Die Zeit läuft ab für Windows 10: Am 14. Oktober beendet Microsoft den Support für das Betriebssystem und drängt zu einem Upgrade auf Windows 11, das allerdings nicht immer möglich ist. Für die Gerätehersteller und den Channel kann das ein Segen sein, für Unternehmen, Privatkunden und auch die Umwelt nicht unbedingt.
Zu alte Rechner sind von einem offiziellen Upgrade auf Windows 11 ausgeschlossen und bekommen ohne kostenpflichtige Support-Verlängerung ab Oktober auch keine Windows-10-Sicherheitsupdates mehr. Für sie schließt sich das Fenster für eine weitere Nutzung.
(Bild: Nordreisender - stock.adobe.com)
Windows 10 kam vor 10 Jahren auf den Markt, den Mainstream-Support mit Funktionserweiterungen beendete der Softwarehersteller bereits im Oktober 2020. Seitdem gab es nur noch Sicherheitsupdates und kritische Fehlerbehebungen. Dieser kostenlose ESU-Support (Extended Security Updates) endet nun am 14. Oktober 2025. Funktionieren wird das Betriebssystem zwar weiterhin, es wird aber anfälliger für digitale Angriffe und mit der Zeit wird auch Unterstützung durch aktuelle Software schwinden.
Beim Wechsel von Windows 7 auf Windows 10 war Microsoft bei den Hardwareanforderungen sehr genügsam, bei Windows 11 hat sich das geändert. Prinzipiell unterstützt werden AMD-Prozessoren ab der 2018 eingeführten Zen+-Generation und Intel Core-CPUs ab der 8. Generation, die 2017 auf den Markt kam. Weitere Voraussetzungen sind ein Mainboard mit UEFI und Secure Boot, ein Trusted Platform Module (TPM) 2.0, sowie eine DirectX12-kompatible Grafik. Ein TPM 2.0 ist bei vielen Rechnern schon vorhanden, entweder als Chip oder als Firmware-TPM (fTPM 2.0), integriert in CPU oder Chipsatz. Es muss jedoch im BIOS aktiviert sein.
Rückschlag für die Kreislaufwirtschaft
Nach Schätzungen von Canalys könnte das Support-Ende von Windows 10 dazu führen, dass weltweit etwa 240 Millionen PCs und Notebooks zu Elektroschrott degradiert werden – da sie die Hardware-Anforderungen von Windows 11 nicht erfüllen. Viele dieser Rechner wären durchaus noch funktionstüchtig und auch leistungsfähig genug für viele Anwendungen.
Momentan laufen laut Informationen von Eset in Deutschland noch etwa 32 Millionen Rechner immer noch unter Windows 10. Welcher Anteil davon die Anforderungen nicht erfüllt, ist allerdings nicht bekannt, es könnten aber bis zu 20 Prozent sein. Der Kritik, dass Microsoft mit den strengen Anforderungen für das Upgrade eine riesige Menge noch gut funktionierender Rechner zu Elektroschrott degradiere, sofern man nicht auf Linux wechseln möchte oder weiter mit einem nicht mehr unterstützten Windows 10 arbeitet, begegnet der Softwarehersteller mit dem Verweis auf die gestiegenen Sicherheitsanforderungen, die nur neuere Hardware erfüllen kann. Yusuf Mehdi, Executive Vice President, Consumer Chief Marketing Officer von Microsoft, nennt hier neben dem TPM 2.0 und Secure Boot noch virtualisierungsbasierte Verfahren wie Kernisolierung und Speicherschutz. Zudem bieten neue Rechner laut Mehdi eine höhere Leistung und teilweise KI-Einheiten in der CPU. Laut Markus Göbel, Pressesprecher von Microsoft, ist es daher nicht geplant, die Systemanforderungen für Windows 11 zu senken.
Das Support-Ende von Windows 10 kommt genau zum richtigen Zeitpunkt und bietet Kunden die Möglichkeit, zeitnah vom aktuellen Technologiesprung zu profitieren.
Hartmut Husemann
Hartmut Husemann, Director Commercial and Retail Channel bei HP Deutschland.
