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Fujitsu Forum 2018: Highend-Computing, Produktgeschäft und Werksschließung

Fujitsu verlagert Aufgaben in den Channel

| Autor: Klaus Länger, Wilfried Platten

KI, IoT, Industrie 4.0 und Hybrid-Cloud-Services dominierten thematisch das Fujitsu Forum 2018.
KI, IoT, Industrie 4.0 und Hybrid-Cloud-Services dominierten thematisch das Fujitsu Forum 2018. (Bild: Fujitsu)

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Themen wie Industrie 4.0, Künstliche Intelligenz, Datenanalyse, Blockchain, IT-Sicherheit und Roboter-Prozessautomatisierung sind die beherrschenden Themen auf dem Fujitsu Forum 2018 in München. Beim Produktgeschäft sollen Distributoren und Systemhäuser nach der Schließung des Augsburger Werks zusätzliche Aufgaben übernehmen.

Fujitsu bringt sich auf dem diesjährigen Fujitsu Forum in München mehr als Lösungsanbieter für alle Themen rund um die Digitale Transformation in Stellung. Das Zauberwort heißt dabei „Co-creation”: Der Hersteller will dabei mit Kunden und Partnern in einem Ökosystem zusammenzuarbeiten, um Lösungen zu entwickeln. Auf dem Forum präsentiert der Konzern mehr als 250 Beispiele für Transformationslösungen für den Einzelhandel, Banken, öffentliche Einrichtungen, das Verkehrswesen und für Rechenzentren. Eine zentrale Rolle sollen dabei sogenannte „Centers of Excellence” spielen, wie etwa das in diesem Jahr in München gestartete Digitale Transformationszentrum.

Aus für Augsburg

Auf das Werk in Augsburg, in dem Business-PCs, Server und Storage-Systeme gebaut und Notebooks komplettiert werden, wird Fujitsu dagegen ab 2020 verzichten. Auch die Entwicklung und Fertigung von Mainboards in Augsburg endet damit. Diese Aufgaben sollen künftig Werke in Asien übernehmen, die teilweise zu dem Joint Venture mit Lenovo gehören, bei dem die Chinesen die Führungsrolle einnehmen. Auf dem Forum begründet Vera Schneevoigt, als Executive Vice President das internationale Produktgeschäft von Fujitsu auch verantwortlich für das Werk in Augsburg, die geplante Schließung mit dem zunehmenden Kostendruck und der wachsenden Konkurrenz durch chinesische ODMs. Mit der Leistung der Augsburger Mitarbeiter habe das Ende der Produktion nichts zu tun. Sie hätten mit der Entwicklung der Smart Factory und der Erweiterung des Produktportfolios hin zu IoT und Robotik wichtige Impulse für den Konzern gebracht. „Mit dem Differenzierungsfaktor ,Made in Germany‘ ließ sich etwa bei Ausschreibungen kein höherer Preis erzielen. Auf Dauer lässt sich deshalb ein Produktionsstandort in Deutschland nicht halten. Da greifen einfach ökonomische Zwänge“, erklärt dazu der Fujitsu-Vertriebschef Christian Leutner.

Kein negativer Einfluss auf den Channel

Auf die Channel-Struktur soll die Schließung des Augsburger Werks keinen negativen Einfluss haben, betont Channel-Chef Louis Dreher, denn: „Aufgrund der Tatsache, dass wir in Deutschland auf absehbare Zeit keinen logistischen Standortvorteil mehr haben werden, wächst die Bedeutung der Partner. Wir werden beispielsweise die Distributoren stärker im Kerngeschäft einbinden. Und das Thema Veredelung und BtO wird durch Distributoren und Partner aufrechterhalten werden. Die dafür notwendige Channel-Infrastruktur ist heute schon vorhanden.“

