Offenes Bausteinprinzip von Simplifier Low Code macht die Entwicklung nachhaltig

Autor: Melanie Staudacher

Open Source und wenig Code machen die Anwendungsentwicklung unabhängiger und nachhaltiger. In einer entsprechenden Entwicklungsumgebung kann sie zudem effizienter gestaltet werden. Einer der Anbieter ist Simplifier, der mit dem Channel skalieren will.

Firmen zum Thema

Nach dem Bausteinprinzip können Nutzer der Simplifier Low-Code-Plattform unkompliziert Anwendungen entwickeln.
Nach dem Bausteinprinzip können Nutzer der Simplifier Low-Code-Plattform unkompliziert Anwendungen entwickeln.
(Bild: gearstd - stock.adobe.com)

Geeks, Nerds und erfahrene Experten: So beschreibt Softwarehersteller Simplifier das eigene 70 Mann starke Team. Das Kernprodukt der Würzburger ist die gleichnamige Low-Code-Plattform. Zwar gilt Low Code Development, also Entwicklung mit sehr wenig Codezeilen, als der große Trend in der Programmierung, allzu viel Aufmerksamkeit erhält die unkomplizierte Methode aktuell allerdings noch nicht, obwohl sie Zeit und Kosten sparen kann.

Wie funktioniert Low Code?

Florian Rühl, Chief Sales Officer bei Simplifier
Florian Rühl, Chief Sales Officer bei Simplifier
(Bild: Simplifier)

Mit einem Lego-Baukasten vergleicht Florian Rühl, Chief Sales Officer und Vorstandsmitglied bei Simplifier, die Low-Code-Plattform. Per „Drag and Drop“ können Anwender einzelne Bausteine zusammensetzen, um eine Anwendung zu erstellen. Auf solchen Plattformen wird der Entwicklungsprozess durch die Verwendung visueller Applikationsdesigner und grafischer Modellierungsmethoden ermöglicht, anstatt sie mittels klassischer textbasierter Programmiertechniken herzustellen.

Bei Simplifier geht es um die Erstellung von Applikationen. Diese Apps können über vorkonfigurierte Schnittstellen in bestehende Systemlandschaften des Kunden, etwa ein ERP- oder CRM-System, eine Datenbank oder ähnliches, integriert werden. Zwar muss für die Entwicklung mit der Low-Code-Plattform ein gewisses Basis-Know-how beim Anwender vorhanden sein, die Unterstützung durch einen erfahrenen Entwickler ist jedoch nicht nötig, wie Rühl erklärt. Vor der Umfirmierung im Jahr 2019, hat das Team seit 2012 als Itizzimo Kundenportale und mobile Apps für große Konzerne entwickelt. Obwohl mittlerweile keine Dienstleistung mehr hinter der Entwicklungsarbeit steckt, sind die Nutzerfreundlichkeit und Integration als oberste Ziele bestehen geblieben. „Bei unserer Arbeit sind wir irgendwann auf unterschiedliche Probleme, wie den Bedarf nach Skalierbarkeit, den bestehenden Ressourcenmangel, die steigende Komplexität sowie die hohe Fluktuation in den Fachabteilungen gestoßen“, berichtet der Vertriebsleiter. Als logische Schlussfolgerung, um diese Herausforderungen zu bewältigen, hat das Unternehmen eine Low-Code-Plattform entwickelt, die die Erstellung von Applikationen vereinfacht und standardisiert.

Effizient und nachhaltig

Die Entwickler änderten also das Geschäftsmodell, weg von der Dienstleistung hin zu einer Plattform, die über Lizenzen verkauft wird. Damit das Produkt übergreifend mit jedem Betriebssystem und auf jedem Endgerät funktioniert, werden zweimal pro Jahr neue Features veröffentlicht. Beliebt sind die Entwicklungsplattformen vor allem aufgrund der schnellen Bereitstellung der Applikationen. Experten sprechen davon, dass die Entwicklung damit bis zu zehn Mal schneller funktioniert. Rühl betont jedoch, dass das nicht alles ist, worauf Kunden bei der Wahl ihrer Plattform achten sollten: „Die Geschwindigkeit bei der Applikationsentwicklung mit Hilfe einer Low-Code-Plattform ist nur ein Mehrwert von vielen. Ein besonderer Vorteil besteht in der enormen Flexibilität bei der Implementierung neuer Anforderungen.“ Schließlich würden Anwendungen „leben“ und müssen immer wieder angepasst werden, weil neue Nutzer und Anforderungen dazukommen. „Deswegen geht es bei uns nicht nur darum, dass Kunden mit Simplifier schnell eine Applikation erstellen können. Vielmehr soll unsere Plattform den ganzen Lebenszyklus einer Anwendung abdecken, um auch die Wartung und Anpassbarkeit effizient durchzuführen.“ Durch den Einsatz des Baukastenprinzips, brauchen Firmen nicht weniger Entwickler, können das Personal jedoch effizienter einsetzen. Denn die Plattform von Simplifier verschafft einen Überblick über alle angebundenen Systeme, Nutzer und Applikationen. Dadurch können Schatten-IT und Doppelungen vermieden werden. Zudem können Berechtigungen darüber zentral vergeben werden. Um zu gewährleisten, dass die Simplifier Plattform sicher vor Hacking-Angriffen ist, wird sie regelmäßig Penetrationstests unterzogen und auf Schwachstellen analysiert.

Eine Low-Code-Plattform gehört in jede IT-Infrastruktur.

