Titelstory Axians

Axians baut die Marke zum Synonym für IoT auf

| Autor: Michael Hase

Die Axians-Schwester Actemium befasst sich mit Automationstechnik für die Industrie.
Die Axians-Schwester Actemium befasst sich mit Automationstechnik für die Industrie. (Bild: Vinci Energies / Raphael Soret)

Der französische Baukonzern Vinci hat mit seiner IT-Tochter Axians ein Unternehmen formiert, das hierzulande zu den zehn größten Systemhäusern zählt. Diana Coso, die Deutschlandchefin des IT-Spezialisten, in dem die Ulmer Fritz & Macziol aufgegangen ist, verfolgt ehrgeizige Ziele: Die Marke Axians soll in einigen Jahren untrennbar mit Digitalisierung verbunden werden.

Das Büro ist traditionell der Ort, wo IT ­genutzt wird – sei es in Buchhaltung, Einkauf, Kundenservice, Marketing oder Vertriebsinnendienst. Deshalb kennen sich Systemhäuser nach wie vor am besten mit Office-Prozessen aus und mit Systemen, die Mitarbeiter an Schreibtischen unterstützen. Doch seit einigen Jahren wächst die Technologie über ihre angestammte Welt hinaus. Nicht nur, dass ­Beschäftige heute von fast überall mobil auf Daten und Anwendungen zugreifen. Mit der fortschreitenden Vernetzung von Menschen und Dingen dringt IT auch an neue Orte vor – in die Produktion, in ­Gebäudetechnik oder in Verkehrs- und Versorgungs-Infrastrukturen.

Systemhäuser, die sich auf die neuen ­Herausforderungen einlassen, stoßen ­dabei zumeist auf fremde Welten. Bei Axians verhält sich das anders. Die französische IT-Gruppe ist zwar aus dem ­Zusammenschluss einiger mehr oder ­weniger spezialisierter Systemhäuser hervorgegangen – in Deutschland zählten dazu NK Networks & Services (Köln), Crocodial (Hamburg) und Fritz & Macziol (Ulm). Hinter dem Unternehmen steht jedoch ein Weltkonzern, der in der Industrie verwurzelt ist. Mit Blick auf die Anforderungen der Digitalisierung hat man dort die Notwendigkeit gesehen, die IT-Kompetenz durch Akquisitionen zu erweitern.

Automationstechnik und Energie

Als ITK-Einheit deckt Axians ein Geschäftsfeld des Industriedienstleisters Vinci Energies ab. Mit den Töchtern Actemium und Omexom gehören Spezialisten für Automationstechnik beziehungsweise für Energie-Infrastrukturen zur Gruppe. Weitere Schwerpunkte von Vinci Energies sind Brandschutz, Isolierungen und Facility Management. In Summe bilden diese Geschäftsfelder wiederum eine Sparte von Vinci, dem weltgrößten Baukonzern mit Hauptsitz in Paris.

Da sich Axians in solchen Konzernstrukturen bewegt, hat das Systemhaus nach den Worten von Geschäftsführerin Diana Coso ein anderes Profil ausgebildet als Mitbewerber, die autark am Markt agieren. „Bei unseren Schwesterunternehmen gibt es Mitarbeiter im Blaumann, die an Maschinen hantieren, Kabel in der Erde verlegen oder sich in großer Höhe auf Strommasten bewegen“, berichtet die erfahrene Managerin, die den Chefposten bei Axians Deutschland im April dieses Jahres übernahm. „Das Networking mit diesen Kollegen fördert eine ganz andere Kultur, als wenn IT-Leute ausschließlich unter ihresgleichen sind.“

Anders als Bechtle und Cancom

In der Prägung durch einen Mischkonzern und in den Möglichkeiten, die der Austausch innerhalb von Vinci Energies bietet, sieht Coso die spezifischen Stärken von Axians. Schließlich könnten ihre Mitarbeiter jederzeit auf Knowhow und Erfahrungen der Schwester-Unternehmen zugreifen. „Mit der Kompetenz, über die wir in der Gruppe verfügen, können wir so ein Lösungsportfolio für die Digitalisierung aufbauen, ohne dass wir alles selbst beim Kunden ausprobieren müssten“, resümiert die Systemhauschefin (siehe Interview). Darin erkennt sie mit Blick auf künftige Digitalisierungspro­jekte einen Wettbewerbsvorteil. Weil Axians als Einheit von Vinci Energies ganz nah an der Industrie dran sei, habe der IT-Dienstleister ein anderes Alleinstellungsmerkmal als Mitbewerber wie beispielsweise Bechtle oder Cancom.

Mit einem Umsatz von 520 Millionen ­Euro, den Axians im vergangenen Jahr in Deutschland erzielte, zählt das Unternehmen mittlerweile selbst zu den zehn größten Systemhäusern. Sein Geschäft gliedert es in die Themenfelder Business Applications & Analytics, Cloud & Datacenter, Cybersecurity, Digital Workspace, Enterprise Networks und Telco-Infrastrukturen. Die wichtigsten Partner auf Anbieterseite sind AWS, Cisco, Citrix, Dell EMC, Fortinet, HPE, IBM, Juniper, Microsoft, NetApp, SAP, Veeam und VMware.