In der Ankündigung war die Werksschließung hübsch in die strategische Neuausrichtung auf das Service-Geschäft verpackt worden. Und auch das Fujitsu Forum setzt andere Schwerpunkte: „Das ist keine Hardware-Ausstellung mehr. Im Gegenteil, der Trend geht ganz stark hin zu Services“, erklärt Fujitsu-Sprecher Michael Erhard. Das gibt Anlass zur Sorge bei den Partnern, denn es kann der Eindruck zurückbleiben, das für viele nach wie vor enorm wichtige Hardware-Geschäft verlöre an Bedeutung. Dem aber – und das ist die wichtigste Botschaft – ist ganz und gar nicht so: „Die Wichtigkeit der Hardware ist vielleicht etwas untergegangen“, so Louis Dreher. Fakt ist jedoch, dass sie nach wie vor eine wichtige und tragende Rolle spielt. „Die Entscheidung, den Standort Augsburg zu schließen bedeutet nicht, dass wir das Produktgeschäft einstellen wollen. Im Gegenteil, wir wollen dort weiter wachsen. Und in der Konsequenz wird der Channel noch wichtiger werden, weil er dadurch beispielsweise logistisch zusätzliche Aufgaben übernehmen kann“, ergänzt Christian Leutner.

Bedenklich stimmt jedoch die Tatsache, dass neben der Fertigung auch die Forschung & Entwicklung von Deutschland nach Japan abgezogen wird, während andere „Global Player“ auf dezentrale Strukturen setzen: „Für das Einbringen lokaler und regionaler Kundenwünsche und -bedürfnisse haben wir jetzt schon entsprechende Category Manager, die die Schnittstelle nach Japan bilden. Das ist bereits gelebte Praxis“, so Dreher.

Investieren wird Fujitsu in Mitteleuropa primär in das Geschäft mit Services, betont Rupert Lehner, Head of Central Europe, EMEIA Products & Platform Enterprise Services. Als Beispiel nennt er die enge Kooperation mit SAP. Als wichtigste Kunden identifiziert er den öffentlichen Sektor, die Automobil- und die Fertigungsbranche. Man werde aber natürlich auch andere Sektoren bedienen. Dabei habe die Firma sowohl globale Kunden, als auch den Mittelstand im Blick. Für die Vermarktung der Services und auch für die Entwicklung von Transformationslösungen seien die Partner entscheidend. Sie können gemeinsam mit Fujitsu neue Technologien wie KI, die Blockchain oder Quantencomputing vermarkten.

Cloud-Geschäft mit Microsoft, AWS und VMware

Mit der vor zwei Jahren mit großer Fanfare angekündigten Cloud-Plattform K5 wollte sich Fujitsu als eigenständiger Player im Cloud-Geschäft in Stellung bringen. Zukünftig wird der Hersteller die K5-Cloud nur noch in Japan anbieten. Für den Rest der Welt wird Fujitsu Services auf Basis von Microsoft Azure, AWS und VMware anbieten. Man bleibe in den oberen Stacks aktiv, konkretisiert Josef Reger, CTO von Fujitsu EMEIA. Mit Microsoft schließt Fujitsu ein globales Abkommen über eine Systemintegrator-Partnerschaft für Azure, die vor allem auf Hybrid-Cloud-Lösungen zielt. Hidenori Furuta, SEVP Digital Services bei Fujitsu Limited, kommentiert: „Die meisten Unternehmen haben bereits damit begonnen, ihre Kern-Workloads in die Cloud zu migrieren, und sehen dies als Schlüssel für die Digitale Transformation und den Erfolg in der digitalen Welt. Diese neue Partnerschaft mit Microsoft ist ein Meilenstein, da wir die hybriden IT-basierten Lösungen für die zukünftigen unternehmenskritischen Systeme unserer Kunden entwickeln, bauen und verwalten.“

Eine der Ankündigungen auf dem Fujitsu Forum ist Fujitsu Primeflex für Microsoft Azure Stack. Die Lösung auf Basis von Primergy-Servern soll es Kunden erlauben, ausgewählte geschäftskritische Workloads vor Ort zu halten, aber trotzdem von der Flexibilität der Public Cloud zu profitieren. Zu den Funktionen gehören monatliche nutzungsabhängige Abrechnungsoptionen, mit denen Azure-Dienste in bestehende Lizenzverträge eingefügt werden können. Für ein Backup von Daten On-Premises bietet der Hersteller die Einbindung einer Eternus-CS-Appliance an. Der Fujitsu Enterprise Service Catalog Manager (ESCM) soll Azure mit anderen Diensten in einer Multi-Cloud-Umgebung integrieren.

KI-Framework und ein von Quantenrechnern inspirierter Chip...

