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»Open House«-Premiere in neuer Formation geglückt Magirus startet mit Hausmesse in eine neue Ära

Redakteur: Regina Böckle

Den Anpfiff zur ersten Magirus-Hausmesse in München gab FIFA-Schiedsrichter Markus Merk, das Schlusstor schoss Wortwart Willy Astor. Dazwischen gaben die rund 200 Systemhausgäste ganz klar den Ton. Sie sicherten sich an den 20 Ausstellerständen und in den Vortragsräumen die Aufmerksamkeit der Hersteller für ihre Anliegen im Lösungs-Geschäft.

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Die Magirus-Vorstände (v.l.) Claus Niedworok, Fabian von Kuenheim, Axel Feldhoff und Christian Magirus standen den Partnern auf der Messe Rede und Antwort.
Die Magirus-Vorstände (v.l.) Claus Niedworok, Fabian von Kuenheim, Axel Feldhoff und Christian Magirus standen den Partnern auf der Messe Rede und Antwort.
( Archiv: Vogel Business Media )

Wort-Magier Willy Astor konnte es nicht fassen. Betrübt wiederholte er auf der Abendveranstaltung der Magirus-Messe »Open House« kopfschüttelnd und mit sorgenvoller Mitleidsmiene: »Also damit müssen Sie morgen wieder arbeiten? Ganz sicher? Haben Sie es schon mal mit einer Übersetzungsmaschine versucht?«

Das Publikum verneinte die Frage lauthals lachend und Hände klatschend; aus vielen Augen tränten große Tropfen in eilig gezückte Taschentücher, Schminke verschmierte.

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Willy Astor hatte sich durch IT-Websites geklickt und auf der Abschluss-Gala vor versammeltem Publikum seziert, was die IT-Branche tagtäglich im Munde führt: verdrechselte Anglizismen, verbale Ungetüme, mit deren Hilfe Hersteller, Distributoren, Wiederveräufer und Endkunden seit jeher versuchen, IT-Produkte in eine Kommunikations-Lösung zu verwandeln.

Mögen manche Begriffe den Wahnwitz widerspiegeln, der der IT-Branche nachgesagt – und eben auch humorvoll vorgekaut – wird: Manchmal gelingt das Experiment, und der Kunde ist zufrieden.

Virtualisierung dingfest gemacht

Wie aus Begriffen irgendwann konkrete – und funktionierende – Lösungen werden können, das zeigte die Hausmesse tagsüber vor allem am Beispiel Virtualisierung. So wurden unter anderem integrierte VMware-, Datacore- und Platespin-Installationen vorgestellt, die Systemhauspartner von Magirus jederzeit als fertig konfiguriertes, rollendes Labor für Demonstrationszwecke bei ihren Kunden mieten können. Eine weitere Vorführung zeigte den Fachbesuchern, wie sich der Umschaltvorgang zwischen den gespiegelten Volumes – »Mulitpathing« genannt – störungsfrei bewerkstelligen lässt.

Aschraff El Ghayati, der bei Magirus seit September den Vertriebsbereich Services leitet, hält Partner dazu an, diese Systeme auch zu Testzwecken von Magirus anzufordern, um beispielsweise den Proof-of-Concept durchzuführen und damit nachzuweisen, dass die für den Endkunden entwickelte Lösung in dessen spezieller Systemlandschaft tatsächlich reibungslos funktionieren wird. »Manche Kunden verlieren unnötige Zeit mit Tests auf zusätzlicher Hardware und dem mühsamen Umstieg auf Virtualisierung und das auf der Basis einer ohnehin schon ungenügenden Infrastruktur. Dabei sind wir in der Lage, eine solche Umgebung mithilfe der hier vorgestellten Racks sowohl physikalisch, als auch virtuell in unserem Technologiezentrum in Straßburg bereitzustellen.« Auf diese Weise ließen sich Migrationen weitaus schneller und günstiger realisieren.

Anwendungen und Netzwerk-Traffic beschleunigen

Wie Partner außerdem für mehr Tempo in Wireless-LAN-Umgebungen sorgen und Datacenter-Anwendungen auf Touren bringen können, erfuhren sie auf der Messe unter anderem in Vorträgen und an den Ständen von Juniper und Packeteer.