(Bild: HP)
Die großen Rechnerhersteller Lenovo, HP und Dell blasen in dasselbe Horn. Für Hartmut Husemann, Director Commercial and Retail Channel bei HP Deutschland, kommt das Support-Ende von Windows 10 „genau zum richtigen Zeitpunkt“. Er erklärt: „Neue KI-PCs und Notebooks helfen, die Mitarbeitenden von lästigen Routineaufgaben zu entlasten und schaffen mehr Zeit für wertschöpfende Tätigkeiten. Gerade mit Blick auf die Investitionssicherheit ist der Umstieg jetzt keine schwierige Entscheidung. Für unsere Partner der ideale Moment um Skepsis durch qualifizierte Beratung in vertriebliche Erfolge umzuwandeln.“
Das Support-Ende von Windows 10 fällt in eine Phase, in der dringender Nachrüstbedarf sowohl in Sachen Betriebssystem, als auch bei den Hardware-Voraussetzungen für die KI-Nutzung besteht..
Robert Laurim
Robert Laurim, VP & GM Channel Dell Technologies Deutschland
(Bild: Dell Technologies Deutschland)
Für Robert Laurim, Vice President & General Manager Channel bei Dell Technologies DACH, ist die lokale KI-Nutzung per NPU ebenfalls ein wesentliches Argument für den Umstieg auf Windows 11 und neue Hardware. Er sieht in Unternehmen dringenden Nachholbedarf.
Oliver Rootsey, Director Sales Channel / SMB GAT bei Lenovo, verweist darauf, dass sich die IT-Welt in den letzten 10 Jahren verändert habe. Sein Unternehmen sehe, „dass Unternehmen, die bereits frühzeitig auf eine aktuelle und sicher konfigurierte Windows-11-Umgebung setzen, ihre Cyber-Resilienz stärken und die verschärften Vorgaben von NIS2 besser umsetzen können. Daher unterstützen wir unsere Kunden aktiv bei einer frühzeitigen Migrationsstrategie und bieten ergänzend mit Lenovo ThinkShield umfassende hardwarebasierte Sicherheitslösungen, die Unternehmen dabei helfen, eine robuste End-to-End-Security-Strategie auf Basis von Windows 11 umzusetzen, um sich gleichzeitig noch effektiver gegen moderne Cyberdrohungen abzusichern. Wir sind davon überzeugt, dass die Vorteile des Umstiegs auf Windows 11 für die meisten Kunden überwiegen – und wir freuen uns, den Channel auf diesem Weg zu begleiten.“
Wir sind davon überzeugt, dass die Vorteile des Umstiegs auf Windows 11 für die meisten Kunden überwiegen.
Oliver Rootsey
Kritik bei den Refurbishern
Während die Hersteller eine wachsende Nachfrage durch das zwangsweise Ausmustern alter Rechner natürlich positiv sehen, ist die Stimmung bei Refurbishern weniger gut. Marco Kuhn, Geschäftsführer von BB-Net, verweist auf die Millionen von Rechnern, die durch das Support-Ende von Windows 10 ausgemustert werden müssen, „in der heutigen Zeit ein fragwürdiger Umgang mit Ressourcen“.
Stand: 08.12.2025
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Sein Unternehmen sei zwar nicht direkt betroffen, da BB-Net fast ausschließlich Windows-11-taugliche Geräte aufbereite, sehe das Vorgehen von Microsoft aber trotzdem kritisch und ergänzt: „Wer ersetzt, sollte zumindest auf Refurbished-Geräte setzen.“ Allerdings, so merkt Kuhn an, sei Apple hier auch nicht besser als Microsoft, da auch hier Altgeräte von Update abgeschnitten werden.
Millionen Geräte drohen ausgemustert zu werden – in der heutigen Zeit ein fragwürdiger Umgang mit Ressourcen.
Marco Kuhn
Marco Kuhn, Geschäftsführer von BB-Net.
(Bild: Zhizhou Fang)
„Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt – eigentlich durch Pippi Langstrumpf und nicht durch Microsoft bekannt.“ So kommentiert Ralf Schweitzer, Geschäftsführer des Refurbishers GSD, die Strategie von Microsoft und verweist darauf, dass der Softwareriese so seinen eigenen Nachhaltigkeitsreport ad absurdum führt. So werde das Authorized-Refurbisher-Programm, das eigentlich eine signifikante Rolle spielen solle, mit keinem Wort erwähnt. Schweitzer erklärt weiter, er habe gegenüber Microsoft schon vor zwei Jahren kommuniziert, dass die Firma „mindestens ihren Refurbishern eine Lösung bieten muss, um nicht Rekordhalter für die Entstehung von Elektroschrott zu werden“. 2025 werden die Refurbisher „aus dem Enterprise-Umfeld zehntausende Notebooks und PCs mit der siebten Generation von Intel zurückbekommen“. Diese Geräte werden trotzdem in den Zweitmarkt kommen, etwa in Ländern in denen sich die Kunden keine neuen Rechner leisten können, um dort zu Opfern und Verbreitern von Malware werden. Das ist laut Schweitzer die Realität, die von den Entscheidern bei Microsoft nicht akzeptiert wird. Vor allem beklagt Schweitzer, dass die MAR-Partner seit Monaten mit dem Hinweis auf eine Lösung vertröstet werden und in Sichtweite des Support-Endes immer noch Windows 10 ausliefern müssen.
Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt – eigentlich durch Pippi Langstrumpf und nicht durch Microsoft bekannt.
Ralf Schweitzer
Ralf Schweitzer, Geschäftsführer und Inhaber der GSD.
(Bild: Alex Schelbert)
Doch weiter mit Windows 10
Komplett am Ende ist Windows 10 allerdings nicht. Denn Microsoft selbst bietet weiter einen ESU-Support, allerdings gegen Gebühr. Der Softwarehersteller sieht diese Versorgung mit Security Updates und kritischen Fehlerbehebungen allerdings nur als vorübergehende Maßnahme bis zur Migration der Kunden auf Windows 11. Firmen können bis zu drei Jahren Updates erhalten. Die Kosten liegen bei 61 US-Dollar im ersten Jahr und verdoppeln sich im zweiten und dritten Jahr. Kunden, die erst im zweiten Jahr einsteigen, bezahlen trotzdem den verdoppelten Tarif. Gratis-Updates gibt es weiterhin für virtuelle Maschinen mit Windows 10, die in Windows 365 oder Azure Virtual Desktop ausgeführt werden, sowie für Windows-10-Endgeräte, die mit Windows-365-Cloud-PCs verbunden sind. Erstmals bietet Microsoft auch für Privatkunden eine ESU-Lizenz an, die 30 US-Dollar kosten soll. Sie ist allerdings auf ein Jahr limitiert.
Für Heimanwender, die auf nicht unterstützten Rechnern trotzdem Windows 11 als Update installieren wollen, bietet die Community eine Lösung. Das Open-Source-Tool Flyby11 ermöglicht ein Inplace-Upgrade über eine gepatchte Windows-11-ISO unter Umgehung der meisten Hardwarevoraussetzungen mit Ausnahme der SSE-4.2-Unterstützung beim Prozessor. Die ist allerdings bereits seit 2008 bei Intel-CPUs ab der Nehalem- und bei AMD-Prozessoren ab der Bulldozer-Generation vorhanden.
Windows 11 sollte es nie geben
Bei der Vorstellung von Windows 10 hat Microsoft noch davon gesprochen, dass es die letzte Windows-Version sein werde, die immer weiter entwickelt werde und für die es permanent Updates geben werde. Mit der Vorstellung von Windows 11 hat der Softwarehersteller diese Strategie geändert. Was allerdings weiterhin gilt: Das Upgrade von Windows 10 auf Windows 11 ist gratis, sofern der Rechner die Hardware-Anforderungen erfüllt.
Terry Meyerson, seinerzeit Chef der Windows and Device Group von Microsoft, bei der Vorstellung von Windows 10 am 21. Januar 2015.
(Bild: Microsoft)
Einfachere Lösungen für den Umstieg
Bei einem Windows-11-Upgrade auf unterstützten Rechnern bleibt allerdings das Problem, dass es für die IT-Abteilung eine Menge Arbeit bedeutet und auch nicht immer problemlos funktioniert.
Hier bietet sich für Systemhäuser die Gelegenheit, das als Service zu erledigen. Der Workplace-as-a-Service-Anbieter CTRL-UP bietet Unternehmen sogar an, deren Bestand an Client-Rechnern zu kaufen und dann per Miete wieder zur Verfügung zu stellen, einschließlich Service und späterer Modernisierung. Dieses Angebot, das sich laut CTRL-UP-CEO Dirk Stobbe an größere Unternehmen richtet, bringe diesen auch noch zusätzliche Liquidität.
Mietmodelle, etwa von Miete24 auch für kleinere Firmen, oder As-a-Service-Angebote von Herstellern, Distributoren oder Systemhäusern, bieten den Kunden generell die Option, einen Umstieg auf neue Rechner mit Windows 11 mit geringerem personellem Aufwand und ohne kurzfristiges Investitionsbudget zu stemmen.