Florian Rühl, Chief Sales Officer bei Simplifier

Code, der „händisch“ erstellt wird, ist nur bedingt wartbar. Besonders Anwendungen in den Fachabteilungen, die bei der IT-Abteilung nicht bekannt sind, sind mit unterschiedlichsten Technologien gebaut, wie Rühl erklärt. Irgendwann sind diese jedoch nicht mehr anpassbar. Darüber hinaus besteht bei Schatten-IT auch keine zentrale Governance. Low-Code-Plattformen, die zentral durch die IT-Abteilung bereitgestellt werden, können hier Abhilfe schaffen. Der Code, der über die Low-Code-Plattform erstellt wird, ist „einheitlich geschrieben“. Diese Tatsache macht die Nachhaltigkeit des Codes aus. „Müssen Anpassungen vorgenommen werden, ist es einfacher, sich in der Konfiguration des Vorgängers zurecht zu finden und Adaptionen vorzunehmen.“ Durch die regelmäßigen Aktualisierungen der Plattform und offenen Web-Standards, stellt der Hersteller zudem sicher, dass das Produkt über moderne Technologien verfügt. Das bedeutet, dass Kunden eigene Funktionen einbauen können, ohne dass sie Konflikte mit späteren Releases haben werden. „Unsere Kunden haben viel Spielraum, um die Applikationen für ihre spezifischen Anwendungsfälle zu nutzen.“

Dennoch gibt es nicht die eine Low-Code-Plattform. Der Sales-Leiter geht mit den Prognosen der Marktanalysten von Gartner konform, dass Low-Code bis 2024 mehr als 65 Prozent der Applikationsentwicklung ausmachen wird. Dabei werden 75 Prozent aller Großunternehmen mindestens vier verschiedene Plattformen einsetzen.

Low Code als Open Source

Open Source ist ein großes Thema für unsere Kunden“, betont Rühl. Bei anderen Anbietern bestehe für Nutzer die Befürchtung, dass sie an ihre Anwendungen nicht mehr herankommen, wenn die Plattform eingestellt wird. „Unternehmen können dann nicht mehr auf ihren Code zugreifen, wodurch das gesamte Investment, wie Lizenzen und Trainings, nutzlos werden.“ Durch den offenen Quellcode, den Simplifier für die eigene Plattform einsetzt, können Kunden ihre Anwendungen von dort exportieren und auf einer anderen Laufzeitumgebung weiterverwenden. Der Code der Anwendungen ist also das Eigentum des Kunden, nicht des Herstellers. Für die Würzburger gilt dies als ein wichtiges Argument gegenüber Kunden, da sie Simplifier-Anwendungen unabhängig von der Lizenzlaufzeit nutzen können.

Partnerschaft auf Augenhöhe

Bisher gehören zwölf Unternehmen zu den Vertriebspartnern, darunter IT-Beratungshäuser wie BTC und der Service Provider Cloudwürdig. Bis 2023 sollen 60 Prozent der Lizenzumsätze über Partner generiert werden, weswegen der Software-Anbieter künftig sehr viel in den Channel investieren möchte. Im Idealfall sind die Partner bereits als Systemintegratoren im Bereich Anwendungsentwicklung aktiv. Am wichtigsten ist Rühl jedoch, dass der Partner das Thema Low Code aktiv antreiben möchte. „Wir suchen Partner, die nicht nur den reinen Verkauf von Lizenzen im Visier haben, sondern dem Kunden eine Komplettlösung bieten, in der Low Code eine wichtige Komponente ist. Dazu können auch Services wie Trainings, die Implementierung oder Managed Services gehören. Eine solche Komplettlösung wünschen sich auch unsere Kunden immer mehr.“

Wir suchen Partner auf Augenhöhe, die an das Potenzial von Low Code glauben.

Florian Rühl, Chief Sales Officer bei Simplifier

Bevor potenzielle Partner mit dem Hersteller eine Vereinbarung eingehen, haben sie mit dem Get-Ready-Paket die Möglichkeit, das Produkt und das Team kennenzulernen. Im Paket enthalten sind eine dreimonatige, kostenlose Testversion von Simplifier, fünf Endkunden-Webcasts, die gemeinsam durchgeführt werden, Marketing-Aktivitäten sowie Sonderkonditionen auf die Hersteller-Trainings und Pilotprojekte. Partner können die Plattform als On-Premise bereitstellen oder für ihre Kunden das Management in einer Private Cloud anbieten. Auch als Komplettpaket mit Lizenz und Cloud Service kann die Plattform as a Service angeboten werden. Mit der offiziellen Partnerschaft können Reseller durch technische und vertriebliche Zertifizierungen die Klassifizierungen „Qualifizierter Trainings-Partner“, „Qualifizierter Implementierungs-Partner“ und „Qualifizierter Hosting-Partner“ erhalten.

Low Code vs. No Code

Es gibt Anwendungsfälle, für die keine einzige Zeile Code notwendig ist und die zu 100 Prozent konfiguriert sind. Doch davon ist Rühl nicht überzeugt, wie er unmissverständlich klarstellt: „An den No-Code-Ansatz glauben wir nicht.“ Er erklärt auch warum: „Wir sind im B2B-Bereich tätig. Das heißt, unsere Kunden haben im Hintergrund viele Systeme laufen, wie ein ERP- oder CRM-System. Um die Integration der Anwendungen in diese Systeme zu gewährleisten, wird es immer Logiken geben, die zumindest ein paar Zeilen Code erfordern.“ Durchschnittlich seien mittlerweile 95 Prozent der Anwendungen konfiguriert, also ohne Code. Für bestimmte Anwendungen ohne große Logik, Formulare zum Beispiel, sei das auch völlig in Ordnung, wie Rühl erklärt. „Wenn wir es allerdings mit kundenindividuellen, komplexeren Anforderungen zu tun haben, wird es immer bei Low Code bleiben.“

(ID:47043457)

Über den Autor

 Melanie Staudacher

Melanie Staudacher

Volontärin, Vogel IT-Medien GmbH