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#GoogleChannelNews Google: Hyperscaler mit Kurs auf Multicloud

Autor: Michael Hase

Zur Strategie von Google Cloud gehört die Offenheit gegenüber anderen Hyperscalern. Weil Kunden um jeden Preis einen Lock-in vermeiden wollen, sieht der Cloud Provider darin einen Wettbewerbsvorteil. Beim Marktzugang strebt Google ein 100-prozentiges Partnermodell an.

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Viele Kunden möchten bei der Cloud-Nutzung mehrere Optionen haben.
Viele Kunden möchten bei der Cloud-Nutzung mehrere Optionen haben.
(Bild: 1STunningART - stock.adobe.com)

Als Kampf der Giganten wird der Wettbewerb zwischen AWS, Microsoft und Google häufig dargestellt. „Hyperscalers War“ nannte die IDC-Analystin Danielle Hernandez im Januar dieses Jahres die Rivalität der großen Cloud Provider. Die martialische Metapher suggeriert, die Tech-Riesen würden mit Zähnen und Klauen darum kämpfen, Kunden auf ihre Plattform zu ziehen und nicht mehr fortzulassen.

Annette Maier, DACH-Chefin bei Google Cloud, möchte Partnern das Dienstleistungsgeschäft überlassen.
Annette Maier, DACH-Chefin bei Google Cloud, möchte Partnern das Dienstleistungsgeschäft überlassen.
(Bild: Google)

Inwiefern das Bild die Realität widerspiegelt, mag jeder Marktteilnehmer selbst beurteilen. Zumindest bei Google Cloud stellt sich die Situation etwas anders dar, wie ­Annette Maier, als Managing Director für die Geschäfte des Hyperscalers in der DACH-Region verantwortlich, berichtet. „Wir fokussieren uns auf Multicloud. Uns ist wichtig, dass wir unsere Kunden nicht einsperren, sondern ihnen Wahlmöglichkeiten lassen.“ Die Managerin weist unter anderem auf die 2019 vorgestellte Plattform Google Anthos hin, mit der sich Hybrid- und Multicloud-Szenarien managen lassen. „Mit unseren Lösungen bieten wir Unternehmen die Option, etwas heute On Premises zu entwickeln, und es morgen in jedweder Cloud zu deployen.“

Kein Lock-in

Freilich ist Google keine gemeinnützige ­Organisation und wie jedes Unternehmen daran interessiert, seinen Marktanteil zu vergrößern. Der Cloud Provider erkennt aber eine Realität bei den Kunden an: ­Ihnen ist vor allem an technologischer ­Offenheit und vertraglicher Flexibilität gelegen. Tatsächlich scheuen Unternehmen, „wie der Teufel das Weihwasser“, in der Umgebung eines Cloud-Anbieters gefangen zu sein, wie es Helmut Reisinger, CEO bei Orange Business Services, unlängst pointiert ausdrückte. „Aus der Kundenbrille betrachtet, sind Lösungen wie Anthos daher elementar wichtig – viel wichtiger, als welcher Hyperscaler unter einem Workload liegt“, folgert Maier aus der Furcht der Anwender vor einem Vendor Lock-in. „Unser Motto lautet: ‚Respect the customer!‘“

Die Strategie scheint derzeit aufzugehen. Unter den amerikanischen Hyperscalern rangiert Google Cloud nach Umsätzen zwar nur auf Platz drei. Nach Zahlen von Canalys kam der Provider 2019 bei Infrastructure as a Services (IaaS) auf weltweite Erlöse in Höhe von 6,2 Milliarden Dollar und lag damit klar hinter AWS (34,6 Milliarden Dollar) und Microsoft Azure (18,1 Milliarden Dollar). Mit einem Umsatzplus von 88 Prozent wuchs er im vergangenen Jahr aber deutlich schneller als die beiden Rivalen (AWS: plus 36 %, Microsoft: plus 64 %). Der Marktanteil von Google stieg 2019 von 4,2 auf 5,8 Prozent.

Für den deutschen Markt nennt Google Cloud, wie es bei amerikanischen Unternehmen die Regel ist, keine Zahlen. Dass sich die Geschäfte in ihrer Region aber ebenfalls positiv entwickeln, bestätigt die DACH-Chefin: „Wir sehen ein deutliches Wachstum, auch hier in Deutschland.“ Ebenso beobachtet die Managerin, dass die Nachfrage der Unternehmen auch hierzulande in Richtung Multicloud geht und dass sie ihre Cloud-Strategien nicht nur auf einem Hyperscaler aufbauen. Dieser Trend komme Google Cloud entgegen, sagt ­Maier mit Blick auf Anthos und andere Multicloud-Lösungen, weil „wir dadurch relevanter für den Markt“ werden.

Fokus auf Analytics

Durch diese Offenheit gegenüber Drittanbietern unterscheidet sich Google nach den Worten der Geschäftsführerin von den anderen Hyperscalern. Als weitere Differenzierungsmerkmale nennt sie das Portfolio, das das Unternehmen für Data Analytics anbietet, sowie das Bekenntnis zu Standards und Open Source. So stelle Google beispielsweise als einziger großer Cloud Provider quelloffene und plattformunabhängige Machine-Learning-Services bereit. Darüber hinaus weist Maier auf ­eine andere Besonderheit hin, die allerdings nicht einzigartig ist, nämlich die vertikale Ausrichtung der Organisation: „Wir ­orientieren uns an Branchen und legen großen Wert darauf, gemeinsam mit den Kunden industriespezifische Lösungen zu erarbeiten.“ Zielbranchen sind Retail, Manufacturing, Financial Services, Lifescience sowie Telecom, Media & Entertainment und der Public Sector.

In puncto Vertikalisierung ist für Google Cloud der Channel unverzichtbar: Systemhäuser, Born-in-the-Cloud-Dienstleister, globale Systemintegratoren. „Partner haben ein tiefes Verständnis der Kunden und kennen deren Geschäftsprozesse“, führt Maier aus. „Gemeinsam erzielen wir die besten Ergebnisse.“ Google liefert die Basis, die Plattform und die Services. Die Aufgabe der Dienstleistungspartner liegt darin, die Cloud-Technologien an die spezifischen Anforderungen der Unternehmen anzupassen. „Unser Ziel ist, dass wir zu 100 Prozent über ­unsere Partner in die Geschäftsbeziehung zu den Kunden gehen.“ Aktuell liegt der Anteil bei etwa 80 Prozent. Ein Fünftel der Projekte wird demzufolge noch von den eigenen Professional-Services-Mitarbeitern umgesetzt. Deren Aufgaben sieht die DACH-Chefin langfristig aber vor allem im Enablement. „Wir werden kein Systemintegrator. Diese Rolle übernehmen unsere Partner.“

Beschleunigte Digitalisierung

Bei Kunden beobachtet die Managerin, dass sich mit der Coronakrise ihre Digitale Transformation beschleunigt. „Viele Unternehmen, auch im Mittelstand, sind durch Covid-19 zu der Erkenntnis gelangt, dass sie flexibler werden müssen.“ Dadurch steige die Nachfrage nach Cloud-Lösungen, weil Unternehmen damit die technologischen Voraussetzungen dafür schaffen, ihr Geschäftsmodell weiterzuentwickeln und zu erneuern. Generell gehen die Anforderungen der Kunden derzeit vor allem in Richtung der Themen Data Analytics und Automatisierung.

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 Michael Hase

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Chefreporter