Wo die Reise bei Fujitsu hingeht, zeigen das in München präsentierte KI- und Datenanalyse-Framework Sholark und der von der Quantentechnologie inspirierte Digital-Annealer-Chip. Das auf OpenSource-Technologien basierende Sholark-Framework soll mit einer anwenderfreundlichen, webbasierten Oberfläche auch technisch weniger versierte Nutzer erreichen. Es verarbeitet strukturierte, teilstrukturierte und unstrukturierte Daten aus unterschiedlichen Quellen wie sozialen Netzwerken, Datenbanken, Spracheingaben, Videos oder Bildern. Zudem können die Nutzer Machine Learning für die Prozessautomatisierung nutzen. Die Lösung ist modular aufgebaut und lässt sich laut Fujitsu mit bestehenden Data-Warehouse-Systemen verbinden. Für die Implementierung beim Kunden nutzt der Hersteller den Co-creation-Ansatz. Das KI- und Datenanalyse-Framework Sholark ist ab sofort verfügbar und kann über Fujitsu direkt bezogen werden.

Mit der zunächst als Cloud-Dienst angebotenen Digital-Annealer-Technologie hat Fujitsu eine Methode entwickelt, mit einem herkömmlichen CMOS-Chip Aufgaben zu lösen, für die eigentlich ein Quantenrechner optimal geeignet wäre. Allerdings sind universelle Quantenrechner derzeit durch ihre bisher begrenzte Zahl von maximal 50 Qubits und die Tatsache, dass sie nur bei extrem niedrigen Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt arbeiten, extrem teuer und nicht produktiv einsetzbar. Einfacher beherrschbar sind Quantum-Annealer wie D-Wave 2000Q mit 2.000 Qubits, die allerdings nur bestimmte Aufgaben bewältigen können. Die D-Wave-Technologie nutzt Quanteneffekte in einem Grid aus winzigen, tiefgekühlten Magneten. Der erste Digital-Annealer-Chip von Fujitsu verfügt über 1.024 Bits mit voller Konnektivität und 16 Bit Genauigkeit. Dem CMOS-Baustein von Fujitsu fehlt zwar die Quantenparallelität, er muss sich also in sequenziellen Schritten an die optimale Lösung annähern, er soll aber trotzdem schneller Ergebnisse liefern als der D-Wave 2000Q. Dazu kommt, dass der Digital Annealer mit etwa 25 Watt auskommt und bei Raumtemperatur arbeitet. Er sitzt auf einem herkömmlichen Mainboard in einem 19-Zoll-Einschub. Bei der Entwicklung der Technologie hat Fujitsu mit der Universität von Toronto kooperiert.

Das KI-Hauptquartier des Fujitsu-Konzerns soll in Vancouver entstehen. Dort ist auch die Firma 1QBit beheimatet, an der Fujitsu beteiligt ist. 1QBit gilt als erster Hersteller für kommerzielle Quantensoftware. Für die Umsetzung der Aufgaben in eine vom Chip lösbare Form ist allerdings die Mitarbeit von Mathematikern notwendig.

Digital Annealer für Vermögensoptimierung und flüsternde Autospiegel

Ein Proof-of-Concept-Projekt für den Digital Annealer führten Fujitsu und 1QBit mit der britischen Bank NatWest durch. Die Technologie wird von der Bank genutzt, um durch eine beschleunigte und genauere Risikoabschätzung bei einer großen Zahl von Anlagekombinationen den Bestand an hochwertigen liquiden Vermögenswerten zu optimieren. Später soll der Digital Annealer genutzt werden, um Anomalien aufzudecken, die auf einen Betrug hindeuten, oder um die Trainingszeit von KI-Systemen zu verringern. In Deutschland wird er von BMW und Audi in Pilotprojekten genutzt: bei BMW für die Verbesserung der Bewegungsteuerung von Robotergruppen, bei VW ebenfalls für die Fertigungsoptimierung und die Entwicklung von flüsterleisen Außenspiegeln.

Im kommenden Jahr soll eine zweite Version kommen, die mit 8.192 Bits und 64-Bit-Genauigkeit noch um ein Vielfaches schneller sein soll. Sie soll dann in Form eines Cloud-Angebots mit entsprechender Unterstützung bei der Implementierung auch über die Partner verfügbar sein. Fujitsu verspricht sich vom Digital Annealer jedenfalls bis 2020 Einnahmen von bis zu 900 Millionen US-Dollar. Die Zahl der Fujitsu-Partner die das Potenzial und die Kunden haben, um von Technologien wie dem Digital Annealer zu profitieren, dürfte allerdings überschaubar sein.

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