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Edge 2016

Big Blue setzt ganz auf die zukunftssichere Hybrid Cloud

| Autor / Redakteur: Michael Matzer / Dr. Stefan Riedl

5500 Besucher folgten dem Ruf von IBM zur Edge 2016.
5500 Besucher folgten dem Ruf von IBM zur Edge 2016. (Bild: IBM)

In Las Vegas hat IBM auf seiner Kundenkonferenz „Edge 2016“ 5.500 Besuchern eine Reihe von Neuheiten in seiner Systems-Sparte vorgestellt. Darunter Novitäten in den Bereichen Storage und Power-Systems-Server sowie Innovationen für System z.

Da sich Big Blue selbst in einer Unternehmenstransformation befindet, wie IBM-Managerin Patricia Neumann sagte, weiß auch der Hersteller, dass auf dem Weg zu Innovation und Transformation die Hybrid Cloud eine zentrale Rolle spielt. Sie verbindet zunächst die firmeninterne IT (Private Cloud) und die Geschäftsprozesse mit Ressourcen in der externen Cloud (Public oder Managed).

Nach den Worten von Tom Rosamilia, Senior Vice President von IBM Systems, wollen die Kunden in einem sehr dynamischen und disruptiven Geschäftsumfeld ein Hybrid-Cloud-Model, weil es ihnen erlaubt, sich kontinuierlich anzupassen, aber zugleich ihre on-premise-Investitionen zu optimieren. „IBM ist in der Lage, die Flexibilität zu bieten, die die Kunden auf allen IBM-Systems-Produkten und in der Cloud brauchen.“

Cloud-Server

Mit den neuen Server-Modellen E870C und E880C (das C steht für „Cloud“), die auf OpenStack basieren, soll die Einrichtung einer Hybrid Cloud erleichtert werden, in der sich die Midrange-Betriebssysteme AIX und System i (vormals S/400) sowie Linux ausführen lassen. Während also der Mittelständler seine gewohnten System-i-Anwendungen in die hauseigene Cloud portieren kann, kommt ihm umgekehrt IBM mit System i as a Service aus seiner eigenen Managed Cloud entgegen.

Mithilfe der automatisierten Serverfunktionen sollen die Kunden ihre Kosten senken und die Skalierbarkeit und Datensicherheit im Zusammenspiel mit der Hybrid Cloud erhöhen können. Von Haus aus dienen die C-Klasse-Server dazu, Services wie Backup/Recovery, Workload-Management und dergleichen in der Hybrid Cloud bereitzustellen. Das Cloud Management übernimmt der PowerVC Manager aus dem OpenStack. Der neue Dienst HMC as a Service erlaubt es Clients, Leistungs- und Inventarinformationen aus dem gesamten Unternehmen zu sammeln. Diese Daten sind mobil zugänglich. Weitere Features sollen 2017 hinzukommen. Neue Management-Tools sind „Chef“ für AIX und „Yum“ für den Zugriff und die Verwaltung des Repositorys, daneben die Entwicklungs-Tools aus der PaaS IBM BlueMix.

In der Hybrid Cloud hat der Kunde mit solchen Servern die Wahl, welche Services er im eigenen Haus und welche er in der Cloud ausführen will. Als „Zuckerl“ bietet IBM mit seinem Cloud Starter Pack „zwölf Server-Monate“ kostenlos an, also zwölf Mal eine Monatskapazität oder einmal eine Zwölfsmonatskapazität für IBM SoftLayer, also die IBM Cloud. Bestehende Lizenzen lassen sich in SoftLayer-Lizenzen umwandeln – ein wichtiger Aspekt für langfristig denkende Kunden.

PowerSystems für Cognitive Computing

In einem Server-Markt, der zu 98 Prozent von Intel-x86-basierten Systemen dominiert wird, sieht IBM nach den Worten von Doug Balog, General Manager für IBM PowerSystems, seine Chance in der Nische der restlichen zwei Prozent. IBM hat dafür kürzlich zusätzliche Systeme vorgestellt. Sie zeichnen sich durch sehr hohe Speicherkapazitäten aus – mehrere Terabyte sollen die performante Verarbeitung von Big Data erlauben.

Die schnellen LC-PowerSystems-Server, die IBM bereits zwei Wochen vor der Edge-Konferenz vorstellte, sind sowohl für Supercomputing als auch für die Beschleunigung von Datenbanken gedacht. Dazu zählt auch SAP HANA. So berichtet etwa Vicente Moranta, Business Line Executive bei IBM, dass nach nur 13 Monaten weltweit bereits über 300 SAP-Kunden auf HANA on POWER umgestiegen sind. Dazu zählt unter anderem die Bosch-Gruppe in Deutschland, die Coop-Einzelhandelskette in der Schweiz und der Pharmahersteller Pfizer in den USA. „Zu diesen Anwendern kommen zunehmend auch Nutzer von S4/HANA hinzu“, so Moranta.

