Cloud Monitor 2022 Status Quo der Cloud

Von Dr. Stefan Riedl

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Die Wirtschaftsprüfer von KPMG haben zusammen mit Bitkom Research in einem Paper, dem „Cloud Monitor 2022“, dem Cloud Computing in Deutschland auf den Zahn gefühlt. Eines der Ergebnisse: Es gibt noch viel zu tun und der Wille dafür ist vorhanden.

Das Thema Cloud wird immer facettenreicher.
Das Thema Cloud wird immer facettenreicher.
(Bild: CoreDESIGN - stock.adobe.com )

Der Cloud-Monitor 2022 von KPMG, der zusammen mit Bitkom Research erstellt wurde, zeigt, dass die Wachstumsdynamik rund um Cloud-Computing trotz immenser Steigerungen in den Vorjahren noch nicht zu einem Stillstand gekommen ist. Von den 552 in der Studie befragten Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten, setzen in diesem Jahr bereits 84 Prozent auf Cloud-Computing.

Marc Ennemann, Partner, Consulting, Head of Value Chain Transformation & Head of Alliances & Technology, KPMG
Marc Ennemann, Partner, Consulting, Head of Value Chain Transformation & Head of Alliances & Technology, KPMG
(Bild: KPMG )

Bis 2025 wollen sie durchschnittlich 61 Prozent ihrer Anwendungen cloudbasiert nutzen, berichtet KPMG-Partner Marc Ennemann, der als Head of Value Chain Transformation & Head of Alliances & Technology für dieses Wirtschaftssegment zuständig ist: „Mit einer angepassten Prognose von 9 Prozentpunkten im Vergleich zum letzten Jahr ist hier ein starker Indikator gesetzt und wir sind gespannt, wie sich dieser Trend fortsetzt.“

Cloud-First, aber gewusst wie

Besonders deutlich wird laut Ennemann die Entwicklung, wenn man die gesamte Historie des Cloud-Monitors betrachtet: „2012 nutzten 37 Prozent der Unternehmen Cloud-Computing. Heute ist es für die meisten Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Für sie stellt sich nicht die Frage, ob sie die Cloud nutzen, sondern wie. Zentral sind dabei die Wahl des richtigen Cloud-Modells und die Frage, wie sie das vollständige Potenzial der bereits integrierten Cloud-Lösungen heben können.“ Mittlerweile setzen vier von zehn Unternehmen auf eine Cloud-First Strategie, in der sie neue IT-Projekte bevorzugt, jedoch nicht zwingend in der Cloud umsetzen und bestehende Systeme bei Bedarf in die Cloud migrieren.

„Environmental Social Governance“

Neben dem Ziel der Kostenreduzierung erhoffen sich Unternehmen in Deutschland agiler zu werden und in Sachen Innovation mehr PS auf die Straße zu bekommen. Auch der ESG-Trend spielt mit hinein. Das steht für „Environmental Social Governance“ (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) und löst als Begriff langsam CSR (Corporate Social Responsibility) ab. Hierbei handelt es sich um die Evaluierung der unternehmerischen Sozialverantwortung auf Kennzahlenbasis. Die potenziellen Vorteile in dem Umfeld spielen für 89 Prozent der Befragten als strategisches Ziel eine Rolle. Immer mehr Unternehmen würden den Mehrwert von Cloud-Lösungen zur Unterstützung ihrer Nachhaltigkeitsziele erkennen, die von außen immer stärker an sie herangetragen werden.

Auf der einen Seite geben 97 Prozent der Befragten an, dass Stabilität und Leistungsfähigkeit der Cloud-Services ein Must-Have sind, auf der anderen Seite berichten seit Jahren konstant zwei Drittel der befragten Unternehmen über Ausfälle der Cloud-Services.

Marc Ennemann, Partner bei KPMG

IT-Sicherheit: Anspruch und Realität

Die Gemengelage rund um das Pandemiegeschehen treibt die digitale Transformation immer noch voran, so dass Cloud-Computing den Zugriff auf IT-Ressourcen beschleunigt und sich Unternehmen agiler aufstellen können. Cybersicherheits- oder Datenschutzkonzepte sind mehr als nur eine Begleiterscheinung, vielmehr zählen sie zu den Basisinvestments in diesem Zusammenhang.

Interessant findet der KPMG-Partner das faktische Zusammenspiel zwischen den Anforderungen der Befragten zur Ausfallsicherheit und den gemeldeten Ausfällen beim Cloud-Computing: „Auf der einen Seite geben 97 Prozent der Befragten an, dass Stabilität und Leistungsfähigkeit der Cloud-Services ein Must-Have sind, auf der anderen Seite berichten seit Jahren konstant zwei Drittel der befragten Unternehmen über Ausfälle der Cloud-Services.“ IT-Dienstleister und andere Marktakteure finden hier demnach noch sehr großes Potenzial darin, in Projekten die Infrastruktur insgesamt resilienter gegenüber Ausfällen zu machen.

Vendor-Lock-ins als reales Phänomen

Auf der einen Seite wird die Flexibilität von Cloud-Abo-Modellen hervorgehoben, auf der anderen Seite entstehen neue Abhängigkeiten, in die sich jene begeben, die nicht auf interne Ressourcen, sondern auf As-s-Service-Dienste von Cloud-Anbietern setzen.

