LAN-WAN-WLAN-Management per Cloud Lancom Systems – Hightech aus Deutschland

Autor / Redakteur: Dr. Harald Karcher / Elke Witmer-Goßner

Die Angst deutscher Kunden vor möglichen Backdoors zu US-amerikanischen oder asiatischen Geheimdiensten ist groß – das gilt auch für Hardware. Gut, dass es im Feld der Netzwerkausrüster auch deutsche Entwicklungen gibt – datenschutzkonform und bezahlbar.

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Cloud-basiert und klassisch: Lancom zwingt seine Anwender beim Netzwerkmanagement der Geräte nicht zu einer Entweder-Oder-Entscheidung.
Cloud-basiert und klassisch: Lancom zwingt seine Anwender beim Netzwerkmanagement der Geräte nicht zu einer Entweder-Oder-Entscheidung.
(Bild: ©AndSus - stock.adobe.com)

Lancom Systems aus dem Großraum Aachen, eine Tochter des Münchener Messgeräte-Konzerns Rohde & Schwarz, bietet ein umfangreiches WLAN-Portfolio. Dieses wird zunehmend durch mittlere und größere Switche ergänzt. Das LCOS-Betriebssystem aus eigener Entwicklung wird seit 2017 zunehmend durch die moderne Lancom Management Cloud ergänzt.

Ralf Koenzen, Gründer und Geschäftsführer der Lancom Systems GmbH.
Ralf Koenzen, Gründer und Geschäftsführer der Lancom Systems GmbH.
(Bild: Lancom Systems)

Die meisten Lancom-Kunden sitzen in Zentraleuropa. Im Vergleich zu anderen Anbietern gelten die Deutschen als preiswert. Unter anderem findet man deren Netze in vielen Hotels und in weit verzweigten Filialbetrieben. Die frühzeitige Ergänzung der WLAN-Funker durch LTE-Antennen hat vielen Filialen auf dem Lande zusätzliche Internet-Optionen und damit mehr Ausfallsicherheit gebracht. Es bleibt spannend, wann der Hersteller seine ersten 5G-Router fertig hat und wie diese dann in die Cloud-Fern-Verwaltung eingebunden werden.

Ralf Koenzen, Gründer und Geschäftsführer der Lancom Systems GmbH, erklärt im Interview mit unserem Schwesterportal Cloud Computing die Cloud-Strategien seines Unternehmens.

Mit welchen Produkten, mit denen Sie Netzwerk-Geräte aus der Cloud heraus managen können, ist Lancom am Markt vertreten?

Ralf Koenzen: Wir haben unsere Lancom Management Cloud (LMC) im Herbst 2016 vorgestellt. Allgemein verfügbar ist die Lösung seit Januar 2017. Sie war das weltweit erste cloud-basierte Management-System, das die gesamte Netzwerkarchitektur in den Bereichen WAN, LAN, WLAN und Security intelligent organisiert, optimiert und steuert. Mittels hochmoderner SDN-Technologie wird die Bereitstellung eines integrierten Netzwerks drastisch vereinfacht, sodass die manuelle Einzelgerätekonfiguration entfällt. Das System stellt sich dynamisch auf neue Anforderungen ein, ist zukunftsorientiert und maximal sicher. Dass unser Konzept von den Kunden honoriert wird, zeigt der globale Einsatz: Von Installationen in Australien bis zum größten SD-WAN in Europa, bei dem seinerzeit rund 9.000 Standorte verbunden wurden.

Lancom Management Cloud: Übersichtliche Darstellung eines europaweiten SD-WAN Netzwerkes.
Lancom Management Cloud: Übersichtliche Darstellung eines europaweiten SD-WAN Netzwerkes.
(Bild: Lancom Systems)

Welche Geräte kann Ihre Netz-Cloud-Lösung aus der Ferne steuern und verwalten?

Die LMC ermöglicht die Steuerung der gesamten Netzwerkinfrastruktur über nur ein System. Dies ist nur möglich durch ein perfekt aufeinander abgestimmtes Portfolio: Alle unsere Gateways, alle Router, alle Managed Switches, alle WLAN Access Points und alle Firewalls können schnell und einfach in eine cloud-basierte Netzwerk-Organisation eingebunden werden. Das gesamte aktuelle Lancom-Portfolio ist also „Cloud-ready“. Eine Besonderheit: Alle Gateways, Router und Access Points, die seit dem Jahreswechsel 2014/2015 ausgeliefert wurden, können ebenfalls in die Lancom Management Cloud integriert werden. Dabei gibt es einen weiteren entscheidenden Unterschied zu den meisten Wettbewerbsprodukten.

Der da wäre?

Alle Lancom Geräte können – je nach Kundenwunsch – entweder über die Lancom Management Cloud oder über unsere klassischen Netzwerkmanagement-Tools konfiguriert und überwacht werden. Es ist jederzeit möglich, die Geräte in die LMC Cloud ein- und wieder auszubuchen. Wir gehen hier bewusst einen anderen Weg als unsere Wettbewerber, deren Geräte in der Regel an die Cloud gebunden sind, sich nicht autark betreiben lassen und deren Cloud-Management-Lösungen mitunter nur einen Teilbereich der Netzwerkkomponenten, wie beispielsweise WLAN, unterstützen.

