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Open-Source-Strategie Sun düst in sonnige Zeiten

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Für Sun Microsystems geht es aufwärts. Mit großen Firmenzukäufen, offenen Plattformen, einer großen Entwickler-Community und Strom sparenden Webservern ist das Technologieunternehmen fit für eine profitable Zukunft.

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Tux sitzt auf einem Telemetrie-Projekt von Sun für McLaren-Mercedes.
Tux sitzt auf einem Telemetrie-Projekt von Sun für McLaren-Mercedes.
( Archiv: Vogel Business Media )

Das erste, was man in der Deutschland-Zentrale von Sun Microsystems in Heimstetten erblickt, ist Tux, der in der Eingangshalle auf einem Düsenmotorrad sitzt. Obwohl Sun kein klassischer Linux-Anbieter ist, sitzt der Open-Source-Pinguin dort zu Recht. Verdeutlicht er doch sehr gut, welcher Geist die Sun-Chefs beseelt und das Unternehmen letztlich zurück in die Gewinnzone geführt hat.

Sun Microsystems setzt seit nunmehr zwei Jahren voll auf die Open-Source-Philosophie. Vom Solaris-Betriebssystem über die Programmiersprache Java, die OpenOffice-Suite bis hin zur Architektur der Sparc-Prozessoren ist alles offen gelegt und einsehbar. Sun fungiert als Zulieferer der quelloffenen Softwareszene, die sich rund um Linux etabliert hat. Mit Star Office und der Unterstützung von OpenOffice stellt Sun das Büropaket mit der größten Verbreitung unter Linux, mit der Unterstützung von Gnome treibt Sun die wichtigste grafische Oberfläche voran. In Sachen Web-Browser wirkt Sun am Mozilla-Projekt mit, und bei den Web-Servern ist die Firma im Rahmen der Apache Foundation aktiv. Überdies liefert Sun kostenfreie Entwicklungsumgebungen und arbeitet an vielen Ecken und Enden mit der Open-Source-Entwickler-Community zusammen.

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Solaris und Linux

Aus Sun-Sicht sind das hauseigene Betriebssystem Solaris und Linux quasi Brüder. So war Sun der erste Unix-Anbieter, der alle Linux-Schnittstellen mit seinem Betriebssystem unterstützte. Mit der grafischen Oberfläche Gnome und dem Werkzeug LinCAT wurden alle Voraussetzungen für eine nahtlose Integration geschaffen.

Diese Offenheit der Plattformen und die grundsätzliche Herangehensweise – technische Schranken einzureißen, statt aufgrund marktpolitischer Überlegungen aufzubauen, beispielsweise um Kunden zu binden – zahlt sich aus. Sun meldete sich vor einem halben Jahr zurück in der Gewinnzone. Den Weg dahin hätte das Unternehmen nicht ohne die breit gestreute Entwickler-Community geschafft, mit der die Sun-Ingenieure eng zusammenarbeiten. Sie treiben Projekte voran und sorgen dafür, dass Sun-Technologie eine breite installierte Basis vorzuweisen hat.

Offene Sparc-Entwicklung

Sogar die Prozessoren-Entwicklung läuft öffentlich ab (www.opensparc.org). Und was dabei heraus kam, kann sich sehen lassen: Web-Server mit UltraSparc-T1-CPU sind dank niedriger Taktung besonders stromsparend und können aufgrund einer ausgeklügelten Multithreading-Architektur viele parallele Rechenoperationen ausführen. Damit schlagen sie in zwei Kerben, die gegenwärtig im Server-Markt eine besonders wichtige Rolle spielen: Der Internet-Boom und die Spromspar-Problematik. Eine neue Business-Unit, die gerade gegründet wird, soll diesem Erfolg Rechnung tragen und die Sparc-CPUs an andere Server-Hersteller verkaufen. Unterdessen arbeitet Sun am Ausbau der Server-Prozessoren-Reihe. Als nächstes stehen Sparc-CPUs, speziell für Application-Server, auf der Agenda.

Schwarze Zahlen

Nach dem Platzen der Dotcom-Blase rutschte Sun tief in die roten Zahlen, was das Unternehmen aber nicht davon abhielt, weitere Firmen zu übernehmen. Positiver Cashflow war das Ziel, nicht Rendite. Parallel baute sich das Unternehmen zum Open-Source-Anbieter um. Seit zwei Quartalen schreibt Sun nun wieder Gewinne.

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