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„Cloud-Monitor 2020“ von KPMG und Bitkom Drei Viertel deutscher Unternehmen sind in der Cloud

Autor: Elke Witmer-Goßner

Der aktuelle „Cloud Monitor 2020“ von Bitkom Research im Auftrag der KPMG AG bestätigt den Trend der vergangenen Jahre: Inzwischen setzen drei Viertel der deutschen Unternehmen auf Cloud Computing. Damit gehört die Cloud nicht erst seit der Corona-Krise unbestritten zum „neuen Normal“ der Firmen-IT.

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Der Trend zur Cloud hält an; dabei sind DSGVO-Konfirmität und IT-Sicherheit die Top-Kriterien bei der Wahl eines Anbieters.
Der Trend zur Cloud hält an; dabei sind DSGVO-Konfirmität und IT-Sicherheit die Top-Kriterien bei der Wahl eines Anbieters.
(Bild: KPMG/Bitkom Research)

Cloud Computing bleibt somit auf Wachstumskurs. Drei von vier Unternehmen (76 Prozent) nutzten im Jahr 2019 Rechenleistungen aus der Cloud – im Vorjahr waren es 73 Prozent und im Jahr 2017 erst 66 Prozent. Weitere 19 Prozent planen oder diskutieren den Cloud-Einsatz. Und nur noch ein kleiner Rest von 6 Prozent wollen auch künftig auf die Cloud verzichten.

Motor der Digitalisierung

Für die meisten Unternehmen bedeutet Cloud Computing inzwischen auch mehr, als nur skalierbare Rechenleistungen abrufen zu können. Mehr als drei Viertel der Cloud-Nutzer (77 Prozent) sehen im Cloud-Einsatz einen großen Beitrag zur Digitalisierung des Unternehmens insgesamt: mehrheitlich für die Digitalisierung interner Prozesse (69 Prozent) und für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle (38 Prozent).

Und die Nutzer haben klare Vorstellungen, wenn es um die Auswahl eines Cloud-Dienstleisters geht. Die wichtigsten „Must-haves“: Konformität mit der Datenschutz-Grundverordnung (96 Prozent), eine transparente Sicherheitsarchitektur (88 Prozent) sowie die Möglichkeit, Cloud-Daten verschlüsseln zu können (77 Prozent). Auch der Datenspeicherort ist für viele Cloud-Nutzer und -Planer ein wichtiges Thema. Für zwei Drittel (65 Prozent) darf das Rechenzentrum des Anbieters ausschließlich im Rechtsgebiet der EU stehen. Ähnlich viele (63 Prozent) wollen, dass der Hauptsitz des Cloud-Anbieters eben dort ist (63 Prozent).

Vor allem der Wunsch nach transparenter Sicherheitsarchitektur, aber auch die Kriterien Integratonsfähigkeit der Lösungen sowie die Interoperabilität der Lösungen verschiedener Cloud-Provider hat gegenüber dem Vorjahr sprunghaft für die Unternehmen an Bedeutung gewonnen.

Mehrheitlich (58 Prozent) werden Private-Cloud-Anwendungen genutzt, Public-Cloud-Lösungen finden sich bei 38 Prozent der deutschen Firmen. Zwar ist das IT-Budget hierfür um 2 Prozent gestiegen. Hier schlummert trotzdem noch ungenutztes Potenzial, denn ein Drittel der Befragten gab an, auch künftig keine öffentlichen Clouds einsetzen zu wollen. Aufgeschlossener sind die Unternehmen, wenn es um Multi-Cloud-Computing geht. Dieses betreibt jedes dritte Unternehmen (32 Prozent).

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Public Cloud mit Luft nach oben

Dabei machen die allermeisten Unternehmen positive Erfahrungen mit Public-Clouds. Fast acht von zehn (78 Prozent) unterstreichen, dass der mobile Zugriff auf IT-Ressourcen erleichtert wird. Ähnlich viele (77 Prozent) berichten von einer schnelleren Skalierbarkeit ihrer IT-Leistungen. Jeder zweite Public-Cloud-Anwender (50 Prozent) beobachtet eine Zunahme der Datensicherheit und ein Viertel (24 Prozent) konnte seine IT-Kosten tatsächlich über die Public Cloud senken. Für drei von zehn Anwendern (30 Prozent) hat der IT-Administrationsaufwand aber auch zugenommen.

Über die Public Cloud greifen viele Unternehmen gezielt auf neue digitale Technologien zu. Fast ein Viertel dieser Anwender (23 Prozent) setzt auf Lösungen für das Internet der Dinge oder Industrie 4.0 aus der Public-Cloud. Data-Lake-Anwendungen sind bei jedem siebten Public-Cloud-Nutzer (17 Prozent) in Betrieb. Weniger Nachfrage besteht dagegen für den Bereich Spracherkennung (8 Prozent), Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz (7 Prozent) oder Blockchain-Lösungen (2 Prozent).

