kaum mehr Vorbehalte. Kernklientel des Systemhauses sind Unternehmen des gehobenen Mittelstands, insbesondere aus den Branchen Finanzen, Handel und Telekommunikation. Sie agieren häufig international und schätzen daher die weltweite Skalierbarkeit der Cloud – ebenso wie die globale Reichweite von Logicalis. „Oft haben wir die Anforderung, die gleiche Lösung in 12, 15 oder 20 Ländern auszurollen.“ Wie Werner berichtet, verfolgen die meisten Kunden ­eine hybride Strategie. Dabei differenzieren sie genau, welche Workloads sie in die Public Cloud geben – und welche sie ­weiterhin in einer Virtual Private Cloud oder On Premises betreiben, weil es beispielsweise Aufsichtsbehörden verlangen oder weil sie ein gewisses IT-Knowhow als Kernkompetenz ansehen.

Durch die Kombination verschiedener Bereitstellungsmodelle erhöht sich freilich die Anzahl der Schnittstellen und der potenziellen Sicherheitslücken. Damit steigt die Komplexität massiv an. Hinzu kommt, dass IT-Verantwortliche in Zeiten der Digitalisierung, wie der Logicalis-Manager beobachtet, unter einem „enormen Innovationsdruck“ stehen. In dieser Situation sind Entscheider geneigt, einen Teil ihrer Betriebsverantwortung an einen Dienstleister auszulagern. Dem stellt sich damit eine grundlegende Aufgabe. „Wir müssen Komplexität beim Kunden herausnehmen und müssen ihm helfen, seine IT effizient und sicher zu managen.“

In der Rolle eines MSPs verändert sich das Verhältnis des Dienstleisters zu den Kunden. Anders als im klassischen Projektgeschäft baue er eine engere, beständige Beziehung zu ihnen auf und sei permanent für ihre IT verantwortlich, so Werner. Damit entscheiden am Ende andere Faktoren über den Erfolg eines Systemhauses als im stärker auf den Produktverkauf ausgerichteten Geschäft vergangener Tage. „Heute hängen Investitionsentscheidungen oft von positiven Service-Erfahrungen der Kunden ab, weniger vom Preis oder von den Features.“ Daher sei es essenziell, ein gleichbleibend hohes Service Level zu halten und das jederzeit gegenüber dem Kunden transparent zu dokumentieren.

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 Michael Hase

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Chefreporter