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Im Smart Home läuft´s noch nicht rund

| Autor: Sylvia Lösel

Wer im Smart Home Fuß fassen will, der sollte seinen Kunden einfache Bedienbarkeit und Standard-Entwirrung bieten können.
Wer im Smart Home Fuß fassen will, der sollte seinen Kunden einfache Bedienbarkeit und Standard-Entwirrung bieten können. (Bild: © Sergey Nivens - stock.adobe.com)

Der ITK-Fachhandel hätte gerne noch mehr vom Smart-Home-Kuchen ab. Doch es gibt viele Gründe, warum das Geschäft mit dem cleveren Zuhause erst schleppend läuft.

Zu teuer, zu kompliziert und mit fragwürdigem Nutzen: Das sind oft die Gründe, wenn Smart-Home-Lösungen abgelehnt werden. Denn in den vergangenen Jahren konnten Verbraucher viel Erfahrung sammeln – und erlebten beim Einsatz diverser smarter Lösungen oft, dass selbige alles andere als clever sind. Und auch die Fachhändler, die diese Lösungen verkaufen, sind nicht immer völlig von diesen überzeugt. Doch statt zu resignieren, sollte man die Gelegenheit beim Schopf packen, Kindheits-Wehwehchen ausmerzen und Vertriebsstrategien entwickeln.

Auf der smarten Insel

Seit über einem Jahrzehnt werben IT- und TK-Unternehmen für das Smart Home und wittern ein Riesengeschäft. Der Bitkom will darin sogar die „Wohnform des 21. Jahrhunderts“ ausgemacht haben. Allein: So richtig ist dem Smart Home der Durchbruch, über Insellösungen hinaus, noch nicht gelungen. Und dennoch, oder gerade deshalb, stehen nun bereits die nächsten Technologiesprünge vor der Haustür: KI und Sprachsteuerung.

In einem Musterhaus im Westerwald hat IBM sein KI-System Watson integriert. Die KI sammelt zahlreiche Wetterinformationen und optimiert dann mittels Datenauswertung Heizung und Strom-Verbrauchswerte selbständig. Nach einer aktuellen Studie des Borderstep-Instituts im Auftrag des Bundes für Umwelt und Naturschutz kann der Energieverbrauch einer Heizung durch intelligente Systeme um bis zu 30 Prozent gedrückt werden. Darüber hinaus könnten intelligente Stromzähler den Verbrauch von Kühl- und Gefrierschränken steuern – Netz- und Geldbeutel-freundlich.

KI und Sprachassistenten

Während Künstliche Intelligenz im Moment nur vereinzelt für Smart-Home-Anwendungen eingesetzt wird, befinden sich die Sprachassistenten Alexa, Google Assistant, Siri und Co. dagegen eindeutig auf der Überholspur. Ende dieses Jahres werden bereits 100 Millionen der sprechenden Lautsprecher im Einsatz sein. Mehr als doppelt so viele wie 2017, wie die Marktforscher von Canalys herausgefunden haben. Bis 2022 könnten es bereits mehr als 300 Millionen sein. Bis dahin machen Amazons Alexa und der Google Assistant jeweils ein Drittel des Gesamtmarkts aus. Apples Siri komme dann auf rund zehn Prozent, so die Prognose.

Eine Vertriebskanalstudie der Unternehmensberatungen Kreutzer Consulting und Nordlight Research zeigt, dass Elektronikfachmärkte und Internethändler im vergangenen Jahr deutlich beim Verkauf von Smart-Home-Geräten zugelegt haben. Gerade Online-Shops hätten sich inzwischen eine gute Position erarbeitet. „Hier dürfte das Sprachassistenzsystem des Internethändlers Amazon eine gewichtige Rolle spielen“, schreiben die Studien-Macher. Die Untersuchung, die vor allem den Absatzmarkt für Energieversorger beleuchtet, zieht das Fazit, dass vor allem die Cross-Selling-Aktivitäten deutlich ausgebaut werden müssen. Ähnliches gilt wohl auch für den klassischen ITK-Fachhandel. „Das Geschäftsfeld eigne sich besonders aufgrund der zahlreichen Anknüpfungspunkte zu weiteren Dienstleistungen.“ Auch diese Erkenntnis lässt sich auf den klassischen Fachhändler münzen.

Ein wichtiger Punkt, der dem Fachhandel zu einem Alleinstellungsmerkmal verhelfen könnte, wären so zum Beispiel Service-Angebote, die sich rund um die Lösungen schnüren ließen. Wobei Deloitte herausgefunden hat, dass die Bereitschaft der Kunden, für Services zu zahlen, begrenzt und im Vergleich zu 2015 sogar rückläufig ist. Eine Ausnahme stellen Hausnotrufsysteme für Senioren dar. Für keinen Service ist die Zahlungsbereitschaft größer.

Sicherheit und Cloud: ein Widerspruch?

Bei der Energieversorger-Studie gaben 69 Prozent an, Smart Home zu kennen, acht Prozent davon konnten sich vorstellen, selbiges auch zu nutzen. Bei den Anwendungen fielen auf die Steuerung der Beleuchtung (56 %), der Heizung (43 %) und der Alarmsysteme (26 %) die meisten Nennungen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie, die von Devolo und der Generali-Versicherung durchgeführt wurde. Als Mehrwerte von Smart-Home-Techniken empfanden dort die meisten Befragten eine benutzerfreundlichere Bedienung von Geräten (63%), die Möglichkeit Energie zu sparen (46 %) und den Schutz vor Einbrüchen durch Sicherheitslösungen (44 %). Doch es gibt auch Bedenken, beispielsweise bei der Datensicherheit. 56 Prozent der Befragten fürchten, durch Smart-Home-Anbieter ausspioniert zu werden. Wenn dann Pannen bekannt werden, bei denen Alexa ungebeten Gespräche aufzeichnet und die Audiodatei willkürlich an einen E-Mail-Kontakt schickt, ist das Wasser auf die Mühlen der Skeptischen und erweist dem Durchbruch von Smart Home einen Bärendienst.