Zudem nutzten zahlreiche Besucher die Gelegenheit, sich beispielsweise bei EMC, Brocade, Platespin Checkpoint oder Red Hat rund um die Themen Storage-Management, Security oder Open Source zu informieren.

Aussteller und Besucher waren mit den Ergebnissen der Hausmesse denn auch durchaus zufrieden. »Die Kontakte hier sind alle sehr hochwertig, nicht nur wegen der Art der Projekte, die sich damit potenziell verbinden, sondern vor allem wegen des ausgezeichneten Know-hows, das die Besucher hier mitbringen«, sagte einer der Aussteller und brachte damit auch die Erfahrungen zahlreicher anderer Aussteller auf den Punkt.

Die angereisten Systemhauspartner wiederum schätzten die angenehme Atmosphäre der Messe, die es erlaubte, mit Vertretern von Herstellern gezielt eigene Anliegen zu besprechen und sich über einzelne Technologien zu informieren.

Großer Schritt für Magirus – keine Einschnitte für Partner

Die Spannung auf Seiten des Veranstalters indes dürfte ungemein hoch gewesen sein. Denn für den Stuttgarter Value-Added-Distributor (VAD) war dies nicht nur die erste eigene Hausmesse überhaupt, sondern auch der erste größere Auftritt seit dem Verkauf des kompletten HP- und IBM-Geschäfts an Avnet, der nur vier Tage vor der Messe formal endgültig abgeschlossen war. Immerhin trennte sich VAD Magirus damit von 60 Prozent seines bisherigen Umsatzes.

»Wir haben das Infrastrukturgeschäft mit IBM und HP abgeschlossen und freuen uns nun, uns ganz auf die Themen, die wir schon seit Jahren systematisch aufgebaut haben, konzentrieren zu können und hier gestalterisch tätig zu sein«, sagte Magirus-Vorstandsvorsitzender Fabian von Kuenheim.

Was sich bereits in den Monaten seit der Ankündigung des Magirus-Avnet-Deals abzeichnete, war auch auf der Open-House-Messe nicht zu überhören: HP- und IBM-Partner von Magirus konnten bislang ihr Geschäft reibungslos fortsetzen. Noch spüren sie von der Umstellung kaum etwas – denn nicht einmal die Rechnungs-Adresse hat sich geändert.

System-Umstellung erst ab Februar 2008, Kreditlimits unangetastet

Das soll bis Ende Januar 2008 auch so bleiben. Denn zum einen arbeitet das seit 8. Oktober zu Avnet gehörende ehemalige IBM- und HP-Team von Magirus bis dahin unverändert auf den bisherigen Magirus-Systemen. Zum anderen haben die beiden Distributoren dafür gesorgt, dass jeder vom Verkauf der Sparte betroffene Partner sein bisheriges Kreditlimit – sowohl bei Avnet als auch bei Magirus – uneingeschränkt behält.

»Dort, wo Avnet und Magirus mit demselben Kreditversicherer arbeiten, wurden die Limits für die Partner in der Übergangsphase de facto dupliziert«, erklärt Vorstand Christian Magirus. Das werde sich erst wieder ändern, wenn das Jahresendgeschäft komplett abgeschlossen ist. Die Maxime der beteiligten Parteien lautete ganz klar, dafür zu sorgen, dass sich alle Partner ohne Einschnitte auf das Geschäft konzentrieren können.

Zudem gibt es eine überschaubare Zahl von HP- und IBM-Partnern, die bei Magirus gleichzeitig auch Produkte der sechs verbliebenen Lösungsbereiche bezogen hatten. »Die Überschneidungen sind sehr klein«, berichtet Magirus-Deutschlandchef Erik Walter. Das erleichtert die Trennung ebenfalls. Umso mehr gehe es jetzt darum, neue Partner für das Lösungsgeschäft zu gewinnen und bestehende Kunden bei der Weiterentwicklung ihres Geschäfts zu unterstützen.

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