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IDC-Studie Cloud Trends in Deutschland 2018

Ohne Cloud keine Digitalisierung

| Autor: Heidemarie Schuster

Zwar nutzen erst 15 Prozent der Studienteilnehmer die Mulit Cloud, aber 60 Prozent planen den Einsatz bin zum Jahr 2020.
Zwar nutzen erst 15 Prozent der Studienteilnehmer die Mulit Cloud, aber 60 Prozent planen den Einsatz bin zum Jahr 2020. (Bild: Sergey Nivens - stock.adobe.com)

Seit Jahren ist Cloud Computing eines der Top-Themen – und laut der IDC-Studie „Cloud Trends in Deutschland 2018“ auch zu Recht. Denn ohne die Cloud geht beinahe nichts mehr in Unternehmen, dies gilt besonders was die Wettbewerbsfähigkeit in Zeiten der Digitalisierung betrifft.

Im privaten Bereich ist die Cloud schon länger angekommen, da die Vorzüge des beispielsweise schnellen Datentransfers überwiegen: Wollte man Urlaubsfotos austauschen, konnte dies auch mal Wochen dauern, bis die USB-Sticks gefüllt und ausgetauscht waren. Mit der Cloud ist es ein Prozess von wenigen Minuten. Somit hat es nicht lange gedauert, bis auch Mitarbeiter angefangen haben, so Daten im Unternehmen „heimlich“ auszutauschen, da die IT noch nicht soweit war.

Mittlerweile kann der Status von Cloud Computing in Deutschland eindeutig als etabliert bewertet werden. Laut der IDC-Studie „Cloud Trends in Deutschland 2018“ ist die Cloud ist in 90 Prozent der befragten Unternehmen verankert, entweder als Bestandteil der IT-Strategie oder sogar als Teil der Unternehmensstrategie. Nahezu die Hälfte der Firmen hat die Cloud-Strategie in die Unternehmensstrategie integriert. Die Analysten von IDC bewerten dies als einen klaren Beleg für die enge Verzahnung von Cloud Computing und Business. Denn für die Umsetzung der hochgradig komplexen Geschäftsprozesse in digitalen Ökosystemen, welche beispielsweise auch die Digitalisierung erfordert, kommt eine Vielzahl von Anwendungen und Diensten zum Einsatz, die agile, skalierbare und automatisiert bereit gestellte Ressourcen, Systeme und Anwendungen erfordern. Hierfür stellt die Cloud die passenden Tools bereit. Die Modernisierung der Informationstechnologie zählt demzufolge zu den Top-3-Prioritäten der nächsten 12 Monate. Ein Umstand, der die IT-Branche positiv stimmen dürfte.

Analog der Geschäftsmodelle der Unternehmen entwickeln sich die IT-Umgebungen ebenfalls mit hoher Geschwindigkeit weiter. Die Cloud ist also immer häufiger die erste Wahl. Für die Einführung neuer IT-Lösungen evaluieren die befragten Unternehmen immer gezielter Cloud-Lösungen. 23 Prozent prüfen zunächst regelmäßig, ob für den relevanten Anwendungsfall eine Lösung in der Cloud verfügbar ist. Weitere 39 Prozent evaluieren Cloud- und Non-Cloud-Lösungen auf gleicher Augenhöhe. IDC erwartet, dass sich der Cloud-First-Approach in den nächsten 12 bis 24 Monaten noch weiter durchsetzen wird.

Mittlerweile setzten über zwei Drittel der befragten Unternehmen die Cloud in mehr als einem Anwendungsfall beziehungsweise einem Workload ein. Je nach Anforderung an die Compliance, die Sicherheit, Wirtschaftlichkeit oder Agilität der Anwendungsfälle wird sich die Nutzung der verschiedenen Deployment-Modelle weiter intensivieren, glaubt IDC. Vor allem datengetriebene Anwendungen wandern flächendeckend in die Cloud. In den nächsten 12 Monaten planen beispielsweise 91 Prozent der Unternehmen Big Data, 87 Prozent Business Intelligence und Data Warehousing und ebenfalls 87 Prozent Enterprise-Anwendungen (ERP und CRM) hauptsächlich in der Cloud (Public, Private Cloud im Provider Data Center oder Private Cloud im eigenen Data Center) zu betreiben.

IDC fragte, welchen Key Service Level die Umfrageteilnehmer bei der Bereitstellung von Cloud-Ressourcen zugrundelegen.
IDC fragte, welchen Key Service Level die Umfrageteilnehmer bei der Bereitstellung von Cloud-Ressourcen zugrundelegen. (Bild: IDC)

Multi Cloud

Wegen der Unsicherheit gegenüber des Datenschutzes hatten sich viele Unternehmen zunächst für eine Privat Cloud entschieden. Da die Vorzüge der Public Cloud aber nicht abzustreiten sind, macht nun die „Multi Cloud“ das Rennen. Nach der Definition von IDC handelt es sich um eine Multi Cloud, wenn entweder zwei Services derselben „Cloud-Typen“ von der IT integriert angeboten werden, einschließlich Monitoring und Compliance, oder Off-premises-Anwendungen sich ad hoc per API mit On-premises-Anwendungen verbinden lassen.

Die Definition der Mulit Cloud.
Die Definition der Mulit Cloud. (Bild: IDC)

Mit der Multi Cloud steht also der nächste Evolutionsschritt auf dem Weg zur nahtlosen und automatisierten Bereitstellung von IT-Ressourcen und Businessplattformen aus internen und externen Quellen ins Haus. Das ist offensichtlich für viele Unternehmen in Deutschland eine interessante Option. Allerdings ist die Nutzung einer Multi Cloud kein Selbstläufer, sondern vielmehr eine anspruchsvolle und komplexe Aufgabe, erklären die Marktforscher.

