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Nachbericht IBM Think Digital 2020 Bei Big Blue stehen KI, Edge und die Hybrid Cloud im Fokus

Autor / Redakteur: Michael Matzer / Nico Litzel

Auf der Online-Konferenz IBM Think Digital 2020 hat IBM neue Services im Bereich KI, Hybrid Cloud und Edge Computing vorgestellt. Sie dienen zum einen der Automatisierung von Cloud- und IT-Abläufen unter KI-Einsatz, zum anderen sollen die Vorteile von Edge Computing und 5G den Kunden besser zugänglich gemacht werden.

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Arvind Krishna, der neue CEO der IBM
Arvind Krishna, der neue CEO der IBM
(Bild: 2019 John O’Boyle)

Der Schlüssel-Service, den unter anderem der neue CEO Arvind Krishna unter dem Motto „AI for IT“ vorstellte, ist IBM Watson AIOps. Dieses neue Service-Paket automatisiert die Identifikation, Diagnose und Reaktion von Unternehmen auf IT-Anomalien in Echtzeit. Die Automatisierung von IT-Abläufen, die auf der Infrastrukturebene ansetzt, soll für mehr Ausfallsicherheit, etwa von Netzwerken, und geringere Kosten sorgen. CIO sollen in der Lage sein, höherwertige Abläufe oder Tätigkeiten zu priorisieren.

Der schematische Aufbau von IBM AIOps
Der schematische Aufbau von IBM AIOps
(Bild: IBM)

Die neue Lösung lässt sich mit Partnertechnologien wie Slack, das die Benutzeroberfläche stellt, oder das Filesharing-Tool Box kombinieren. „Indem sie Slack zusammen mit Watson AIOps nutzen, können IT-Betreiber effektiver an einer Problemlösung bei einem Notfall zusammenarbeiten, denn es erlaubt ihnen, wichtige Zeit auf das Lösen des Problems zu verwenden statt auf dessen Identifizierung“, sagte der CEO und Mitgründer von Slack, Stewart Butterfield. Die Lösung soll auch mit herkömmlichen IT-Monitoring-Lösungen wie etwa ServiceNow oder Mattermost zusammenarbeiten. IBM Watson AIOPs basiert auf Red Hat OpenShift, das von allen Clouds unterstützt wird, auf denen OpenShift verfügbar ist.

Intelligenter Beschleuniger

Der neue „Accelerator for Application Modernization with AI“, der innerhalb des IBM Cloud Modernization Service angeboten wird, stellt Kunden eine Reihe von Tools zur Verfügung, um die Anwendungsmodernisierung zu optimieren und Kosten zu senken. Die Analyse der vorhandenen Anwendung wird beschleunigt, um anschließend Empfehlungen für verschiedene Möglichkeiten zu geben, wie die Architektur des Systems oder wie Microservices aussehen können. Der Service nutzt dafür maschinelles Lernen und KI-Modelle, um sich an die bevorzugten Softwareentwicklungspraktiken des Kunden anzupassen und mit der Entwicklung von Technologie und Plattformen Schritt zu halten. Wie CEO Arvind Krishna in seiner Keynote sagte: „Jedes Unternehmen wird zu einem KI-Unternehmen werden.“

Erweiterte Cloud Paks

Im vergangenen Jahr hat IBM sechs Cloud Paks vorgestellt, zuletzt für Security. Neue und aktualisierte Funktionen bei Cloud Pak for Data, IBM Cloud Pak for Automation und bei der Automatisierung von Callcentern mit IBM Watson Assistant sollen CIOs zusätzlich helfen, selbst in einem dynamischen Umfeld wie der Corona-Krise noch effektiv zu arbeiten. In Cloud Pak für Data ist nun die Erweiterung IBM Planning Analytics enthalten. Damit sollen die Anwender Planung, Budgetierung und das Forecasting für ihr Geschäft automatisieren können. Das Tool „IBM Infosphere Master Data Connect“ soll den Kunden helfen, auf Stammdatenspeicher in hausinternen IT-Umgebungen zuzugreifen.

Das Cloud Pak for Automation, mit dessen Software Automations-Apps entwerfen, erstellen und ausführen lassen, hat ein substanzielles Update erhalten. Nun sollen sich KI-basierte, Automationslösungen für „digitale Arbeiter“ leichter erstellen lassen. Diese „digitalen Arbeiter“ erledigen Routinearbeiten wie etwa Datenerfassung oder Task-Weiterleitung und interagieren mit menschlichen Mitarbeitern.