„Die neuen LC- und C-Power-Systeme“, erläutert Petra Laißle, Director of Systems Hardware Channel DACH, IBM Sales & Distribution, „wurden für Cloud-Anwendungsfälle entwickelt. So unterstützen wir OpenStack als offenes ‚Cloud-Betriebssystem‘ mit DevOps Management-Software, Installationsroutinen, einem flexiblen Kapazitäts/Consumption Lizenzmodell sowie einem "run on Softlayer" Starterpack.“ Dieses Angebot soll viele, gerade auch neue Kunden ansprechen, „die an die Grenzen von x86-Systemen stoßen“, so Laißle.

„Die IBM Power Systems LC eröffnen auch uns ganz neue Einsatzbereiche für unsere Kunden, die wir mit diesen Servern adressieren können“, sagt Güven Zorba, Business Unit Manager Data Center beim IBM Business Partner Fritz & Macziol. „Mit den Vorteilen der hochperformanten, aber gleichzeitig wirtschaftlichen Systeme können wir unser eigenes Lösungsportfolio erweitern. Die neuen Server leisten wesentlich mehr als die üblichen x86-Technologien und verbessern Infrastrukturen für Big Data, High Performance Computing oder Open-Source-Lösungen erheblich.“ Fritz & Macziol stellte in Las Vegas seinen Dynamic Power Cloud Manager vor, der alle Elemente der IBM Power Familie unterstützt, die virtualisiert betrieben werden.

OpenStack und OpenPower Foundation

Innovation findet mittlerweile zunehmend in Ökosystemen statt. Daher unterstrich Tom Rosamilia mehrfach die Rolle von OpenStack (siehe oben) und der OpenPower Foundation. Diese Interessengemeinschaft hat nach nur fünf Jahre bereits über 250 Mitglieder in 26 Ländern. Sie erlaubt es IBM und anderen, Technologien etwa von Tyan, Nvidia oder RedHat ohne Konflikte zu nutzen. Rosamilia konnte neue beziehungsweise vertiefte Partnerschaften mit dem Hadoop-Distributor HortonWorks, mit Red Hat sowie Mirantis und NGINX ankündigen. Besonders die Kooperation mit Scott Gnau, dem CTO von HortonWorks, dürfte für IBM-Kunden, die Apache Spark und Hadoop für Big Data Analytics nutzen wollen, von Vorteil sein.

Neue Lösungen für System z

Die Hybrid Cloud soll nach Ansicht IBMs auch von den Vorteile des Mainframes profitieren, so etwa von der extrem hohen Datensicherheit. Den Großrechner-Kunden des System z, darunter Banken und Versicherungen, stellt IBM neu die SaaS-Lösung „Operational Insights“ als Service bereit. Sie sollen damit die Effizienz und Leistung ihrer Anwendungen messen und optimieren können. Die Messergebnisse sind über ein grafisches Dashboard einsehbar.

Als Schwesterprodukt stellt Big Blue die Lösung Omegamon für das Application Management bereit, mit der sich Engpässe und andere Probleme von Problemen in einer Hybrid Cloud identifizieren lassen. Der neue „Common Data Provider“ soll die nötigen Betriebsdaten der Kunden-Cloud nahezu in Echtzeit einer Analytik-Lösung des Kunden bereitstellen.

Ein weiterer Firmenkauf besteht in dem Anbieter EZsource, dessen Software es Mainframe-Nutzern erlauben soll, Alt-Code (in COBOL usw.) zu modernisieren und wieder nutzbar zu machen. Das erscheint im Hinblick auf moderne Analytics-Mashups sinnvoll, die seit einem Jahr auch Apache Spark als Datenverarbeitungstechnologie auf z/OS nutzen können. Spark ist wesentlich schneller und flexibler zu handhaben als MapReduce und hat Hadoop/MapReduce in mancherlei Hinsicht abgelöst.

Speicherlösungen

All-Flash Arrays (AFAs) machen bei IBM Systems einen zunehmenden Anteil des Geschäfts aus, berichtet Michael Kuhn, Manager für IBM Storage. „Bis 2020 werden AFAs rund 70 Prozent der primären Workloads verarbeiten“, sagt er, auf Marktforscher gestützt, voraus. Mit „primären Workloads“ sind etwa Suchanfragen bei Google oder Amazon gemeint. Zusammen mit solchen Großkunden haben demnach auch Managed Service Provider (MSPs) und Cloud Service Provider (CSPs) starkes Interesse daran, mit Hilfe von AFAs höhere Performance bereitstellen zu können. „Ein solches System ist das Hybrid Flash Array DS8880, die auf der DS8000-Software“, sagt Kuhn.