Immerhin 44 Prozent der Befragten teilen die Sichtweise von IDC auf die Multi Cloud. Die verbleibenden 56 Prozent verstehen unter der Multi Cloud die Nutzung der Cloud-Services-Angebote unterschiedlicher externer Cloud Provider, eine Nutzung verschiedener Cloud-Deployment-Modelle, das heißt Public und Private Cloud oder bei Bedarf die Bereitstellung von Infrastruktur-Kapazitäten aus einem definierten Private Cloud Pool in einen Public Cloud Pool.

„Für den Erfolg von Multi Cloud-Projekten ist ein deckungsgleiches Verständnis aller Beteiligter über die Multi Cloud und die daraus abzuleitenden Aufgaben unerlässlich“, so Matthias Zacher, Manager Research & Consulting und Projektleiter bei IDC. „Andernfalls sind unlösbare Konflikte beispielsweise beim Management und der Portabilität von Cloud Services vorprogrammiert.

Multi Clouds befinden sich ohne Zweifel noch in einer frühen Marktphase. Nachdem sich zunächst Provider und Rechenzentrumsanbieter mit dem Thema beschäftigt haben, evaluieren zahlreiche Unternehmen nun zunehmend die Möglichkeiten von Multi Clouds auf Basis einer zentralen Cloud-Plattform. Allerdings nutzen derzeit gerade einmal 15 Prozent der Befragten eine Multi Cloud. Unter Berücksichtigung dessen, dass ausschließlich Unternehmen mit Cloud-Aktivitäten befragt wurden, klingt diese Zahl zunächst nicht beeindruckend. Dies wird sich aber in den nächsten 12 bis 24 Monaten deutlich wandeln, ist IDC überzeugt. 60 Prozent der befragten Unternehmen planen im vorgenannten Zeitfenster, Multi Clouds produktiv zu nutzen.

Herausfordernde und hinderliche Aspekte gegenüber der Multi Cloud sind die hohe Komplexität sowie unklare Prozesse. IDC hört in Gesprächen mit IT-Verantwortlichen immer wieder, dass die Technologie für Private Clouds und Hybrid Clouds weitgehend verstanden worden ist. Der wahre Knackpunkt liegt somit in der Beherrschung der vielfältigen Prozesse. Dabei geht es um die passenden Betriebsmodelle, ausreichende Sicherheit und Compliance, Kostentransparenz, die Nutzerverwaltung und eine effiziente Orchestrierung von Cloud Services. Viele dieser Aspekte werden durch die vorliegende Befragung noch einmal bestätigt. Ein weiterer Punkt, der offenkundig eine Herausforderung darstellt, ist die Frage, wie die IT-Organisation künftig aufgestellt sein soll und welche Aufgaben die einzelnen IT-Mitarbeiter in der Multi Cloud übernehmen sollen.

Fazit von IDC

Die Studie zeigt deutlich: Die Cloud ist Commodity. Die Ergebnisse belegen eindeutig, dass die Unternehmen die Frage nach dem „ob“ längst entschieden haben. Viele Firmen sind bereits einen entscheidenden Schritt weiter und haben definiert, welche Cloud Services und welche Cloud Technologie für welchen Anwendungsfall genutzt werden sollen. Die Bandbreite der Einsatzszenarien ist extrem groß und umfasst alle IT-Ressourcen eines Unternehmens: Während sich Standardanwendungen mit geringem Aufwand aus der Cloud nutzen lassen, bleibt die Überführung von unternehmenskritischen Anwendungen in die Cloud weiterhin eine anspruchsvolle Aufgabe.

Cloud Computing in seinen unterschiedlichen Facetten hat sich unter anderem durchgesetzt, weil es die Fragen nach Compliance, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit, Skalierbarkeit, Agilität und Kundenzufriedenheit beantwortet hat. Cloud Computing stellt aber auch bisherige ITArchitekturkonzepte in Frage. Das Abbilden der klassischen IT-Silos in der Cloud verschenkt extrem viel Potential. Multi Clouds sind daher ein vielversprechender Ansatz für das Infragestellen und Aufbrechen existierender IT-Infrastrukturen.

Multi Clouds sind hierzulande ohne Frage noch ein junges Thema. Daraus ergeben sich viele Fragen mit Blick auf die effiziente Steuerung unterschiedlicher Cloud-Provider und Cloud Services und bei der Um- und Neugestaltung der IT-Organisation, der Technologie, der Architektur und von Prozessen. Dies sind Disziplinen, die die Anwenderunternehmen nicht alleine stemmen können. Hier sieht IDC auch und vor allem die Anbieter jeglicher Couleur von Lösungen für die Multi Cloud in der Pflicht, Aufklärungsarbeit zu leisten und die Organisationen dort abzuholen, wo sie auf ihrer Cloud Journey stehen. Cloud Computing hat die Disruption der Nutzung von IT erfolgreich eingeleitet und wird sie Hand in Hand mit anderen technologischen Entwicklungen weiter vorantreiben.

Über die Studie

Im August 2018 hat IDC in Deutschland IT- und Fachentscheider aus 200 Organisationen mit mehr als 100 Mitarbeitern befragt. Alle befragten Unternehmen haben sich dabei umfassend mit Cloud Services und Cloud-Technologie beschäftigt.

IDC befragte 200 Unternehmen in Deutschland für die Studie.
IDC befragte 200 Unternehmen in Deutschland für die Studie. (Bild: IDC)

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