Das gesamte aktuelle Lancom Portfolio ist „Cloud-ready“: Ganz oben ein Access Point aus der LX-6400er-Serie, darunter ein Router aus der 1900er-Serie, ein Fiber Aggregation Switch, sowie die Lancom R&S® Unified Firewall UF-910.
Das gesamte aktuelle Lancom Portfolio ist „Cloud-ready“: Ganz oben ein Access Point aus der LX-6400er-Serie, darunter ein Router aus der 1900er-Serie, ein Fiber Aggregation Switch, sowie die Lancom R&S® Unified Firewall UF-910.
(Bild: Lancom Systems)

Wo liegt der größte Nutzen für den Endkunden?

Unsere Kunden profitieren von drastischen Zeit- und Kosteneinsparungen. Die Lancom Management Cloud vereinfacht den Arbeitsalltag von Netzwerkadministratoren erheblich: Die Software übernimmt die Konfiguration, sodass das Fachpersonal mehr Ressourcen für die Planung des Netzwerks zur Verfügung hat. Diese lässt sich flexibler und sehr viel schneller umsetzen. Selbst komplexe Vorgänge wie beispielsweise das Verändern virtueller Netzwerkstrukturen oder das Einrichten neuer WLAN-Netze, das früher inklusive Vorabtests mehrere Tage oder Wochen in Anspruch nehmen konnte, sind mit der Lancom Management Cloud im Handumdrehen erledigt. Tage komplexer, fehleranfälliger Konfigurationsarbeit schmelzen zu Stunden oder gar Minuten. Anpassungen im Netz werden bei Bedarf weltweit per Mausklick ausgerollt. Zu den ersten Kunden, die dies vollumfänglich genutzt haben, gehört der Schuhfilialist Reno, bei dem ein leistungsstarkes SD-Branch bereits seit 2019 in mehr als 300 Filialen für durchgängig digital optimierte Prozesse sorgt. SD-Branch ist der Fachbegriff für Software-definierte Netzwerke, die neben VPN auch LAN und WLAN umfassen.

Was muss der Kunde dafür zahlen?

Unser Lizenzmodell beinhaltet vier Geräte-Kategorien mit ein, drei oder fünf Jahren Laufzeit mit entsprechenden Staffelpreisen. Für eigene Cloud-Instanzen, also Hosted Cloud beim Systemhaus oder private On-Premises-Instanzen beim Endkunden, bieten wir auch individuelle Angebote an.

Wo genau stehen die Cloud-Server geografisch?

Die Lancom „Public Cloud“ wird selbstverständlich in Deutschland gehostet. Das allein bietet jedoch keine ausreichende Garantie für Datenschutzkonformität, Vertrauenswürdigkeit oder Sicherheit. Entscheidend ist zudem, dass wir als Anbieter deutschem Recht unterliegen und nicht mit ausländischen Diensten, etwa der NSA, zusammenarbeiten müssen. Das hat nicht zuletzt der Europäische Gerichtshof EuGH mit seiner klaren Absage an das EU-US Datenschutzabkommen Privacy Shield noch einmal eindrucksvoll bestätigt. In SDN-Netzen werden nämlich viele sensible Daten in der Cloud verarbeitet, unter anderem auch personenbezogene. SDN steht für Software-defined Network. Alternativ zu unserer DSGVO-konformen „Private Cloud“ können unsere Kunden die Lancom Management Cloud aber auch als „Hosted Cloud“ bei ihrem Systemhaus oder als „Private Cloud“ im eigenen Rechenzentrum betreiben. Somit entscheiden sie selbst über den geografischen Standort und die Erfüllung ihrer Compliance-Vorgaben.

Aktuelle Übersicht des WLAN- und LAN-Status eines SDN in der Lancom Management Cloud.
Aktuelle Übersicht des WLAN- und LAN-Status eines SDN in der Lancom Management Cloud.
(Bild: Lancom Systems)

Mit den Themen Datenschutz und Compliance sammeln Sie also Punkte?

Das Netzwerkmanagement aus der Cloud birgt, wie alle Cloud-Dienste, datenschutzrechtliche Herausforderungen. Im Juli 2020 hat der EuGH das EU-US Datenschutzabkommen Privacy-Shield als Grundlage für den transatlantischen Austausch personenbezogener Daten für ungültig erklärt. Damit wurden über Nacht viele US-amerikanische Cloud-Angebote datenschutzrechtlich unzulässig – und zwar gänzlich unabhängig vom Server-Standort! Das gilt immer dann, wenn personenbezogene Daten verarbeitet werden und sich diese nicht – beispielsweise durch Pseudonymisierung oder Verschlüsselung – vor Zugriffen schützen lassen. Und genau das ist im SD-WAN ebenso wie in allen cloud-gemanagten Netzwerken der Fall: sie verarbeiten personenbezogene Daten als Produktivdaten. Darunter Geräteinformationen wie MAC- und IP-Adressen, aber auch Anmeldeinformationen, Standortdaten und Informationen zur konkreten Nutzung von Diensten sowie Namen und E-Mail-Adressen der Netzwerkadministratoren.

