Azure Channel News Von der Tekkie-Bude zur Software- und Service-Company

Autor: Sarah Böttcher

Während viele Dienstleister erst jetzt auf Managed Services setzen, ist das Geschäftsmodell für Abtis ein alter Hut. Der erfolgreiche Microsoft-Partner setzt verstärkt auf Cloud Services, verleugnet allerdings sein ursprüngliches Business nicht.

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Abtis startete 2003 als Tekkie-Bude, heute versteht sich das einstige Systemhaus als Software und Service Company.
Abtis startete 2003 als Tekkie-Bude, heute versteht sich das einstige Systemhaus als Software und Service Company.
(Bild: StockPhotoPro - stock.adobe.com)

Laut einer Studie des Digitalverbandes Bitkom setzen inzwischen drei Viertel der deutschen Unternehmen auf Cloud Computing. Die Cloud ist somit im Channel angekommen. Doch damit sehen sich die ITK-Akteure einer neuen Herausforderung gegenüber: die steigende Komplexität der Cloud.

Denn von der Vielschichtigkeit der Cloud möchte der Mittelstandskunde nichts wissen. Er wünscht sich die eine passende IT-Lösung für sein Problem und das am besten aus einer Hand. So geraten Dienstleister nicht nur aufgrund der genannten Komplexität, sondern auch durch die Anforderungen ihrer Kunden zunehmend unter Druck. Knowhow muss aufgebaut und kontinuierlich erweitert werden und das mit dem wenigen Fachpersonal das zur Verfügung steht. Um diese geforderte inhaltliche Kompetenz aufzubauen scheint eine Fokussierung unvermeidlich.

Abtis startete als Tekkie-Bude

Thorsten Weimann, CEO und Gründer von Abtis
Thorsten Weimann, CEO und Gründer von Abtis
(Bild: www.tobias-froehner.de/Abtis)

Das hat auch Thorsten Weimann am eigenen Leib erfahren. Als IT-Leiter eines Software-Herstellers hat er oft mit Dienstleistern zusammengearbeitet, die inhaltlich nicht das leisten konnten, was benötigt wurde. So machte er 2003 aus der Not eine Tugend und gründete sein eigenes Systemhaus. Zunächst ganz klassisch unterwegs verkaufte Abtis Hardware, installierte On-Prem-Server und gab IT-Schulungen.

Das Abtis-Team bestand bis 2011 aus lediglich elf technischen Mitarbeitern. „Als reine Tekki-Bude investierten wir alles in die Technik, ganz nach dem Motto: Alles in die Schokolade, nichts in die Werbung“, bemerkt Weimann mit einem Augenzwinkern. Mit dem Umzug in das neue Headquarter in Pforzheim ging auch eine strategische Reflektion einher. Das Systemhaus überarbeitete sein Portfolio, feilte an der strategischen Ausrichtung und baute ein eigenes Vertriebs- und Marketing-Team auf. Der nächste logische Schritt folgte 2015: die Transformation in die Cloud.

Aus der On-Prem-Welt in die Cloud

Seit sechs Jahren transformiert und migriert Abtis sein Geschäftsmodell in die Cloud. Investiert wurde bereits ein siebenstelliger Betrag. Während sich einige Systemhäuser zu einem reinen Managed Service Provider (MSP) transformieren, geht Abtis einen anderen Weg. Denn so wie sich die Cloud immer weiter entwickelt, verändern sich auch die Infrastrukturen und Workloads beim Kunden kontinuierlich. Professional Services wie Workloads in die Cloud zu migrieren oder On-Premises-Systeme zu aktualisieren werden nie gänzlich verschwinden. Darüber hinaus machen Weimann zufolge manche Workloads in der Public Cloud und manche Lösungen als Managed Service wie beispielsweise Incident Response auch keinen Sinn.

Auch der Verkauf von Hardware wird nach abgeschlossener Transformation weiterhin ein Bestandteil des Portfolios bleiben. Denn am Ende des Tages werde es immer irgendwelche Devices geben, die in einem Handelsgeschäft abgebildet werden und die jemand dem Kunden auch liefern muss. „Vielleicht ist es dann kein Monitor mehr, sondern eine Datenbrille“, merkt Weimann an.

Kein „reinrassiger“ MSP

Der Abtis-Gründer sieht sein Unternehmen heute nicht als MSP, sondern als Software und Service Company und somit auf „einer höheren Entwicklungsstufe als einige Mitbewerber, die nur auf Cloud first und Managed Services setzen.“ Der Dienstleister führt bereits seit 15 Jahren Managed Services im Portfolio, geht allerdings noch einen Schritt weiter und bietet seinen Kunden auch selbst entwickelte Produkte. Seit zwei Jahren baut ein eigenes Software-Entwicklungsteam Produkte aus Microsoft- und selbst entwickelten Komponenten.

Abtis: Microsoft-Partner von Beginn an

Seit der Gründung setzt Abtis auf die Technologien des Hyperscalers Microsoft. Aktuell ist der Dienstleister einer von wenigen Microsoft-Fokuspartner für den Mittelstand in Deutschland. Darüber hinaus ist Abtis mit 13 Gold-, zwei Silber-Kompetenzen sowie den Advanced Specializations „Calling for Microsoft Teams“, „Threat Protection“ und „Meetings and Meeting Rooms for Microsoft Teams“ ausgezeichnet. Dabei hat Abtis die Advanced Specialization „Threat Protection“ als erster Partner in Deutschland erhalten. 2017 wurde Abtis zum Microsoft Cloud Solution Provider Germany gekürt. Laut eigenen Angaben betreut Abtis aktuell mehr als 100.000 Cloud-Nutzer und rund 1.000 Kunden.

Neben dem Fokus sowie der strategischen Ausrichtung auf Microsoft (siehe Kasten), soll sich Abtis dank seiner Expertise in Security, Modern Workplace, Modern Datacenter, Modern Applications (Abtis unterstützt Distributoren bei der Beratung ihrer ISV-Partner in Sachen App-Entwicklung) und Consulting von Mitbewerbern abheben. Darüber hinaus sei der technologische Ansatz mit dem Abtis seine Kunden adressiert besonders: „Es gibt wenige Unternehmen am Markt, die technologisch getrieben sind. Das Gros der Anbieter verkauft jetzt als Microsoft-CSP-Partner Cloud Services, allerdings nur, weil es Open Licence nicht mehr gibt und Cloud Services nun das nächste Must Have sind. Unsere Kunden brauchen keine Cloud-first-Strategie, sondern einen technologischen Ansatz“, betont Weimann. Denn die Reise des Kunden beginne nicht erst bei der Cloud-Migration, sondern bereits viel früher bei der Beratung, der Überprüfung und Optimierung der vorhandenen IT-Systeme und der Entwicklung einer passenden Strategie.

Den Hauptumsatz erzielt Abtis aktuell noch mit Professional Services und dem Verkauf von Hardware. Der Umsatz mit Managed Services und selbst entwickelten Produkten liegt momentan bei rund 40 Prozent. Das selbst gesteckte Ziel liegt bei mindestens rund 50 Prozent.

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 Sarah Böttcher

Sarah Böttcher

Online CvD & Redakteurin