Sicherheitsbedenken als Hemmschuh

Es sind vor allem Sicherheitsbedenken, weshalb Unternehmen noch zögern, die Public Cloud zu nutzen. Sieben von zehn Nichtnutzern (70 Prozent) fürchten einen unberechtigten Zugriff auf sensible Unternehmensdaten. Für 60 Prozent ist die Rechtslage unklar, ähnlich viele (59 Prozent) zweifeln an der Integration einer Public Cloud in bestehende Lösungen. Und zwei von fünf Nichtnutzern (43 Prozent) fehlen die Ressourcen im Personal.

Gegen die subjektiven Vorbehalte sprechen die Fakten: Im Einsatz hat sich die Public Cloud laut der Befragten nämlich weniger anfällig gezeigt für Sicherheitsvorfälle als die eigene IT im Unternehmen. Gut ein Fünftel (22 Prozent) der Public-Cloud-Nutzer gibt an, dass es in den letzten zwölf Monaten zu Sicherheitsvorfällen in den von ihnen genutzten Cloud-Lösungen gekommen ist. Für weitere 36 Prozent bestand ein solcher Verdacht. Zum Vergleich: Von Sicherheitsvorfällen in der unternehmensinternen IT berichteten drei von zehn Unternehmen (28 Prozent), zwei von fünf (40 Prozent) hatten einen entsprechenden Verdacht. Allerdings bauen auch die Unternehmen verstärkt vor: Die große Mehrheit (77 Prozent) verfügt über Sicherheitskonzepte für die Cloud, gleich ob Public oder Private.

Multi-Cloud-Nutzung gegen Ausfälle

Der „Cloud-Monitor 2020“ betrachtet erstmals auch den Bereich Multi-Cloud-Computing genauer. Multi-Cloud bezeichnet Szenarien, wo Cloud-Lösungen verschiedener Anbieter parallel genutzt werden. Fast jedes dritte Unternehmen in Deutschland (32 Prozent) nutzt Multi-Cloud. Dabei sollen vor allem Ausfälle vermieden und die Redundanz erhöht werden (43 Prozent). Aber auch die Nutzung spezifischer Dienste bei spezifischen Cloud-Anbietern (38 Prozent), die bessere Verteilung der Ressourcen bei voller Auslastung (31 Prozent) sowie wirtschaftliche Gründe bzw. Kostenreduzierung (10 Prozent) sprechen für den Multi-Cloud-Einsatz.

Insgesamt zeigt der aktuelle Report im Vergleich zu den Vorjahren keine signifikante Verbesserung bei den Cloud-Ausfallzeiten. In den vergangenen zwölf Monaten vor der Befragung kam es zu Cloud-Ausfallzeiten aufgrund technischer Probleme seitens des Cloud-Providers (50 Prozent; 2018: 43 Prozent), aufgrund fehlender Netzwerkanbindung (46 Prozent; 2018: 38 Prozent) oder wegen technischer Probleme in der unternehmenseigenen IT-Infrastruktur (37 Prozent; 2018: 35 Prozent). Im Vergleich zur unternehmensinternen IT sind Public-Cloud-Lösungen von weniger Sicherheitsvorfällen betroffen. Vermehrt reagieren die Unternehmen zudem, indem sie mehr Cloud-Sicherheitskonzepte bzw. Notfallpläne entwickeln und einführen.

Peter Heidkamp, Head of Technology bei KPMG, sieht den Trend zum Cloud Computing bestätigt, das sich zur Kerntechnologie der Digitalisierung entwickelt habe. Und die besonderen Herausforderungen der Covid-19-Krise hätten allen die Stärken des Cloud Computing vor Augen geführt. Jetzt gehe es darum, diese eindrucksvollen Stärken weiter zu nutzen, aber auch die noch bestehenden Probleme mit Compliance und Sicherheit weiter anzugehen.

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Hinweis zur Methodik des „Cloud-Monitor 2020“

Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft durchgeführt hat. Dabei wurden 555 Unternehmen aller Branchen ab 20 Mitarbeitern in Deutschland telefonisch befragt. Die Interviews wurden mit Geschäftsführern, IT-Leitern, CTOs und CIOs geführt. Die Umfrage ist repräsentativ für die Gesamtwirtschaft.

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Über den Autor

 Elke Witmer-Goßner

Elke Witmer-Goßner

Redakteurin, CloudComputing-Insider.de