Strategische Weichenstellung Igel sagt Adieu zur Hardware-Produktion

Von Dr. Stefan Riedl

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Bei Igel Technology hat man den Wandel hin zum Software-Hersteller abgeschlossen und fertigt selbst keine Hardware mehr. Geräte mit vorinstalliertem Igel OS kommen künftig aus den Fabriken von LG, HPE und Lenovo. Igel-Ready-Zertifizierungen laufen parallel dazu.

Bei Igel Technology besinnt man sich auf ein Dasein als Software-Hersteller; die Hardware produzieren Partnerunternehmen.
Bei Igel Technology besinnt man sich auf ein Dasein als Software-Hersteller; die Hardware produzieren Partnerunternehmen.
(Bild: MIND AND I - stock.adobe.com)

Projekte gewinnen Igel-Partner nicht über die Hardware, sondern über die Software. Daher lobte Igel schon Anfang 2019 auf der hauseigenen Messe für Reseller und Endkunden, der Disrupt, das Ziel aus, sich sukzessive als Software-Hersteller aufzustellen. Seither ist weiterhin viel Igel-Hardware von den Fertigungsbändern gerollt, doch damit ist jetzt Schluss. „Igel beschreitet konsequent weiter den Weg hin zum Softwareanbieter“, sagt Matthias Haas, Geschäftsführer und CTO beim Hersteller Igel Technology.

„Die Produktion von Igel-eigener Hardware wird eingestellt.“ Das Igel OS gibt es vor diesem Hintergrund dann nur noch ohne selbst produzierte Hardware“, präzisiert der Geschäftsführer.

Hardware-Partner und Zertifizierungen

Matthias Haas, Geschäftsführer und CTO, Igel Technology
Matthias Haas, Geschäftsführer und CTO, Igel Technology
(Bild: Igel)

Kunden wollen die Flexibilität unterschiedlicher Zugangsmöglichkeiten und Formfaktoren, seien es Laptops oder All-in-One-Geräte, sagt Haas. Als kleiner deutscher Hardware-Hersteller konnte Igel diese Breite im Portfolio nicht bieten. Über Partnerschaften könne das besser geregelt werden. „Wir arbeiten vor diesem Hintergrund mit drei großen Hardware-Partnern zusammen: LG, HP und Lenovo.“ Diese Hersteller bieten so genannte Powered-by-Igel-Hardware an, also Hardware, die aus der Factory heraus und so bestellbar mit vorinstalliertem Igel-Betriebssystem ausgeliefert wird.

Spezialisierte Marktakteure machen es besser

Hardware mit vorinstalliertem Igel-Betriebssystem (hier der UD 5) wird es künftig nicht mehr aus dem Hause Igel geben; das übernehmen Hardware-Partner wie LG, HPE und Lenovo. Parallel dazu läuft das Igel-Ready-Zertifizierungsprogramm für weitere Anbieter.
Hardware mit vorinstalliertem Igel-Betriebssystem (hier der UD 5) wird es künftig nicht mehr aus dem Hause Igel geben; das übernehmen Hardware-Partner wie LG, HPE und Lenovo. Parallel dazu läuft das Igel-Ready-Zertifizierungsprogramm für weitere Anbieter.
(Bild: Igel)

Parallel dazu gibt es weiterhin die Igel-­Ready-Zertifizierung, die sicherstellt, dass derartig zertifizierte Hardware anderer Hersteller mit nachträglich installiertem Igel OS den vollen Funktionsumfang inklusive ­Sicherheit bieten kann.

Der Igel-Manager blickt zurück: „Wir sind auch selbst mit neuen Formfaktoren auf den Markt gekommen, so hatten wir beispielsweise ein All-in-One-Gerät im Portfolio, allerdings können unsere spezialisierten Hardware-Partner das besser, wie LG mit einem speziellen Gerät für das Healthcare-Umfeld, um ein Beispiel zu nennen.“

Kompatibilität und das Igel-Ready-Programm

Nach wie vor gilt: Grundsätzlich ist jedes x86-Gerät kompatibel mit Igel OS, allerdings muss bei der Selbstinstallation die IT-Abteilung sicherstellen, dass wirklich jeder Aspekt gut funktioniert. Mit Geräten der Hardware-Partner, bei denen Igel OS vorinstalliert ist, oder Geräten aus dem Igel-Ready-Programm, garantiert Igel, dass alles rund läuft, beispielsweise was ­Peripheriegeräte wie Headsets, Drucker oder Webcams angeht. Auf die Frage nach möglichen weiteren Hardware-Partnern, schließt der Manager nichts aus: „Bleiben Sie gespannt.“

Ein Aspekt liegt Haas besonders am Herzen: „Die Fünf-Jahresgarantie für Igel-Hardware im Markt wird weiterhin selbstverständlich gewährleistet und wir haben auch einen Bestand an Hardware vorrätig. Möglicherweise werden wir hier die Gewährleistung später an einen Dienstleister übergeben.“

Vergrößerung statt Verkleinerung

Igel-Hardware wurde seit jeher von OEMs im asiatischen Raum produziert. Gleichzeitig ist der Hersteller, wie viele Unternehmen, vom Fachkräftemangel betroffen. Zudem werden im Rahmen der verstärkten Zusammenarbeit mit den Hardware-Partnern neue, zusätzliche Aufgabenfelder entstehen. Vor diesem Hintergrund sind Entlassungen kein besonderes Thema, welches durch diese strategische Weichenstellung theoretisch hätte aufkommen können. Vielmehr lässt der Manager wissen: „Wir werden uns in Augsburg räumlich vergrößern, indem wir mit unserer Entwicklungsabteilung mit über 100 Leuten in den neu gebauten Toni-Park umziehen.“

Igel OS 12

Zur Ausrichtung als reiner Software-Anbieter passt die Positionierung von Igel OS 12. Die neue Version des Managed-Endpoint-Betriebssystems kommt als Service-Plattform im Abo-Modell daher. Über einen so genannten Service Hub werden hierbei verschiedene Cloud Services zur Verfügung gestellt, damit Mitarbeiter künftig ihren Work-Anywhere-Arbeitsplatz selbst in Betrieb nehmen können, ohne dass ein IT-Support-Mitarbeiter vor Ort sein muss.

Ein Appstore beinhaltet originäre Igel-Apps sowie Images, die Nutzern Zugriff auf Apps von Partnern ermöglichen. Dafür wird ein Repository bereitgestellt, um Geräte ohne eigene Update-Infrastruktur mit neuer Software zu versorgen sowie diese Software zu aktualisieren. Update-Streams stellen die aktuellen Version bereit. Mit einer Versionskontrolle wird die Kompatibilität der Applikationen sichergestellt. Im Rahmen eines „Private App Portals“ können Unternehmens-Apps ausgerollt werden.

Umstieg auf das Abo-Modell

Mit der neuen Version 12 wird auch am ­Lizenzmodell gefeilt. Denn diese ist nur in der Bezugsvariante „Abo“ verfügbar. Was ältere Versionen angeht, gilt: Bestehende ­Lizenzen bleiben von der Änderung des Lizenzmodells unberührt. Ferner haben Unternehmen, die jetzt noch Igel OS 11, statt die aktuelle Version 12 ­erwerben, die Wahl zwischen Abo-Modell und Kauf­lizenzen. Während einige Software-Anbieter zweigleisig fahren und Abos auch per Direktvertrieb an den Mann bringen, verspricht Igel, dass Abo-Lizenzen über Partner erworben werden.

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