In Callcentern ist IBM Watson Assistant, die KI-basierte Konversationsplattform, um Fähigkeiten von IBM Debater aktualisiert worden, wie Rob Thomas sagte, Senior Vice President für die Cloud and Data Platform. Der Watson Assistant verfügt nun über eine vorgefertigte Benutzeroberfläche, die mit erprobten Praktiken aus der Kundeninteraktion untermauert ist. Neue Schnittstellen zu den führenden Plattformen für den Kundendienst bewahren die Investitionen, die der Kunde bereits in solche Dienste gemacht hat und sollen Usern den Zugang zu menschlichen Ansprechpartnern erleichtern. Für den Sommer kündigte IBM eine Fähigkeit namens „Auto-Learning“ an, die aus dem Verhalten von Kunden lernt, um dem jeweiligen Kunden die relevanteste Antwort auf neue Fragen zum gleichen Thema zu liefern, genau wie ein menschlicher Ansprechpartner in wiederholten Konversationen mitlernt.

Neue Edge-Computing-Lösungen für 5G

Die Bedeutung von Edge Computing wird nicht nur nach Ansicht von Analysten wie etwa die der Gartner Group dergestalt wachsen, dass die Edge bis 2022 in Konkurrenz zum zentralen Rechenzentrum treten wird. Das ist beispielsweise notwendig, um die kostenoptimierten Rechenzentren von den erheblichen Datenvolumina zu isolieren, die durch Systeme wie IoT und Telekommunikationsdienste an der Edge anfallen. Diese Entwicklung hat bereits massiv eingesetzt, und schon 2019 hat VMware in mobilfunkgestützte Infrastruktur (bes. in 5G) investiert.

IBM ist ein enger Partner von VMware und so verwundert es nicht sonderlich, dass Big Blue und Red Hat neue Dienste, Angebote und ein Partner-Ökosystem angekündigt haben, um Unternehmen aus allen Branchen und besonders Telekommunikationsanbietern den Übergang auf Edge-Computing im 5G-Zeitalter zu erleichtern. Unternehmen können mit den neuen Edge-Lösungen Analyse-Workloads, KI- und IoT-Anwendungen über eine große Anzahl von Geräten hinweg bewältigen.

Das Potenzial von 5G in Verbindung mit Edge Computing kann zum Beispiel wichtige Anwendungen wie Notfallhilfe, Roboterchirurgie oder Sicherheitsfunktionen für vernetzte Fahrzeuge unterstützen, da es kaum Latenzzeiten gibt. Analyse und IoT-Anwendungen laufen jeweils lokal dort, wo die Arbeit anfällt.

Zu den neuen Lösungen und Ökosystemen gehört unter anderem der „IBM Edge Application Manager“, den die IBM Cloud-CTO Hillery Hunter vorstellte. Er dient der Überwachung von KI-, Analyse- und IoT-Workloads und basiert auf dem Open-Source-Projekt „Open Horizon“. Bis zu 10.000 Edge Nodes können damit gleichzeitig von nur einer Person verwaltet werden.

Der „IBM Telco Network Cloud Manager“ dient einer minutenschnellen und automatisierten Orchestrierung von virtuellen- und Containernetzwerkfunktionen. Workloads können sowohl auf Red Hat OpenShift als auch auf der Red-Hat-OpenStack-Plattform verwaltet werden. Zum Portfolio von Edge-fähigen Anwendungen und Services gehören IBM Visual Insights, IBM Production Optimization, IBM Connected Manufacturing, IBM Asset Optimization, IBM Maximo Worker Insights und IBM Visual Inspector. Die erweiterten Leistungsmerkmale dieser Produkte sollen Kunden in die Lage versetzen, KI-basierte und kognitive Apps und Service in skalierbarer Anzahl zu deployen.

Neue IBM Services Teams, so Hunter, kümmern sich fortan um Edge Computing und um die Telco Netzwerk Cloud. Die Teams und das neue IBM Edge Ökosystem, das ISVs und Systemintegratoren umfasst, sollen Unternehmen dabei unterstützen, den ersten Schritt in Richtung Edge-Computing zu gehen. Sie werden ergänzt um das neue IBM Telco Network Cloud Ecosystem mit der gleichen Ausrichtung, allerdings aus der Telekommunikationsindustrie.

Eine Seite im Red Hat OpenShift Cluster für IBM Satellite
Eine Seite im Red Hat OpenShift Cluster für IBM Satellite
(Bild: IBM)

Neben einer Public Cloud, die auf Finanzdienstleistungen „vorbereitet“ sei, kündigte Arvind Krishna auch IBM Cloud Satellite an. Mit diesem in Beta befindlichen Service sollen sich Cloud-Dienste auf allen Clients bereitstellen lassen, also on-premises, an der Edge, in der Public und Hybrid Cloud. Mithilfe eines Dashboards soll der Kunde in die Lage versetzt werden, Fähigkeiten für Steuerung, Management und Überblick zu erhalten. Wie sich eine solche verteilte Cloud über Kubernetes-Cluster hinweg aufbauen lässt, erläutert der CTO Jason McGee in einem Blog.

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