Da können Nutzer aber schnell in die Datenschutzfalle geraten, oder?

Auf jeden Fall. Konkret heißt das: Wer Compliance-Risiken im Unternehmensnetz – und damit verbundene Bußgelder und Schadensersatzforderungen – minimieren möchte, muss bei der Auswahl des Netzwerkanbieters zwingend auch beachten, welcher Rechtsprechung dieser unterliegt. Aufgrund der aktuellen Rechtslage scheiden Non-EU-Anbieter weitgehend aus. Es sei denn, sie ermöglichen den Betrieb einer On-Premises-Instanz im kundeneigenen Rechenzentrum. Wir als deutscher Hersteller können hingegen selbst in der Public Cloud ein DSGVO-konformes Angebot für SD-WAN, SD-Branch und Cloud-managed WLAN machen und bieten unseren Kunden und Partnern so in puncto Datenschutz und Compliance maximale Rechtssicherheit.

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Welche Technologien werden uns in Zukunft erwarten?

SDN-Konzepte lassen sich quasi unbegrenzt weiterentwickeln. Kern wird ein immer intelligenteres automatisches Management von Netzwerkinfrastrukturen sein. Außerdem wird nicht nur das Management des Netzwerkes, sondern zukünftig auch das Netzwerk selbst in private und öffentliche Clouds wandern. So ist es schon heute möglich, Lancom Router und Firewalls als virtuelle Produkte in Cloud-Infrastrukturen zu nutzen. Konkret bereiten wir aktuell eine noch tiefere Integration unserer Firewall-Produkte in VPN- und SD-WAN Szenarien vor. Dann sind auch Standortvernetzungs-Szenarien rein auf Basis von Lancom-Firewalls möglich, ebenso ein gemischter Betrieb mit Lancom Routern & Gateways. Darüber hinaus prüfen wir, inwiefern sich die Firewall-Funktionalitäten weiter virtualisieren lassen und zusammen mit der Lancom Management Cloud als Cloud-Dienst bereitgestellt werden können. Ein spannendes Thema für 2022.

Welche Cloud-Projekte bei Endkunden sind besonders erwähnenswert?

Natürlich haben wir zahlreiche Referenzenprojekte. Im deutschsprachigen Raum etwa den Schuhfilialisten RENO, bei dem ein leistungsstarkes SD-Branch bereits seit 2019 in mehr als 300 Filialen für durchgängig digital optimierte Prozesse sorgt. Für einen Großkonzern aus der Finanzdienstleistungsbranche haben wir 2020 mit Hilfe der Lancom Management Cloud rund 9.000 Agenturen zu einem der bis dato größten SD-WANs in Europa vernetzt. Natürlich gibt es auch viele kleine und mittlere Szenarien etwa im Hospitality-Bereich. Das AVITA Resort im österreichischen Bad Tatzmannsdorf zum Beispiel: Während die Gäste entspannen, legt die Cloud-gemanagte Netzwerkinfrastruktur im Hintergrund die Basis dafür, dass sich das Servicepersonal ganz auf die Bedürfnisse der Gäste konzentrieren kann. Aber auch im Bildungsbereich kommt unsere Lancom Management Cloud in zahlreichen Installationen zum Einsatz. Die Viktoriaschule Aachen beispielsweise hat die Netzwerk-Infrastruktur nach ihren eigenen Ansprüchen und entsprechend dem didaktischen Konzept der Schule umgestellt. Und sogar in der kleinsten Schule Deutschlands auf der Insel Helgoland kommt das Schul-WLAN aus der Lancom Cloud. Ein weiterer spannender Use Case führt uns ans Matterhorn: Weil in der Bergrettung jede Sekunde zählt, setzen die Schweizer Traditionsflieger der Air Zermatt auf eine hochmoderne SDN- und cloud-basierte Netzwerkinfrastruktur von Lancom. Insgesamt hat sich die Nachfrage nach Lancom-Management-Cloud-Lizenzen innerhalb des letzten Jahres verdoppelt.

Cloud-basiertes Netzwerkmanagement „in Serie“

In einer Artikelreihe zu LAN-WAN-WLAN-Management per Cloud hat unser Schwesterportal Cloud Computing die Cloud-Konzepte der Netzwerkhersteller betrachtet und Vertreter der wichtigsten Anbieter zu Wort kommen lassen.

Neue Artikel-Serie: LAN-WAN-WLAN-Management per Cloud von Cisco bis Zyxel

Cisco – Pioniere der Cloud-Lizenzierung im IT-Netzwerkbereich

Extreme Networks und die Netzwerk-Cloud

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Dr. Harald Karcher

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