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SAP und die Cloud treiben Suse voran

| Autor: Dr. Stefan Riedl

Im Cloud-Umfeld hat Open Source eine große und wachsende Bedeutung.
Im Cloud-Umfeld hat Open Source eine große und wachsende Bedeutung. (Bild: StockEU - stock.adobe.com)

Cloud Computing und viele anstehende „SAP S/4 HANA“-Umstellungen werden im indirekten Vertrieb von Suse als Chance wahrgenommen. Der Channel-Manager Jens-Gero Boehm ­gewährt einen Einblick in die Reseller-Welt der Linux-Distribution aus Nürnberg.

Unter dem Schlagwort „Digitale Transformation“ und durch neue technologische Ansätze wie Cloud Computing vollzieht sich ein Wandel in den Unternehmen – beim einen mehr, beim anderen weniger. „Das bleibt nicht ohne Folgen für Suse und unsere Partnerlandschaft“, so Jens-Gero Boehm, der seit 1999 bei Suse arbeitet und dort seit 2009 als Channel-Chef agiert (siehe Kasten). Das Suse-Partnergeschäft umfasst im Raum DACH rund 900 kleinere bis große Systemhäuser, Systemintegratoren und Service-Provider, aber auch einige große Hardware-Hersteller wie Fujitsu, HPE oder IBM, die im Hinblick auf Bundles und vertrieblich kooperieren.

Jens-Gero Boehm, Channel-Chef, Suse
Jens-Gero Boehm, Channel-Chef, Suse (Bild: Suse)

Im Tagesgeschäft akquiriert Suse Kunden mit einem rund 20-köpfigen Account-Management-Team. „Wobei wir hier das so genannte Direct-Touch-Modell fahren; die Projekte dann also an den indirekten Vertrieb – unsere Channel-Partner – abgegeben werden“, betont der Suse-Manager. Zudem gilt: Wenn der Kunde darauf besteht oder es der Partner wünscht, haben wir auch eine Consulting-Einheit, die direkt im Projekt unterstützt. „Abgerechnet wird hier in der Regel nach Manntagen beziehungsweise finden wir eine vertragliche Lösung über Subunternehmerschaften“, erläutert Boehm.

Wartung gegen Bezahlung

Wie in der Linux-Distribution üblich arbeitet Suse nach einem Subscription-Modell, das Wartung und Support, also vor allem Patching und Updates beinhaltet. Schließlich können keine Lizenzkosten anfallen, da Suse-Software unter die GPL-Lizenz fällt. Für ältere Versionen wird der Support rund 10 Jahre aufrecht erhalten und was die einzelnen Versionen angeht: Mehrmals im Jahr trifft sich die Linux-Foundation, die sich aus der Kernel-Entwickler-Community speist und gibt vor, was in den Kernel kommt und was nicht. „Die Entwicklung bei Linux geht so schnell voran, dass Distributoren wie Suse zu einem Zeitpunkt X bestimmen, was sie alles in ihre aktuelle Version packen. Andere, bereits von der Community entwickelte Komponenten, Funktionen oder Module kommen dann erst in die Folgeversion. Wir haben diesen Sommer unsere Version 15 veröffentlicht; alle zwei bis drei Jahre kommt dann die neue Version“, so Boehm. Warum viele Köche den Brei bei der Community-Programmierung im Linux-Umfeld nicht verderben, liegt aus Sicht von Boehm am geordneten Prozedere, welches über diverse Gremien organisiert und koordiniert wird.

Neue Version veröffentlicht

Bei Version 15 stand das Thema „multimodale IT“ im Vordergrund, also der Ansatz, ein Betriebssystem über mehrere Ebenen verteilt einzusetzen. „Auf der physischen Ebene, auf der Ebene einer Virtualisierungs-Schicht, auf Ebene der Cloud in Form von Container-Technologien und Laufzeitumgebungen sowie auch im Hinblick auf Microservices, wie sie beispielsweise im IoT-Umfeld zu finden sind“, erläutert der Suse-Manager und beschreibt die Genese der Verkaufsargumentation im Open-Source-Umfeld: „Früher musste ich häufig erklären, warum Community-Programmierung funktioniert und warum dort nicht einfach jemand Backdoors reinschmuggeln kann. Heute sind im Grunde jedem IT-Verantwortlichen die Vorteile der Transparenz beispielsweise in Bezug auf Code-Review bekannt, über die potenzielle Schwachstellen relativ schnell aufgedeckt werden.“

Ergänzendes zum Thema
 
Das Nürnberger Unternehmen Suse Linux und der Channel

SAP und Suse

Mit SAP verbindet Suse eine seit 17 Jahren währende enge Zusammenarbeit – sogar mit einem eigenen Büro in Walldorf. Im SAP-eigenen „PartnerPort“ sind zudem einige SAP-Partner angesiedelt: Suse ist in dem Zusammenhang ein Fördermitglied des „SAP Co-Innovation Lab“. Künftig könnte die Kooperation noch an Bedeutung gewinnen. Denn früher lief die SAP Business Suite auf Windows, Unix oder Linux. Nun gilt: „Das Support-Ende für ältere Systeme im Jahr 2025 vor Augen, stehen massenhaft Migrationsprojekte auf die „SAP S/4 HANA“-Datenbank an. Und die läuft nur auf Linux“, so Boehm. „SAP arbeitet mit Suse und Red Hat zusammen. Aufgrund der langjährigen Zusammenarbeit mit Suse würde ich sagen, dass im SAP-Umfeld der Suse-Anteil bei 90 Prozent liegt.“ Vieles deute zudem darauf hin, dass die HANA-Migration stark mit Cloud-Services einhergehen wird. Das sei auch ein wichtiger Grund, warum man bei Suse – beispielsweise mit Version 15 – so einen klar erkennbaren Cloud-Schwerpunkt gesetzt habe. Im Rahmen des SAP-Partnerprogramms unterstützt SAP direkt die Reseller-Gemeinde der Walldorfer vertrieblich und technisch. „Wir sind da relativ eng verzahnt“, so der Suse-Manager.

Suse für Azure

Auch mit Microsoft arbeiten die Nürnberger Open-Source-Spezialisten eng zusammen: In Kooperation mit den Redmondern wurde dieser Tage ein Enterprise-Linux-Kernel speziell für Microsoft Azure entwickelt. „Suse Linux Enterprise Server 15 On-Demand Instanzen“ – also As-a-Service-optimierte Versionen – laufen damit auf einem speziell angepassten Kernel für Azure, was mit verbesserter Leistung und schnellerem Booten bei geringerem Speicherverbrauch einhergeht.

Channel-Management

Auch im Organigramm wird sich die wachsende Bedeutung des Cloud-Geschäfts bemerkbar machen: „Ich werde künftig meinen Channel-Fokus auf den wachsenden Bereich Service Provider legen, also auf Hyperscaler wie AWS, Azure, Google oder Alibaba; auf Cloud-Service-Provider wie Dimansion Data oder auch SAP sowie auf lokale Service Provider, MSPs und SAP-Hoster.“ Ein Nachfolger für die verbleibenden Channel-Segmente wird gesucht. Bis dahin managed Boehm weiterhin den kompletten Channel.

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