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Global Brand für das ITK-Geschäft von Vinci

So wie das Systemhaus von der Industriekompetenz seiner Schwestern profitiert, kommt den anderen Vinci-Energies-Töchtern umgekehrt das spezifische Knowhow von Axians zugute. Der IT-Spezialist versteht sich dabei als „digitaler Innovationstreiber“, der die anderen Mitglieder der Gruppe mit seinem Wissen und seiner ­Erfahrung bei allen Digitalisierungsinitiativen unterstützt. Gemeinsam mit Kollegen von Actemium und Omexom bilden Experten von Axians daher übergreifende Teams, die sich mit Szenarien aus Anwendungsfeldern wie Smart Buildings, Smart Grid oder Smart Industry befassen.

Smart Industry Alliance

Bei Vinci Energies Deutschland (VED) beschränkt sich die interdisziplinäre Zusammenarbeit nicht auf sporadische Kontakte. Vielmehr ist sie als „Smart Industry Alliance“ inzwischen institutionalisiert. Unter einem Dach entwickeln Fachleute der ­Tochtergesellschaften ganzheitliche Industrie-4.0-Konzepte und implementieren sie bei Kunden. Schwerpunkte der Arbeit liegen darauf, Technologien wie 3D-Visualisierung, Augmented Reality, Datenanalyse und Virtualisierung in industrielle Prozesse einzubinden. „Mit agilen und praxisnahen Methoden verhelfen wir unseren Kunden zügig zu sichtbaren Ergebnissen für ihr Geschäft“, beschrieb VED-Chef Reinhard Schlemmer im April dieses Jahres den pragmatischen Ansatz.

Der Smart Industry Alliance gehört auch das Ulmer Startup Duality an, das im Herbst 2016 gegründet wurde. Dessen Kernaufgabe besteht neben der strategischen Beratung zur Digitalisierung darin, Prototypen zu erstellen. Zur Hannover Messe im April präsentierten die Vinci-Energies-Schwestern erstmals Ergebnisse bereits abgeschlossener Projekte. Technologie-Partner, mit denen sie gemeinsam auf der Industriemesse auftraten, waren IBM, Microsoft und SAP.

Um die Arbeit der Allianz weiter voranzutreiben, baut VED in Frankfurt / Main ein so genanntes Digital Lab auf. Mit 300 Quadratmetern Fläche soll es Projektteams ­einen kreativen Raum bieten, in dem sie praxisorientierte Lösungen entwickeln können. Je nach Anforderung setzen sich die temporären Teams aus Spezialisten der Gruppe und Mitarbeitern der Anwenderunternehmen zusammen. Ergebnisse können in einem digitalen Showroom präsentiert und gemeinsam diskutiert werden. Das Lab soll im ersten Quartal des kommenden Jahres den Betrieb aufnehmen.

Interdisziplinäre Projekte

Aus der Perspektive von Axians trägt der Ansatz, unterschiedliche Kompetenzen in der Gruppe zusammenzuführen, bereits Früchte. So beobachtet Diana Coso, die als Chefin des Systemhauses auch dem VED-Management angehört, eine zunehmende Zahl gemeinsamer Projekte, an ­denen zwei oder sogar drei Einheiten von Vinci Energies beteiligt sind. „Nicht selten erhalten wir einen Auftrag gerade deshalb, weil wir als Gruppe eine Gesamtlösung anbieten können.“

Innerhalb ihres Verantwortungsbereichs treibt Coso die Digitalisierungsstrategie dadurch voran, dass sie ein Team aufgestellt hat, das sich dem Thema unabhängig von Umsatz- und Gewinndruck widmen kann. Denn wer sich mit Industrie 4.0 und dem Internet der Dinge befasse, brauche dafür einen langen Atem, betont die Managerin. Dabei verfolgt sie ein ehrgeiziges Ziel, was die Wahrnehmung des Dienstleisters betrifft. „Meine Vision für 2020 lautet, dass der Name Axians gleichbedeutend mit Digitalisierung verwendet wird.“

Organisatorisch wurden die Weichen dafür bei Axians während der vergangenen zweieinhalb Jahre gestellt. Im Zuge des Aufbaus der ITK-Marke und der Integration von ­Zukäufen wie Fritz & Macziol hat die Muttergesellschaft VED eine Struktur mit 55 kleineren Business Units geschaffen, die sukzessive mehr Kompetenzen erhielten. Diese Aufstellung folgt zwar aus der Führungskultur des Vinci-Konzerns, der sich bereits seit den achtziger Jahren dezentral gliedert, weil man sich von vielen autonomen Einheiten schon damals mehr Flexibilität und Kundennähe versprach. Hinter den Strukturen bei Axians steht aber auch die Erkenntnis, dass Industrie-4.0-Projekte nur dann gelingen, wenn Spezialisten aus unterschiedlichen Disziplinen konstruktiv und auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Deswegen lassen sich solche Projekte aber nur schwer aus der Zentrale steuern.

Axians: Systemhaus für das Internet der Dinge

Universeller ITK-Dienstleister

Axians: Systemhaus für das Internet der Dinge

12.09.16 - Aus Fritz & Macziol wird Axians. Unter dieser Marke formt der Eigentümer des Ulmer Systemhauses, der französische Mischkonzern Vinci, einen breit aufgestellten Dienstleister. Die Industriekompetenz der Gruppe prädestiniert Axians für das Geschäft mit dem Internet der Dinge. Eine dezentrale ­Organisation mit autonomen Einheiten soll den ITK-Spezialisten flexibel und schlagkräftig machen. lesen

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