„Die neu angekündigten All-Flash Arrays IBM Storwize V7000F und V5030F sind überzeugende Ergänzungen für das umfangreiche IBM All-Flash-Portfolio“, meint Güven Zorba. „Großes Potenzial bietet vor allem das Modell V5030F aufgrund des preislich interessanten Einstiegspunktes: Damit können IT-Häuser in Infrastrukturprojekten bereits heute All-Flash-Lösungen aufbauen und so drehende Disks im Datacenter komplett eliminieren.“ Die vielfältigen Funktionen der enthaltenen IBM Spectrum Virtualize Software bieten seiner Ansicht nach Lösungsansätze für nahezu jede Kundenanforderung.

„IBM ist bei Gartner als Nummer 1 im Flash-Markt gerankt worden“, berichtet Petra Laißle. „Unser Flash- Portfolio hat inzwischen eine Produktbreite, die den Mittelstandskunden mit der neuen Storwize Flash-Linie genauso zufrieden stellt, wie den Cloud-Provider oder den klassischen Enterprise Kunden.“ Hinsichtlich des Anschaffungspreises könne es Flash inzwischen mit der Festplatte aufnehmen: „Preislich, so Laißle, „hat sich Flashtechnik inzwischen auch durchgesetzt: Die neue IBM DF150 Flash hat einen Preis von unter 1€ pro GB und eignet sich für Kombinationen mit POWER im Big Data Umfeld.“ Im Cloud-Bereich wolle IBM ebenfalls noch dieses Jahr in Storage-Übergänge von On-Premise auf Off-Premise zeigen.

„Mit der Verfügbarkeit von Spectrum Virtualize als Software setzt IBM den Weg im Software-defined Storage (SDS) konsequent fort, alle SDS-Lösungen auch als Software-only-Lösung anzubieten“, urteilt Güven Zorba. Sie mache den Weg frei für interessante Hybridkonzepte, etwa für Desaster Recovery. „Erfahrungsgemäß ist jedoch für On-premise Lösungen nach wie vor die Spectrum Virtualize Appliance die beste Wahl.“ Hier sei mit den kürzlich angekündigten SV1-Nodes die Performance und Ausstattung „noch einmal massiv verbessert“ worden.

„Mit Software Defined Storage (SDS), Flash, Object Storage (mit Cleversafe) und Power“, so Petra Laißle, „können wir Hand in Hand mit Partnern jedem Kunden eine Brücke von seiner „Ist-IT“ auf die „Zukunfts-IT“ bauen.“ Eine solche Brücke stellt etwa die neue Spectrum-Komponente „Copy Data Management“ (CDM) dar, die IBM auf der Edge-Konferenz für das vierte Quartal 2016 ankündigte. Da in der Handhabung der Hybrid Cloud schnell der Überblick über all die Datei-Kopien verloren gehen kann, kann der Admin mit CDM Kopien automatisch erzeugen, verwalten und über mehrere Clouds, VMware-Umgebungen und IBM-Speichersysteme hinweg katalogisieren. Profitieren sollen dabei vor allem Funktionen wie Backup/Recovery und Archivierung, aber auch DevOps-Einsatzbereiche, Applikationstests und -verteilung.

Ein Schwachpunkt, der bislang vorsichtige Kunden von der Nutzung der Hybrid Cloud abgehalten hat, ist die Datensicherheit, insbesondere beim Datentransfer zu Backup/Recovery-Zwecken. Diese Schwachstelle soll spätestens die neue Version 7.1.7 von Spectrum Protect beseitigen, indem sie nun auch die Nutzung von Object Storage – gekauft mit der Firma Cleversafe – in die Hybrid Cloud integriert.

Blockchain

Ein Thema, das auf der Konferenz immer wieder thematisiert wurde, ist die Blockchain-Technologie. Die auf dem Bitcoin-Protokoll basierenden Technologie soll dazu beitragen, die 500 Milliarden US-Dollar an weltweiten Betrugsschäden und die 300 Milliarden US-Dollar an Aufwandskosten im weltweiten Handel zu beseitigen, die aus dem Missbrauch von Dokumenten aller Art resultieren.

Big Blue hat für Blockchain bereits 2015 die Lösung HyperLedger entwickelt, die auf dem IBM Blockchain High Security Network aufsetzt. Mit dem britischen Kunden Everledger, dessen Chefin einen Vortrag hielt, der US-amerikanischen Wells Fargo Bank und der kanadischen Firma Ethereum (seit 2014) gibt es mindestens drei Nutzer dieser Technologie. Auf BlueMix will IBM ab dem vierten Quartal 2016 Services für ein Starter-Set bereitstellen. „Blockchain wird die Welt verändern“, sagte Tom Rosamilia in der Überzeugung, das Internet 2.0 einläuten zu können.

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