Zur Problematik des so genannten Vendor-Lock-ins im Cloud-Kontext, also dass man sich als Unternehmen vom Cloud-Anbieter abhängig macht, weil ein Wechsel durch enge Verzahnung in die ­Unternehmens-IT doch nicht so einfach vonstatten geht, wie oft propagiert, weiß der KPMG-Experte folgendes zu berichten:„Grundsätzlich kann man sagen, dass der Lock-in natürlich von den unterschiedlichen Services abhängt, das heißt eine Datenbank ist sicherlich leichter austauschbar als ein trainiertes und optimiertes KI-Modell, was von einem Cloud-Provider zur Verfügung gestellt wird“. Viele Kunden machen sich daher Gedanken in Richtung Multi-Sourcing- und Multi-Cloud-Strategie, um das Risiko von Vendor-Lock-ins zu verringern.

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Beispiele aus der Praxis

Ein Blick ins Silicon Valley und zu den Firmen aus dem Bereich Software as a Service (SaaS) zeige, dass einige Unternehmen bereits gezwungen waren, einen Teil ihrer Workloads zurückzuführen, so der KPGM-Manager und nennt als Beispiel die Firma Dropbox. In anderen Fällen wird ein Multi-Sourcing-Ansatz gewählt, „wie etwa bei CrowdStrike und Zscaler“. „Kosteneinsparungen beziehungsweise die Optimierung der Infrastruktur sind die Folge gewesen und so konnte Dropbox in den zwei Jahren vor seinem Börsengang insgesamt 75 Millionen US-Dollar einsparen“.

Insgesamt wertet dies Ennemann als ein Beispiel dafür, dass Lock-ins niemals endlich und manchmal wirtschaftlich betrachtet sogar sinnvoll sind; dann nämlich wenn man dafür Geschwindigkeit gewinnen kann.

Anhaltende Digitalisierungsdynamik

Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie wichtig es ist, Cloud-Technologie zu implementieren, um Geschäftsprozesse aufrecht erhalten zu können und hybrides Arbeiten zu ermöglichen, ist man bei KPGM überzeugt. Die Digitalisierung in Deutschland habe dadurch einen enormen Schub bekommen. Neben einer stärkeren Durchdringung der Cloud-Nutzung in Unternehmensprozessen, insbesondere in Fachbereichen, tun sich in der öffentlichen Verwaltung große Chancen auf, die digitale Transformation und damit verbunden auch die Cloud-Nutzung voranzutreiben. Sowohl bei den Entscheidungsträgern in der Politik und der behördlichen Verwaltung als auch der Bevölkerung sei die Dringlichkeit des Themas bewusst.

Private- und Public Cloud

Schatten-IT bedient sich häufig Cloudlösungen, die schnell mal herbeigeklickt wurden.
Schatten-IT bedient sich häufig Cloudlösungen, die schnell mal herbeigeklickt wurden.
(Bild: CoreDESIGN - stock.adobe.com )

Unternehmen nutzen, geht man nach den Ergebnissen des „Cloud Monitor 2022“, vor allem die Private-Cloud, nämlich zu 67 Prozent. Jedoch beobachtet man bei KPMG, dass durch die massiven, möglichen Skalierungseffekte die Public-Cloud einen deutlichen Mehrwert für die Kunden bringe. Nahezu jedes zweite Unternehmen setzt daher mittlerweile (auch) auf Public-Cloud-Angebote, nämlich 47 Prozent.

Woher eine KI, wenn nicht aus der Cloud?

Public-Cloud-Offerten abzulehnen, sei für die meisten Unternehmen gar keine Option, denn vor allem neue agile Services, beispielsweise solche aus dem Bereich Low Code oder KI, werden schlichtweg nur von einer Public-Cloud zur Verfügung gestellt.

Die „räumliche Nähe“ der Services ist für Performance und Skaleneffekte eigentlich sehr wichtig, ­allerdings sieht man bei KPMG den Trend, dass entgegen der Unternehmensrichtlinien oft einfach zu erwerbende Public-Cloud-Dienste genutzt werden. Notwendig sei deshalb eine Multi-Sourcing- und Multi-Cloud-Strategie, die Nutzung von Verschlüsselung und die Nutzung von etablierten Compliance-Standards wie EU-Mustervertragsklauseln und industriespezifische Standards.

Der EU-Raum liefert nicht ausreichend

Bei der konkreten Auswahl einer Cloud-Lösung geht es Firmen vor allem um Leistungsfähigkeit, Stabilität und Ausfallsicherheit. Auch Vertrauen in die Sicherheit und Compliance des Cloud-Providers ist für fast alle unverzichtbar. „Für 70 Prozent der Unternehmen heißt das, dass das Cloud-Rechenzentrum im EU-Raum stehen muss. Hier gibt es ganz klar Nachholbedarf“, sagt der KPGM-Partner. Europäische Anbieter würden viele regulatorische Anforderungen aus der Datenschutzgrundverordnung leichter erfüllen können als amerikanische Anbieter.

Europa hat die Technologieführerschaft bei Cloud-Technologien aus der Hand gegeben. Ennemann ernüchterndes Fazit zu diesem Thema lautet: „Es bleibt abzuwarten, ob es Initiativen gibt, die die digitale Souveränität in Europa fördern, sich hier durchsetzen können.“

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