Trotz aller Sicherheitsbedenken befinden sich die Daten meistens in der Cloud. Laut Bitkom geben zwei Drittel (65 %) an, dass die Daten außerhalb des Hauses in einer Cloud-Anwendung des Anbieters gesichert werden. Bei 26 Prozent werden diese innerhalb des Hauses, lokal auf den Geräten oder im Heimnetzwerk gespeichert. Sieben Prozent geben an, nicht zu wissen, wo die Daten gespeichert werden. „Die Sicherheit der Geräte und der Schutz der erhobenen Daten sind zentrale Voraussetzungen für den Erfolg des Smart Home. Verbraucher sind gut beraten, bereits bei der Anschaffung der Geräte bewusst auf Sicherheits-Features zu achten“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Vielleicht auch deshalb würde sich ein Drittel der Bundesbürger (34 %) gerne Rat vom Experten holen und hätte Interesse an einer Beratung zum smarten Zuhause. Davon wären 59 Prozent bereit, für eine solche Beratung zu bezahlen. „Die Angst vor technologischen Hürden sollte niemanden abhalten, sich eine Smart-Home-Anwendung zuzulegen“, so Berg. „Nur wenige Verbraucher installieren alles selbst. Es ist vollkommen normal, sich Hilfe zu holen. Fünf Minuten Unwissenheit tauscht man hier gegen mehr Komfort, höhere Sicherheit oder ein längeres, selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden.“

IT-Handel aufgewacht!

Dennoch landen die Budgets für das Smart Home der Endkunden oft nicht beim ITK-Spezialisten. Denn gerade bei kleineren Insellösungen versprechen bereits die Hersteller eine komfortable Installation und Einrichtung und werben damit, dass kein Rat vom Experten nötig ist. So wird beispielsweise bei einer „intelligenten Fenstersteuerung“ damit geworben, dass diese „Hausbesitzer selbst installieren können“. Eine Smartphone-App, Raumklima-Sensor, Schalter für Abwesenheit und ein Internet Gateway spielen hier zusammen und steuern Rollläden, Sonnenschutz und Dachfenster.

Doch was oft für ein bestimmtes Anwendungsszenario prima funktioniert, taugt nicht zwangsläufig als universelle Lösung für das gesamte Smart Home. Denn auch nach Jahren hat sich noch kein universeller Standard herauskristallisiert. Ganz im Gegenteil. Man hat noch immer den Eindruck, dass Elektro- und IT-Fachhandel und die entsprechenden Hersteller an ganz unterschiedlichen Strängen ziehen. In einer Studie des ZVEH (Zentralverband des Elektrohandwerks) nannten die befragten Elektro-Fachbetriebe, dass sie vorzugsweise auf KNX setzen. Kein Wunder, denn das ist ein leitungsgebundenes System und kommt der Arbeitsweise der Elektro-Installateure entgegen. Gefolgt wird es von Loxone, das sowohl leitungsgebunden als auch funkgesteuert funktioniert, und von Digitalstrom, das auf die Stromleitung als Transportmittel setzt. Erst dann folgen mit eQ-3 und EnOcean funkbasierte Standards. Ganz anders sieht die Welt bei den IT-Fachhändlern aus. Hier tummeln sich Smart-Home-Standards wie Z-Wave, Zigbee, EnOcean, Dect ULE, Bluetooth und WLAN.

Schluss mit den vielen Standards

Im Smart-Home-Survey, den Deloitte im Februar dieses Jahres durchführte, zeigt sich, dass einer der Gründe für die Nicht-Nutzung von Smart-Home-Angeboten ist, sich nicht auf einen Standard festlegen zu wollen (13 %). Aus Kundensicht müsste bei unterschiedlichen Standards das Ziel sein, alle Geräte über eine zentrale Konsole verwalten und steuern zu können, und das möglichst einfach. Solche Steuerungs-Zentralen gibt es zwar, aber auch sie beherrschen nicht alle Standards. Und so bleiben dem Verbraucher wieder nur Insellösungen. „Installation zu kompliziert“ (21%) und „Bedienung zu kompliziert“ (15%) sind deshalb nachvollziehbare Hinderungsgründe für Smart-Home-Installationen. Der letztere Wert ist im Vergleich zur selben Studie aus dem Jahr 2015 sogar noch um drei Prozentpunkte angestiegen.

Bislang konnte sich noch keine Anbietergruppe durchsetzen. Die Mehrheit erwirbt ihre Smart-Home-Lösungen von CE-Herstellern, gefolgt von TK-Anbietern und Hauselektrik-Herstellern. Diese Reihenfolge ist seit drei Jahren mehr oder minder unverändert und zeigt laut Deloitte, dass sich hier „scheinbar niemand über besonders innovative Offerings profilieren“ konnte. Das ist schade. Denn Geschäftspotenzial gibt es en masse, da Umfragen zeigen, dass der Bekanntheitsgrad des Smart Homes noch immer zunimmt.

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